Aussendämmung Schilfrohr oder Holzfaserplatten

29.02.2012



Sehr geehrte Teilnehmer,

ich möchte den alten Aussenputz-Lattung mit Putz ca. 5 cm entfernen- teilweise ist dies schon geschehen darunter befindet sich Tannenholz Fachwerk um 17oo, Die Sanierung innen ist abgeschlossen Einlagiges Schilfrohr und Lehmputze.
Das Haus ist nicht denkmalgeschützt
Aussen soll eine Dämmung erfolgen von ca. 5-8 cm + 3 cm Kalkputz.

Geforderte Wärmedämmwerte (Energieeinsparverordnung)können nicht einhalten.

Ich schwanke nun zwischen Schilfrohr und Holzfaserdämmplatten:

Vorteil Holzfaserdämmplatte: geringerer Wärmedurchgang

Bis ein Verputz auf das Haus kommt wird es wohl ca. 1 Jahr dauern-Da ich bis jetzt noch kein erschwingliches Angebot habe-Was passiert wenn die Holzfaserdämmplatte durch Schlagregen naß wird?
Ist das ein Problem?
Werden Holzfaserdämmplaten auch in Lehm eingebettet?
Schrumpft die Holzfaserdämmplatte nach dem Einbau? Kennt jemand die Schmerzgrenzen der Behörden bzgl Wärmeduchgang? Ich erreiche mit dem U-Wert Rechner für Schilfrohr 0,68 w/m²K.

Die zu bearbeitende Fläche beträgt ca. 144 m² und ist teilweise schwer zugänglich (geringer Abstand zum Nachbargebäude) - Wenn jemand für diese Arbeiten ein erschwingliches Angebot machen möchte-gerne!

Freue mich auf konstruktive Antworten vielen Dank



Moin lehmbello,



unsere HWP (Steico) an der Fassade waren auch ca. 3 Monate bewittert vor'm verputzen:
Was ich festgestellt habe ist, dass sich die oberste Schicht an einigen Stellen anfängt anzulösen, man konnte sie quasi runterschleifen.

Mein Gipser meinte das sei kein Problem (Gutex-Platten seien dank ihrer rauheren Oberfläche da empfindlicher), ich denke durch die durchgehende Armierung und das geringe Putzgewicht (max. 1cm Putzstärke), dürfte sich das wenn auch erst Jahrzehnte später bemerkbar machen.

Was mögliche Dämmaufbauten angeht, die sind bestens auf den Herstellerseiten beschrieben. Dort findest du auch die Nummern der technischen Hotlines, ich bin dort immer sehr umfassend beraten worden.

Aus den EneV-Anforderungen kommst du m.W. nur durch eine Unwirtschaftlichkeitsberechnung raus.

Ich hab' übrigens meine energetische Sanierung nach schlappen 100 Jahren wieder drin......aber wir denken ja nachhaltiger hier....;-)

Gruss, Boris



Schilfrohr



könnte so stehen bleiben. Bei Holzfaser würde ich die Fassade mit Latten abplanen.

Holzfaser dämmt einfach um 30% besser.

Grüße



Aussendämmung



Die HoFaDäPlatte ist, wie bereits beschrieben, in ihrer Dämmwirkung um ca. 30% besser als die Schilfrohrplatte. Der Nachteil der Schilfrohrplatte besteht auch darin, daß sie im Grunde nicht kapillar leitfähig ist, also eingedrungenes Wasser nicht kapillar hinaustransportiert.

Die HoFaDäPlatten können eine Zeit lang frei bewittert bleiben, da sie paraffiniert sind. Sie werden an den Kanten/Ecken allerdings aufquellen und sind dann nicht mehr maßhaltig. Das bildet sich auch nicht zurück. Die Oberfläche pellt etwas ab und muss ggf. vor dem Verputzen abgeschliffen werden. Ich würde es vermeiden, die Platte 1 Jahr lang der Witterung auszusetzen; gegen 3 Monate würde nichts sprechen.

Die Platte sollte hohlraumfrei in Lehm aufgebracht werden. Die Wand muss planeben, lot- und fluchtgerecht sein-Sie werden deswegen mehr oder weniger starken Ausgleichsputz 1-2- lagig aufbringen müssen. Unebenheiten der Wand können nicht (!!!) mit den Platten ausgeglichen werden und können zu Putzschäden führen.

Der Fassadenputz sollte strikt nach Herstellerangaben ausgeführt werden. Eine Stärke von 30mm ist zu groß und führt bei dem weichen Untergrund zu Putzrissen. 10mm sind wohl angemessener.

Die EnEv gibt bei der Aussenwandsanierung von FW-Häusern einen Minimalwert von U=0,84 W/m2K vor. Ausserdem muss das ganze wirtschaftlich und konstruktiv passen. Niemand kann Sie zwingen, einen bestimmnten Wert einzuhalten, wenn keine Förderung nach kfw-Standard beantragt wird.

Die Wärmeausdehnung von HoFaDäPlatten liegt bei etwa 1 mm/m pro 100°K Temperaturunterschied.

