Pitch pine wiederverwertung

16.03.2017



Hallo

Ich bin auf der Suche nach Beratung. Wir bauen demnächst ein Haus und haben die Möglichkeit einen alten pitch pine Boden aus einem Saal wiederzuverwenden.
Der Boden ist noch nicht ausgebaut.
Könnt ihr mir sagen ob sich das lohnt und worauf wir achten müssen?

Vielen Dank



Selbstverständlich



kann man den Boden noch verwenden - würde ich aber nur noch für den Eigenbedarf machen, da Mieter häufig mit Unebenheiten, Nagellöchern und so weiter nichts anfangen können - die bekommen von mir nur noch Laminat!

Beschafft euch gute Nageleisen (Kuhfuß) und lockert zu zweit oder zu dritt Reihe für Reihe gleichmäßig. Beim Verladen auf Nägel aufpassen - die kann einer später von hinten abflexen und dann die Reste rausschlagen oder in toto rauschlagen (reißt aber häufig das Holz aus).

Nut und Feder mit einem Stechbeitel reinigen und nach dem Verlegen abschleifen. Manchmal schüsseln die Böden stark oder es wurde mit Draht der Boden gebürstet - das kann zu Unebenheiten im Boden führen, die kaum ganz wegzuschleifen sind. Wie gesagt: für die rustikale Kaminecke super - bei Familie "Suchdenfehler" fehl am Platze.

Nochwas: solche Dielen wieder zu verwenden ist eine Menge Arbeit und kostet an Öl, Schleifmittel etc. bestimmt mehr als ein Laminatboden. Wer also Kosten sparen will, liegt schief. Aber so ein alter Dielenboden kann selbst einen neuen Erweiterungs-Anbau an einem alten Haus zu gewissem Charme verhelfen.



Ich wünsche



mir auch einen 'Saal' mit (altem?)Pitch-Pine! :-) Kommt natürlich darauf an was ihr dafür bezahlen müsst und wie viele Generationen Stöckelschuhe oder Kompanien Nagelstiefel den Saal 'durchgetanzt' haben.. Aber selbst wenn nur kürzere gute Stücke übrigbleiben ist das ein toller Baustoff. Beim Ausbau halt d'rauf achten dass möglichst wenig splittert und reißt. Die Neuverlegung ist für einen Fachmann unproblematisch, war zumindest bei uns so mit 120 Jahre alten Dielen, die zum Teil umgelegt wurden.



Nichts ist unmöglich.



Ob es aber sinnvoll ist, entscheidet sich im Detail.

In jedem Falle müssen die Dielen vor dem Wiedereinbau in eine Trockenkammer, der alte Saal war wohl kaum bis zum Ende beheizt.

Der Ausbau wird auch bei großer Vorsorge nicht ohne Schäden gehen. Die wären zu beseitigen. Das Entnageln muß schonend und vollständig erfolgen. Je nach Maßgenauigkeit und Euerer Fugentoleranz müssen die Bretter ggf. neu besäumt und genutet werden.

Was ist jetzt drauf? Lack, Öl, Wachs? Das Schleifen alter, rund oder hohl gezogener Dielen mit Anstrichen ist ein erheblicher Aufwand.

Hinzu kommt, daß das auch ein erheblicher Zeitaufwand ist, besonders in Eigenleistung.

Alles in allem ist das vermutlich kein wirtschaftlich sinnvoller Aufwand. Wenn's zudem nur schmale und dünne Riemchen sind, würde ich es lassen. Alles in allem sieht ein geschliffenes altes Pitch-Pine Brett wie ein neues aus, nur mit einigen Ausbesserungen. Neue Dielen sind in allen Holzarten und Abmessungen punktgenau verfügbar.

Man muss das also wirklich wollen und auch bezahlen können.

Viele Grüße

Thomas



Pitch Pine, die zweite



Hallo!!

Vielen Dank für eure Hilfe!. Wir haben uns nun entschlossen, den alten Pitchpine Boden auszubauen. Die Dielen sind schmal und scheinen sich gut rausnehmen zu lassen.
Der Saal war bis zum Ende beheizt und liefert Material, das wahrscheinlich ausreicht, an die 90 qm Wohnfläche in unserem Neubau/ Erdgeschoss zu füllen.

Nun sind wir unsicher: für den Neubau ist ein Heizungssystem mit niedrigvorlauftemperatur aus Erdwärme, also eine Fußbodenheizung geplant. Die Dielen sind 22mm dick.
Der Heizungsbauer ist skeptisch, wir haben in dem offenen Grundriss aber auch wenig Wände für Heizkörper...
Funktioniert das? Diele dieser Dicke auf Fußbodenheizung?

