Lehmzuschläge. Warum ohne Rinde?

23.07.2004



Hallo,

immer wieder wird ddarauf hingewiesen, dass bei Lehm-Leichtmischungen (Holzhäcksel-, Stroh-, etc-Zuschläge) keine Rinde/Borke drin sein darf. Aber warum eigentlich nicht??
In einem Artikel über Lehmwickel (http://www.holzfragen.de/seiten/lehmwickel.html) lese ich folgendes:
"Lehmwickel
Darunter bezeichnet man die sogenannten Staken, Stakhölzer oder Stickhölzer. [...]
Solche Staken wurden aus minderwertigem Abfallholz, dass bei der Durchforstung massenweise anfällt durch Aufspalten hergestellt, wobei die Rinde dran blieb."

Warum ist hier das dranlassen der Rinde kein Problem?

Gruss
Wolf



laienmeinung :)



rinde an aesten ist bei weitem nicht so dick, wie die rinde/borke am stamm, von daher bietet sie keinen unterschlupf fuer schaedlinge?

neigt nicht alte "borke" eher zum verrotten und zum pilzwachstum? zuechtet man darauf nicht sogar speisepilze?

liebe nachdenkliche gruesse
heide



grübelnd...



Bei Holzhackschnitzeln oder gar Sägespänen mit Rinden-Anteil sollte potentiellen (grösseren) Schädlingen schon bei der Bearbeitung des Holzes eigentlich der Garaus gemacht worden sein. Zumindest ist in diesen Fällen die Borke nicht mehr so dick (oder?).
Lehm sollte mit seiner niedrigen Gleichgewichtsfeuchte auch der enthaltenen Rinde das Wasser entziehen und damit vorhandenen Mitbewohnern (Pilze, Schädlinge) die Existenzgrundlage nehmen.
Also, klar ist mir das nicht, mit der Borke, zumal man bei Lehmzuschlagstoffen alle möglichen organischen Materialien verwenden kann.
Wolf



"Bewohner"



Ohne Rinde deshalb, weil untzer dieser sich eine Unmenge an Anobien, Larven, Maden, Käfer udgl. befinden.
Auch wenn diese mit lehm vermischt verbaut werden, ist es eine stetig tickende "Zeitbombe"!
Unsere Altvorderen haben uns derartiges zur genüge hinterlassen!!!!
Stakenfelder sind eigentlich okay, doch bei genauerem hinsehen erkennen wir enormen Fraßbefall auch unter der dicken Lehmschicht. Bei ungünstigsten Fällen hatte ich auch schon fast komplette Hohlröhren in den Stakenwänden, da stand eben nur noch die Rinde als Endergebnis in den Lehmwänden.

MfFachgrüßen aus der Oberlausitz.



Rinde in Sägespänen ??!



Dann bestätigt die Praxis ja wohl, dass Lehm eben doch nicht vor Schädlingsbefall schützt, wenn dieselbigen sich so wohlfühlen, dass sie die Zeit haben sich durch komplettes Gestänge zu fressen und dieses gar aufzulösen. Ergo bietet ein Lehmüberzug auf Holz lediglich einen mechanischen Schutz (solange er intakt ist). Gibt es irgendwo einen Zugang zum Holz haben auch die Schädlinge wieder freien Eintritt (?)

Welche Gefahr bietet denn nun Rinde in Sägespänen welche von der Dimension ja nun recht klein sind. So ein einzelner (rindenbesetzter) Sägespan in einem Leichtlehmziegel ist ja nun von einer dünnen Lehmschicht umgeben. Viel Bewegungsfreiheit hat ein Schädling also nicht... Wie sieht das aus mit dem Sauerstoff? Brauchen die Maden, Larven etc. keinen? Oder ist ein Lehmziegel so offenporig?

Ich bin deshalb so hartnäckig, weil ich die Schädlingsresistenz von lehmüberzogenem Holz noch einmal hinterfragen möchte. Irgendwie glaube ich nicht so recht daran. Und wenn ein bisschen Borke schon ein Problem ist, dann gibt es sicher noch andere Umstände die den angeblichen Holzschutz durch Lehm relativieren.

Laienhafte Überlegungen:
- Ist ein Holz-Lehm-Element dauerhaft trocken ist darin eingeschlossene Borke/Rinde auch kein Problem
- Ist ein Holz-Lehm-Element häufiger feucht gibt es ein Problem, aber das gäbe es auch ohne Borke

Grüsse aus dem sonnig-warmen Siebenbürgen
Wolf



Re



Architekturbüro für Planen und Bauen im Einklang mit Mensch und Natur
Dipl. Ing. (FH) Michael Nothhelfer
Zum Rebösch 10
88662 Überlingen/Hödingen
Tel.: 07551 / 64585
Fax : 07551 / 64406
eMail: michael_nothhelfer@yahoo.de

Hier erst einmal die Telefonnummer vom Micha, den Du über derartige Details einfach gut kontaktieren kannst und auch salopp gesagt "ausqutschen" kannst. Nur eben die Sache der Fachausnutzung ist ihm nicht sehr Recht, denn dies hat in den letzten 20 Jahren seines Wirkens enorm viel stattgefunden.
Er ist lieber Iin der Leitung, als über e-mail, da er ein Architekt alter Schule eben ist!!

