Betonschwelle, Pferdemisst im Strohlehm, lose Ausfachungen

17.02.2013 Herbert40



Hallo Leute,

ich bin gerade dabei den Innenputz von meinem Fachwerk zu entfernen. Dieser ist teilweise sehr lose und muss deshalb vorab runter. Die Ausfachungen (Lehmsteine) sind in sich fest aber locker in dem Gefach. Das heißt man könnte sie rauskippen. Unter allen Fenstern sind Bachsteine in der Ausfachung.

Geplant ist eine Innenisolierung mit Strohlehm ca. 15 – 20cm bin ich mir noch nicht ganz einig mit mir selbst ?. Von außen ist im Moment noch Eternit. Der soll runter und das Haus soll von außen auch wieder wie ein Fachwerk aussehen.
Ich hoffe dass ich im Frühjahr mit der Entkernung durch bin und dann soll der Aufbau losgehen.

Nun habe ich noch ein Paar Fragen worüber ich mir noch nicht ganz sicher bin oder gerne einmal einen Rat hätte.

1. Die Schwelle ist teilweise an der Hang zugewandten Seite verfault so das sie ersetzt werden muss. Da die Erdschicht draußen mit der Schwelle abschließt habe ich keine Spritzwasserzone, ich vermute, dass die wieder nach einiger Zeit verrottet ist. Meine IDEE ist hier die Schwelle durch einen Betonsockel zu ersetzen. Ist das empfehlenswert?
2. Wie befestige ich die losen Wände bevor ich mit der Isolierung anfange? Mit Lehm neu verschmieren oder ich habe gelesen das man diese mit Jutestreifen ausstopft und erst dann verfugt. Sollte ich die komplett rausnehmen und neu einmauern?
3. Was ist mit den Backstein Verfachungen? Ersetzen durch Lehmsteine (die sind aus alten Abrisswänden vorhanden). Werde ich da später beim Verputzen von Außen Problehme bekommen wegen der Unterschiede?
4. Da die Strohlehm Isolierung doch ganz schön dick ist befürchte ich Schimmelbildung während der Trocknungszeit. Pferdemisst könnte ich bekommen. Die frage ist nur wie viel sollte man beimengen um Schimmelbildung zu unterdrücken.

Ich Danke schon mal für jeden Hinweis.



Fachwerkwand



Hallo Herbert,
auf welchen Erkenntnissen beruht ihre Annnahme, das Pferdemist im Strohlehm Schimmelbildung verhindert?
Die Grundschwelle liegt nicht zu tief sondern das Gelände zu hoch. Mit einer Neuprofilierung auf das ursprüngliche Niveau und ggf. einer Stützwand am Hang können Sie das Problem ohne Beton lösen.
Wenn die Ausmauerung wackelt kann das daran liegen das die Verleistung fehlt, zerstört ist oder die Nägel weggerostet sind. Diese Gefache müssen dann ausgeräumt und die Verleistung erneuert werden.
Lässt Ihre Schlagregengruppe denn Sichtfachwerk zu? Ich denke eher das Ihre Lage in die Gruppe II gehört.

Viele Grüße



Betonschwelle, Pferdemisst im Strohlehm, lose Ausfachungen



Hallo Herr Böttcher,

1. Zum den Pferdemist, das sind Erkenntnisse aus dem Internett das Früher Kuh oder Pferdemist mit eingebracht würde die zum einen die Bindekraft und Beständigkeit erhöhten und Zweitens wohl wegen des Ammoniakgehaltes die Schimmelbildung unterdrücken.
2. Zum Gelände: da hatte ich ehe schon vor noch etwas abzutragen und eine Suffe zu oberen Garten zu schaffen. Wenn das denn Reicht ist es ja OK. Ich denke 30cm zur Fundamentkannte sollten dann ausreichen.???
3. Zu der Ausfachung: habe ich mich vielleicht falsch ausgedrückt. Die ist mit Lehmsteine gemauert also keine Viertelleisten!
4. zum Schlagregen: Ich dachte dass dieser nur eine Auswirkung auf den reinen Lehmputz hat? Ich wollte von außen mit Kalkputz verputzen! Habe ich da ein Denkfehler?

