Feldsteinhaus bauen

13.01.2009



Hallöchen allerseits,

ich hab da mal die ein oder andere Frage zum Bauen eines Feldsteinhauses. In der Region, in die ich ziehen möchte, gibt es leider keine solchen und wenn, dann keine so gut erhaltenen Häuser, wie ich mir das vorstelle. Daher mal gesetzt den Fall, dass ich ein Feldsteinfundament mit Keller anlegen wollte und darauf eine Kombination aus Backstein und Feldstein.
Wie tief muss das Fundament frostsicher gesetzt werden?
Wo bekommt man eine derart große Menge an Feldsteinen her?
Was für eine Art des Daches kann man verwenden.
Auf Zement würde ich übrigens möglichst ganz verzichten wollen.
Wo müssen Balken (aus welchem Holz) hin?
Was muss ich in der Planung/Konstruktion beachten, um z.B. eine einheitliche Wandstärke (soweit das überhaupt machbar ist) zu erhalten?
Welche Literatur gibt es, die mir dabei helfen kann? Ich brauche viiiieeel Lesestoff, um mir ein Bild zu machen und um selbst Hand anzulegen.
Jemand der so etwas bauen kann, was für einen Beruf muss er gelernt haben? Hört sich zwar blöd an, die Frage, aber es wäre schon interessant zu wissen, ob man mit Zimmerer, Maurer & Co. da so einfach weiter kommt.
Und bitte sagt mir nicht, dass das alles zu aufwändig ist und ich mir etwas suchen sollte, was ich möglichst "nur" sanieren/restaurieren bräuchte.

Freue mich schon auf eure Antworten.
Grüße Eliz



Feldsteinhaus selber bauen



Hallo,

Feldsteine holt man aus dem Steinbruch. Vielleicht leben Sie aber auch in einer Gegend, wo die Leute ein paar Tonnen in reserve haben.
Das Gewicht liegt je nach Größe zwischen 20 und 60 kg pro Stück. Sie sollten also schon etwas kräftiger gebaut sein als ich.
Und für den Rest brauchen Sie einen erfahrenen Maurer. Alles alleine zu machen hat keinen Zweck.

Grüße



Feldsteinhaus



Das, was Sie da vorhaben mutet in unserer Zeit schon etwas seltsam an.
Warum?
Feldstein als Baumaterial war auch früher immer ein Notbehelf, so ziemlich das schlechteste was es zum Mauern gab.
Feldsteine sind von den Eiszeiten verfrachtete und abgerundete Steine.
Feldsteine deshalb, weil sie jedes Jahr beim Pflügen nach oben kamen und abgesammelt werden mußten.
Anderes Baumaterial, wie Ziegel oder importierte Sand- und Kalksteine waren für arme Bauern zu teuer.
Die rundlichen Feldsteine bestehen aus hartem Material und sind nur schwer zu bearbeiten, kein Maurer hat so was früher ohne Not angefasst.
An einem runden Feldstein aus schwedischem Granit wenigstens die Lagerfugen einigermaßen hinzubekommen, ist harte Arbeit und braucht Erfahrung, auch heute noch.

Sie so zu vermauern wie sie sind entspricht nicht den Regeln der Technik für Rezeptmauerwerk und ist auch kaum durchführbar.
Wenn Sie eingesetzt werden, dann nur bei Mischmauerwerk als Vorlage einer Ziegelwand.
Das ist technisch und handwerklich anspruchsvolle Arbeit, da die Steine weder im Verband noch aufeinander halten.
Sie beginnen beim Mauern zu schwimmen und rutschen weg, wenn ich nicht jede Schicht ausreichend erhärten lasse.
Deshalb müssen die Steine zumindest minimal behauen und beim Setzen noch zusätzlich mit Steinsplittern ausgezwickt werden.
Wenn Sie mir nicht glauben, können Sie ja mal versuchen, aus Äpfeln und/oder Kartoffeln eine Wand aufzuschichten, die wenigsten eine senkrechte Fläche über die Höhe von 5 Steinen bzw. Kartoffeln aufweist.
Dann auch noch auf Zement verzichten zu wollen ist schon mehr als grenzwertig.
Vorschlag:
Stöbern Sie mal in Baumärkten herum, dort findet Sie vielleicht Platten in Feldsteinoptik, die sich leicht Verlegen lassen und für einen Laien nicht von echtem Mauerwerk zu unterscheiden sind.
Manchmal ist ein fake besser als das Orginal.

