Pastellone Veneziano

23.05.2014 fazzi



Hallo,
ich saniere zur zeit ein altes Bauernhaus von auf und bin bei der projektierung/planung für die einzelnen gewerke.
dabei bin ich auf eine fußbodentechnik gestoßen, die zumindest sehr interessant erscheint: Pastellone Veneziano
das soll ein kalkboden sein, den man fugenlos einbauen kann.

teure lieferanten und dienstleister gibt es ja im netz zu finden.
meine frage, weiß jemand eine rezeptur für solche böden sowie die vorbereitung des untergunds?

bin mal gespannt...



Sicher



sehr passend für ein altes Bauernhaus...



Danke



für den konstruktiven Kommentar



Fußboden



Das war durchaus konstruktiv und nicht nur ironisch gemeint. Denken Sie darüber noch mal nach.



Stereotype



mit oberlehrerhaften kommentaren wird es nichts mit der kommunikation.
lediglich aus dem begriff bauernhaus ableiten zu wollen, dass ein kalkboden wie er früher durchaus üblich war, nicht in ein "bauernhaus" paßt, ist schlicht elitäres denken.
sie wissen nicht, was für ein haus es ist, wo es steht, wer im haus gelebt hat (kleinbauer, tagelöhner, großbauer) usw.
außerdem sollten sie es doch dem bauherrn überlassen, welcher persönliche geschmack realisiert werden soll.
der grundtenor, den ich bei ihnen heraushöre, alles stil- und epochengerecht zu sanieren, ist nicht mehr opportun.
angesichts so mancher sanieruung, bei der altes und modernes zu einer neuen synthese gebracht wird - durchaus auch mit absegnung des denkmalschutzes.
wenn sie weiters nichts dazu beitragen wollen, bitte - keine weiteren komments.



Fußboden



Hoc volo, sic iubeo
(sic pro ratione voluntas)



es heißt übrigens "sit pro..."



Hoc volo, sic iubeo.
„Das will ich, das befehle ich!“: Der Dichter Juvenal führt in seiner Satire 6,223 diesen Befehl als typisch für herrische Frauen an. In diesem Fall fordert eine Frau von ihrem Mann die sofortige Hinrichtung eines Sklaven ohne dessen Schuld zu untersuchen. Der ganze Satz lautet: „Hoc volo, sic iubeo, sit pro ratione voluntas.“ („Das will ich, so befehle ich! Statt einer Begründung gelte mein Wille!“)

wie treffend



Pastellone Veneziano



kenne ich leider nicht. Wir haben uns mit Terrazzo-Böden auseinandergesetzt. Wenn ich die Bilder bei Freund GOOGLE richtig interpretiere handelt es sich dabei aber auch um eine Art Terrazzo.

Ich kann Dir nicht sagen, was Georg an diesen Böden stört, aber in einem Fachwerkhaus ist zu viel Bewegung. Wir werden den Terrazzo im alten Stall legen. Für den Pferdestall werden wir auch einen Versuch starten. Dort ist die Frage, ob sich die Pferde zu viel darauf bewegen.

Wir haben einen schwimmenden Aufbau:

1. Schotter oder Sand 2 cm auf Beton
2. Magerbeton 1 : 3 / 5 - 8 cm bestehend aus 1/2 Roman-Zement, 1/2 NHL, 3 Ziegelsplitt oder Fluss-Sand grob

3. Dekor 1 : 6 / ca. 3 cm bestehend aus 1 Roman-Zement, 1 NHL, 1 Futterkalk, 1 Ziegelsand und 4 Ziegelsplitt

Für die Dekor-Schicht können natürlich auch andere Materialien verwendet werden. Je nach Geschmack.

Das Problem bei der Herstellung solcher Böden ist das anschliessende Schleifen.

Würde mich freuen, etwas genaueres über die Bezeichnung Pastellone Veneziano zu erfahren.