Lassen Sie sich einen Infoordner der Hersteller zusenden und nutzen den Infodienst für technische Nachfragen. Das funktioniert recht gut.

Gutes Gelingen.



Herr Pickartz



hat den Aufbau schon beschrieben.

Mein Anregung dazu ist statt einer Dünnbeschichtung die i. d. R. empfhohlen wird, lieber eine dickere Beschichtung (ca. 15mm) aus hydraulischem Kalk aufzutragen die das System sicherer macht.

Auch würd ich auf eine parafinierte oder naturharzimprägnierte Platte verzichten und statt dessen ein unbehaldelte Platte verwenden, die vielfach angeboten wird.

Grüße





Hallo,

beim Baujahr 1700 passt eine Schilfrohrdämmung einfach besser.
Die Behörden werden sich zufrieden geben müssen, weil es für einen solchen Altbau keine zumutbare wirtschaftliche Alternative gibt.
DIe aber unbehandelt an der Wand zu lassen, ist wirklich brandgefährlich und eigentlich auch nicht erlaubt (Verbot leicht brennbarer Baustoffe in allen Landesbauordnungen). Erst verputzt ist der Aufbau o.K.

Grüße



Schilfrohrplatten haben sich gerade bei Fassadendämmungen



sehr gut bewährt. Das Schilfrohr besteht zu 90% aus harter Kieselsäure und ist verrottungsfeste. Der Außenputz schützt bei Schilf wie auch bei Holzweichfaserplatten vor eindringender Feuchtigkeit. Eine nicht verputzte Schilffassade hält sich ohne Putz 1 Jahr ohne Schäden (habe ich bei einigen Projekten mehrfach selbst gesehen) Während Holzweichfaserplatten als verputzbare Fassadenplatten relativ neu am Bau beworben werden haben sich Schilfdämmplatten seit über 100 Jahren bewährt. Bei Holzweichfaser als Fassadendämmplatten fehlt für meine Begriffe eine aussagekräftige Langzeiterfahrung.



hier kommt die Detailzeichnung für Fassadendämmung



mit Schilfplatten



@Klaus:



Wo sind die Langzeiterfahrungen mit einer SchilfrohrmattenDÄMMUNG dokumentiert?

Ich kenne das historischerseits nur als einlagigen Putzträger.

Gruss,Boris



die österreichische Bindemaschinenhersteller,firma Berger



stellt seit ca 1905 Spezial-Maschinen zur Bindung von Schilfrohr zu großformatigen Schilfdämmplatten. Meist werden damitauch heute noch 2 , 3 , 5 cm dicke Schilfplatten Format 1x2m hergestellt. In Mittelpolen habe ich ca 100-jährige Altbauten entdeckt, deren Außenwände aus beidseitig mit Schilfplatten beplankten Holzständerwerken errichtet wurden. In Ungarn habe ich Altbauten besichtigt mit Dachdämmung aus 5cm dicken Schilfplatten, welche direkt auf die Dachsparren fixiert wurden. Darüber Lattung + Ziegeldeckung. Sicherlich liese sich -wenn man für die Recherche genug Zeit hat- dazu in "Schilfanbauländern" wie Polen, Ungarn, Österreich.... dokumentiertes dazu finden.



Die einfachste Variante



wäre hier wohl mit Staussfassadenziegeldraht zu arbeiten.
Das Fassadengewebe wird mit Abstandshaltern (6-30 cm möglich) vor die Fassade gespannt. Auf einen Sytemputz muss hier nicht geachtet werden, es kann ein herkömmlicher Putz oder reiner Luftkalkmörtel verwendet werden.
Das dämmen des Hohlraumes erfolgt dann nach dem verputzen.

Was die Behörden anbelanget gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Die einfachste wäre, dass bei der zuständigen Behörde formell einen Antrag auf Befreiung nach § 25 EnEV gestellt wird. Wichtig! Der Bauherr selbst muss den Antrag bei der zuständigen Behörde stellen.
Ein Sachvertändiger oder der ausführende Fachhandwerker bestätigt Ihnen, dass unbillige Härte vorliegt und dies ausreichend begründet. Entscheidend ist die schlüssige Begründung, bei plausiebler Darlegung wird in der Regel dem Antrag zugestimmt.

Oder Sie weisen fehlende Wirtschaftlichkeit nach. Hier muss nachgewiesen werden, dass sich der Aufwand (die Kosten einer Dämmmaßnahme) nicht vom Nutzen (den Einsparungen)aufgewogen werden.

Von Bauteilbezogenen U-Werten darf lt. EnEV abgewichen werden, wenn bei dem sanierten Gebäude nachgewiesen wird, dass der Primärenergiebedarf und der Wärmeschutz der Gebäudehülle die Anforderungen für neue Gebäude um nicht mehr als 40 % überschreiten.

Man sieht, dass es mehrere Möglichkeiten gibt. Welche in Frage kommt hängt immer vom Bauwerk selbst und vom Bauherrn ab.

Grüsse