Viele Grüße



Schöne Steinchen



Hallo Eliz,
ich bin auch ein Fan von Feldsteinmauerwerken. Die Mühe und Kunst aus Granit Fundamente und Fassaden zu errichten, in schöner Kombination mit Backsteinelementen ist faszinierend und bewundernswert.

Ich fände es toll, wenn man sich heute noch so was wagen würde – vielleicht bist Du ja tatsächlich in der Lage dazu, lass Dich also noch nicht entmutigen :-)

Die schönsten und stolzesten Feldsteinbauwerke haben wir auf unserer Haussuche in Brandenburg und (wenn auch weitaus weniger) Mecklenburg gefunden, siehe auch die Fotos. Also die klassischen „Eiszeitränder“.

Zur Einführung ins Thema kann ich Dir zwei Links geben:

http://www.eiszeitstrasse.de/Seiten/kulturgeschichte/feldsteinbauten/feldsteinbauten.htm

http://www.steinschlaeger.de/index2.htm

Letzerer zeigt eindrucksvoll, wie unglaublich aufwändig und kunstvoll das Steine schlagen ist. Der Betreiber dieser Website, Matthias Schmidt, restauriert auch Feldsteingebäude – wäre auf jeden Fall ein interessanter Ansprechpartner für Dich.

Am einfachsten wäre es übrigens, geschlagene Steine aus einem Abrissgebäude zu holen und am eigenen Haus „wiederzuverwenden“, einen erfahrenen und puzzlewilligen Maurer vorausgesetzt.

Zu den weniger angenehmen Eigenschaft von diesen Steinen (außer Ihrem Wahnsinnstransportgewicht) ist übrigens, dass sie Kälte sehr gut leiten. Eine gute Dämmung innen ist also schon angebracht. Dafür ist sind sie eine absolut sichere Bank bei aufsteigender Feuchtigkeit (daher auch als Fundament sehr beliebt). Dies konnten wir bei Übernahme unseres Hauses auch feststellen – das Haus stand aufgrund eines übergelaufenen Teichs komplett im Nassen. Allerdings war weder im Haus noch ander Backsteinfassade ein feuchter Fleck.

So, genug getextet – viel Erfolg bei Deinem Vorhaben. Vielleicht erzählst Du mal, was am Ende daraus geworden ist!

mag



Schöne Steinchen 2



Und noch ein Detail-Bild des Gebäudes oben.



Mehr Steine



Vielen Dank für die Verknüpfungen und Hinweise liebe mag. Die Bilder entsprechen genau den Vorstellungen, die ich zu der Backstein-Feldstein-Kombination habe. Schön. Tatsächlich finde auch ich Feldsteinhäuser absolut klasse und im Sommer kann man nirgendwo ein besseres Klima finden als dort.
Über Steine aus einem alten Mauerverband habe ich auch schon nachgedacht und werde mich auf jeden Fall danach umsehen. Es gibt ja etliche Feldsteinscheunen, die völlig verlassen und dachlos auf Feldern stehen.
Es ist in der Tat ein sehr gewagtes Projekt, aber in meinen Augen eines, das nicht individueller sein könnte und absolut meinem Traum vom Zuhausesein entspricht. Ich möchte nichts aus dem Katalog und wenn einige Hindernisse im Weg stehen werden sie eben sukzessiv beräumt. Dazu sind sie ja da, denn Träume kann man sich meistens nicht von jetzt auf gleich erfüllen. Das heißt eine Feldsteinattrappe kommt mir nicht ins/ans Haus.

Was ich noch zum Zement sagen wollte: Ich meine nicht, dass ich völlig ohne Mörtel arbeiten möchte, sondern eigentlich mit einem profanen Kalk-Sand-Mörtel. Das haben die Leute früher schließlich auch gemacht. In welchen Bereichen bietet sich eigentlich Lehm an. Außen ja logischerweise eher weniger, aber innen? Das haftet doch bestimmt nicht an der Mauer, zumindest nicht ohne Armierung, oder?