Grüsse
Nicole



Die Pastellone ist ein Vorläufer des Terrazzo



Es gab ihn schon vor 2000J. Er war ein Fußboden für weniger gut Betuchte. Es ist eine Art Kalkestrich. Die Technik und die verwendeten Materialien waren ein Gemisch aus verschiedenen Zuschlagstoffen ( Kiess, Ziegelbruch , Marmormehl etc. ) und gelöschtem Kalk. Die Masse wurde durchmischt erdfeucht ausgebreitet und angestampft bis sich eine homogene Masse bildet. Die Oberfläche wird abgezogen mit einem Holzbrett und unter Druck solange gerieben , bis sie eine glatte und geschlossene Oberfläche erhalten. Die Oberfläche tritt sich rel. leicht ab. Sie kann geölt werden. Die Auffrischung erfolgt mit einer pasta aus Kalk und Ziegelmehl oder hydratisiertes Kalziumsulfat und Leinölfirnis . Dieser „Feinspachtel“ kann pigmentiert werden. Aufeinanderfolgende „Auffrischungen“ wurden oft mit natürlichen Pigmenten gefärbt, um so einen regenerierten Boden zu erhalten. Die Verarbeitung ist eine Kombi aus Herstellung von Kalkestrich und Marmorspachteltechnik
Heute gibt es das Material als Sackware. In der mit epoxy-Harz versetzten Ausführung übertrifft es wohl die Beständigkeit von Terrazzo, ansonsten ist es halt ein Verschleißboden.

Vielleicht sind sie neben Latein ja auch fit in italienisch. Da finden sie deutlich mehr als im deutschsprachigen www.

Gruß
Selle



thx



dank für deine antwort nicole.
das haus besteht im unteren teil aus einem natursteinmauerwerk, auf dem das Fachwerk in der zweiten ebene aufgesetzt ist. der boden wird auf der Decke des darunterliegenden gewölbekellers aufgebaut. da sollte nicht sehr viel bewegung drin sein.
den begriff pastellone veneziano habe ich aus den fundstellen bei freund g entnommen. andere namen sind wohl venezianischer kalkboden o.ä.
es gibt im freilandmuseum bad winsheim die beschreibung einer technik eines ziegel-kalk-estrichs, wobei der kalk "heiß" eingebracht wird (heißkalktechnik). muß ich wohl mal hin.
dann habe ich hier noch eine fundstelle https://www.baufachinformation.de/denkmalpflege/Versuche-mit-Hei%C3%9Fkalkm%C3%B6rteln-f%C3%BCr-die-Nachstellung-einesKalkfu%C3%9Fbodens-im-Kloster-Thierhaupten/2001037108029
mit angaben zu rezeptur und verfahren.
ich lerne...
lg
fazzi



nu Mädel … 



Was wollnse nun?

Heisskalk hat man verwendet für fugenlose - und - wasserdichte Fussbodenaufbauten … 

sehr aufwändig … braucht Zeit und vor allem WISSEN … und was noch wichtiger ist: Erfahrung!

andere Kalkböden oder Kalkestriche gehen auch … wie auch Kalkterrazzi …
auch sehr aufwändig … braucht Zeit und vor allem WISSEN … und was noch wichtiger ist: Erfahrung!

lassen Sie das mit dem "roman-Zement" … wenn Sie nicht wissen was das werden soll oder nur weils so ein schönes Wort ist … 

… "fugenlos" ist auch so ein Modewort … und auf der "Kalkwelle" schwimmen zur Zeit viele … weils: en vogue ist … 

Passen Sie aber bitte auf … und : einfach ne "Internet gegoogelte "Rezeptur" verwenden … nur weils billig und praktisch ist . davon werden Sie nix haben … ausser Ärger … 

… oder gehen Sie ins Internet und schauen wie "man" eine Blinddarm OP macht, kaufen sich die "Zutaten" und versuchen es selber … ???

eben … 

Georgs Einwand fand ich jetzt nicht so schlimm … ich kann ihn schon auch verstehen … es geht nämlich auch oft "einfacher" … obwohl ich nichst gegen einen ordentlichen Kalkboden oder einen Kalkterrazzo hätte . 

;-)

Gutes Gelingen

Florian Kurz
Fachmann für Kalk … Lehm und Temperierung …
:-)



Kalkestrich



Ich ergänze den Beitrag von D. Selle:

Zitat:
Lehm,- Kalk- und Gipsestriche wurden in mühsamer und zeitaufwändiger Arbeit mit hoher Verdichtung und nahezu optimalen Wassergehalten hergestellt...
Das bedeutete schichtweisen Einbau unter hohem Aufwand an Schlagen und Stampfen mit dem Pflegel oder der Pritschbläuel, das waren Schlaghölzer.

