Neue Leimfarbe - was ist zu beachten?

16.10.2010


Guten Tag! (Besonders Herr Lingl und Herr Menges! - aber auch alle Anderen!)

Nach vielem Hin+Her und Antworten hier aus dem Forum möchte ich nun doch Leimfarbe (Rügener Kreide Wand&Deckenfarbe von KFR) für unser 1900-Klinker-Haus verwenden. Grund: Unsicherheit bei der Vorbereitung der vielen unterschieldlichen Untergründe für Sumpfkalkanstrich, Einfachkeit der Verarbeitung und ZEITDRUCK!

Leider finde ich in diesem Forum bezügl Leimfarbe vorallem Hinweise darauf welche Schwierigkeiten alte Leimfarbe bringt etc. Ich hab aber noch nicht ausreichend Information finden können, was bei einer Neu-Anwendung zu beachten ist.
Um die Problematik mit abwaschen etc. weiß ich. Bad und Küche werden gekalkt. Aber was ist bei Leimfarbe auf frischen Kalkputz, Rotband etc. zu beachten?

Der Hintergrund:
Ca. 50 m2 sind neu mit Kalksandputz verputzt worden>> NOCH FEUCHT!(darunter Wandheizung).
Ca. 20 m2 sind aus meiner Sicht leider Rotband
Alles andere sind die unterschiedlichsten, gemischten Untergründe(auf altem Kalkputz): Silikatgrundierung, Gipsspachtel, alte Leimfarben, Tapetenkleister, Kalkspachtel, Kalkzement. Alles extremst fleckig.

Inzwischen hab ich zT Kaseingrundiert (als ich noch dachte alles zu kalken) und auch schon bei einem Schornstein der der durch den Putz gelb färbte eine Kalputz-Kuhmist-Mischung aufgebracht und drüber nochmal Kalkputz. Bin gespannt...!

(Bitte keine Hinweise auf Sumpfkalkfarbe: Das hätt´ ich gern gehabt, aber überfordert mich hinsichtlich Zeit und Vorbereitung. Hab mich die letzten Wochen ausführlich beschäftigt und weiß inzwischen: hätte überall einmal mit Kaseingrundierung drüber gehen und dann einen Quarzsatz-Kalk-Feinputz drüber machen, dann sumpfkalken sollen. Bis ich soweit war ist nun schon Herbst geworden. Leider ist das Thema nun durch!)

Ich danke voraus für Verarbeitungshinweise für die Kreide-Leimfarbe wegen der verschied. Untergründe. Oder ist das kein Problem?

Eva
(Ob es nochmal eine Leimfarben-Renaissance geben wird, wie bei Kalkfarben???)



Die Fragen zu



noch feuchtem Putz kann ich leider auch nicht beantworten, wir haben immer die Durchtrocknung abgewartet.
Ansonsten: alte Leimfarben sollten mit Wasser (Malerbürste, großer Pinsel) und Spachtel entfernt werden. Tapetenkleister ist lästiger, der sollte mit einem Schwamm völlig abgewaschen werden, sonst kommen gelbe Flecken durch (zumindest vermuten wir das, überall wo wir Tapetenkleister überstrichen haben, gab es gelbe Flecken, in vorher nicht tapezierten Räumen der gleichen Wohnung nirgends). Gipsspachtel ist völlig unproblematisch, haben wir hier überall für die Endbehandlung der Oberflächen verwendet, ebenso Gipsputz (die halben Wände hier sind aus Gipsdielen und habem vom Bau einen Gipsputz). Silikatgrundierung habe ich noch nie erlebt, wüßte aber nicht wieso die problematisch sein sollte. Lästig sind vor allem sehr dunkle und sehr glatte Oberflächen. Ansonsten... Leimfarbe anrühren und lospinseln oder -rollen, zweimal, bei dunklen Untergründen notfalls dreimal, jeweils über Nacht trocknen lassen.

Leimfarbe ist im Normalfall auch in Küche und Bad außerhalb des direkten Spritzbereichs völlig problemlos, bei uns im Bad wird sie sogar oberhalb der Fliesen (ja, kleiner Planungsfehler) seit 6 Jahren regelmäßig geduscht, ohne Probleme.

Für mich ist bei Leimfarbe ein riesiger Vorteil, daß man auch schlecht gereinigte Werkzeuge unbegrenzt wieder suaber kriegt, desgleichen kann man unerwünschte Spritzer von den meisten Oberflächen wieder entfernen. Bei der Renovierung kriegt man sie dann leicht wieder weg, anstatt mit der Zeit millimeterdicke Schichten aufzubauen oder mit Abbeizern etc. zu fuhrwerken. Stinkt nicht, gast keine Lösungsmittel aus, schadet der Haut nicht... ideale Verarbeitungsbedingungen. Der ätzende Kalk ist da schon wieder nicht mehr so sympathisch. Außerdem sammelt sich Kalk mit den Jahrzehnten in 3, 4 Millimeter dicken Schichten die dann beginnen abzublättern... nö danke.



