Fassadendämmung KNAUF ; BaumitBayosan

08.04.2008



Hallo,

an meinem Fachwerkhaus Bj.1880 muss die verputzte Fassade komplett erneuert werden.Unglücklicherweise lohnt es nicht das Fachwerk freizulegen, da über die Jahrzehnte Balken entfernt oder erneuert wurden und dadurch kein ansehnliches Bild entstehen würde.

Nun stehe ich vor dem Problem mit welchem Material dämmen.
Mein Fachbetrieb meinte es würde von KNAUF eine "diffusionsoffene" Styroporplatte extra für Fachwerk geben.Er selbst war bei einer Vorführung im Werk bei der eine solche Platte über kochendes gefärbtes Wasser gelegt wurde und man konnte sehen wie der Wasserdampf durch die Platte stieg.
Jedoch konnte ich auf der KNAUF Homepage keinerlei Informationen über diese Styroporplatte bekommen.

Ein ähnliches System habe ich bei www.baumitbayosan.com gefunden.
Das System heißt "open plus FassadenPlatte 035" mit µ Wert=10.
Bei diesem System sind kleine Löcher in der Platte um die Diffusionsoffenheit zu gewährleisten.

Den Vorteil bei diesen Systemen sehe ich darin, das man die kfw-Auflagen des Co2-Programmes erfüllt (WLG035 = 160mm Dämmstoffdicke).

Meine Frage ist, ob schon jemand von diesen beiden Systemen gehört oder gar schon selbst Erfahrungen mit gesammelt hat?

Welche Meinung haben die Forumsmitglieder zu diesen Systemen?

Ich würde mich sehr über fundierte Antworten freuen, da ich große Sorge habe mit falscher Dämmung Schaden anzurichten.

Im voraus vielen Dank für Ihre Antworten.



Ich bin mit meiner Meinung zwar etwas in der Unterzahl...



...aber ich gehöre zu denen, die ein WDVS aus PS auch bei einem Haus mit Holz in den Wänden nicht für schädlich halten. Es gibt aber eine Bedingung dafür. Es muß eine Systemlösung sein, von Profis angebracht werden, die die Anschlüsse sauber machen und es sollte vor allem wetterseitig über die Jahre beobachtet werden. Als "Hornbachprojekt" für Selbermacher ist es überhaupt nix. Über die Notwendigkeit, daß "Unmengen" an Wasser durch die Außenwände abgeführt werden müssen, gibt es viele Diskussionen hier. PS ist nicht dampfdicht. Je nach Art liegt der SD-Wert in der Ecke von Holz (bei dem widerum stark abhängig von der Materialfeuchte). Ob es nun welches gibt, wo Wasserdampf sichtbar durchgeht, kann ich mir nicht vorstellen, halte ich auch nicht für notwendig.
Für das, was ich gerade geschrieben habe, bekomme ich bestimmt gleich wieder Schelte, harhar.
Ich selbst habe ein WDVS aus PS auf einem Nicht-Sichtfachwerkhaus, empfehle es hier aber ausdrücklich keinem. Es gibt viele Alternativen einer Außendämmung, dazu wirst du bestimmt noch ein paar Tips hier bekommen.
Alles in allem ist es aus meiner Sicht das Wichtigste, daß es von Fachmännern ausgeführt wird und in zweiter Linie sehe ich die Materialwahl.
Freu mich schon auf die Schelte...

Gruß Patrick.

P.S.: Vergiß nicht die anderen Dinge, die zu einem WDVS gehören: neue Fensterbänke, eventuell neues Dach wegen Überstand, Flaschnerarbeiten wie Brustbleche, etc.



Diffusionsoffen...



schön und gut. Natürlich geht Wasserdampf durch eine PS. Platte. und Dampfdicht ist sie natürlich auch nicht. Aber ein ganz entscheidendes Kriterium fehlt. Die kappilare Leitfähigkeit. Gesetz dem Fall das eben doch Feuchtigkeit zwischen Fachwerkwand und Dämmsystem kommt muss diese so schnell wie möglich wieder abtrocknen können und kappilar wieder abtransportiert werden. Dies ist m.e. bei PS nicht gewährleistet. Besser sind Sie mit einem Holzweichfaserdämmsystem bedient.

Gruß vom Edersee



Ganz natürlich...



...empfehle ich Dir Schilfplatten und Kalkputz, da vermischt Du nicht Alt und Neu. Ich empfehle Dir mal einen Naturbaustoffmarkt oder Lehmbauern bei Dir in der Region aufzusuchen und Dich da beraten zu lassen. Ansonsten findest Du bei der WTA eine Menge Infos zur Dämmung von Fachwerkhäusern.

Gruß



Schau



Dir doch mal eine Bauvorhaben an das seit 5 oder 10 Jahren steht und mit diesen Produkten gedämmt wurde.

Sonst kann ich mich meine beiden Vorredner nur anschließen.





