Trittschallminderung durch Einbringen von Masse zw. den Deckenbalken?

22.06.2005



Hallo!

Plane gerade den Ausbau eines Dachbodens in einem Haus in Holzrahmenbauweise. Da der Fußbodenaufbau (incl Bodenbelag) über der Rohdecke aufgrund bestehender Türschwellen etc. auf 80 mm begrenzt ist, bin ich auf der Suche nach geeigneten Maßnahmen eine wirksame Trittschalldämmung bei begrenzter Bauhöhe zu erreichen. Die Decke ist gegenwärtig wie folgt aufgebaut: 20 mm Rohbretter; 200 mm Deckenbalken mit 140 mm Mineralwoll-Dämmkeilen; Dampfsperre; 24 mm Lattung; Gipskartonplatte.

Meine bisherigen Recherchen haben ergeben, dass das Einbringen von Masse sehr gute Trittschallverbesserungswerte bringt und mit folgendem Aufbau ein L'nw von 46 dB erreicht werden kann:

22 mm Spanplatte, 23/20 mm Trittschalldämmplatte (s'<= 20MN/m³); 50 mm Schüttung (m = 75 kg/m²); Rieselschutzpapier; 22 mm Verlegespanplatte; 200 mm Balken; 100 mm Hohlraumdämmung; Fedeschiene, Gipskartonplatte

Meine Frage ist nun: Bringt es etwas den verbleibenden Hohlraum von ca. 50 mm zwischen den Balken zu nutzen indem man einen zusätzlichen Boden einbringt und die Schüttung in den Raum zwischen den Balken einbringt? Oder ist diese Mühe vergebens? Gibt es andere schlaue Aufbauten mit denen ebenfall die Trittschallanforderung erfüllt werden kann.

Ich bin für jeden schlauen Ratschlag sehr dankbar.

Viele Grüsse - Kilian



80mm



Laut Ihrem Vorschlag sinds schon 92mm über dem Balken ...
Und viel Masse kann ich nicht wirklich erkennen...

Ich gehe beim Dachboden-Ausbau mal davon aus, dass der als Wohnraum genutzt werden soll. Dann brauchts keine MiWo zur Wäremdämmung. Raus damit.

Mein Vorschlag:
Oben die Bretter entfernen, einen Zwischenboden zwischen die Deckenbalken einziehen und mit Grünlingen ausstapeln. Die Zwischenräume der Grünlinge füllt man z.B: mit feinem Sand, so enteht eine durchgehende Fläche. Dann die Bretter oben wieder drauf (nageln). Darauf dann einen Bodenbelag nach freier Wahl in schwimmender Verlegung.
Vorher müssen wir aber noch zum Statiker, der uns verrät, wieviel zusätzliche Masse wir auf diese Weise einbringen können, ohne dass sich die Balken biegen ;-)



Welche Trittschallanforderung



muss erfüllt werden?
Wieviel Last verträgt die Decke?



Masse



ist gut. es kommt aber auch darauf an, wo sie eingebracht wird. Die von Jens Puruckherr vorgeschlagene Konstruktion ist sozusagen die traditionelle. Sie belastet die Konstruktion aber mit Masse, die oben drauf viel besser aufgehoben wäre. Bauphysik-Lehrbücher schrieben das schon in den 60er Jahren. Man muß sich das nur immer wieder in Erinnerung rufen.
Die Frage nach der Statik ist zurecht gestellt. Beim Bau der Decke galten ja wohl etwas andere Lastannahmen. Hilfreich könnte es aber sein, den Statiker und den PrüfIng. davon zu überzeugen, daß 50 kg (Verzeihung, daß ich alte Einheiten verwende, aber die kann noch jeder lesen)
Nutzlastminderung (von 200) vertretbar sind, weil durch plattenartige Beläge eine ausreichende Querverteilung der Lasten gesichert ist.
MIWO aus WSchGründen ist Blödsinn, klar, sie bringt aber - locker eingelegt - eine Hohlraumbedämpfung und verhindert Bildung stehender Wellen. Aus akustischer Sicht also notwendig. Auch die abgehängten GKB-Platten auf Federschienen sind nicht zu toppen.
Jetzt zum Aufbau:
das s´ sollte deutlich kleiner sein, M höher. Hier können z.B. Fertigestrichplatten aus Zement verwendet werden. Den Zusammenhang mag Ihnen die Graphik aus FASOLD,SONNTAG: Bauphysikalische Entwurfslehre, Bd. 4, Leipzig 1972 verdeutlichen.

