Neuer Dachunterbau- Qualität wird bezweifelt. Lösungsmöglichkeiten?

20.09.2014 donglengcha



Der Dachunterbau unseres Dachdeckers begeistert uns nicht (siehe Bild).

Die MDF-Platten enden kurz über der Außenwand, der Traufbereich ist mit Rauhspundbrettern belegt.

Der 'Übergang' wurde durch eine Unterspannplane gestaltet, die mit einem Klebeband 'dicht' auf die MDF-Platten geklebt wurde.

Uns begeistert folgendes nicht:

1. Die MDF-Platten enden 2cm vor der Außenwand, eventuell trotz Plane abtropfendes Wasser wird nicht nach außen geführt landet direkt in der Dämmung.

2. Die dauerhafte Dichtigkeit des Klebebandes quer zur Hauptablaufrichtung bezweifeln wir. Schon jetzt (ohne Deckung) tropft es innen.

3. Die Abdichtung der Kehle in der Gaube erfolgt nur mit dem Klebeband (Acrylat) und erscheint bzw. ist bereits unzureichend.

4. Die Unterspannplane endet 1 cm vor Ende der Traufe, Wasser wird auf das Holz geleitet.


Folgende Fragen zur 'Rettungsmöglichkeit':

Ist es möglich, das komplette Dach inklusive MFD-Platten nochmals komplett und dicht überlappend mit einer (diffusionsoffenen) Unterspannbahn abzudecken? Vertragen sich MDF-Platten mit dann direkt daüberliegender Unterspannplane oder sollten wir die vorhandenen Platten unter der Unterspannbahn durch Rauhspund ersetzen oder ganz weglassen?

Sollten die MDF-Platten trotz neuer Plane nach unten um 10cm verlängert werden, so dass sie über die Außenwand hinaus führen? Benötigt man dann überhaupt noch eine Unterspannbahn darüber?

Sollte die Unterspannbahn über das Dachende an der Traufe hinausragen?

Kann eine in die Kehle eingelegte Unterspannbahn die Dichtfunktion in der Kehle wahrnehmen? Welche Art von Dichtband nimmt man hier? Butyl-Kautschuk?

Ich möchte nicht auf dem Dachdecker herumhacken, sondern suche eine Lösung :-) Vielen Dank für die Hilfe!



Optisch okay



So wie es hier erst einmal zu sehen ist, erscheinen keine größeren Verarbeitungsmängel.
Was die Kehle betrifft, so sollte da ein breites Klebedichtband zur Ausführung gebracht werden.
Alle Plattenübergänge, die verklebt werden müssen, sollten vorher auch geprimert werden.
MDF Platten?
Eher günstig Holzweichfaserunterdeckplatten.

Das mit der Schaulung erscheint fachlich okay.



Guten Abend nach Mühlhausen,



Wenn über das gesamte Dach auf die Unterdeckplatten nochmals eine Unterdeckbahn vernünftig aufgebracht werden soll, müsste samtliche Konterlattung wieder entfernt werden.

Wenn ihre Traufschalung in den Sparren eingelassen ist, könnten die Unterdeckplatten direkt darüber verlegt werden. Übergänge wie Kehlen, Dachbrüche, Gräte, Traufenschalungen werden mit einer Unterdeckbahn,auf die die Unterdeckplatte genug Überdeck, ausgeführt. (Ähnlich wie auf ihrem Bild)
Das grüne Klebeband,auf ihrem Foto, scheint wirkungslos zu sein und ist eventuell garnicht für die Unterdeckplatten geeignet.

Sind die Patten richtigrum verarbeitet wurden? (Innen/ Außenseite)
Sind die Befestigungsmittel Korrosionsgeschütz?

Die Dachlatte/ Konterlatte im Wasserlauf der Kehle, einschl. deren Nagelbefestigung führt zwangsläufig zur undichtigkeit und ist fragwürdig.