Gruß Herbert



Fachwerk



Also Erkenntnisse aus dem Internet.
Es ist nicht immer alles wahr was da steht.
Sicher wurde Kuh- und Pferdemist dem Lehm beigemischt, ich habe das selber schon mit Kuhmist praktiziert. Allerdings nicht wegen Schimmelbildung. Mist ist ein hervorragendes Substrat für Schimmel, da er aus Eiweiß und Zellulose besteht. Ammoniak bildet sich wenn Mist bakteriell zersetzt wird, auch Bakterien sind ein gutes Substrat. Den Pilzen tut das nichts, höchstens der Nase.
Das ist also Quatsch.
Schimmelbildung kann man nur durch Wasserentzug oder durch Nährstoffentzug verhindern. Nährstoffentzug heißt rein mineralischer Lehm ohne organische Anteile. Wasserentzug heißt optimaler Kornaufbau, optimale Konsistenz, geringe Schichtdicken, gute Trocknungsvoraussetzungen.
Warum kam nun Mist in den Lehm?
Erst mal durch Verunreinigung.
Dann bewußt um Lehm wasserbeständiger zu machen. Das funktioniert auf zwei Arten:
1. Durch die unverdauten Zellulosereste in Kuh- und Pferdemist. Zuerst wird bei der Verdauung das Lignin verwertet, die Zelluslosebestandteile fasern sehr fein auf und verbinden sich im Material mit Tonmineralen. Es entsteht eine Art Mikrobewehrung die den Lehm fester und widerstandsfähiger gegen Erosion macht.
2. Dann durch Eiweißaufschluß. Das funktioniert aber nur mit Kalkzugabe. Im Dung sind große Mengen Darmbakterien, Eiweiß. Mit Löschkalk bildet sich eine Art Kaseinkleber, der festigkeitserhöhend wirkt. Der Mist wurde also vorher mit etwas Kalk aufgeschlossen, das desinfizierte auch ein wenig. Die Kalkzugaben waren relativ gering, deshalb sind sie später kaum sichtbar. Der Kalk minimierte auch eine spätere Geruchsabgabe. Eingesetzt wurden Mistzugaben bei bewitterten Bauteilen, nicht im Innenbereich.
Eine andere Variante war den Mist nicht frisch, sondern getrocknet ohne Kalk zuzugeben. Der Mist wirkte als Trocknungsbeschleuniger.
30 cm als Spritzwasserschutz sind minimal. 40 cm wären besser.
Es geht nicht um den Lehm, sondern um die Fugen zum Gefachholz, die nie dicht zu kriegen sind. Da ist es egal mit was die Gefache ausgemauert und geputzt sind, diese bewitterten Fugen sind das Problem.
Was heißt "also keine Viertelleiste"? Sch.-egal was für Steine, eine Leiste muß vorhanden sein sonst funktioniert das System nicht!

Viele Grüße



Im Fachwerk



sollte Holz mit Holz repariert werden und das mit Holzverbindungen ,alles andere ist in meinen Augen Pfusch!

Entweder das Erdniveau absenken oder die Schwelle anheben.
Lose Ausfachungen entfernen,entweder mittig im Fachwerk Dreiecksleisten anbringen min.30x30mm am besten Eiche oder Kiefer oder eine Nut einbringen und neu Ausmauern.
Der Innenputz läßt sich wieder verwenden,evtl. noch etwas Stroh zuschlagen,!5-20cm Strohlehm Innendämmung würde ich mich nicht trauen.

Grüße Martin



Betonschwelle, Pferdemisst im Strohlehm, lose Ausfachungen



Hallo Herr Böttcher und Martin,

Ich danke erstmal für die ausführliche Erklärung. Dann muss ich da wohl etwas falsch verstanden haben oder es war wirklich falsch angegeben. Also denn hat sich das mit dem Misst ja erledigt.
Gibt es denn irgendetwas anderes damit man die Schimmelbildung während der Trocknungsphase unterdrücken kann?
Ich habe zwar vor den Strohlehm so trocken wie möglich einzubringen, aber man weiß ja nie wie sich das Wetter ändert. Eine Idee währe vielleicht noch während der Einbringung den alten gesiebten Lehm (sehr körnig) mit einzustreuen damit er Wasser aufnimmt, aber damit ist es ja nicht wirklich verschwunden sondern nur gebunden.
Das mit den Viertelleisten dachte ich, ist nur bei Strohlehm Gefächern rechts und links. Habe aber nun gesehen dass es auch bei Steinen ist. Habe hier bis jetzt nur Innenwände ausgeräumt und da waren keine gewesen.
Na ja man lernt halt immer wieder dazu.
Wieso würdest du dir nicht an die Stärke von 15-20cm rantrauen? Ich habe ja auch bedenken, wegen der Langen Trocknungszeit aber alles was darunter liegt, lohnt sich dann nicht wirklich von der Isolierung her. Ich hoffe einfach mal dass wir diesen Sommer super viel Sonne und warm haben. Wenn nicht dann geht’s halt nächstes Jahr weiter.
Gruß Herbert



Moin Herbert



Ich würde es nicht mit Strohlehm machen ,da gibt es Zuschläge die besser geeignet sind ,Hobelspäne,Hanfschäben....unabhängig von allen anderen Bedingungen ,würd ich sagen auf Dauer schimmelt dir der Strohlehm in der Stärke weg.

Grüße Martin