Bin schon gespannt auf weitere Ratschläge, Hinweise, Anregungen und Eingebungen.

Grüße Eliz



Feldsteinhaus



Das, was ich auf den Bildern sehe, ist polygonales Mauerwerk aus Bruchsteinen, kein Feldsteinmauerwerk.

Wenn Sie solche Bruchsteine verwenden wollen, dann kann man damit, allerdings mit hohem manuellem Aufand und mit der nötigen Erfahrung, mauern.
Ein Nachtrag noch zum Thema Feldstein:

"... Stehen keine gebrochenen Steine, sondern FELDSTEINE oder FINDLINGE zur Verfügung, so ist ein regelmäßiger Verband nicht durchführbar, und es wird nur bei sorgfältiger Auswahl der Steine möglich sein, der ersten Anforderung an jeden Steinverband, daß keine Stoßfugen aufeinander treffen, zu entsprechen. Die Steine sind dann am besten unter Verwendung von Zementmörtel so zu legen, das möglichst viele Durchbinder vorhanden sind, auch sind die unvermeidlich hohlen Stellen gut mit kleinen Steinen oder Ziegelbrocken zu verzwicken.
Um größere Feldsteine einigermaßen lagerhaft und verbandfähig zu machen, müsse diese gespalten werden..."

Zitat aus "Der Maurer" von Adolph Opderdecke, Leipzig 1910.
Es geht außerdem neben der eigentlichen Ausführung auch um Fragen der Bemessung eines solchen Mauerwerkes. Bei einem Neubau müssen Sie die Tragfähigkeit des Mauerwerkes nachweisen.
Feldsteinmauerwerk ist als Rezeptmauerwerk in der DIN nicht zulässig, es müsste mit einer Eignungsprüfung im Einzelfall nachgewiesen werden. Das ist für Ihren Fall unsinnig.
Auch wenn Sie statt wie angekündigt Feldstein- jetzt Bruchsteinmauerwerk verwenden wollen, gibt es bei der Bemessung solcher Wände erhebliche Probleme hinsichtlich der Festigkeit. Eine alte Fausregel, die auch in o.g. Buch zitiert wird, nennt eine Zulage in der Dicke von 30 cm bei Bruchsteinmauerwerk im Vergleich zum Ziegel.
Wenn also ein 36,5 cm dickes Mauerwerk aus Ziegel ausreicht, müssen Sie bei Bruchstein mit einer Dicke von über 45 cm rechnen. Das gilt allerdings nur bei fachgerechter Ausführung. Für die Verwendung von Kalkmörtel und je nach Eingruppierung des Steinmaterials werden noch einmal Sicherheitsabschläge in der Tragfähigkeit bis auf ca. einem Fünftel der üblichen Größe fällig.
Da ist man schnell bei 1,5 m und mehr theoretischer Wanddicke.
Also:
Wenn Sie so etwas haben wollen, verwenden Sie Bruchstein als Wandvorlage in Form von Mischmauerwerk.
Das allein ist schon teuer und aufwändig genug.

Übrigens kenne ich die Problematik nicht nur in der Theorie.
Ich bin selbst Maurer und habe solche Bruchsteinwände z.B. als Stützmauern ausgeführt.

Viele Grüße



noch mehr Steine



Hallo Georg,

Vielen Dank für den Hinweis mit der Tragfähigkeit der Mauer. Mit Sicherheit ein entscheidender Punkt für Sicherheit selbst. Wie wird diese Tragfähigkeit gemessen, wenn es keine bereits festgelegte Formel gibt? Wird anhand einer "Probemauer" oder einem bereits angelegten Teilstück die Tragfähigkeit geprüft? Wie dick könnten die Mauern auf dem oben stehenden Haus sein? Habe zum Glück nächste Woche Urlaub und werde die Zeit nutzen mir solche Mauerwerke mal genauer anzusehen. Bruchstein als Wandvorlage für eine "normale" Mauer zu nehmen hört sich mir wieder nach einer Verschalung á la Baumarktplatten in Feldsteinoptik an.

