Alte Scheune, Tragwerksplanung

16.02.2013 Omitz



Ich habe einen Hof gekauft den ich Stück für Stück ausbauen möchte. U.a. befindet sich darauf eine Scheune aus der Jahrhundertwende, die unter Denkmalschutz steht. Die Scheune besteht größtenteils aus massiven Stampflehmwänden und ist mit Biberschwanz gedeckt. Das Dach ist allerdings undicht und die Deckung muss daher erneuert werden. Der Dachstuhl ist intakt. Um die Kosten dafür zu decken würde ich das Dach für eine PV-Anlage verpachten (mit Denkmalschutz abgestimmt). Dafür verlangt der DA allerdings eine Bestätigung eines Tragwerksplaners, dass die Konstruktion der Scheune die einseitige Last der PV-Anlage verträgt.

Mein Problem ist nun einen Tragwerksplaner zu finden, der mir dies auch bestätigen möchte. Das beauftragte (Kurz-)Gutachten fiel erschütternd aus. Nach Ansicht des Planers ist der Dachstuhl bis auf geringe Mängel zufriedenstellend, jedoch macht er sich mehr Gedanken um die Lehmwände. Meinem laienhaften Anschein nach ist das Gebäude in relativ gutem Zustand. Es gibt einen vertikalen Riss (etwa 10 cm am oberen Ende) an einer Ecke und Auswaschungen an der Fassade. Der Riss und die unregelmäßige Deckung weisen "auf Lastumlagerungen und starke Verformungen des Gebäudes hin". Um geltenden Anforderungen zu entsprechen, müssten die Wände daher lastlos gemacht werden, d.h. eine den Dachstuhl tragende Konstruktion eingebaut werden, und der Dachstuhl daraufhin entsprechend saniert/ertüchtigt werden. Ergebnis ist, dass der Erhalt der Scheune mit Gutachten wirtschaftlich nicht mehr vertretbar ist (Kosten >240.000 vs Dacheindeckung 32.000).

Gemäß den Vorschriften von vor 20 Jahren wäre solch ein Aufwand nicht nötig (Aussage des Statikers) und die Scheune würde von ihm auch abgesegnet werden.

Wie kann ich ihn gutmütig stimmen bzw. ist es überhaupt möglich unter solchen Bedingungen einen willigen Tragswerkplaner zu finden?



Erstaunlicherweise...



... scheinst Du nicht mal ansatzweise in Erwägung zu ziehen, dass der Statiker richtig liegt?!
Möglicherweise würde ein anderer Gutachter anders gutachten, aber was passiert, wenn dann doch alles einkachelt?

MfG,
sh



Steht die Scheune



in Sachsen-Anhalt?
Ralph schneidewind



bin



zwar kein Statiker - aber die letzen Winter mit Schnee haben mehr Lasten aufs Dach gebracht als die paar Kilo/m2 der PV-Anlage. Und hast Du denn schon einen Pächter - solche Anlagen rechnen sich doch kaum - zumal er dann ja noch Deine Eindeckung "bezahlen" aoll.........



Schneelast...



... wird sowieso angesetzt. Die PV-Anlage wäre zusätzlich...
Aber das Gutachten zweifelt wohl eher die gesamte Standfestigkeit der Scheune an.

MfG,
sh





Ganz richtig, die Standfestigkeit der Scheune wird gänzlich angezweifelt, wobei jeder (andere Scheunenbesitzer) der sie bisher gesehen hat, diese Meinung keineswegs teilen kann (Auf dem Bild ist übrigens der Riss zu erkennen). Ich nehme die Kritikpunkte des Statikers gern auf, nur erkenne ich keinen Grund für den veranschlagten Aufwand, insbesondere wenn ich mich in der Nachbarschaft umschaue.
Scheune steht in Sachsen. Schnee war letzten Winter zeitweise ordentlich drauf ohne dass sie eingekachelt ist oder den Anschein machte dies tun zu wollen.
Pächter ist da, Verpachtung bringt natürlich nicht die Gesamtkosten für die Deckung rein, aber einen guten Teil.



Anschein vs. Berechnung:



An deiner Stelle würde ich mir den Aussendienstler der PV-Versicherung schnappen - du möchtest nämlich dass die zahlen, falls was dumm läuft.........

Gruss, Boris



PV-Anlage und Statik



Bei der PV-Anlage ist nicht nur das zusätzliche Gewicht zu berücksichtigen, das ist in der Tat nicht viel.
Viel gravierender sind die Windlasten.
Ggfs. einen zweiten Statiker befragen.
Viel Erfolg



Lasten veringern



Zur Standsicherheit der Scheune kann ich aus der Ferne nichts sagen.
Die zusätzlichen Lasten durch eine PV-Anlage können kompensiert werden durch:
- PV-Anlage als wasserführende Dachhaut als (bereichsweiser) Ersatz der bestehenden Dachdeckung (je nach bestehender Deckung sind dann die Lasten geringer)
- PV-Anlage zusätzlich auf Dachdeckung + neue leichtere Dachdeckung (Biberschwanzdeckung ist bei Kronen- oder Doppeldach ziemlich schwer) - andere Dachpfannen sind leichter und können einen Gewichstunterschied entsprechend der PV-Anlage ausmachen - Abstimmung mit Denkmalbehörde erforderlich
Die Scheune könnte ich mir zunächst ganz unverbindlich anschauen und dann das weitere Vorgehen abstimmen.
Gruß Stefan