„Kalkestrich wird nur noch selten ausgeführt, er ist in Deutschland fast ganz durch den Zementestrich verdrängt worden. Zu seiner Herstellung wird meist ein Gemisch aus kleinen Steinen, Sand und hydraulischem Kalk verwendet. Dieses Gemenge wird auf einer festgestampften Unterlage von Steinen oder Sand in zwei bis drei Lagen ausgebreitet, von denen jede für sich zu stampfen ist, bis sich an der Oberfläche Wasser zeigt. Für die obere Lage verwendet man, wohl auch zur Erzielung größerer Feinheit, ein Gemenge aus 1 Teil Kalkpulver und 2 Teilen feinem, reinem Sand. Nach dem Abrammen ist die obere Lage mit der Maurerkelle zu glätten und der Estrich während der folgenden 3 bis 4 Tage anzufeuchten. Nach völligem Austrocknen ist wieder ebenso wie bei dem Gipsestrich ein ein- bis zweimaliges Tränken mit Leinöl anzuraten.“ (Adolph Opderdecke, Handbuch des Bautechnikers Band 2 der Maurer, Leipzig 1910).

Das heißt, überschüssiges Anmachwasser wurde ausgetrieben, es entstand ein nahezu ideales Korngefüge. Der hydraulische Kalk hatte bedingt durch die andere Art der Erhärtung keine Schrumpfungsneigung, da keine Ettringitbildung und keine Schrumpfung durch Carbonatisierung. Das vorhandene Kalkhydrat wurde praktisch vollständig zu Calciumsilikathydraten umgebaut...
Zitat Ende

Das wäre ein alter Kalkestrich, aber immer noch kein "Pastellone Veneziano". Der ist noch um einiges aufwändiger, falls man nicht zu modernen Materialien wie Zementestrich und kunstharzgebundenen Spachtelmassen greift.


http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=2&cad=rja&uact=8&ved=0CD8QFjAB&url=http%3A%2F%2Fretro.seals.ch%2Fcntmng%3Fpid%3Dhoc-001%3A2001%3A14%3A%3A1716&ei=YTyAU6qKFNDa0QXM0YHQDA&usg=AFQjCNE65EM1jWb18rxlwNYTfrms6P9Zag&bvm=bv.67720277,d.d2k

Das bei einem neuen Fußbodenaufbau auch eine Wärmedämmung gesetzlich vorgeschrieben ist und auf einer Gewölbeschüttung durchaus Verformungen auftreten können erwähne ich nur am Rande.

Ohne alle Ironie:

Vielleicht merken Sie irgendwann mal das meine Beiträge geschrieben wurden um Ihnen zu helfen. Wenn Ihnen dabei der Oberlehrer in Ihr kleines ideelles Sanierungsparadies kacken muß-sei es drum.
Manchmal kann das eine größere Hilfe sein als ein Rezept und eine Bauanleitung.



dank an alle gutmeinenden schreiber



wie es in meiner frage heißt, hatte ich um informationen gebeten.
..und dann geht es ja doch mit den infos...

manchmal braucht es eine weile, bis man sich zusammengerauft hat.

was ich mit den informationen mache und für was ich mich entscheide, steht doch noch auf einem ganz anderen blatt.

wie gesagt, bin ich in der projektierungsphase und dankbar für jeden hinweis, auch wenn er mal so dahingekackt wird.

und nochmal wie gesagt: ich lerne... und danke



Fußbodenaufbau



Manchmal stellt sich heraus das der vermeintliche Weg ins Paradies in einer Sackgasse endet.



Roman-Zement



Was wir mit dem Roman-Zement machen und wo er herkommt weiss ich sehr genau. ?brigens heisst er bei uns in Frankreich auch nicht so!

Da er sehr teuer ist, wir mit einem Terrazzo-Bodenhersteller zusammenarbeiten und eben auch den Stallboden-Versuch durchf?hren wollen, haben wir auch einen Mann von Grenoble im Boot, der uns das Material zur Verf?gung stellt.

In der Kuhhaltung werden heute Strohkalkb?den erfolgreich eingesetzt. Wenn ich aber unsere Tiere wie vor 250 Jahren im Stall halte, (ich spreche nicht von der Weide! aber wir k?nnen die Tiere nicht 365 Tage ? 24 Stunden auf der Weide halten!) ist das ein enormer R?ckschritt. Nicht alles war besser in der guten alten Zeit!

Mit freundlichen Gr?ssen
Nicole Frei



Pastellone Veneziano



@ D. Selle & Georg Böttcher: Vielen Dank für die Erklärung.

Gruss
Nicole




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