Putzträger und verschiedene Lehmputze

24.09.2021 Charlotte

Putzträger und verschiedene Lehmputze

Hallo,
bei uns wurde 6 Meter Schwellbalken gewechselt. Ich habe die Gefache mit Leicht- Lehmstein 1.2 ungelocht, Kl. I a wieder aufgebaut. Habe schon die erste Schicht Unterputz drauf. Nach der Trocknung kommt die zweite Schicht bis auf die Höhe der Seitenbalken. Hier im Forum habe ich des öfteren gelesen, dass manche Schilfmatten auf die Balken tackern und manche machen Putzträger Schilfrohrgewebe (70 stängelig) drauf. Ich habe beide Materialien.
Jetzt zu der ersten Frage: Welche Art wäre besser?
Falls ich Schilfrohrgewebe benutzen soll, stellt sich bei mir die Frage, wie ich um die Ecke tackern soll? Ich müsste ein paar cm innerhalb des Gefaches vom Balken um die Ecke rein. Das wäre oberhalb des Gefachs kein Problem, nur unten ist ein dicker Stein eingebaut der ca. 40cm hoch ist und fast bis zum Rand des Gefaches geht. Da habe ich keine Chance zu tackern. Ein zweites Problem wäre auch noch bei der Seitenwand. Wenn Schilfrohrgewebe an der Vorderseite wie auch immer tackern würde, habe ich dann keine Möglichkeit an der Seitenwand Schilfrohrgewebe anzubringen, weil dann der Weg zum Gefach von der Vorderseite durch das andere Schilfrohrgewebe versperrt wäre. Ich hoffe ich konnte es einigermaßen verständlich rüberbringen.
2. Frage: Ich habe sowohl hier im Forum als auch in Google recherchiert aber nichts passendes gefunden, um rauszubekommen, ob es schlimm ist wenn verschiedene Putze auf einer und derselben Wand wären. Ich meine nicht untereinander sondern wirklich durcheinander. Mein Schwiegervater hat eine Wand Verputz die sieht folgendermaßen aus: Ein Teil vom Unterputz die schon drauf war, dann kommt Claytec Unterputz, dann 30-40cm weiter genau umgekehrt, jetzt will er um die Wand gerade zu bekommen die schon ziemlich schief ist, komplett mit Claytec Unterputz gesamtflächig Verputzen um eine gerade Fläche zu bekommen und zum Schluss nochmal mit Claytec Mineral 16 und es anschließend mit Claytech Feinputz beenden.
Charlotte



Re: Putzträger und verschiedene Lehmputze



Zur 1. Frage: Wenn du mit "Schilfmatten" die Schilf-Sichtschutzmatten vom Baumarkt meinst, die kannst du nicht verwenden, da bei denen die Halme dicht nebeneinander liegen. Durch diese Matten dringt kein Putz zum Untergrund durch. Die Matten bilden eine Trennschicht, wodurch der Putz nur an diesen Matten hängen würde. Und diese wiederum nur an ein paar Tackernadeln an der Wand..... Deshalb Schilfrohr-Putzträgergewebe (70-stengeliges) verwenden.
Das Schilfgewebe muss nicht vollflächig auf eine Wand montiert werden. Es reduziert zwar bei vollflächiger Montage das Risiko der Rissbildung, ist aber kein Muss, der Putz hält auch ohne an der Wand. Es reicht wenn die Balken damit bewehrt werden, da in die letzte Lage Unterputz sowieso ein Armierungsgewebe eingebettet wird.
Zur Frage 2, "Um die Ecke tackern" : Das geht mit Schilfrohr gar nicht. Du müsstest das Schilf in der Ecke stoßen und hättest somit eine Naht/Fuge genau an der Stelle, die bewehrt werden soll.
Eckarmierungen kann man gut mit Ziegeldrahtgewebe (Ziegelrabbitz) machen. Dazu schneidet man ca. 20 cm breite Streifen, biegt diese an einer Tischkante (od. einem Brett) mittig zu einem gleichschenkligen Winkel, den man dann in der Ecke in Lehmputz einbettet und z. B. mit Heraklithnägel (Leichtbauplattenstifte) zusätzlich fixiert. An diese Rabbitzstreifen wird dann das Schilfgewebe angestoßen. Das Gleiche kann man auch am Deckenanschluß machen, um Risse im Wand-Decken-Winkel zu verhindern.
Zur Frage 3, "Verschiedene Putzuntergründe": Einem Lehmputz ist es egal auf welchen Untergrund er aufgezogen wird, solange der Untergrund rau genug ist, dass der Putz anhaftet. Aber gerade an einer Fachwerk-Außenwand sollte der Untergrund kapillaraktiv und diffusionsoffen sein, damit Feuchtigkeit in der Wand schnell raus trocknen kann (gibts gefühlte 1001 Beiträge dazu hier im Forum).