Nun noch kurz zu Deinen kritischen Nachbemerkungen:
Natürlich ist Lehm kein Allheilmittel, aber sensibel, sauber und auch fachlich akkurat verbaut, wird es nicht zu problemen führen, wenn sich da einzelne Rindenanteile darin befinden sollten!
Doch die von mir betrachteten Anmerkungen resultieren ja aus den Erstellungszeiten dieser Konstruktionen und da waren die Ansprüche an diese Bauten ganz andere und auch die Nutzung entsprach ganz anderen Bedingungen.
Desweiteren ist mit zu beachten, daß diese Schadbilder sich eben nur dann entwickeln konnten, wenn sich ein dafür gut entwickelndes Entwicklunhsklime für diese Schädlinge einstellte und dies waren eben dann sogenannte Nutzungsveränderungen durch Heizungsneukonzepte, Überdichtungen, Überfeuchtungen, Übervölkerungen, aber auch enorm langer leerstand dieser gebäude, wo sich eben dann durch die Bewitterungen und Verfallserscheinungen die sogennten "Baumängel" nagativ bemerkbar machten und heute auch noch machen.
Ich berate demnach immer unter der Betrachtung, daß auch im Lehmbau genügend fachlich falsch gemacht werden kann, was ich erst vor ca. 2 Jahren erlebte, wo ich einen Brandschaden in einem erst wenige Jahre vorher neu erstellten Fachwerkgebäude aufarbeiten durfte und da feststellte, daß die gesamte Holzhackschnitzelinnendämmung komplett mit Hausschwamm durchwachsen war.
Dort ergab meine Recherche, daß er bereits mit eingebaut wurde, weil man bei diesem Materialeinsatz sehr oberflächlich und schlampig heranging.
Es wurden nämlich sämtliche nur nach "Holz" aussehende Materialien geschreddert und verbaut. Obstholzverschnitte, Heckenverschnitt, resthölzer jeglicher Art udgl. mehr!!
Auch lag dieses Zeug's bereits mehrere Monate auf einer Wiese im Dreck, wo es nun schon anfing zu kompostieren.
Und dann eben eingebaut, entwickelte sich dieses Schadbild, was eben nur durch die Brandschadensentwicklung plötzlich zum Vorschein trat. Sonst hätte es erst einmal keiner mitbekommen, sondern eben erst in einigen Jahren, wenn's zum absoluten Problemfall wird!

Fachgrüße zurück ins holzreiche Rumänien.



jetzt passts!



Hallo Udo,
so also läufts :)
Danke für die ausführliche und klärende Erläuterung. Aussagen ohne erläuternde Beispiele sind eben sehr häufig Missverständnisbehaftet.

Danke auch für die Kontaktdaten von M.Nothelfer. Leider ist telefonieren ins Ausland ziemlich teuer. Die Rom-Telekom nutzt ihr Monopol eben noch recht weidlich aus.

Herzliche Grüsse
Wolf
PS: Wir hatten heute wieder ein Klasse Wetter :)



@Udo



Hallo Udo Frage an dich
die Holz Hackselwand ist bestimmt nicht richtig ausgeführt worden (Trocknungszeiten) bevor die Wand geschlossen wurde dann konnte sich der Hausschwamm bestimmte sehr gut ausbreiten (optimales Hausschwamm Wachstumsklima)
und jetzt meine Frage:
wie ist das mit dem Hausschwamm ausgegangen zwecks Gewährleistung? (Ausführungsfehler)

Mit zimmerlichem Gruß
Andreas vollack
aus Hann. Münden



Re



Habe mich komplett nach hinten abgesichert, um spätere Regreßforderungen abwerfen zu können!
Der Besitzer dieser Immobilie ist ein verein.
In diesem Verein ist der bauleitende Architekt (gleichzeitig auch ausführender Planer!!!!) Mitglied.
Nun zum Schock!
Schnelles mechanisches Abbeilen des Holzes (ca. 7cm tiefer Befall!!!), die Hackschnitzelwände schnell mit Lehmausgleichsputz bespritzt, damit darüber Ruck - Zuck pro clima gebracht werden konnte, um anschließend mit Zellulose auszublasen.
Und schon war die Hausschwammsaniereung fertig und verbaut!

So kann man' s eben auch machen, aber eben nur wenn man Mitglied ist und es hinten und vorn am Geld mangelt.

Ist aber keine Lösung, da ja jeder Architekt 30 Jahre in der Gewährleistung steckt!!!

Grüße



Rinde/Borke?



Und was hat das alles mit einem Rinden bzw. Borkenanteil zu tun?
Holz sollte, wenn es nicht allseitg abgeschlossen eingebaut werden kann frei von Rindenanteilen sein.
Gründe dafür sind:
1. In der Rinde bzw. zwischen Rinde und Holz können Schädlinge ihre Eier ablegen... folgen sind bekannt!
2. Das Kambium, also die Schicht zwischen Rinde und Splintholz ist für das Wachstum des Baumes verantwortlich und somit Nährstoffreich--> Was gibt es schöneres für Insektenlarven?

Soltte nur eine kleine Ergänzung vorgenannter Beiträge sein!

Mit freundlichen Grüßen

Moritz Reifferscheid
Holzplanung & -bewertung
www.holz-pb.de
info@holz-pb.de