Zum Traufenüberstand der Unterdeckbahn, wird diese über ein geeignetes Traufblech in die Dachrinne geführt, sollte der knappe Überstand ausreichen und nur während der Bauphase Feuchtigkeit ans Holz gelangen.

Soweit erstmal....
Mit Grüßen aus dem Eichsfeld
D. Conraths



Grundsätzlich



scheint mir hier v.a. die Kehllatte auf der Hauptdachseite zu fehlen. Nachdem die Längslatte der Konterlattung bereits bis an die Kehllatte des Anbaus herangeführt wurde, ist ein Einbringen der Kehllatte auf der Hauptdachseite offensichtlich nicht angedacht...das dürfte aber zu Problemen führen, denn wo will ich meine Hauptdachlattung jetzt im Kehlbereich befestigen ? Ich hab ja nix, wo ich die festmachen könnte.

Ansonsten hat Herr Conraths insofern recht, daß die Befestigung einer Lattung mit korrosionsgeschützten Befestigungsmitteln erfolgen sollte. Das Bild kann täuschen, aber die schwarzen Flecken um die Befestigung herum deuten mir eher auf normale Nägel oder Schrauben hin.

Eine Kehllatte wird normalerweise mit etwas Abstand zur Kehllinie befestigt...normalerweise...praktisch sieht es oft so aus, daß der Kehlsparren relativ schmal ausgeführt wurde und somit eine Kehllattenbefestigung auf Abstand nicht wirklich möglich ist. Auf alle Fälle nötig ist ein breites Kehlband (mind. 20 cm breit). Alle Stellen, auf denen ein Klebeband aufgebracht werden soll, müssen sauber geprimert werden. Entsprechende Primer gibt es immer im Paket, d.h. der Hersteller bietet sowohl Primer als auch Klebeband an.

Im Traufbereich bietet ein Traufblech hier keine Abhilfe bei der zu kurz abgeschnittenen Unterspannbahn, weil es in der Ebene höher liegt als die Unterspannbahn selbst...genaugenommen kann man hier nur mit einem Unterblech Abhilfe schaffen, sprich ein zusätzliches Tropfblech unter die Unterspannbahn und auf die Traufschalung aufgebracht. Das ist relativ preisgünstig möglich und macht Sinn.

Grundsätzlich sollte man sich vor Augen halten, daß bei einer Neueindeckung die zweite, wasserführende Schicht (hier die MDF-Platten und die Unterspannbahn) im Normalfall nur wenig Wasser abbekommen, wenn die oberste, wasserführende Schicht funktionstüchtig ist (hier vermutlich Dachziegel oder Dachsteine). Während der Bauphase bekommt die zweite Schicht allerdings den kompletten Regen ab...drei Tage Dauerregen können auch eine Unterspannbahn an ihre Grenzen bringen. Dies ist aber nicht der Normalfall, sondern nur während der Bauphase so.

Ein systemgerechtes, parallel zur Traufe verlegtes Klebeband halte ich bei entsprechender Vorprimerung für fachgerecht, wenn:

a)Primer und Klebeband auf die Bauteile abgestimmt sind
b)Idealerweise die Unterspannbahn zusätzlich unter die MDF-Platten geführt wurde und so ein leichter Keil zwischen MDF-Platten und Unterspannbahn entsteht.

Das auf den Bildern zu erkennende, grüne Klebeband ist mir unbekannt. Es gibt analog dazu von Siga das Produkt Rissan, das tatsächlich für Durchbrüche auf der Dachseite konzipiert wurde...

Gruß Andreas





Hallo,

vielen Dank ins Eichsfeld und nach Oberfranken für die ausführlichen Antworten.

Wir haben die Themen mit unserem Dachdecker besprochen und er war sofort bereit die Konterlattung nochmals abzunehmen und sich der Kehlabdichtung zu widmen als auch nochmals eine gesamte Unterspannbahn neu zu verlegen.