Warum ihr die "gerade" zu verputzende Wand mit Unterputz UND Mineral 20 (Mineral 16 gibt nicht mehr) UND Feinputz verputzen wollt, müsstest du noch erklären. Eigentlich reicht zum Begradigen der (stroharmierte) Unterputz und als Oberputz direkt der Feinputz. Wobei der Feinputz (Oberputz fein 06) nur max. 3 mm dick aufgezogen werden kann. Mein Tipp: Verwendet den Mineral 20 als Oberputz. Den kann, bzw. muss man dicker aufziehen ("kann", heißt bis 10 mm, um z. B. letzte Unebenheiten zu korrigieren, "muss", heißt mind. 6 - 7 mm, weil die Körnung bis 5 mm ist) und der ist durch sein gröberes Korngerüst robuster als der "Oberputz fein 06". Man kann damit aber trotzdem Q3-Oberflächen herstellen, sprich anstrichfähig glatt filzen/schwämmeln.
Bei einem zu dick aufgezogenen (Fein-)Putz entstehen während der Trocknung Schwundrisse. Deshalb sollte man die Herstellerangaben einhalten. Diese sind so ausgelegt dass eben keine Risse entstehen.
Abgesehen davon ist es für Ungeübte von Vorteil den Oberputz etwas dicker aufzuziehen, weil der Putz dann nicht so schnell anzieht und zu fest wird. Man hat dadurch mehr Zeit zum Filzen und (sofern gewünscht) Glätten.



Mineral 16


Mineral 16

Mineral 16 sind von meinem Schwiegervater, die ihm noch vor drei Jahren übriggeblieben sind. Habe jetzt 18 Säcke davon.
Bei einer anderen Fragestellung habe ich kurz über den Aufbau mit Gibs-Kalkputz und Rigipsplatten und anschließend den Abbau unsererseits geschrieben. Wenn gewünscht kann ich es hier nochmal posten. Seitdem haben wir das Problem mit den Wänden von Unregelmäßigkeiten. Die Handwerker mussten damals sehr viel von den Wänden abmachen (mehrere Tapeten übereinander und was noch so alles drauf war. Soll sehr schlimm gewesen sein). Durch das Abmachen sind mehrere cm Differenzen am Lehmputz entstanden. Damit meine ich, dass die Wände verschieden stark mit Gibs-Kalkputz verputzt waren um eine gerade Linie zu bekommen. Als wir den Gibs-Kalkputz abgemacht haben mussten wir manche Stellen bis zum Gefache und manche stellen ca. 5 mm abmachen, so das der Oberputz zum Vorschein kam. Die Wand auf dem Foto ist die schlimmste. Links von der Wand fehlen ca. 4-5 cm. Richtung Fenster nur ein paar mm. Mein Schwiegervater wollte deshalb schrittweise verputzen. Wo mehr fehlt mit Oberputz, ab 1cm mit Mineral 16 und ab 6mm eine Schicht 2-3mm dicker Oberputz. Nachdem alles durchgetrocknet ist nochmal alles mit Oberputz 2-3mm verputzen. Somit will er bis zur Fensterleiste kommen. Ganz so sicher ist er sich aber auch nicht.
Bei einem anderen Zimmer sieht es anders aus. Da ist noch sehr viel Oberputz drauf. Hier ist das Problem durch das Abspachteln des sehr dünnen Gips-Kalkputz sind sehr viele kleine Unebenheiten entstanden. Hier will er mit Mineral 16 auf die vorgenässte Wand mit einer Kelle Putz ziehen und nachdem der Putz leicht angetrocknet ist mit Trapez-Kartätsche abziehen. Somit hofft er, dass die Lücken gefüllt sind. Anschließend Oberputz. Auch hier ist er sich nicht sicher. Was ist mit Stellen die weniger als 6mm sind?



2. Zimmer


2. Zimmer

so sieht es in dem anderen Zimmer aus.



Re: Stellen mit weniger als 6mm



"Was ist mit Stellen die weniger als 6mm sind?"
Entweder mit dem "Oberputz fein" mehrlagig verputzen (da man den pro Lage nur max. 3 mm dick aufziehen sollte), oder an den Stellen, die jetzt zu wenig Platz bieten den vorhandenen Lehmputz gut und mehrfach anfeuchten (damit es einfacher geht) und ein paar Millimeter weg rabottieren, um eine etwas dickere Lage Mineral 16 od. Unterputz aufziehen zu können.

Nebenbei bemerkt: Wenn ihr den Boden vor den Wänden vorher fegt, dass kein Schutt und anderer Dreck da liegt, könnt ihr den von der Wand gekratzten Lehmputz, um Material zu sparen, wieder verwenden, indem ihr ihn dem neuen unter mischt.