Lehmfeinputz auf Gipskarton - hält das?

20.09.2007



Hallo liebes Forum,
Ich habe außen Vollziegelwände und innen ein paar nichttragende Gipskartonwände und will überall Lehmputz (der in den letzten Tagen auch schon auf die Vollziegelwände draufkam). Nun hat mein Lehmputzer (der natürlich kein Freund von Gipskarton ist - eine Haltung, die bei mir erst gereift ist, aber nun ist es zu spät) Zweifel, ob auf den doch weniger festen Gipskartonwänden ein Oberputz überhaupt hält, mit dem Argument, auch ohne tobende Kinder u.ä. könnte allein durch das thermische Arbeiten der Haussubstanz der Feinputz Risse kriegen und flächig abblättern - nicht sofort, aber doch im Laufe der Zeit. Hat da jemand Erfahrungen, besonders wegen Grundierung oder Farbe? Bitte nicht vorschlagen, wieder alles rauszureißen. Unser Bauprozess war sehr aufreibend und neigt sich nun gottseidank dem Ende entgegen ...
Vielen Dank schon mal!
Herbert Nickel



ggf. Vliestapete, in jedem Fall Putzgrundierung auf GKP für Lehmfeinputz



Hallo,

grundsätzlich ist bei Gipskarton und nachfolgenden Lehmfeinputz-Beschichtungen auf drei Dinge zu achten:

1. Herstellung von einheitlichem Saugverhalten: GKP-Wände sind für mineralische Beschichtungen (wie Lehmfeinputz) deshalb problematisch, weil auf ihnen, wegen der Unterschiede im Trocknungsverhalten von Plattenfläche und Spachtelfugen, nachfolgende Dekorbeschichtungen nicht einheitlich trocknen. Das gilt auch für nachfolgende 1 bis 2 mm starke Lehm-Dekorputze. Hier schafft eine Putzgrundierung auf Silikatbasis abhilfe. Sie wird mit der Rolle auf die GKP-Wand aufgetragen, ist diffusionsoffen und speziell für diesen Zweck gemacht.

2. Haftvermittlung: GKP-Wände sind für Leimfeinputze nicht griffig genug. Auch dieses Problem löst o.g. Putzgrundierung, weil sie gekörnt ist und damit die optimale Haftvermittlung herstellt.

3. Untergrundarmierung: Treten z.B. bei GKP-Wänden (u.a. v.a. bei Häusern in Holzständerbauweise) nach Fertigstellung des Baus noch Bewegungen um Untergrund auf, dann reist so ziemlich alles, was man sich da als mögliche Dekorbeschichtung ausdenken kann. Um dieses Risiko zu minimieren, gibt es zwei Möglichkeiten der Untergundarmierung, die auf die GKP aufgebracht werden können:
A. vollflächige Gewebespachtelung mit dispersionsgebundenem Gips-Spachtel (anschließend o.g. Grundierung)
B. vollflächiges Kleben einer Vliestapete: Sie hat den Vorteil, dass man sie mit Lehmkleber auf die GKP aufkleben kann und ist damit sicher die "wohngesündere Lösung" im Vgl. zu o.g. Lösung (anschließend o.g. Grundierung).



Also



wir sind vorausgesetzt die Stöße der Platten sind mit einem Gewebeband bewehrt folgender maßen vorgegangen:

Haftgrund auftragen und trocknen lassen, anschließend Lehmfeinputz auftragen.

Ich würde nicht mehr als 5 mm auftragen.

Natürlich kann jede Beschichtung nur so gut wie der Untergrund halten.



Ähnlich wie bei Gerd M.



Wir arbeiten seit fast zwei Jahren erfolgreich mit einer ähnlichen Variante wie es Gerd Meurer bereits erläuterte.
Trotzdem haben wir am Markt nach einem Material gesucht, was hohe Flexibilität aufweist und zudem noch gut zu Verarbeiten ist und eine gute Oberflächenstruktur mit hoher Abriebfestigkeit hat.
Es kommt wirklich auf das Material an!! Unseres hat eine hohe Hanffaserarmierung und einen hervorragenden Tonanteil mit enorm guter Haftung.
Einen Haftanstrich erledigen wir auf Basis Lehmgrundierung mit hohem Quarzsandanteil.
Eine zusätzliche vollflächige Gewebeinbettung ist möglich und wird auch angeraten.
Zu weiteren Hilfeleistungen stehen wir Ihnen natürlich gern mit zur Verfügung.

Grüße und gutes Gelingen

Udo