Verputzen eines Bruchsteinsockel

25.03.2011


Hallo Fachwerk-Community,
ich hab ein Problem mit meinem Verputz am Sockel.
Kurze Beschreibung: Bruchsteinsockel freigelegt, ordentlich gereinigt (Fugen natürlich auch) und dann mit Kalkmörtel (1 Teil Kalk 3 Teile Sand) verputzt. Dann wurde der Sockel mit Dichtschlämme beschichtet und nach dem Winter ist der Putz an manchen Stellen abgebröckelt.
Meine Frage: Hätte ich die Mauer noch vorbehandeln (vorspritzen) müssen oder war meine Mörtelmischung falsch (Verhältnis 1 zu 3 laut Otterbein).

Gruß
Michael



Sockelverputz



Hallo Michael,
das ist ein schönes Beispiel dafür, was man beim Sockelputz alles falsch machen kann.

1. Ob ein Natursteinsockel überhaupt Verputz braucht ist erst einmal fraglich. Im Sockelbereich wurde früher Natursteinmauerwerk als Abdichtung eingesetzt; allerdings gab es auch billige Imitate um mit der Mode zu gehen.
Also bitte erst einmal prüfen, ob der Sockel nicht steinsichtig erstellt wurde. Dann gehört da kein Putz drauf.

2. Beim Verputz gilt die Regel: Weicher auf hart. Eine zu dick aufgetragene nicht flexible mineralische Dichtschlämme auf weicherem Kalkputz führt zu Ablösungen und Rissen.

3. Eine weitere Regel lautet: von innen nach außen immer diffusionsoffener. Die dichte Schlämme läßt nur wenig Wasserdampf durch, sehr wohl aber Regenwasser, das kapillar durch die vielen Haarrisse eingesaugt wird. Ergebnis: ein sich auffeuchtender Kalkputz, der im Winter zerfriert. Im Sommer löst sich die Dichtschlämme durch Dampfblasen im Putz ab.

4. Noch eine Regel: Der Unterputz aus PI sollte vor der Beschichtung erst vollständig aushärten. Kalkputz härtet von außen nach innen, als Faustregel gilt 1 mm pro Tag Standzeit, wenn der Feuchtegehalt stimmt.

5. Und noch eine: Im Sockelbereich sollten frostsichere Putze der Druckfestigkeitskategorie mindestens CS II eingesetzt werden. Es sei dahingestellt, ob Ihr selbstgemischter Putz das erfüllt.

Wie wird es nun richtig gemacht:
Das hängt immer von den jeweiligen konkreten Bedingungen vor Ort ab. Die allgemein geltenden Regeln finden Sie in Regelwerken wie z.B. den "Leitlinien für das Verputzen von Mauerwerk und Beton" vom Industrieverband Werkmörtel e.V.
Ich schlage Ihnen vor, mal ein oder zwei Fotos von der Fassade und vom Sockelbereich hier einzustellen. Dann kann man weitersehen.

Viele Grüße

p.s. Übrigenss: Zum Sockelbereich zählt auch die Wand bis ca. 30 cm unter der Geländeoberfläche!



Bruchsteinsockel



hallo Georg,
habe glaub ich noch ein Detail vergessen. Ich habe den Sockel freigelegt um eine Drainage zu machen. Es istv zwar "nur" eine Werkstatt, aber die Mauern waren im inneren leicht feucht. Ich denke auch dass die Dichtschlämme zu früh aufgetragen wurde. Sie sollte eigentlich nur zur Abdichtung dienen.
Da haben wir wohl einiges falsch gemacht.
Ich stell heut Abend mal Bilder davon rein.

Gruß Michael



Sockelputz



Natürlich, die "Drainage" !
Sonst fehlt ja was was beim "Trockenlegen".
Warum schreibe ich das in Anführungszeichen?
Weil eine Dränung von Laien eingebaut fast immer überflüssig ist und wie die meisten solcher Trockenlegungen nutz-bzw. funktionslos ist.
Sie ist nur für einen speziellen Lastfall erforderlich und sinnvoll:
Dann wenn ein Keller mit kurzzeitig aufstauendem Sickerwasser beaufschlagt wird.
Im Altbau ist das sehr selten, da man Keller erst gar nicht bei so einem Lastfall baute bzw. anders dichtete.
Ist denn die Werkstatt unterkellert?
Steht bindiger, wenig durchlässiger Boden an?
Wurde der Keller in einer offenen, abgeböschten Baugrube mit Arbeitsraum errichtet und mit nicht bindigem, gut durchlässigem Material verfüllt?
Neigt sich das Gelände zur Werkstatt hin?
Wenn das alles zutrifft, dann wäre eine Dränung sinnvoll, um den Keller frei von flüssigem Wasser zu halten.
Wenn nicht, dann haben Sie im günstigsten Fall Geld verbuddelt und Arbeitszeit verschwendet.
Im ungünstigen (und bei Laien normalem) Fall haben Sie eine Fundamentbewässerungsanlage gebaut.
Was die Trockenlegungen betrifft:
Üblich ist bei Laien das Auftragen eines schwarzen Spachtels, von dem keiner so richtig weiß was er eigentlich bezwecken soll und wie er richtig verarbeitet wird. Davor wird dann die beliebte und allseits bekannte Noppenbahn gestellt.
Wie sieht es denn bei Ihnen aus, haben Sie Dichtschlämme statt KMB verwandt?

