Verzogene Altbau Zimmertür begradigen

10.01.2022 Ross


Hallo zusammen,

wie in diesem älteren Beitrag hier im Forum beschrieben, möchte ich eine verzogene Zimmertür begradigen: https://www.fachwerk.de/fachwerkhaus/wissen/holz-verzogen-123919.html

Die Farbe ist bereits entfernt und das blanke Holz zu sehen. (Was ist das bloß für ein Zeug? War selbst mit einer Heißluftpistole nur sehr hartnäckig zu entfernen!) Die Tür möchte ich so mit einer Folie umhausen, dass eine größere Schüssel mit Wasser in dieser Umhausung Platz findet und so im Innenraum eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrscht.

Wie schaffe ich es aber nun die Tür tatsächlich zu begradigen? Also z.B. mit Schraubzwingen einspannen. Wenn die Kanthölzer ebenfalls innerhalb dieses Zelts sind, sind sie ja auch der hohen Luftfeuchtigkeit ausgeliefert und können sich verziehen...

Vielen Dank für Tipps und Ideen!



Re: Verzogene Altbau Zimmertür begradigen



Kleiner Tipp: Stelle diese Frage besser da: https://www.woodworker.de/forum/
Da tummeln sich viel mehr hilfsbereite Holzwürmer als hier.

Gruß,
KH



Das bedarf...



...einiger Erfahrungen auf dem Gebiet.

Vorschlag für eine andere Herangehensweise: Türe überdehnt auf einer Platte richten (also über den Punkt des Geradeseins hinaus dehnen) mithilfe von untergelegten Holzstreifen. Es tun sich dadurch Fugen auf im Bereich der Holzverbindungen. Diese passgenau mit Holzkeilen /-streifen ausleimen. Geduld für's Trocknen des Leims haben...

Das Ganze ausspannen und eine Weile sich selbst überlassen. Wenn's dann noch nicht passt, das Procedere wiederholen, den Streifen mit einer feinen Säge heraussägen und einen schmaleren oder breiteren Streifen einleimen.

Für den Erfolg ist neben dem sauberen Arbeiten der Zustand der Schlitz/Zapfenverbindung maßgebend. Insofern gibt es keine 100%ig immer funktionierende Herangehensweise.

Viel Erfolg

Thomas



Woodworker...



... sehe ich mir an, vielen Dank!



Mit Holzverbindungen ...



... meinst du die einzelnen Holzteile aus der die Tür besteht? Der verzogene Teil ist im Wesentlichen ein Teil. Wie würde man da vorgehen?

VIele Grüße



Wenn Du...



...nicht beschreiben kannst, was das Problem ist...wie wär's mit einem Bild?



Andere Möglichkeit (je nach Verformung)



Vor der gleichen Herausforderung standen wir auch vor einiger Zeit.
Mir riet ein Schreiner davon ab, die Tür begradigen zu wollen, da der Erfolg nicht garantiert ist und es wahrscheinlich ist, dass sich das Holz mit der Zeit wieder krümmt.
Da sich zwei unserer Türen diagonal (zu einer Ecke hin) verzogen hatten, haben wir die Tür am Ende schief eingebaut (durch Biegen der Fitschenbänder).
Damit wird der Verzug ausgeglichen im geschlossenen Zustand.
Bei zu starkem Verzug oder einem gewölbten Blatt klappt das natürlich nicht.
Gruß,
Mark



Danke Mark ...



... interessante Idee! Das wird hier leider nicht funktionieren.

Viele Grüße



Ich habe nochmal genau nachgesehen ...


Ich habe nochmal genau nachgesehen ...

Der verzogene Teil ist nicht hauptsächlich an einer Stelle. Dort wird es nur besonders sichtbar, da die Tür ca. 3 cm von der Zarge absteht. Tatsächlich ist es so: die Seite, an der sich die Angeln befinden, ist gerade. Von dort aus verzieht sich die Tür dann nach rechts oben.



Die Tür



Hallo Ross,

gefällt mir gut. Stammt sie aus den 20ern?
Schon alleine wegen der Glasscheiben würde ich nicht am Türblatt herumbiegen.
Stört der Verzug denn beim Schließen?
Du kannst das Türblatt ja mal unterfüttern (so dass es sicher auf dem Boden aufsteht) und nur oben einhängen.
Wenn Du die obere rechte Ecke (in der Draufsicht) dann gegen die Zarge drückst, bekommst Du eine Idee, um wie viel Du das untere Band in Richtung Betrachter vorbiegen müsstest.
Der Spalt wird nach dem Biegen natürlich immer noch links unten (bei geschlossener Tür) zu sehen sein, was aber definitiv nicht mehr so auffällt. Außerdem wären etwaige Schließprobleme damit auch beseitigt.