Kennt jemand sich aus?
liebe grüße
TESA



Haben Sie...



...eine Trockenkammer in petto?





nein, eine Trockenkammer haben wir nicht. über die Lagerung müssen wir uns auch noch Gedanken machen.
eine Garage geht wahrscheinlich nicht? im beheizten leerstehendem Obergeschoss eines Wohnhauses haben wir evtl Möglichkeit....

Ideen zu der heizung?



Fußbodenheizung



Hallo Tesa,

eine Fußbodenheizung funktioniert nach dem Schema, dass die Wärme nach unten durch eine entsprechende Dämmung am Abfluss gehindert wird und nach oben durch konduktiven Wärmetransport den Boden erwärmt. Das funktioniert sehr gut, wenn der Boden aus Stein, oder auch Parkett gebildet wird. Hierzu werden dann die Heizschlangen in einen Estrich gegossen und auf diesen Estrich wird Stein oder Parkett geklebt oder zumindest wärmeschlüssig aufgebracht.

Im Fall von normal verlegtem Dielenboden befindet sich unter der Dielung üblicher Weise Luft. Die Wärmeübertragung durch Luft ist aber viel schlechter als über Estrich - Ihr heizt euch tot bzw. die Wohnung bleibt kalt.

Ihr müsstet also die Dielung wärmeschlüssig aufbringen - das macht man eigentlich bei Dielung nicht - zumindest ist es mir unbekannt, ganze Räume mit Dielung zu bekleben.

Ihr könnt auch Heizspiralen in den Wänden verlegen und nur im Bereich des Bades eine Fußbodenheizung anbringen.



trockenaufbau?



danke, ja das hab ich so ähnlich auch schon gehört. klingt also schwierig...
nun habe ich aber erfahren, dass es die Möglichkeiten zum Trockenaufbau? der FBH gibt?
kennt das jemand? ist das sehr viel aufwendiger?

Ich brauche die Fbh nicht, weil ich es so muckelig warm unter den fußen brauche. meines Erachtens ist holz an sich schon "warm" genug.

nur irgendwie müssen wir ja eine "grundwärme" im haus erreichen. und zu der Erdwärme passt eben das Konzept der FBH mit niedrigtemperaturvorlauf. und wie gesagt: für Heizkörper ist kaum platz...

mmhm..?!



Das Ganze...



...muss zwingend getrocknet werden, sonst könnt Ihr die Sache vergessen. Im unbeheizten Räumen wie einer Garage werdet Ihr Holzfeuchten oberhalb 15% bekommen. Auf der Fußbodenheizung stellen sich Holzfeuchten um oder gar unterhalb von 7% ein. Die Fugenbildung wäre also selbst bei den schmalen Dielen jenseits von gut und böse, ca. bei 3mm.

Das Aufkleben von massiver Dielung auf Heizestrich ist zudem nicht die beste Idee. Die Bretter sind vermutlich nicht ganz plan, also zuweilen etwas gedreht oder geschüsselt. Beim Festschrauben nicht so daß Problem, würde es aber beim Verkleben Verlegefehler provozieren. Zudem holt Ihr Euch viele Eimer Kleber und damit recht komplexe chemische Produkte in's Haus. Neben einer Trockenkammer kann die Trocknung natürlich auch auf Latten im gelüfteten und geheitzen Innenraum erfolgen. Aber, habt Ihr über mehrere Monate den Platz dafür? Die Zeit, regelmäßig zu lüften, oder mit zusätzlichen Raumlufttrocknern zu arbeiten? Könnt Ihr mit der Ungewissheit planen, nicht zu wissen, wann das Holz trocken genug ist? Habt Ihr zuverlässige Messgeräte?

Funktionieren würde hingegen eine FBH im Trockenaufbau. Wir verlegen zuweilen auf das System von www.ripal.de. Das funktioniert klaglos, weil das System vollwertige Lagerhölzer und eine sehr gleichmäßige Wärmrverteilung ermöglicht. In Euerem Fall sollten aber die Dielen nicht nur hinreichend trocken sein, sondern auch auf der Unterseite planeben, damit der Wärmeübertrag vom Blech zum Holz funktioniert. Das sind die Dielen vermutlich nicht.

Für die Wiederverwertung dünner Streifen ist der Aufwand unökonomisch, allenfalls als zeit- und geldintensive Liebhaberei verständlich.

Wandheizung kommt nicht in Frage?

Grüße

Thomas