Alte Eichenbalken für Dielenboden und Möbelherstellung aufsägen.

19.10.2004



Wir haben beim Abriss zweier Fachwerkhäuser eine große Menge alter Eichenbalken erhalten, die wir bei der Restaurierung unseres eigenen Fachwerkhauses nur zum Teil eingebaut haben. Den Rest möchten wir zu Fußbodendielen und Brettern für die Möbelherstellung aufsägen. Das Problem liegt darin, dass in den Balken viele alte Nägel stecken, die zwar wahrscheinlich zum größten Teil schon verrostet sind, aber die Sägeeinrichtung beschädigen könnten. Gibt es Firmen, die so etwas aufsägen oder wer weiß eine andere Lösung?

Wir freuen uns auf Ihre Antwortten und danken schon jetzt

Luise und Manfred aus Schützingen





Erst einmal: Schade um die beiden alten Häuser - und dann auch noch solche aus Eichenbalken.!
Aber Zweitverwendung ist ja auch genau das was wir wollen, wenns nicht mehr anders machbar ist.
Vorschlag, damit Ihr doch noch zum gesägten Holz kommt: Erst einmal selbst versuchen, die Nägel zu ziehen. Und: Vielleicht sponsort Ihr dem Sägewerk eine neues Sägeblatt?
In welcher Gegend seit Ihr denn zu Hause ? Falls Ihr am Bodensee wohnt werden wir Euch kein Sägegatter in Flensburg empfehlen. Bitte auch mal unter www.igbauernhaus nachsehen.
Viele IGB-Grüße D.Fr.



Zuhause nördlich von Stuttgart



Lieber Herr Fröhlich,

Danke für Ihre Antwort. Mit dem Kommentar "Schade" hatten wir gerechnet, aber wir können nicht die ganze Welt retten. Ein Fachwerkhaus mit Schuppen, großer Scheune und Riesengrundstück ist schon schwer genug für zwei Leute. Aber wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass noch mehr Leute in unserem Dorf ihre Häuser nicht als Last, sondern als Schatz erkennen.

Unser Dorf liegt etwa 40 km nordwestlich von Stuttgart, etwa in der Mitte des Dreiecks Stuttgart, Karlsruhe, Heilbronn. Nägel ziehen wird nur für einen ganz kleinen Teil der Nägel die Lösung sein, da der Großteil beim Ziehen abbricht oder zu tief im Holz sitzt (aber dafür sind sie schon ziemlich verrostet, d.h. weich).

Wir kennen einige Sägewerke hier in der Umgebung. Sie meinen, wir sollten dort mal nachfragen. Oder ginge es auch mit einem hartmetallbestückten Kreissägeblatt einer großen Zimmermannskreissäge?

Wir erwarten gespannt Ihre Anwort

Luise und Manfred





Liebe Familie Schmidt-Lüttmann, ich danke ebenfalls für die freundlichen Zeilen.
Gern gebe ich Ihnen recht. Man kann nicht alles retten. Aber viele Nebengebäude und leerstehende Häuser werden viel zu schnell abgerissen, nur weil sie derzeit ohne gewinnbringende Nutzung sind. Sie werden sofort als "Schandfleck" gesehen, wenn sie nicht ständig wie neu aussehen. Das ist heute mehrheitlich das ästhetische Empfinden, das vielen alten, auch wertvollen Gebäuden schlichtweg das Weiterleben kostet. Unsere Dörfer werden bald aussehen wie ein strahlendes Gebiß mit Zahnlücken.
Wenn Sie möchten sende ich Ihnen ein paar "Holznägel", die Mitgliederzeitung der IGB (www.igbauernhaus.de) Dadurch finden Sie möglicherweise auch in Ihrer Region weitere Ansprechpartner, die konkret helfen. Das gehört zu unserer Vereinsphilosophie.

Das Promlem rostiger Nägel: Machmal gehen sie besser zu ziehen, wenn man einen Tropfen Diesel darauf gibt und einwirken läßt. Freilich weiß ich nicht, ob das Farbveränderungen im Holz gibt, das Ihr ja noch als besondere Ausstattung liebevoll weiterverwenden wollt. Mal ausprobieren.!

Daß die Sägewerke erst einmal skeptisch sind, ist verständlich. Einfach mal fragen und verhandeln und dabei gedanklich vom schlechtesten Fall ausgehen. (Als Gemälderestaurator weiß ich über technische Holzverarbeitung zu wenig Bescheid.)



mit glück gesägt



liebe schmidt-lüttmanns,
wir haben einen alten eichenbalken aus abriss aufsägen lassen. zwar nicht zu brettern, sondern auf das balkenformat, das wir brauchten. unser deal mit dem sägewerk (klingt groß, ist aber ein mann mit einer säge..) war, dass wir ein neues sägeblatt zahlen, wenn er auf einen Nagel kommt. er hatte auch einen metalldetektor, um zu sehen, ob noch nägel da sind. das blatt sollte ca. 25 euro kosten. er selbst wollte auf stundenbasis arbeiten (35 euro die stunde mann mit maschine). es hat alles geklappt. wir haben keinen nagel getroffen.
er hatte im übrigen keine gattersäge, sondern eine große bandsäge.
interessant war, dass der etwa 250 jahre alte eichenbalken sich noch verzogen hat, als ein stück abgeschnitten war. da sind immer noch spannungen drin, also vorsicht, dass nicht plötzlich zu viel abgeschnitten ist.
was ich noch sagen muß: das ganze hat hier in der prignitz statt gefunden. also nicht in ihrer nähe. aber, ich dachte, vielleicht interesiert es sie als erfahrungsbericht.
viele grüße,
andreas schmeller.
ps: ohne es gesehen zu haben, aber man sagt, dass kreissägen sehr ungut auf nägel reagieren (zerstörung der scheibe?). aber es ist mir noch nicht passiert.



Wir sind schon etwas klüger



Lieber Herr Schmeller,

Ihre Antwort (und die von Herrn Fröhlich) hat uns ein Stück weitergeholfen. Wir wissen jetzt, wie wir weitermachen werden. Wir kennen einige kleine Sägewerke, die wir nun abklappern werden.

Vielen Dank

Luise und Manfred Lüttmann



Eichebalken und Nägel



Das Problem mit den Nägeln ist m.E. nur der Art zu lösen, dass nicht zu ziehende von Hand mit Stechbeteil und Hammer freizulegen sind. Auch HM-bestückte Sägeblätter werden Schaden nehmen, da dies nur bei weichem Metall Alu funktioniert. Ich selbst bin gelernter Möbeltischler und habe selbst schon alte Eichebalken verwendet und die Erfahrung hats gezeigt, am besten ein paar Stunden zeit investieren und mühsam rausarbeiten. Die Fehlstellen sind dann, sofern später die Hölzer zu Möbel weiterverabeitet werden mit gleichem Hólz aus Abschnittstücken auszuleimen oder auf der nicht sichbaren Seiten einzusetzen. Die dunkle Patina dieser Hölzer überdeckt meist diese Ausleimstellen.



Das Vorgehen differenziert sich



Lieber Herr Naumann,

Vielen Dank für Ihre Hinweise.
Vielleicht sichert uns ein zweistufiges Vorgehen am besten vor Schäden an Sägeeinrichtungen. Wir überprüfen die Balken zunächst und sortieren diejenigen mit zu vielen und zu schwierigen Nägeln aus (wir besitzen genug). Den Rest sägen wir dann auf.

Ich bedanke mich. Ich glaube, jetzt können wir das Problem lösen und haben genug Beschäftigung für lange Winterabende.

Luise und Manfred Lüttmann