Soweit ich gelesen habe, gibt es ja seit kurzem wieder Handwerker, die sich in ganz alter Manier im Steineschlagen haben ausbilden lassen, um z.B. solche alten Feld-/Bruchsteinmauern fachgerecht wieder aufbauen zu können. Hat jemand Erfahrung im Behauen von Steinen? Also gibt es irgendwo Seminare und vor allem Literatur? Wenn es diese Ausbildung tatsächlich gibt, wie lange dauert sie und wo könnte man sie machen?

Ich hoffe ich überfrage euch nicht, aber ich finde das alles sehr spannend.
Vielen Dank schon mal und viele Grüße
Eliz



Ach übrigens



da fällt mir ein, dass ich sogar erst gestern gelesen habe (auf Margaretes Verknüpfungen und www.edle-baustoffe.de), dass Feldsteine nicht wirklich nur ein Notbehelf zum Bauen waren. Zitat: "Bis ins hohe Mittelalter hinein sind es die Städte, die reichlich Steinmaterial benötigen. Sie verschlingen endlose Mengen an Feldsteinen für Stadtmauern und -türme, für Sakralbauten, Klosteranlagen, Wirtschaftsgebäude, Straßen, Gassen und Fundamente. Um den städtischen Hunger nach Steinmaterial zu stillen, wurden eigens dafür Gesetze geschaffen, welche die Bauern verpflichteten, beim Betreten der Stadt Feldsteine abzuliefern.

So führt man die Entblockung der Berliner Umgebung auch von kleineren Eiszeitgeschieben auf eine Verordnung der Kreis- und Domänenkammer vom Jahre 1763 zurück, die jeden nach der Stadt fahrenden Bauern verpflichtete, zwei Feldsteine mitzubringen und am Stadttore abzuwerfen."

Ein damals sehr prominenter Notbehelf...



Feldsteinhaus



Das mit den Steinen mag man so gehandhabt haben.
Aber nicht, weil Feldsteine besonders beliebt waren.
Durch ihre rundliche, gedrungene Form waren sie zum Mauern denkbar schlecht geeignet.
Man konnte Sie als Unterbau (Packlage) bei Wegbefestigungen und als Füllmaterial in zweischaligen Wänden einsetzen.
Die neuen Stadtbefestigungen nach Vauban`schem Stil verbrauchten Unmengen davon.
Sie fanden Verwendung bei Fundamenten und als Material für Schüttungen und Packungen im Wasserbau.
Die größeren wurden gespalten und wurden so Bruchsteine.
Bruchsteinmauerwerk war die unterste Qualitätsstufe beim Mauerwerk.
Feldsteine waren ein Zeichen von Armut.
Solches Mauerwerk wurde immmer verputzt, um das Material zu verdecken.
Wer im 18.Jhr. in Berlin bauen wollte, nahm Ziegel, nur das Fundament und das Sockelmauerwerk war aus Naturstein.
Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als romatisierende und historisierende Bewegungen aufkamen, wurde es schick und modern, im romantisierenden Stil zu bauen. Man kopierte gotische und romanische Baustile und die mittlerweile halbzerfallenen Bauten der Zeit mit ihren vom Putz abgewitterten Mauern. Auch in Deutschland gab es Liebhaber dieser national ausgerichteten Strömung des Klassizismus.
Wagnersche Opern und ein sich vom klassisch- antikisierenden Stil absetzender, national- germanischer gotisierender Baustil entstand.
Das Gutsgebäude auf den beiden Fotos von Margareta zeigen diesen Stil.
Der Eigentümer hat sich dieses Bauen a la mode richtig was kosten lassen.
In diesem Materialmix entstanden Industriebetriebe, Brauereien, Landgüter, die wie gotische Ritterburgen aussahen.
Das so schön mittelalterlich aussehende polygonale Bruchsteinmauerwerk ist vom Typ her ein Mischmauerwerk, vorn Naturstein und dahinter Ziegel, um die Tragfähigkeit zu sichern und die Wandstärken beherrschbar zu halten.
Auf den Fotos sind sorgfältig gespaltene und ausgezwickte polygonale Bruchsteine zu sehen, die mit Sicherheit als Vormauerung an einer Ziegelwand stehen. Dafür mögen sicher Feldsteine als Rohmaterial gedient haben.
Wie kann man solche Mauern berechnen bzw. bemessen:
Die Regeln dazu stehen in der DIN 1053- Rezeptmauerwerk.
Zweischaliges "Klamottenmauerwerk" aus Bruch- und oder Feldstein (wie oben zu sehen) ist danach praktisch nicht machbar für ein Wohnhaus.