Kalkfarbe



@ Kellergassenkatze


3-4mm starke Kalkschichten? Ich hab mal einen Resaurierungsbericht gelesen, bei dem fast 100 Schichten Kalkfarbe übereinander geschichtet waren, die Gesamtstärke betrug gerade mal 2mm...

Wenn man Kalkfarbe zu dick aufträgt, war sie zu dick in der Verarbeitung. Immer wieder wird der Fehler gemacht, die Kalkfarbe so dick einzurühren, bis sie im feuchten Zustand deckend ist. Im nassen Zustand kommt der Untergrund durch, erst im trockenen Zustand wird die Oberfläche so wie gewünscht.
Durch die geringe Schichtdicke blättert auch nix ab. Sollte die passieren, die alte Farbe anfeuchten und dann abwaschen...
Nachteil der reinen Kalkfarbe: nicht wischfest. Lässt sich aber mit etwas Zellleim oder Kasein beheben...

Ich hab Kalk-Kasein Farbe an meinen Wänden...es blättert und färbt nix


Andreas





Ich hatte mich auch gerade eben etwsa kundig gemacht über Leimfarbe. Der Maler meines Vertrauens riet mir für Wände dann allerdings zu Kaseinfarbe; Nicht Kalkkaseinfarbe. Denn Kalkkaseinfarbe wird härter und besitzt eine gewisse Tendenz zum Abblättern hat. Insbesondere bei rauen Oberflächen ist die Leimfarbe nicht die beste Wahl, weil dann das Abwaschen umso schwieriger vonstatten geht.
Ist zwar nicht die eigentliche gesuchte Antwort, aber vielleicht wäre Kaseinfarbe (nicht mit Kalk sondern mit z.B. Borax aufgeschlossenes Kasein; Rezepte findet man im Internet) eine brauchbare Alternative.



Ich kann



nur vom Bestand ausgehen... und da hatten wir eben millimeterdicke Kalkschichten in allen Farben des Regenbogens auf dem Lehmputz, die einem in mehr oder weniger großen Stücken leicht entgegenkamen.

Das Mischungsverhältnis ist ein guter Kritikpunkt - ich finde das für Einsteiger ausgesprochen schwierig. Bei mir war die Kalkfarbe immer entweder so, daß auch der 6. Anstrich nach dem Trocknen noch nicht gedeckt hat oder so zäh, daß sie zwar naß immer noch halbwegs transparent war (ist Leimfarbe übrigens auch, die deckt genauso erst beim Trocknen) aber schon zäh genug, daß fürchterliche Pinselstriche stehenblieben.

Abwaschen und rauhe Untergründe... was ist rauh? Auf einen Strukturputz würde ich Leimfarbe jetzt auch nicht unbedingt klatschen (ganz persönliche Meinung: den würde ich im Innenraum abschlagen und glatt neu verputzen), auf normalen Putzuntergründen hatte ich bislang noch nie Probleme. Auf frischem Gipsputz und Gipskartonplatten haftet die LEimfarbe gleich so gut, daß man sie gar nicht abkriegt und bedenkenlos überstreichen kann (irgendwann bei genügend Schichten wird sich das wohl wieder ändern nehme ich an). Im Gegensatz zu dem was ich von einigen (deutschen) Malern gehört habe, habe ich hier noch nie jemand Leimfarbe ab_waschen_ gesehen, die wird nur abgekratzt damit alle dicken Schichten weggehen.

Ich werde aber berichten wenn es mal drangeht im Bauernhaus die Vorhausdecke von der Leimfarbe zu befreien... da hat jemand einen frischen Grobputz mit Leimfarbe überschmiert.





Wenn ich schon so nett angesprochen werde dann möchte ich mich auch zum Thema direkt wenden.

Der Untergrund sollte für einen Leimfarbenanstrich den Regeln entsprechend fest, sauber, trocken und staubfrei sein. Da spielt es keine Rolle ob es sich um Kalk, Kalk-zement oder Gipsputz handelt.

Als Grund empfehle ich einen verdünnten Leim aufzutragen um einen gleichmäßigen saugfähigen Untergrund zu bekommen.
Die nachfolgenden Anstriche mit der Leimfarbe führen Sie aus wie es der Hersteller vorgibt.
Mein Tipp: Möglichst nass in nass arbeiten und nicht zu dick, damit ein ansatzfreies Bild entsteht.

Ich hoffe ich konnte weiterhelfen.




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