Gruß

Mark



Die Tür......



...liegt an der Bandseite an. Also ist die Idee mit dem Verbiegen der Bänder wirkungslos bzw. schädlich.



Aha



Hallo Thomas,

(Ich hoffe, Du bist auch der echte)
Bitte bügele meinen Vorschlag nicht einfach so nieder.
Wenn das Türblatt entweder an der oberen oder unteren Ecke an der Seite des Türgriffs absteht (ich gehe davon aus, dass das hier der Fall ist), kann das Anpassen der Bänder durchaus Wirkung zeigen.
Danach steht die Tür an der Bänderseite natürlich etwas von der Zarge ab, sie hat aber keine Spannung mehr auf der Seite des Türgriffs.
Mit dem völlig unschädlichen, von mir beschriebenen Versuch, kann Ross die Wirkung testen, bevor er überhaupt Anpassungen an den Bändern vornimmt.

Viele Grüße

Mark



Es...



...wäre auch eine echte Herausforderung, das dicke Blech der Fitschenbänder zu verbiegen, ohne das anliegende Holz zu schädigen. Also wie gesagt, ich halte davon nicht viel. Eher schon sinnvoll wäre, das Band in der Zarge zu lösen, und weiter herauszuziehen. Ist aber auch nicht schadensfrei möglich.

Eine Verbesserung könnte vielleicht bewirkt werden, wenn die Falle derzeit im Schließblech klappern sollte und man da nachjustiert. Durch die straffere Schließung könnte die Tür oben besser schließen.

Es könnte auch 'mal ein Keil in den Falz da eingelegt werden, wo die Tür auf der Schließungsseite anliegt. Beispielsweise von 10mm auf 0 auslaufend zur Mitte, erstmal lose. Schließt man jetzt die Tür, wird vermutlich die obere abstehende Ecke etwas weiter schließen. Ist das Ganze zufriedenstellend, kann man den Keil fest einkleben.

Letztlich sind nur Verbesserungen möglich, 100% gerade wird die Tür wohl nicht.

Eine Tür bei mir, die stark flügelte, habe ich 'mal mit Krafteinsatz zugeschlossen, und ein paar Monate so gelassen. Sie war danach deutlich williger. Das ist natürlich keine Lösung, wenn der Raum nur einen Zugang hat...

Grüße

Thomas



Motivation



@Thomas: Klar, wenn man an den Bändern herumbiegt, kann trotz gefühlvollem Arbeiten eine Spur am Holz zurückbleiben oder etwas Farbe abblättern. Das Gute ist aber, dass man das Blech aus dem Falz herausbiegt und schon etwas vom Holz entfernt ist. Das hat bei mir an zwei Türen tadellos funktioniert.

@Ross: Was ist denn eigentlich Deine Hauptmotivation für das Begradigen der Tür? Die Optik oder Mechanik?

Gruß,

Mark



Verzogene Altbau Zimmertür begradigen



Hi Mark,

gut erkannt. Das Haus ist von 1914 und die Tür stammt sicherlich auch aus dieser Zeit. Uns gefallen die alten Türen hier auch sehr gut, daher wollen wir sie unbedingt erhalten.

Ja, der Verzug stört in jedem Fall beim Schließen, und wir brauchen für diesen Raum eine vernünftig schließende Tür.

Die Tür öffnet nach innen, d.h. zwischen Tür und Zarge kann ich leider keinen Keil einlegen.

Beim Einspannen der Tür haben sich leider keine Fugen oder Spalte gebildet.

Welche Optionen bieten sich noch?

@Thomas, bez. der Variante die Tür unter hoher Feuchtigkeit zu formen meintest du, das würde einige Erfahrung erfordern. Wo liegen hier die größten Herausfordeurngen?



Offenbar...



...ist also der Verzug nicht in den Holzverbindungen zu suchen, die scheinen ja bombenfest. Türen dieser Zeit sind üblicherweise solide gebaut.

Ich vermute also, daß sich nur die vordere Aufrechte gekrümmt hat. Das passiert zuweilen aufgrund von Holzstrukturen, oft aber auch um den eingestemmten Schloßkasten herum. Also die vordere obere Ecke flügelt um 3cm in den Raum? Das Verbiegen der Bänder wäre in diesem Falle wirkungslos. Um mit einer Heißdampfbehandlung das Holz überhaupt zu erreichen, müsste die Tür bzw. die zu dämpfenden Bereiche komplett entlackt werden. Das Procedere ist anspruchsvoll. Die Risiken erheblich: Verziehende und reissende Füllungen und Rahmenhölzer, öffnende Holzverbindungen. Ein positives Ergebnis ist aber alles andere als sicher. Ich würde das definitiv NICHT machen.

