Fachwerk innen dämmen und verputzen

21.09.2006



Hallo Community,

ich habe wegen Schimmelbildung an der Innenwand den Putz in einem Zimmer vollständig entfernt. Der Schimmel ist vermutlich durch unzureichende Lüftung hinter einer Einbauküche entstanden.

Nun die Frage:

ich möchte direkt auf die Eichenbalken eine Holzschalung 3cm aus Lärche anbringen. Die Zwischenräume durch Unebenheiten zwischen Holz und Gefache würde ich mit trockenem Lehm auffüllen. Die Holzschalung anschließend mit Gewebe überziehen und dünn verputzen.

Die Vorteile dieses Aufbaus sehe ich:

a) Leicht im Eigenbau herzustellen (keine größeren Putzarbeiten)
b) Das Holz bekomme ich günstig im Nachbarort
c) Das Holz wirkt dämmend und stabilisierend

Frage 1: Gibt es gegen diesen Aufbau Bedenken
Frage 2: Ist der Schimmel durch Abnehmen das alten Putzes ausreichend bekämpft oder sollte noch zusätzlich Chemie eingesetzt werden ?





Guten Abend!
Den "Leitfaden zur Vorbeugung, Untersuchung, Bewertung und Sanierung von Schimmelpilzwachstum in Innenräumen" können Sie kostenlos beim Umweltbundesamt beziehen. Die entsprechenden Maßnahmen werden dort beschrieben. Da hier ähnliche Schutzmaßnahmen wie bei der Entsorgung von Asbest nötig sind, erspare ich mir hier die umfassende Auflistung aller notwendigen Arbeiten. Bitte keine näher beschriebene Chemie aus dem Baumarkt benutzen. Ggf. als kurzfristige Maßnahme eine Reinigung mit 70%-igem Ethyhlalkohol bei trockenen Wänden und 80&-igem Ethyhlalkohol bei feuchten Wänden. Schutzkleidung und Atemmaske mit P2 Filter benutzen.
Grüße
Bernd Kibies



wenn durch das Putzabschlagen der alte Schimmel komplett entfernt ist,



die Ursache der Schimmelbildung klar beseitigt ist, brauchen Sie beim Umweltbundesamt keine Schriften mit komplizierten Maßnahmeempfehlungen bestellen.Als vorbeugende Schimmelbekämpfung würde ich die Wandfläche vor der Verfüllung mehrfach mit Kalkmlich einstreichen.
Ansonsten ist Ihr geplanter Aufbau bauphysikalisch okay.
Viel Erfolg!





Sehr geehrter Herr Schillberg,
beim "Leitfaden zur Vorbeugung, Untersuchung, Bewertung und Sanierung von Schimmelpilzwachstum in Innenräumen" handelt es sich nicht, wie Sie es nennen, um "komplizierte Maßnahmeempfehlungen", sondern um einen kleinen Letfaden zu diesem Thema. Herr Ochs wird sicherlich selber beurteilen können, ob er sich an einzelne Empfehlung hält, die übrigens Stand der Technik sind, oder nicht. Ihnen wünschen ich in Zukunft allerdings, daß Sie keine gesundheitlichen Schäden im Umgang mit der Beseitigung des Schimmelpilzes davon tragen.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Kibies





Hallo Herr Schillberg, hallo Herr Kibies,

zunächst vielen Dank für die Hinweise, ich bin froh kompetente Ansprechpartener gefunden zu haben.

Nochmal ne Frage zum Schimmel. Der Schimmel selbst ist nicht mehr sichtbar, aber es ist immer noch ein Rest des Schimmelgeruchs vorhanden.

Wenn dieser Geruch auch nach Behandlung mit Ethylalkohol noch vorhanden ist, muss ich dann davon ausgehen , dass der Schimmel noch in der Ausmauerung der Gefache vorhanden ist und die Gefache enrneuern muss ?

Dank und Gruß

Ulrich Ochs





Hallo,
vielleicht ist es erst einmal interessant zu erfahren, ob wirklich noch eine toxische Belastung vorliegt, damit Sie nicht mit Kanonen auf Spatzen schiessen.
Evtl. testen Sie auch einmal selbst die Belastung, schicken Proben an ein Labor (z.B. www.isa-labor.de) oder testen selber (www.envilab-gmbh.info). Die Gefahren des Schimmelpilzes sollten allerdings auch nicht unterschätzt werden.
Natürlich ist es so gut wie nicht möglich, bei größeren Schäden Teile des Mauerwerk oder Gefache auszubauen. Deswegen kann eine nachträgliche Desinfizierung sinnvoll sein. Der Putz sollte z.B. bei Ziegelmauerwerk sorgfältig entfernt und dann sollten die Fugen ausgekratzt werden. Bitte den Umgebungsschutz (Einweganzüge, Überziehschuhe, Putzlappen austauschen etc.) beachten, damit Sie die Sporen z.B. über den Wäschkorb etc. nicht noch weiter verbreiten und somit eine Kontamination der angrenzenden Räume durch eine Umverteilung erfolgt.
Abflämmen wäre danach ideal, aus brandschutztechnischen Gründen aber bei Ihnen wohl nicht machbar. Bei einer Desinfektion mit hochprozentigem Alkohohol ist insbesondere die Explosionsgefahr zu beachten (keinen E-Motor in Betrieb nehmen, Stromzufuhr abstellen etc.). Wasserstoffperoxid, zähle ich mal auf, weil es auch einfach verfügbar ist, ist mit Vorsicht zu geniessen (gefährlich bei Hautkontakt, führt bei Augenkontakt zu irrversiblen Schäden), Kalkmilch ist eine starke Lauge und kann bei längerem Kontakt Hautschäden und bereits bei kurzem Kontakt ernsthafte Augenschäden verursachen.
Sie sollten sich auch einmal andere Bauteile und Materialien genauer ansehen: Bodenbeläge, Schüttmaterial, Decken, Fensterstöcke, Dämmmaterial. Oftmals sind diese auch nicht sichtbar belastet.
Da ich natürlich Ihr Gebäude nicht kenne, kann ich nur allgemeine Empfehlungen geben. Diese sind allerdings noch weitreichender und es ist mir unmöglich diese hier vollständig auzulisten.
Wichtig ist vor allem, daß die eigentliche Schadensursache beseitigt wird.
Grüße
Bernd Kibies