Viel Erfolg !



Kleiner Hinweis



ohne dass ich schriftliche Belege dafür vorliegen habe. Ich hab's nur im Labor miterlebt. Fermacell hat vergleichsweise Deckenaufbauten mit einem schwimmenden Estrich und mit der Masse (Gehwegplatten) direkt auf der Schalung im Labor getestet. Bei Holzbalkendecken hat die Variante Estrich unten und dann schwimmenden Bodenbelag besser abgeschnitten wie die Variante in der Grafik mit schwimmend verlegtem Estrich. Bei Betondecken war's natürlich genau anders herum.



Trittschallanforderung - Belastbarkeit



Zuerst mal vielen Dank für die gegeben Ratschläge!

Da es sich um zwei getrennte Wohnungen handelt würde ich gerne die erhöhten Anforderungen für den Trittschall gemäß DIN 4109 von L'n,w 500 kg/m² erhöht werden können. Dies lasse ich allerdings noch durch eine Statikberechnung prüfen. Ggf. muss der Querschnitt auf 89*200 mm erhöht werden.

Welchen Bodenaufbau könnten Sie unter diesen Voraussetzungen empfehlen?

Danke für Ihren Rat.



Trittschallanforderung - Belastbarkeit



Sorry, irgendwie ist etwas Text abhanden gekommen - jetzt nochmal komplett

Zuerst mal vielen Dank für die gegeben Ratschläge!

Da es sich um zwei getrennte Wohnungen handelt würde ich gerne die erhöhten Anforderungen für den Trittschall gemäß DIN 4109 von L'n,w <= 46 dB erfüllen, damit die Bewohner der unteren Wohnung möglichst wenig belastet werden.

Die Traglast der Decke muss bei 4,5 m Spannweite und 70 cm Abstand der Deckenbalken (100 x 200 mm) vermutlich noch verbessert werden. Hier haben wir ein Verstärkung durch beidseitiges Anbringen von Furnierstreifen- /Langspahnholz (z.B. Parallam) mit dem Querschnitt 60 x 200 mm (TL = 1,25 kN/m)gedacht. Dadurch sollte die Traglast der Decke auf 500 kg/m² erhöht werden können. Dies lasse ich allerdings noch durch eine Statikberechnung prüfen. Ggf. muss der Querschnitt auf 89*200 mm erhöht werden.

Welchen Bodenaufbau könnten Sie unter diesen Voraussetzungen empfehlen?

Danke für Ihren Rat.



Anorderungen erhöhter Schallschutz



Die Anforderungen für den erhöhten Schallschutz (VDI 4100, mittlere Spalte) sind mit Holzbalkendecken für den Luftschallschutz nur mit sehr viel Aufwand, für den Trittschallschutz fast gar nicht zu bekommen. Es kann also nur darum gehen, möglichst viel Gutes zu tun, ohne sich vorher auf einen Wert festzulegen.

Mein Vorschlag:
Blindböden mit Rieselschutz und 5 cm Glühsand füllen:
100 kg/m².
Trittschalldämmmatte auswählen mit niedrigstem s´.
Fertigestrich-Elemente aus Zement, 28 kg/m² verlegen.
Zum obersten Ausgleich dünnen Fließestrich aufziehen (Lugato, Remmers oder ähnlich)
Oberboden nach Wahl aufbringen.

Bei diesen Altbauverbesserungen muß auch den Randdetails große Aufmerksamkeit geschenkt werden. So machen schon kleine Schallbrücken den ganzen Aufwand wieder zunichte.
Alle Übergänge an den Wänden deshalb gut mit Dämmmaterial stopfen ! Boden gut schwimmend ausbilden !



Aus der Isofloc Info-Broschüre lese



ich z.B. (es gibt einige Möglichkeiten):
- Fermacell-Estrich Element 2E11
- 42 mm Holzweichfaser
- Fermacell Estrich-Dämmsystem
- Holzschalung
- >= 200 mm Isofloc zwischenDeckenbalken e<= 62,5 cm
- stabile Baupappe
- Federschiene e<= 40 cm
- Fermacell 10 mm
geprüfter Wert ohne Schallnebenwege Ln,w,R = 44 dB nach Gösele