BERICHT: Lehmputz auf Schilf plus Kalkanstrich

20.09.2006


Hallo zusammen.

Nun bin ich nach eineinhalb Jahren endlich fertig mit dem Ausbau eines Zimmers in unserem über 400 Jahre alten Haus.

Wer wissen möchte, wie die Lehmpuzt-Arbeiten ausgeführt wurden, kann hier einen Bericht lesen:

http://home.arcor.de/twarcor

Viele Grüße,
Tobias.



Schöner Bericht



Ich finde es prima, dass Du den Bericht so ausführlich verfasst hast. Da kann sich auch der Nichtfachmann ein klares Bild machen.
Frage: Hast du in den Putz eine Bewehrung (Jute- oder Glasfasergewebe) eingearbeitet?
Wenn nicht: bleibt der Putz rissfrei?



Hi Tobias


Hi Tobias

Da Du ja mit Schilf zu tun hast wollte ich dich mal fragen, ob du diese kleinen Kerle kennst?

Ich habe mir in der Wohnung an einigen Stellen Schilfmatten an die Wand genagelt. Nun haben wir ein schnelles tickendes Geräusch daraus gehört und diese kerlchen entdeckt. Haben sie bereits mit Insektenspray eingenebelt, welches uns einige Wochen ruhe beschert hat. dann kams wieder.
Nun haben wir es noch einmal eingenebelt und machen uns sorgen das diese Viecher immer wieder kommen...


Weißt Du rat?

Gruß jessi



Bewehrung im Lehmputz



Hallo!

Als Bewehrung in dem Lehmputz dient gehäckseltes Stroh. Risse werden dadurch vermieden, dass jeweils nur geringe Stärken aufgeputzt werden und diese langsam trocknen dürfen. (Je schneller, desto höher die Risswahrscheinlichkeit.)

Dennoch auftretende kleine Risse kann man während der Trocknung noch mit Lehm ausbessern. Wenn dann immer noch was zu sehen ist, schließt sich dies beim Anstrich mit Kalk von selbst. Die einzigen Risse, die bei mir entstanden sind, liegen im Bereich der Heizungsrohrdurchführung – aber hier war auch keine langsame Trocknung möglich!

Zu den Tieren: Bisher habe ich solche Tiere nicht gesehen. Normalerweise sollten die Schilfmatten in ein Lehmbett verlegt werden und beim Verputzen rundum mit Putz abgedichtet werden. Meines Wissens sollten dann Insekten keine Chance haben. Von Insektenmitteln ist wegen der Gefahr für die Bewohner natürlich abzuraten. Vielleicht hilft es, den Raum im Winter mal auskühlen zu lassen, damit der Bestand abstirbt? (Bin kein Kammerjäger…)

Gruß,
Tobias.



Danke



Ja wollen ja nichts verputzen, sollte nur zur Deko dienen.
Hätte ja sein können das Du die Dinger kennst. Trotzdem vielen dank

Mfg Jessi



Tolle Sache!



Aber: Was den unbedarften Leser vielleicht etwas abschreckt, wird wohl die Aussage sein, daß Du dafür 1 1/2 Jahre gebraucht hast - in dieser Zeit kann man ein ganzes Haus instandsetzen, eine vernünftige Planung vorausgesetzt ...
Trotzdem: Toll gemacht und gut recherchiert!

Zu den kleinen Biestern: Wie groß sind die? 1 mm? Die habe ich bei mir auf ca 1-jährigem Kieferholz entdeckt, vermutlich sind das Holzschädlinge. Das Holz lag zum Trocknen in der Scheune und sollte luftgetrocknet nach einem Jahr etwa 16% Feuchte aufweisen, nach längerer Zeit etwa 10% - je nach Umgebungsbedingungen.
An einer Stelle im Haus habe ich einen Balken aus dem gleichen Holz verbaut. Dieser ist von drei Seiten mit Lehm bedeckt und sollte irgendwann eine Feuchte von weniger als 10% aufweisen (längerfristig 1-4%). Ab weniger 10% braucht man Holzschädlinge nicht mehr "fürchten". Tatsächlich habe ich diese Tierchen nicht entdecken können, was diese These wohl stützt.
Mir ist im übrigen außer Lehm kein anderer Baustoff bekannt, der das leisten kann.

Viele Grüße!



Zeitdauer für Lehmputz



Hallo!
Die Zeitangabe von eineinhalb Jahren ist wohl etwas verwirrend rübergekommen! Hier nochmal, warum ich "so lange gebraucht habe":
-habe 95% in Eigenarbeit und alleine ausgeführt
-habe nebenbei noch einen Beruf (daher nur Wochenendarbeit)
-da der Rest des Hauses bewohnbar war, wurde der Raum nicht dringend gebraucht, daher habe ich mir auch immer mal wieder 2 oder 3 Wochen Pause gegönnt.
-im Winter bei Minusgraden war in dem ungeheizten Raum (Heizung musste natürlich abgenommen werden) eine Verarbeitung nicht möglich
-bei alten Häusern gibt es immer wieder Überraschungen, die einen nach hinten werfen, so war z.B. das Auffüllen des Bodens nicht geplant.

Zusammengerechnet schätze ich den Aufwand auf etwa 40-50 Arbeitstage.

Gruß,
Tobias.




Putz-Webinar Auszug


Zu den Webinaren