Viele Grüße



und alles zusammen



ergibt die pittoresken dörfer bei unseren südlichen nachbarn... dort wird mancherorts auch heute noch so gebaut.
nur mut! grüße, carmen
interessante website in diesem zusammenhang: www.guedelon.fr
oder:
www.kurz-belichtet.de/reisen/guedelon/guedelon.html - 23k
aufschlußreiche fotos!



Feldsteinhaus



Carmen, das sind keine FELDSTEINE!
Das ist hammerrechtes Schichtenmauerwerk aus lagerhaftem Sediment, etwas ganz anderes.
Ein Teil der Steine am Sturz sieht übrigens wie wiederverwendete antike römische Ziegel aus.

Viele Grüße



@ georg



danke für die aufklärung, georg. ich hatte den eindruck, daß mittlerweile sowieso nicht mehr ausschließlich feldstein diskutiert wird. viele grüße, carmen
p.s. woran erkennst du wiederverwendete antike römische ziegel?



Feldsteinhaus



Am Format.
Römische Ziegel waren eher plattenförmig.
Dann sind die Kanten sehr stark abgewittert.
Das deutet auf eine lange Standzeit hin, aber nicht in dieser Mauer.
Hier sind die Fugen relativ neu und bündig, die anderen Steine sind weniger bewittert.
Das sind aber nur Vermutungen, eher so ein Gefühl.

Übrigens:
Das mit der Diskussion ob Feld- oder Bruchstein ist wohl auch daher entstanden, das ich als Maurer sehr große Unterschiede darin sehe.
Das ist so wie mit jemand, dem es egal ist ob er einen Sack Mehl oder ein Saxofon kaufen will, heißt ja fast genauso.
Na ja, wenn er das erste mal hineinbläst, wird er den Unterschied schon merken...


Viele Grüße



Feldsteinhaus



Ich habe mal einige Bilder eingestellt, um den Unterschied zwischen steinsichtigem Mauerwerk, wie es im Mittelalter erstellt wurde, und Bruchsteinmauerwerk zu dokumentieren.
Die Spielarten wie Bossen, Diamant- oder Kissenquader, Rustica usw. habe ich der Einfachheit weggelassen.

Viele Grüße



bevor man...



...sich solch einem neuen Streß unterwirft, sollte man doch lieber die Substanzen erhalten, die es noch gibt und die bereits so viel an Energie in sich haben, dass es Sinn macht, diese zu sanieren bzw. umzunutzen.
In der Uckermark und auch sicherlich in Meckelenburg gibt es eine Vielzahl an sogenannten Buntsteingebäuden, dass da sicherlich etwas für Euch noch zu finden wäre.
Uns sind jedenfalls einige derartiger Objekte begegnet.

Überdenkende Grüße,
Udo



Ora et labora!



Und es geht doch - man muss nur ausreichend Zeit mitbringen, darf sich nicht ablenken lassen und sollte nicht ganz allein an die Sache rangehen.

Bei den frühen Zisterziensern war das der Fall: hier ein Bild der Kirche des Klosters Zinna bei Jüterbog, südlich von Berlin. Geschätzte Dicke der Mauern an der Basis: Kaum mehr als ein Meter.

Monastische Grüße,
franz.



Und weils so schön ist,...



...hier gleich noch eine Detailaufnahme vom leider längst schon abgebrochenen Kreuzgang. Die Kirche wurde im Jahr 1226 geweiht und das Kloster bereits 1553 aufgelöst. Die zum Teil erhaltene Anlage atmet aber immer noch den Geist der frühen Zisterzienserbewegung.