Viele Grüße



Sockelverputz



Hallo Georg,
hab mal ne Skizze von der Situation beigefügt.
Es wurde eine mineralische Dichtschlämme von Deitermann-Webertec aufgetragen (bröckelt aber ab).
Die Werkstatt hat keinen Keller, aber wie auf der Skizze erkennen kannst liegt sie zum Teil im Hang.
Ich habe bis zur Unterkante Fundament freigelegt (feuchte Mauer wurde innen trocken). Der Untergrund ist dort hochfester Lehm (kaum zu bearbeiten) auf dem lockere Erde sitzt. Es ist keine Regenseite und direkt kommt da auch kein Wasserüberschuss hin. Liegt halt im Hang.
Noch ist die Grube offen und außer der Missglückten Dichtschlämme auf dem Kalkputz ist noch nichts passiert.
Hab eben im Forum auch ein wenig gestöbert. Das Thema hattest Du schon mal, da hattest Du einen Zementputz mít einer mineralische Abdichtung empfohlen. Wäre das auch eine Lösung bei mir?
Fotos kann ich heute Abend nachliefern.

Gruß Michael



Sockelputz



Erst mal bin ich etwas verunsichert über die Skizze.
Bis zum Fundamentfuß durch den bindigen Boden zu schachten wäre ein grober Fehler, der die Standsicherheit des Gebäudes gefährdet und den Hang destabilisiert.
Was die Abdichtung betrifft:
Alles unterhalb der Grundschwelle und des Fußbodens kann und sollte erdfeucht bleiben.
Konzentrieren Sie sich auf eine trockene Schwelle und den Fußboden.
Die Aufschachtung sollte schnellstens geschlossen werden, am besten mit Magerbeton.
Vorher können Sie auf den gereinigten Untergrund eine mineralische Dichtschlämme aufbringen, wenn Sie das beruhigen sollte. Ein Zementputz als erste Schicht dient dazu, die Unebenheiten einer solchen Mauer auszugleichen.
Das betrifft den Bereich bis etwa 30 cm unter dem Gelände, nicht das Fundament! Auf die Schlämme kann dann ein Sockelputzsystem aufgetragen werden, falls dies erforderlich sein sollte.
Das Fundament brauchen Sie weder zu dichten noch trockenzulegen, da haben Sie mit Ihrem Freischachten die Mantelreibung zerstört und die Gefahr eines partiellen Grundbruchs erhöht.
Nach dem Verfüllen der Fundamentflanke mit Beton können Sie oberhalb der Lehmschicht einen Drän legen. Der soll nicht das Mauerwerk oder das Fundament trockenlegen, sondern Hang- und Schichtenwasser fassen und in eine Vorflut abführen, damit der bindige Boden am Hangfuß nicht weiter vernässt. Wie so etwas angelegt wird sollten Sie vorher mit einem Fachmann, z.B. einem Tiefbauer, besprechen und nicht wieder selber draufloswerkeln.





zum anmischen von Kalkputzen bedarf es einiger Erfahrung und sollte unter Anleitung von einem Fachmann der sich in diesem Thema auskennt ausgeführt werden.
Es gibt auf dem Markt hervoragende Luftkalk Fertigmischungen die auch funktioniern und keine Probleme bereiten (z.B. Solubel SP 50), wenn sie richtig verarbeitet sind.
so wie ich aus ihrem Sockelaufbau entnehme, hat sich sich die Dichtschlämme vermutlich als Trocknungsbremse herausgestellt.
Ich kenne den Lastfall nicht, dieser sollte geprüft werden.
ich denke dass das entfernen des gesamten Sockelputzes und ein neuer Schichtaufbau wohl am vernünftigsten wäre.

Grüsse Thomas



Bruchsteinsockel



Vielen Dank schon mal für die Tips.
Habe jetzt mal Bilder beigefügt.
@ Georg: Die bindige Schicht habe ich nicht aufgegraben. Die fängt tatsächlich erst am Ende Fundamentfuss an und ist richtig hart. Der Fussboden im inneren liegt auf etwa gleichem Niveau und besteht aus Naturboden. Der ist auch noch leicht feucht und kann auch so bleiben. Soll später nur mit Klinker gepflastert werden.
Zu den Bilder ist noch zu sagen, dass die Schwelle vorher ca. 30 cm unter Niveau mit Erdreich verdeckt war. Deshalb ist sie auch teilweise zerstört.

Gruß Michael



Bilder Sockel_1



Bild 2



Bilder Sockel 2



Bild 3



Bilder Sockel 4



Bild 4