Warum kannst Du keinen Keil in den Falz legen? Schließe doch mal gedanklich den Luftraum zwischen Türblatt und oberer Türrahmenecke durch einen langen schlanken Holzkeil. Das geht auch in der Praxis. Dann wäre die Türe dicht, ohne gerichtet zu werden. Legt man nun einen halb so starken Keil unten, wo die Tür schon schließt, in den Falz und schließt die Tür dann, sollte der obere Spalt kleiner werden, und man könnte dementsprechend mit einem schlankeren Keil oben Dichtigkeit erreichen. Da die Tür im geschlossenen Zustand dann immer etwas unter Druck steht, könnte sie sich langsam auch etwas richten.

Sobald man das richtige Keilmaß ermittelt hat, klebt man den Keil sauber ein. Das wäre die minimalinvasivste Variante.

Andere Lösungen, wie Streifen aus der Tür herausschneiden und mit Keilen die Fugen wieder auszuleimen, sollte dem Tischler vorbehalten bleiben.

Grüße

Thomas



Nachtrag


Nachtrag

Hallo Ross,

Prüfe doch bitte mal, ob das Türblatt in der Senkrechten (auf Seite des Türgriffs) gewölbt ist oder nicht.
Das kannst Du zum Beispiel mit einem Richtscheit oder einer langen Wasserwaage machen.

Wenn das Türblatt in der Senkrechten (auf Seite des Türgriffs) NICHT GEWÖLBT ist, hilft es sehr wohl, durch Biegen des unteren Bandes einen parallelen Anschlags auf der Seite des Schlosses herzustellen.

Hier ein Beispiel einer Tür, die genau wie Deine Tür an der oberen Kante von der Zarge abstand.
Das untere Band wurde etwa 2-3 Zentimeter aus dem Falz herausgebogen.
Die Tür ist noch nicht neu lackiert, man sieht dadurch aber gut, dass durch die jahrelange Spannung beim Schließen, die Farbe an den Holzverbindungen abgeplatzt ist.

Ich halte es auch für wahrscheinlich, dass Deine Tür innerlich verdreht ist, so dass eigentlich die untere Kante auf Schlossseite gegen den Türrahmen stößt und sie deshalb Probleme beim Schließen macht und oben absteht.

Wenn Du die Tür intensiv bedampfst oder einweichst, wird das Holz aufquellen und später wieder schwinden.
Die soliden und intakten Holzverbindungen können dann unschöne Spalten bekommen, die Du irgendwie schließen musst.
Ganz zu schweigen von den Füllungen und dem Glas.

Bitte doch mal einen Schreiner, sich die Sache vor Ort anzusehen.

Viele Grüße,

Mark



Ach so!!



Jetzt habe ich das erst mit dem Keil verstanden, Thomas! Das liest sich so erstmal interessant und pragmatisch. Wie ermittele ich die Abmessungen des Keils? Einfach Tür einhängen und dann über die komplette Strecke den Abstand zwischen Türblatt und Zarge messen und auf ein Holzstück übertragen? Der Keil darf dann ja nur so breit sein wie der Falz oder?
Ja, es ist die vordere obere Ecke.

Einkleben dann mit Holzleim?

Viele Grüße



Wenn's oben...



...3cm absteht, würde ich den Keil 1,5cm stark machen und zur Türmitte auf Null auslaufen lassen. Die Tür würde dann unten unter Druck schließen und ich vermute, daß der Luftspalt oben dann weniger als 3cm sein wird. Mache ein paar Versuche, welches Maß am besten ist. Wenn der erste Keil festgeklebt ist, zeigt sich wieviel Spalt oben bleibt. Diesen Spalt dann mit 2-3mm Luft mit einem 2. Keil ausfüllen.

Zum Kleben: Holzleim (Weissleim) hält nur dauerhaft auf rohem Holz. Alternativ könnte die Lackschicht im Falz aufgerauht (angeschliffen werden, und mit Montagekleber (Ponal Construct o.ä.) eingeklebt werden.

Grüße

Thomas



Vielen Dank ...



... für die Erläuterung. Das werde ich versuchen.

Nur warum soll unten auch ein Keil eingesetzt werden um die Tür unter Druck zu schließen? Einfach damit der Spalt oben kleiner wird?
Hat es keine negativen Auswirkungen die Tür unter Druck zu schließen?

Und sorry für die verzögerte Rückmeldung... hier ist etwas dazwischen gekommen.

Viele Grüße



Exakt.



Der Keil unten sorgt in Verbindung mit dem eingerasteten Schloss dafür, daß der obere Schlitz kleiner wird. Wird die Tür oft eingeklinkt, biegt sie sich unter Spannung auch ein wenig gerade.