Reparatur von Schilfdecken mit intaktem Kalkputz

11.03.2015 Georg Eisler



Hallo,

die Decken unseres Hauses aus dem Baujahr 1926 sind kalkverputzte Schilfmatten, teilweise kaum, teilweise stark rissig. Die Vorbesitzer hatten alles tapeziert und zur Vorbereitung Teilbereiche überspachtelt.
In zwei Zimmern im Obergeschoss befinden sich mehr oder minder große Ölfarbinseln, vermutlich um einen alten Wasserschaden ab zu sperren.
Ich habe alle Decken ab- bzw. angeschliffen. Die Decken federn wenig und machen von den Rissen abgesehen einen intakten Eindruck.
Mein Plan war und ist, die Risse zu reparieren und einen dünnlagigen Kalkputz aufzubringen.
Die Frage ist jetzt "nur" wie und auf was. Meine größte Sorge ist die Ölfarbe, die sich ja nicht ohne weiteres Abschleifen lässt. Dort hält doch eigentlich nicht viel freiwillig darauf, oder?
Gestern wurde mir in einem Naturbaustoffladen Maxil Grund grob als Grundierung empfohlen. Das später gelesene Datenblatt spricht allerdings von "Ölfarben abschleifen oder ~beizen".
Ist es kompletter Unsinn eine weitere Schilfmattenlage durch die bestehende Schilfdecke an der Untergrundkonstruktion zu befestigen und zu verputzen?
"Abhängen" ist keine Lösung, da Rolladenkästen bis unter die Decke reichen.
Freue mich über Vorschläge zur Herangehensweise!

Viele Grüße,
Georg



Schilfdecke sanieren



Hallo Georg,
um das Beseitigen der Ölfarbanstriche zu vermeiden könntest du entweder von Kreidezeit den Gekkosol-Putz/Grundierung verwenden oder z.B. den MC55W von Baumit. Beides habe ich selber verwendet.Kreidezeit hat eher die 100% Ökovariante.

Die Ölfarbe würde ich mit grobem Schleifpaier anschleifen zur Verbesserung der Griffigkeit.

Ich würde erst so etwas als Haftbrücke verwenden, dann ein Gitter einlegen und mit Kalkmörtel darüberputzen.
Besser einen Putz, den du gleich in der Farbe lassen kannst ohne Streichen zu müssen.

Andreas Teich



Holzweichfaserplatten



Hallo Andreas,

vielen Dank für die Empfehlung!
Wäre es auch möglich die Schilfdecke mit dünnen Holzweichfaserplatten zu beplanken, zu verspachteln und zu Grundieren und dann eine Kalkglätte aufzuziehen oder unterschätze ich das Gewicht bzw. die Tragfähigkeit der Platten?



Schilfplatten sanieren



hallo Georg
Grundsätzlich müßte es funktionieren- hängt natürlich von der Spannweite/Balkenabständen ab und welche Platte verwendet werden soll und welche Putzstärke- die Unterscheiden sich recht stark in der Festigkeit.
Da würde ich mich beim Hersteller erkundigen- je nachdem welche Fabrikate du bei dir bekommst.
Evt könnte im Zwischenfeld gelegentlich eine Verankerung mit Hohlraumdübeln vorgenommen werden.

Andreas Teich



… blubb blubb …



… ohne auf das dünne Eis auf dem Teich einzugehen … das ist mir ZU dünn … 

rate ich Ihnen Ihre eigenen Ideen ernst zu nehmen … 

"Risse reparieren" … "einen dünnen Kalkputz aufzubringen"

Ich weiss jetzt nicht, wie Ihr AB- oder AN-Schleifen aussieht … aber wenn Sie noch die Ölfarb"sanierten" Bereiche ganz entfernen, können Sie die Fehlstellen und geöffneten Risse mit Kalkputz überarbeiten und dann die gesamte Fläche mit einem Kalkputz 0-1mm dünn überziehen … und dann mit einer Kalkkaseinfarbe ein paar mal streichen … 

Als Kalkputz würde ich den von Solubel nehmen (oder mit gutem Sand und Kalkhydrat selber mischen) und evtl auch den Sumpfkalk oder die KalkKaseinfarbe von denen … oder einen Sumpfkalk vom Altmannsteiner besorgen … 

Die Oberfläche nicht zu sehr "glätten" da sonst wieder leichter Risse sichtbar werden können.

Von Tiefgründen oder andersbezeichneten Zaubermitteln würde ich Ihnen abraten … 

Wenn der Kalkputz der Decke allerdings "verhungert" ist (zu sehr bröselt, weil die Tapeten den "umgebracht" haben), dann könnten Sie mit Staubkalklösung drüber gehen.

Gutes Gelingen

Florian Kurz



Es wird...



eine Rissreparatur nicht gelingen, wenn man nur was drüberschmiert. Sei's nun "öko" oder "chemisch". Die Risse sind nämlich nicht ohne Grund entstanden.