Ich hatte das Gefühl, er hatte sich das Arbeitsergebnis seiner Angestellten vorher noch gar nicht angesehen.

Für die fachlichen Hinweise aus dem Forum bin ich sehr dankbar, da ich einem beauftragten Handwerksmeister normalerweise eigentlich auch ohne eigene 'Besserwisserei' vertrauen möchte und so die Themen dann auch fundiert ansprechen konnte.



Traufblech oder Tropfblech



Wird die Unterdeckbahn über eine Traufenkeilbohle auf einem Traufblech in die Dachrinne entwässert, spielt die Ebene keine Rolle. Die Keilbohle wird direkt auf die Traufschalung/Unterdeckplatte montiert, nicht auf der Konterlattung.

Bei allen anderen Ausführungen ist ein Tropfblech, nach Fachregel, pflicht.

Mit Grüßen Danilo



Schön,



daß Sie einen offenbar sehr einsichtigen Dachdeckermeister beauftragt haben.

Selbstverständlich ist es legitim, gewisse Ausführungen zu hinterfragen - wenn man dann mit dem ausführenden Handwerker selbst auch ein entsprechendes Gespräch führt und ihm die Möglichkeit zur Erklärung läßt. Denn oft gibt es Gründe für eine bestimmte Ausführung, die dem neutralen Beobachter gar nicht bewußt wird.

So wie Sie das hier geregelt haben, ist das sehr vernünftig. Im Dialog lassen sich viele Dinge klären und ausräumen.

Denn eines ist auch sicher...hätten sie nichts gesagt und die Ausführung so gelassen, würden Sie sich vermutlich die nächsten Jahre Gedanken machen, ob das System so funktionieren kann.

Insofern optimal gelöst, würde ich sagen.

@Herr Conraths:

Kurze Zwischenfrage:

Wie funktioniert denn ihre Hinterlüftung, wenn sie den Traufbohlen direkt auf der Schalung montieren ? Vielleicht habe ich Sie da falsch verstanden, aber aus meiner Sicht funktioniert ihr System nur bei unbelüfteten Dächern.

Die Lösung, die Unterspannbahn bzw. die Dachpappe direkt in die Dachrinne zu leiten, hab ich persönlich seit zwanzig Jahren nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Nicht falsch verstehen...keine Kritik, es interessiert mich nur.

Gruß Andreas



@ Andreas,



die Hinterlüftung wird mittels einem Traufenlüftungskamm hergestellt.
Eventuell erkennt man es auf dem Bild.

Mit Grüßen
Danilo



@Danilo:



so hatte ich mir das schon vorgestellt. Aber auf dem Bild sieht es so aus, als würde die Lattung direkt auf der Schalung aufliegen, also ohne Konterlattung. Insofern kann man hier doch auch gar nicht von einem hinterlüfteten Dach sprechen, oder ?

Ich bin kein allzu großer Freund von Traufkämen und belüfte lieber über ein Vogelschutzgitter. Unseren Traufkeil legen wir deshalb auf die Konterlattung und arbeiten auf der Dachschalung mit einem zusätzlichen Tropfblech, aber das ist dann wirklich Ansichtssache...Hauptsache, der Hinterlüftungsquerschnitt wird eingehalten.

Gruß Andreas



korrosionsgeschützte Befestigungsmittel



@ Danilo
@ Andreas
Korrosionsgeschützte Befestigungsmittel sind i.d.R. verzinkt.
Für mich tun sich da zwei Probleme auf:
1. Ich finde in den einschlägigen RL keine Forderung, dass KL + DL damit befestigt werden müssen.
2. Bei Eichesparren – das ist beim FWH die Regel – ist ein verzinkter Nagel kontraproduktiv!
Wäre schön, Eure Meinung dazu zu lesen.
SG
Paul



Guten Abend ,



@ Herrn Herpich

Mit dem Traufenlüftungskamm habe ich bisher eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht, auch langfristig. Vogelschutzgitter sagen mir jetzt erstmal nichts, ehr ein Lochsieb.
Natürlich ist bei meinem abgebildetem Dachdetail eine Konterlattung und Hinterlüftung, wenn auch nicht zu erkennen, vorhanden.
Bei den Hinterlüftungen, machen mir aber meist die Abluftöffnungen (First) mehr Sorge als die Zulüftung über Traufe.