Etwas neuzeitlichere aber kaum weniger geduldige Massivsteinbauer waren Scott und Helen Nearing in den USA. Über deren Bauweise, wo die Findlinge mithilfe einer Schalung und Zementmörtel bzw. Beton vermauert wurden, kann man sich in mehreren Bücher informieren, die im Pala-Verlag erschienen sind.

Mich würde aber interessieren, mit welchem Material z.B. die Zisterzienser und andere Kirchenbauer hier in Brandenburg ihre Feld-/Bruchsteine vermauert haben.

BG, franz.



Die hatten früher schon was drauf!



Bauen hatte früher auch schon was mit Zeit zu tun.

Grüße Udo



Und weil die Details...



....so wunderbar sind, gleich noch eines mit dazu.

Grüße Udo



Langsam setzt Vernunft ein...



Ohh, danke schön für die vielen Bilder. Die Maurer hatten früher tatsächlich ne Menge auf'm Kasten. Vor allem bei dem letzten Bild sieht es aus, als hätten die gar kein Mörtel verwendet. Alles so dicht an dicht. Klasse. Trockenbaumauern gab es doch auch soweit ich mich entsinne, allerdings bestimmt nicht für Gebäude.
So ein Haus selbst zu bauen ist vermutlich eine Lebensaufgabe. Allerdings reizt mich der Gedanke trotz der vielen Arbeit nach wie vor bis hin zur Euphorie. Nun ist es wahrscheinlich wirklich vernünftiger (vielen dank Udo ;-) ) sich ein bereits bestehendes Häuschen zu suchen, bevor das auch verfällt. Wenn solch ein Projekt nicht ein gewisses Maß an Finanzen bedürfte, würde ich von heute auf morgen mit der Autoschrauberei aufhören und mich nur noch Haus und Hof widmen... Hach...

Dennoch hätte ich gerne auf einige meiner vielen Fragen (und ich habe noch etliche auf Lager) Antworten. Es wäre klasse, wenn ihr die mal unabhängig von meinem Vorhaben beantworten könntet.

Bis dahin viele Grüße und bis in einer Woche( da ist mein Urlaub vorbei)
Eliz



Feldsteinhaus



Vielleicht sahen die genannten Klöster früher, als Sie noch neu waren, ja so wie auf dem obigen Foto aus?
Das Bild zeigt ein Profangebäude aus der Gotik (der graue Hof in Aschersleben), Bruchsteinmauerwerk, mit Putz.

Das Mauerwerk des Zisterzienserklosters ist übrigens kein Feldsteinmauerwerk, sondern Bruchsteinmauerwerk bzw. hammerrechtes Schichtenmauerwerk.
Die Verbandsregeln, die heute noch in der DIN 1053 unter Punkt 6.2. stehen, wurden dort penibel eingehalten.
Die Lagerfugen sind in der Regel waagerecht, es gibt in regelmäßigen Abständen Ausgleichsschichten...

Viele Grüße



@ Georg



Danke für die fachlichen Erläuterungen! Daß die verwendeten Feldsteine bearbeitet sind, war mir klar, daß es dann aber nicht mehr Feldsteinmauerwerk heißt, bisher nicht.

Ob die Kirche verputzt war, kann ich nicht sagen - ich vermute eher nicht, da die Zisterzienser ganz ausdrücklich einfach und "arm" gebaut haben (Kapitellverzierungen waren beispielsweise anfangs verpönt).

Alle jüngeren Gebäude in Zinna waren aus Backsteinen errichtet - und dienten seit dem 18. Jh. als Steinbruch. Die Kirche, das Gästehaus und die Abtei blieben glücklicherweise stehen.

Ach ja, nochmals zu meiner Frage: wie war der Mörtel im 12./13. Jh. zusammengesetzt?

Gruß, franz.