Bei mir (selbe Ausgangslage) ist gerade ein Vlies in einen Spachtel eingeklebt worden, das Ganze überspachtelt und leicht überschliffen, darauf Biosil mit ein paar Körnchen als Beigabe. Die Risse sind überbrückt, somit gibt es eine solide Basis.

Die Ölfarbinseln würden darunter verschwinden, kräftiges Anlaugen mit Ätznatron oder Ammoniak reicht.

Alternativ: Statt HWPl würde ich an der Decke eher eine Heraklitplatte als Putzträger nehmen. Diese sollte aber gut mit Tellerdübeln an einer Balkenlage befestigt werden, und einen Vlies oder Gitter sollte trotzdem verwendet werden. Das ist dann ein viel größerer Aufwand. Im übrigen: Lehmputz wäre etwas weicher.

Grüße

Thomas

P.S. Erstere Variante kannst Du Dir bei mir anschauen, der Kirchenmalermeister Kay Zänker hat's gemacht...



Vielen Dank an...



... die Herren Teich, Kurz und Böhme!

@ Florian Kurz: ich weiß nicht, ob ich mir das Abspachteln der Ölfarbe zumuten will. Ich habe das mal in der Vertikalen gemacht und wenn ich mir da die befreite Fläche/Stunde vor Augen führe, so zweifle ich schwer, dass ich bei den Decken vor Weihnachten und v.a. gesunden Rückens von der Leiter steigen würde.

@Thomas W. Böhme: wie lange wurden ihre Ölfarbflächen angelaugt und funktionierte die Neutralisierung problemlos?
Ich bin mir nicht sicher, ob das Anbringen einer weiteren Putzträgerlage wie Heraklit (danke für den Hinweis) und das Verputzen ein viel größerer Aufwand wäre, als die sehr umfangreiche Untergrundvorbereitung mit Laugen etc.
Die Holzweichfaserplatte hatte ich in meine Überlegungen mit einbezogen, weil sie sehr leicht ist und in geringen Stärken angeboten (z.B. 8mm) wird. Heraklitplatten, obwohl leicht, sind ja in der Regel mindestens ein Zoll stark, oder gibt es die auch dünner?
Das Besichtigungsangebot ist übrigens verlockend, da ich öfter in Dresden bin!

Viele Grüße,

Georg



Schilfdecke sanieren



Du kannst die Ölfarben auch mit einer kleinen Flex und grobem Schleifpapier ab- oder zumindest anschleifen (große Sauerei aber dann ists weg und du mußt keine Chemie anwenden)

Die von mir genannten Putze sollten aber auch so halten und mit einem eingebetteten übergeputzten Vlies, wie schon beschrieben, sollte das Ergebnis halten.

Eine sehr dünne Holzfaserplatte müßte entweder geklebt werden, was schwierig wäre bei dem labilen Untergrund oder häufig befestigt.
Dann wäre eine zumindest ca 20 mm Platte besser.

Andreas Teich



Hallo,



die Betonung liegt auf ANlaugen, also Abstumpfen der Oberfläche. Das Ist relativ unaufwendig, bei Arbeiten über Kopf ist freilich unbedingt Augenschutz von nöten.

"Keine Chemie" ist lächerlich, naiv und zeigt eine mädchenhafte Bauphilosophie - man lese sich nur das Zutatenverzeichnis auf einer Zahnpastatube durch :-) Und im Joghurt ist auch Milchsäure, igitt...

Bei Anlaugen mit Natronlauge sollte man nachwaschen mit verdünntem Essig. Beim Arbeiten mit Ammoniak hat man zwar etwas Gestank, muß aber nicht neutralisieren, weil restliche Alkalien verfliegen. Nachwaschen schadet trotzdem nicht. Auf dieser meiner Decke waren zwar reichlich Risse, aber keine Ölfarbe. Ich habe das so wie beschrieben schon an den üblichen Ölsockeln praktiziert.

Da ich auch im Hause arbeite und mich gern 'mal ablenken lasse, halte ich meine Einladung gern aufrecht.

Grüße

Thomas



Nochmals Dank...



an Andreas und Thomas. Ich habe mal ein Bild unserer "schlimmsten" Decke im 1.OG angehängt, was vielleicht die Einschätzung des Reparaturbedarfs und der Möglichkeiten erleichtert.
Zum Thema Bio oder nicht habe ich auch eine Meinung, will aber dieses Thema hier so trennscharf wie möglich halten :-)
Grüße,

Georg



Gipsdecke



... oder GK-Platten von unten durch die alte Decke an die Balken schrauben.



Eine GK - Decke...



sollte schon 2fach überlappend gelegt werden, und die Fugen könnten sich doch, wenn's Häusle stärker rappelt, markieren.