@ Herrn Esztermann

Zum Thema Korrosionschutz, steht in den Fachregeln des Dachdeckerhandwerkes, im Band II, Hinweise Holz und Holzwerkstoffe unter Punkt 3.3 Korrosionsschutz

" (1) Je nach Art der verwendeten Verbindungsmittel und der korrosiven Beanspruchung müssen die Befestigungsmittel für Unterkonstruktionen über einen geeigneten Korrosionschutz verfügen.

(2) Als korrosive Beanspruchung für Verbindungsmittel ist die umgebende Atmosphäre und eine eventuelle Aggresivität behandelter Hölzer zu beachten. usw......"

Meine Meinung:

Sicherlich ist das jetzt Auslegungssache, da ich aber weder die Zusammensetzung der Dachlattenimprägnierung noch die genauen chem. Inhaltsstoffen der Unterdeckplatten kenne, rate ich immer zu korrosionsgeschützten Befestigungsmitteln.

Einwände, dass die Verzinkung von Nägeln, bei deren eintreiben ins Holz, sowieso Schaden nimmt habe ich auch schon gehört, halte ich aber für gegenstandslos.

Ein verzinkter Nagel in Verbindung mit einem Eichensparren, wird sicherlich immernoch länger halten als ein blanker Nagel.
Probleme gibt es doch hier ehr bei "frischer" Eiche mit der Gerbsäure, als bei einem hundertjahre alten Eichesparren.?

Ich wüsste jetzt auch nicht, wann ich, dass letzte mal einen echten Eichensparren bzw. kompletten Eichendachstuhl gesehen habe.
Bei meinem 400 Jahre altem Fachwerkhaus sind die Sparren aus Esche und selbst bei der Dachsanierung am hist. Fachwerk Rathaus in Duderstadt(2008-2009)waren kaum Eichensparren vorhanden.

Es verbleibt mit besten Grüßen
Danilo



Korrosionsgeschützte Befestigungsmittel



@ Danilo
Danke für die Info.
"(1) Je nach Art der verwendeten Verbindungsmittel und der korrosiven Beanspruchung müssen die Befestigungsmittel für Unterkonstruktionen über einen geeigneten Korrosionschutz verfügen."

Das ist ziemlich Auslegungssache.

Mein Dachstuhl, ebenso die Sparren sind Eiche. So um die 400 Jahre alt.
Eine Seite des Daches war noch die Originaldeckung. DL (eher halbierte Baumstämme) mit geschmiedeten schwarzen Nägeln befestigt. Korrossionsschäden nur in Bereichen, in denen die Deckung schadhaft war.
Die andere Seite ca. 70…80 Jahre alt. Befestigung der DL mit Drahtstiften schwarz. Korrosionsschäden do.

Ich habe für verschiedene provisorische Befestigungen korrosionsgeschützte Spaxschrauben verwendet; diese wiesen schon nach wenigen Tagen Korrosionschäden auf, trotz der alten Eichebalken.

Im übrigen, ich bin ja Klempner (auch bekannt unter den Bezeichnungen: Spengler, Blechner, Flaschner).
Unsere Deckungen werden auf vollflächigen Schalungen verlegt.
Diese habe ich immer mit ungeschützten Nägeln (Drahtstiften) befestigt.
Da hat es nie einen Korrosionsschaden gegeben.
Allerdings werden die Hafte mit Edelstahlnägel befestigt.