Feldsteinhaus



Das mit dem Mörtel ist eine spannende Sache und nicht so schnell zu erklären.
Die Qualität reichte damals von einem Hauch Kalk, der in den lehmigen Mörtel gemischt wurde, über Gips- gipshaltige Kalkmörtel zum hochwertigen Kalkspatzenmörtel.
Wenn einfache Bürger oder Bauern bauten, konnten Sie sich keine qualifizierten Handwerker oder teures Material leisten.
Bruchsteinwände waren außen mit Kalk, die Füllung mit Gips oder Lehm gemauert.
Manchmal hatten Städte eigene Kalkbrennöfen oder auf dem Land verdiente sich ein Bauer etwas im Winter mit Kalkbrennen dazu. Ansonsten war die Beschaffung von Branntkalk schon ein Problem.
Bauhandwerker waren damals in Zünften streng organisiert und wurden zu Großprojekten des Adels oder des Klerus geholt.
Gerade die Mönchsorden waren im Besitz des Fachwissens, viele Baumeister waren Ordensbrüder.
Bleiben wir beim Bau eines Klosters oder einer Kirche:
Man holte sich dazu die entsprechenden Fachleute von anderen Klöstern oder Laien- Handwerker, oft wurden die dann praktischerweise Ordensbrüder.
Die Mörtelbereitung war ein anerkannter Beruf, die Mörtelreiber oder -schläger arbeiteten Hand in Hand mit den Maurern.
Alles zum Bau Notwendige wurde auf bzw. in der Nähe der Baustelle produziert, so auch der Branntkalk, für den Brennöfen gebaut wurden.
Der gewonnene Branntkalk wurde in zwei Arten verarbeitet:
Einmal gesumpft, um Fettkalk zum Putzen und Malern zu gewinnen.
Dazu wurden Gruben ausgehoben, davor stand eine Art schräger Tisch mit Seitenbrettern, die Kalkbank. der Stückkalk wurde auf der Bank mit Wasserzugebe und reiner Art Rechen gerieben und zerteilt, die entstehende Kalkmilch floß in die Grube.
Zum Mauern wurde der Kalk trocken gelöscht.
Man nahm erdfeuchten scharfen Gruben- oder Flußsand, der mit in kleine Stücke zerschlagenem Branntkalk schichtweise vermengt und aufgehäuft wurde. Wasser wurde kontrolliert in kleinen Mengen zugegeben. So konnte man die Löschtemperatur kontrollieren. Zu wenig Wasser auf zuviel Kalk- der Kalk verbrannte statt zu löschen. Zu viel Wasser- der Kalk ersoff und wurde körnig.
Der Sand kühlte die mit wenig Wasser löschenden Kalkbrocken und verhinderte das Verbrennen. Das Gemisch wurde entnommen und auf der Kalkbank "gerieben", also gemischt unter Zerteilung der Löschkalkstücken. Es entstand ein erdfeucht bis steifer Kalkmörtel.
Das erforderte Erfahrung, Geschick und war nicht ungefährlich. Der Vorteil des trockelöschens war, das bei höheen Brenntemperaturen auch hydraulische kalke vermauert werden konnten. Das war bei massiven mauern, also im Festungsbau, erwünscht.
Beim Nasslöschen waren hydraulische Anteile im Kalk schädlich.
In Guedelon wird Kalkpulver statt Stückkalk verwendet.

Der steife Kalkmörtel war erforderlich, um mit den schweren, nicht saugenden Natursteinen überhaupt mauern zu können. Jeder Maurer kennt das, wenn schwach saugende Steine im Mörtel zu "schwimmen" beginnen. Bei geneigten, schrägen, polygonalen Lagerfugen wie bei Feldsteinen oder wenig bearbeiteten Bruchsteinen wanderten die Steine aus.
Durch die Art der fast trockenen Löschung blieben ungelöschte Teilchen im Mörtel, die sog. "Kalkspatzen"
Bei massiven Mauern war das kein Nachteil, sie löschten im Laufe der Zeit nach und versorgten den Mörtel mit einem Calcitüberschuß.Treiberscheinungen spielten keine Rolle.
So wurden ausgewaschene Mineralien ergänzt, und Risse oder Fehlstellen sinterten aus.
In Guedelon sieht man sehr schön die weißen Fahnen auswaschenden Kalkhydrates an den Wänden.
Ich stelle dazu einige Bilder ein.
Die Frage, warum im Mittelalter nicht mit hydraulischen Mörteln im Hochbau gearbeitet wurde, beschäftigt mich übrigens schon eine Weile.
Ein Grund ist auf jeden Fall die Massigkeit der Mauern und die Verwendung von Gewölben. Der verformungsweiche Kalkmörtel, der noch Jahre nachcarbonatisierte, ermöglichte eine gleihmäßige Spannungsverteilung, es entstand eine Art Spannungsgleichgewicht.
Wer sich gotische Kathedralen mit ihren Säulenreihen und Gewölben einmal genauer ansieht, wird bei vielen Hauptschiffen sehen, das die Säulen durch den Gewölbeschub oben weiter auseinanderstehen als unten. Starre Säulen wären gebrochen. Dieses weiche, in Grenzen elastische System kann auch Erschütterungen erstaunlich gut verkraften.
Auch dazu ein Bild von einem Kreuzgang mit nach außen kippenden Säulen.