Recht haben sie, die Naturbauer. PS auf Fachwerk ist ein baukultureller Bruch.
Wenn Sie Interesse an einem preisgünstigen und zuverlässigen VWS-System haben, geht auch noch ein System auf der Basis von Holzweichfaserplatten.
Die Bindung an ein System betrachte ich persönlich eher als mafiöse Wettbewerbsbeschränkung. Am eigenen Haus hätte ich keine Bedenken, da frei zu agieren, was ich einem Bauherrn natürlich nicht empfehlen darf.

Grüße vom Niederrhein



Siehste...



...bei dem Thema haste schnell etwas Auswahl und viele Meinungen :-). Auch wenn du konkret nix zu perforiertem PS erfahren hast. Es kommen vielleicht noch ein paar...

Gruß Patrick.



es sollte schon passen.



Aus meiner Sicht kommt da nur ein WDVS auf Basis Naturfaserdämmung in Frage. PS Schaum kann zwar unter Idealbedingungen Wasserdampf durchlassen, zuviel Feuchtigkeit speichern und allmählich nach aussen abgeben aber nicht. Ich habe mit Holzweichfaserdämmung in einem WDVS gute Erfahrungen gemacht.

Lothar Hunziger



immer noch unsicher...



Hallo,

erstmal Danke für die Antworten.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen das die Wände (150mm Holzbalken mit Ziegelsteinen) von innen mit 15mm OSB und 12,5mm Gipskartonplatten abgestellt sind.

Das müsste doch auch schon Wasserdampf aufnehmen und somit die Belastung für die Wand reduzieren ??

Hier sind zwei Links zu den besagten Hartschaumplatten von BaumitBayosan:

-http://www.baumitbayosan.com/files/de/tm/09W%C3%A4rmed%C3%A4mmverbundsysteme/open_FassadenPlatte_plus.pdf

-http://www.baumitbayosan.com/upload/Prospekte/08078400_BB_open_KlimaFassadeA4_Feb2008.pdf

Würde mich sehr freuen eure Meinung dazu zu hören.

Für mich macht es einen recht Vernünftigen Eindruck.
Den Vorteil sehe ich auch noch darin das ich mit der Dämmstoffdicke auf vielleicht 10 oder 12cm gehen kann und trotzdem noch dem KfW Co2 Programm entspreche.
Des weiteren würde ich auch den Lichteinfall durch die doch recht schmalen Fenster (85x135 cm) nicht zu stark reduzieren.

Im voraus vielen Dank für Ihre Antworten.

Gruß Marco



WDVS auf Fachwerk



Hallo Herr Schubert,

Beim WDVS auf Fachwerk geht es nicht nur um die Dampfdiffusion, sondern vor allem um die kapillare Anbindung der Schichten. Deshalb ist ein WDVS aus, in Lehm eingebetteten Weichfaserplatten die bessere Lösung.( Keine Hohlräume einbauen)
Vielleicht sollte man bei Fachwerk gar nicht von Dämmung reden , sondern von "Wandverdickung" mit Materialien ähnlicher Eigenschaften.

viele Grüße





Hallo Herr Göbel,

bedeutet dies das die Kapilarwirkung durch den vorhandenen Hohlraum unterbrochen wird oder auch das diese oben benannten Systeme keine Kapilarwirkung aufweisen ?

Gruß



Fassadendämmung



"...Vielleicht sollte ich noch erwähnen das die Wände (150mm Holzbalken mit Ziegelsteinen) von innen mit 15mm OSB und 12,5mm Gipskartonplatten abgestellt sind.

Das müsste doch auch schon Wasserdampf aufnehmen und somit die Belastung für die Wand reduzieren ??..."

Hallo Herr Schubert, leider reduziert Ihr Aufbau keineswegs die Feuchtebelastung der Wand. Die OSB ist nahezu Dicht womit eine Austrocknung nach innen unmöglich wird. Auf die bauphisikalischen Eigenschaften der Gipskartonplatte gehe ich an dieser Stelle erstmal nicht ein.



"...Mein Fachbetrieb meinte es würde von KNAUF eine "diffusionsoffene" Styroporplatte extra für Fachwerk geben..."
Ein wirklich ernst gemeinter Ratschlag von mir: Suchen Sie sich einen Fachbetrieb der sich wirklich in der Fachwerksanierung etabliert hat ( Referenzen)

"...bedeutet dies das die Kapilarwirkung durch den vorhandenen Hohlraum unterbrochen wird oder auch das diese oben benannten Systeme keine Kapilarwirkung aufweisen ?..."

Ja, die Kapillarwirkung wird durch Hohlräume unterbrochen.
Und nochmals Ja, die von Ihnen benannten Systeme sind nicht Kapillaraktiv und besitzen kein ausreichendes Kondensatspeichervermögen.

Viele Grüße





Sehr geehrter Herr Schubert,
ich stehe heute vor dem gleichen Problem wie Sie nun vor 3 Jahren. Wie habe Sie sich damals entschieden und was sind ihre Erfahrungen.
In der Hoffnung, dass Sie dies noch lesen verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen
Matthias Arendt