Mit einem Vlies lässt sich schon Einiges kaschieren. Ich hatte ziemlich fette Risse, weil ein hirnrissiger Scheinzimmermann von mir erwischt wurde, wie er strahlend mit seinen ca. 100kg auf der von oben freigelegten Schalung stand. In diesem Augenblick begann seine letzte Viertelstunde auf meiner Baustelle :-(


Grüße

Thomas



Die Aufbaustärke



sollte aufgrund der Rollladenkästen wie gesagt so gering wie möglich sein, daher auch die Überlegung mit der dünnen Holzweichfaserplatte. Grundsätzlich favorisiere ich eine verschalende Variante, weil damit das, was der im Vergleich zu mir wesentlich bewandertere Deckenputzer vor 90 Jahren angestellt hat, auch nach mir noch zu bewundern wäre so man sich die Mühe machte meinen Murks wieder zu entfernen wenn er nicht bis dahin eh der Schwerkraft gefolgt ist :-)

@Thomas: Die Schalung vom Dachboden her frei zu legen habe ich auch schon überlegt. Da könnte ich mir im Falle einer Beplankung zumindest die Probebohrungen auf der Suche nach den Deckenbalken sparen. Andererseits hält sich mein Tatendrang bezüglich Dielen heben und Schüttung raus- und wieder reinschaufeln in Grenzen. Die einzige Motivation wäre, dass da doch irgendwo ein Schatz versteckt sein muss in so einem alten Gemäuer. ;-)



Wir hatten...



alles zwischen den Balken herausgepflückt, weil der Einschub sehr hoch lag und nur 5cm Sand darauf waren...Und eine zu vermietende Wohnung drüber...

Nun stimmt der Schallschutz ein kleines bisschen mehr. Für Dich hätte die Freilegung von oben den Vorteil, eine Wärmedämmung gegen unbeheizt einbringen zu können - sehr sinnvoll für eine Decke.

Schätze hatten wir keine entdeckt.

Grüße

Thomas



Decke sanieren



Hallo Georg
sooo dramatisch siehts eigentlich nicht aus, wenn das schon die schlimmste Stelle ist.

Natürlich nicht schön- wenn aber der Putz ansonsten fest ist und nur Risse hat (vorsichtig mit locker am Metallende flach gehaltenem Schraubenziehergriff o.ä.darauf klopfen- klingt sofort hohl wenns nicht fest ist)
würde ich wie schon geschrieben gut säubern- lose Stellen abklopfen und dann entweder zB den MC 55 W von Baumit oder Gekkosol von Kreidezeit oder ähnliches aufspachteln, ein Vlies/Gitter etc einlegen und überspachteln.

Ggf nochmals mit Kalkfeinputz oder Lehmputz überputzen-
je nach optischem Anspruch und bisherigem Ergebnis.

Auch deine Holzfaserplatte müßte ja noch geputzt und genetzt werden- zusätzlich aber noch befestigt, zugeschnitten etc werden- ist also arbeitsmäßig keine Ersparnis- gerade wenn du nur sehr wenig Aufbauhöhe hast.

Das setzt dann bei einer dünnen Platte viel sorgfältigere Befestigung voraus.

Wenn ansonsten die Decke ok ist und keine weiteren Verbesserungen stattfinden sollen ist das meiner Meinung nach die einfachste und günstigste Lösung (sofern sich das ohne Baustellenbesichtigung sagen läßt)

Beim Decke putzen sehen daß du gerade so hoch stehst, daß der Kopf nicht die Decke berührt.Dann gehts am leichtesten.

Oder du fragst einen Verputzer oder versierten Trockenbauer- falls du keine Erfahrung damit hast werden die das erheblich schneller erledigen und du kannst immer noch die Hilfsdienste leisten.

Andreas Teich





hi
ich habe eine alte Volkschule und hatte viele decken zu sanieren. Dein Gecke ist super in Ordnung und du brauchst nur sehr wenig machen. Ich habe eine Methode entwickelt mit der du die Loecher schliessen kannst.
Am Besten nimmst du ein Tongitter oder auch Schilf und fuellst das Loch auf indem du das Schilf mit duennen Draht umwickelst. Dann schraubst du es mit vier Schrauben an jeder Ecke am Holz fest. Es soll nichts ueberstehen aber auch nicht zu viel Platz sein zum verschmieren. Ich habe die Schrauben mit Bindedraht diogonal umwickelt und wenn du dann die Schrauben anziehst halten die das Schilf nach oben. Diese Methode habe ich auch bei losen Deckenteilen verwendet und die Risse habe ich ich alle verschmiert, netzen und wieder ueberspachtelt. Du musst nur das notwendigste machen und dann einfach mit mineralfarbe nicht zu dick ubermalen (mit pinsel). Dann verspachteln und Risse Bandagieren, verspachteln und noch zwei mal uebermalen.
lgge



Einfacher...



...ist diese Plombenmethode mit Heraklitplattenstückchen umzusetzen.

Grüße

Thomas



Danke



für die geteilten Erfahrungen und die umfangreichen Tips! Danke auch für den Hinweis mit der idealen Standhöhe unter der Decke, Andreas, ich glaube ich hätte mindestens eine Sprosse tiefer gestanden.

Viele Grüße,
Georg, im Moment mehr rotierende Wurzelbürste denn Mensch...



Welche Spachtelmasse



ist für diese Deckenart zu empfehlen? Muss ich bezüglich der Maschenweite des Glasfasergewebes etwas beachten oder sind 4-5 mm vertretbar?

Danke und viele Grüße,
Georg