Die oft gehörten Geschichten über Eiweißzugaben zum Kalkmörtel sind nur zum Teil war. Beim Mauerwerk wurde sowas sicher nicht eingesetzt, wohl aber beim Verputz und Anstrichen.
Man kann sich vorstellen wieviel Eier draufgingen, wenn eine Kirche neu ausgemalt wurde. Davon haben arme Leute, die sich kaum ein Ei zum Essen leisten konnten, noch lange erzählt.
In Dittfurt (Harz) wohnten die "Geelbeene" die Gelbbeine. Der Nahme sollte von der Mörtelbereitung stammen, bei dem Eier samt Schale mit den Füßen zerstampft und in den Mörtel gegeben wurden.

Viele Grüße





Wir selber haben ein Feldsteinhaus in der Calauer Schweiz.
Es ist 200 Jahre alt und in Top Zustand.
Unsere Zimmerdecken sind aus Lehm. Die Hausecken und Trennwende aus Ziegeln , sonst alles aus Feldstein.
In den Lehmdecken ist auch Stroh mit verarbeitet.

Das zitierte Buch " Der Maurer" ist noch im Handel:


Opderbecke, Adolf : Der Maurer .

Umfassend die Gebäudemauern, den Schutz der Gebäudemauern und Fußböden gegen Bodenfeuchtigkeit, die Decken, die Konstruktion und das Verankern der Gesimse, die Fußböden, die Putz- und Fugearbeiten, die Wiederherstellungs- und Umbauarbeiten . Für den Schulgebrauch und die Baupraxis
Repr. d. Ausg. v. 1910. 338 S. m. 808 Abb., Beil.: 23 Bildtaf. . 24,5 cm .

978-3-8262-1504-9
- Reprint-Verlag-Leipzig - 19.95 EUR

Gruß Ines



endlich gefunden!



das also ist das gesuchte feldsteinmauerwerk, wie georg bestätigt. hier ein foto zum vergleichen mit den anderen mauerwerken: teil der bregenzer stadtmauer.



Bruchsteinhäuser



Was mich immer noch verwundert: wie lange noch solche Häuuser im ländlichen Raum bei uns gebaut wurden.

Wenn ich bedenke, welche Massen allein für ein kleines Haus von 16x6 Metern verbaut werden mussten und was für eine Puzzlearbeit das gewesen sein muss, dann frag ich mich immer noch, wie haben die das damals bloss gemacht?

Bei unserm Haus sind das allein locker 400 Tonnen Material, mit Lehm vermauert, nix Kalkmörtel. Ich schätze das Haus auf ca 150 Jahre.
Die Steine sind sehr lokaler Herkunft. denn nur de rHügel an dem es gebaut ist, besteht aus diesem Kalkstein.

Ich versteh schon: Ziegel waren sehr teuer und Arbeitskraft war billig.... aber trotzdem, kaum zu glauben.

Ich finde diese ganze Historie sehr interessant. Weiss jemand, wo man z.B. eruieren kann, wie lange Ziegel im sog. Donaumonarchieformat hergestellt wurden? Meines wissens nach wurde auch in Österreich schon lange vor dem Ende der Monarchie auf das moderne Format umgestellt....