Unterdach sinnvoll?

07.06.2012



Hallo,

an unserer kleinen denkmalgeschützten Stadtvilla vom Anfang des letzten Jahrhunderts planen wir die Erneuerung des Daches.
Aktuell ist das Dach mit Industriebibern in Doppeldeckung gedeckt. Konkrete Angaben gibt es nicht, aber ich schätze, dass die Dacheindeckung ca. von 1940 ist. Auf einem Schwarzweißfoto, das das Haus im Originalzustand zeigt, erkennt man Betondachsteine.
Beim jetzigen Dach sind alle Traufsteine Betondachsteine. Eine Mini Fledermausgaube hat eine Blecheindeckung, was nach Aussage meines Planers ebenfalls dafür sprechen würde, dass der Biberziegel nicht die originale Eindeckung ist.
Beim Dach regnet es an einigen Stellen durch, so dass einige Räume im OG bereits Wasserflecken an den Decken haben. Außerdem sind bereits einige Ziegel heraus gebrochen und liegen in der Dachrinne oder sind heruntergefallen.

Das Dach soll ein Kaltdach bleiben, das wir als Lagerraum für Krimskrams und zum Wäsche Trocknen verwenden wollen.

Mein Planer schlägt mir nun die Verwendung eines Betondachsteins entsprechend des historischen Fotos und zusätzlich ein festes Unterdach vor. Er meinte, dass so ein Unterdach die Nutzbarkeit des Dachraumes verbessert und die Kombination preiswerter Dachstein + festes Unterdach insgesamt eine bessere Lösung darstellt, als ein teurerer Tonziegel mit einer Unterspannbahn. Er hat aber auch darauf hingwiesen, dass sich beim Dachstein nicht so viel sparen lässt, dass das Unterdach dabei herausspringt.

Da wir an dem Haus noch vor einigen Ausgaben stehen, würde mich interessieren, wie ihr zu so einem festen Unterdach steht.
Kann man pauschal sagen, dass das feste Unterdach eine gute Voraussetzung für die Einbringung einer Dämmung wäre, falls man doch einmal den Dachraum zu Wohnzwecken nutzen wollte?

Danke
Erwin



Unterdach sinnvoll?



Der Planer kennt das Objekt vor Ort, beachtet sogar historische Belange.

Wenn Du Vertrauen zu dem Planer hast und Du von ihm auch Referenzobjekte kennst, die sich bewährt haben, dann würde ich mich jetzt nicht durch Ferndiagnose durcheinander bringen lassen.

Evtl. könnte eine regenfeste Holzdämmplatte eine Alternative sein, da sie für einen späteren Ausbau eine gute Grundlage darstellt.

Ein Ausbau muss aber auch von einem Planer abgeklärt sein.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Unterdach



Hallo Erwin


Ich bin Befürworter eines festen Unterdachs. Kostet nicht viel (ca 6-8€/m²) gibt aber die gute Basis für einen späteren Ausbau. Sparren, Sparschalung, Schalungsbahn, Konterlattung, Lattung, Dachsteine oder-Ziegel.

Bei der in DE üblichen Geizvariante mit Unterspannbahn und Steine ist das Risiko, daß es durchregnet um Einiges größer als beim Unterdach.
Bei der Dämmung kann man die Dämmung press bis unter die Schalung setzen. Bei nur Unterspannbahn belastest Du diese, bis die Hinterlüftungsebene weg ist...



Andreas



Unterdach sinnvoll?



Danke für die schnellen Rückmeldungen.

So wie Andreas den Aufbau beschrieben hat, hat das auch mein Planer beschrieben.

6-8 Euro/qm klingen gut. Mir wurden in der ersten Besprechung etwa 12 Euro genannt.
Sind die 6-8 Euro nur der Materialpreis oder incl. Einbau?
Dann habe ich den Planer auch noch nicht fragen können, ob bei den ganzen Preisangaben jeweils Brutto- oder Nettopreise gemeint sind.

Ist eine Schalungsbahn das gleiche wie eine Unterspannbahn?



Schalung



Erwin


Ich bekomme meine Schalung bei einem netten Sägewerk für 4 Euro/m² brutto wie netto. 15€ inkl Einbau sind oki, die Firma muß auch noch von was leben...
Der Planer muß Dir als Endverbraucher IMMER die Bruttopreise sagen. Auch wenn Du als Endverbraucher Material bestellst, muß Dir jeder Verkäufer immer die Bruttopreise sagen.

Ich hab mal in M/V Beton bestellt. Hinterher hat mir das Werk Bruttopreise berechnet, obwohl es mir bei Bestellung Nettopreise genannt hat.
Am Ende hat es die Rechnung zähneknirschend ändern müssen.


Als ENDVERBRAUCHER (Privatperson) muß jede Firma IMMER den Preis inkl Märchensteuer bekanntgeben.



Schalungsbahn ist Schalungsbahn und Unterspannbahn ist Unterspannbahn.


Andreas



Unterdach sinnvoll



Da es sich bis zur Neudeckung unseres Daches noch ein wenig hinzieht, habe ich mich gestern daran gemacht, die bösesten Stellen mit untergestellten Eimern und nassem, morschen Holz mit Waldgeruch notdürftig zu reparieren.

Dazu habe ich von Innen mit einem Schraubenzieher vorsichtig den Mörtel der defekten Biberziegel (Kodersdorfer Turmbiber 315x125?) entfernt und die Restziegel nach innen heraus gezogen. Dann aus den alten Bibersteinen, die noch auf dem Dachboden lagen, die besten herausgesucht, Mörtel abgeputzt und den Ziegel von innen in die Lücke geschoben. Dazu musste ich auch die darüber liegenden Ziegel so weit anhben, dass sich der neue Ziegel unter der darüber liegenden Dachlatte durchquetschen ließ, ohne zu brechen.

Jetzt liegen also die neuen Ziegel leicht lose klappernd drin und Regenwasser läuft auch nicht mehr herein.

So weit war das relativ einfach und ich bin ganz froh, dass mir kein Unterdach oder eine Unterspannbahn im Weg waren.

So gesehen stelle ich für mich gerade in Frage, ob mein neues Dach überhaupt ein festes Unterdach oder eine Unterspannbahn bekommen soll. Ist mit der Reparaturmöglichkeit von innen ohne Baugerüst oder Spezialkran/Arbeitsbühne dem Dach auf Dauer vielleicht mehr gedient als mit den Unterdachkonstruktionen? Ein Innenausbau ist auf absehbare Zeit nicht geplant.

Bei der Neudeckung wird es nach Wunsch des Denkmalfplegers wahrscheinlich wieder auf einen Biberziegel in Doppeldeckung hinauslaufen.

Ist bei neuen und geklammerten Biberziegeln eine vergleichbar einfache Reparatur von innen möglich?

Wenn ja, wäre es vorstellbar, auf Unterdach oder Unterspannbahn zu verzichten?



Unterdach sinnvoll?



Hatte gerade Gelegenheit, einen Dachdecker zu dem Thema zu befragen.

Biberziegel werden heute überwiegend verschraubt, wodurch das Dach nicht mehr von innen reparierbar ist. D.h. hier machen Unterspannbahn und ggf. ein Unterdach durchaus Sinn.

Normale Falzziegel, die geklammert werden, wären prinzipiell von von innen austauschbar. Ob man da heute im Einzelfall ohne Unterspannbahn bauen würde, dazu wollte er aber nichts sagen.