Infomaterial Lehmausfachung gesucht

27.10.2004



Wer kann mir ein Buch oder eine Arbeitsanleitung empfehlen, die mir sagt, wie ich (wir) unsere bestehende Lehmausfachung (Staken + Stampflehm) wieder in Gang setzen können...
so z.B. wie verbinde ich alten und neuen Lehm, welche Konsistenz und was für Lehm überhaupt, wie verdichte ich diesen dann, kann ich die alten Staken drin lassen und wie fertige ich neue Staken, wie und womit muss ich das Fachwerkholz vorher behandeln, wie bilde ich den seitlichen Abschluss zum Holz aus????? O Gott, so viele Fragen.....
Vielleicht gibt es ja ein allwissendes Buch für Laien beschrieben????
Die Arbeitsblätter von Claytec sind ja schon sehr hilfreich

Oder es ist in nächster Zeit ein Praxiskurs als Lehmbaueinsteigerschnüffelkurs in Thüringen geplant??? Hier hab ich noch nix gefunden...



Infomaterial zu Lehmausfachung



Sehr geehrte Frau Beckmann,
wir sind ein Unternehmen in Thüringen, welches Lehm-Baustoffe herstellt und verkauft. Gern würden wir Ihnen Info-Material zusenden. Sie können aber auch in unserer Firma vor Ort Informationen erhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Lehmbaustoffe
Thilo Schneider

Hier unsere Anschrift:

Lehm-Baustoffe
Thilo Schneider
Anger 56
99100 Kleinfahner

Tel. 036206 23345 oder 0172 9390566



Bedal



Liebe Frau Beckmann,
ich kann Ihnen die Veröffentlichungen von Prof. Dr. Konrad Bedal dem Direktor des Freilandmuseums Bad Windsheim empfehlen.
Mit freundlichen Grüßen Johann Müller



So mache ich es...



Liebe Frau Beckmann,
ich selbst habe viele nützliche Informationen in Richard Niemeyers Buch "Der Lehmbau" gefunden, isb. stehen da Anhaltswerte zu Mischungsverhältnissen Lehm/Stroh usw. drin, die sich für den Lehmwellerbau (Stakenausfachung) bewährt haben. Dieses Buch ist bei Amazon.de erhältlich (ca. 10 €).
Alten und neuen Lehm (und neues Stroh) in einer Wanne mit Wasser mischen und ca. 1 Tag stehen lassen, danach durchkneten (je besser der Lehm geknetet wird, umso besser seine spätere Festigkeit). Früher hat man sowas wie beim Sauerkraut durchgestampft, ein alter Teigkneter vom Bäcker ist optimal, ansonsten eine Spatengabel bzw. einen Spaten nehmen und so sehr wie möglich die Masse ineinander arbeiten (auch die Hände nehmen!).
Ich beziehe meinen Lehm aus der Sandwäsche einer Kiesgrube bei Zwickau (Fa. Kies und Sand), das kostet 4,50 je Tonne plus Transport.
Alte Staken können Sie drinlassen (wenn sie nicht gerade vom Holzwurm zerfressen sein sollten), neue Staken mit zwei parallel auf den Balken aufgebrachten Leisten(ca. 2cm Abstand, entsprechend der Dicke der neuen Staken) längs auf den Holzbalken nageln und die Stakenenden zwischen diese Leisten seitlich einschlagen und so verklemmen. Es reicht wenn diese straff handfest sitzen.
Der neu angemachte Stroh-Lehm sollte von einer Seite auf die Staken geworfen werden (ja, das macht Spaß!) und dann von der anderen Seite wieder mit Lehm beworfen und so verrieben werden, das die Strohhalme durch die Staken eine Verbindung der beiden Lehmhälften gewährleisten (das ist die ursprüngliche Form unserer ach so modernen Faserverbundwerkstoffe).
Darauf muss noch ein Grund- (Lehm-Sand-Häckselstroh-Gemisch) und ein deckputz (Lehm-Sand-Gemisch) aufgebracht werden. Bei den Putzen sollten Sie entweder Versuche mit verschiedenen Mischungsverhältnissen (siehe Buch) oder Fertigputze (z. B. Claytec) verwenden. Die Versuche sollen im optimalen Fall auf dem Deckputz nach dem Trocknen (lassen Sie sich mehrere Wochen Zeit) keine Risse und im Grundputz nur geringfügige Risse zeigen. Ein optimaler Sand ist Estrichlegersand.
Das Fachwerk an den Stellen wo der Lehm anliegt nicht behandeln, hier übernimmt der Lehm eine Konservierungsfunktion. An den offenen Seiten des Fachwerks einen Anstrich aus Leinöl aufbringen (zur besseren Haltbarkeit soll Teebaum- oder Palmöl zugegeben werden, da habe ich aber keine Erfahrung). Bitte niemals einen diffussionsdichten Anstrich! Gute Tips werden Sie im Naturfarbenhandel bekommen.
Noch ein Tip zum schluß: Reden Sie mit möglichst vielen Leuten, fragen Sie nach deren Meinungen, denken Sie ein bischen mit dem Kopf und umso mehr mit dem Bauch und finden Sie einen für Sie richtig erscheinenden Weg. Ruhig mal das Denkmalamt anrufen und nach Fachleuten fragen, und wenn Sie Angst vorm Denkmalschutz haben, dann einfach am Telefon anonym bleiben. Mir hat das Denkmalamt bisher übrigens nur geholfen (und nicht wie ich anfänglich dachte, Steine in den Weg gelegt).
Ich selbst war überrascht wie viele hilfsbereite Fachleute es gibt, und man merkt recht schnell das die Lehmbauer eine Art länderübergreifendes unbewußtes Netzwerk sind.

Viel Erfolg und melden Sie sich ruhig wenn Sie weitere Fragen haben!



Wir machen Seminare!



Hallo,
bei uns gibt es ein Seminar zu dem Thema Wandaufbau und Ausfachung mit Lehm: 06.-07.11.04

Günstige Übernachtungsmöglichkeiten gibt es auch!

www.lehmbau-sued.de

Viele Grüße

Markus Schwarz



Ökologisch Baustoffe Andreas Breuer



Hallo Frau Beckmann,
eine interessantes Bauvorhaben, was Sie hier darstellen. Als Öko Baustoffhandel kannich Ihnen 17,5 cm breite Lehmsteine für die Ausfachungen und die entsprechenden Putze sowie weitere Materialien wie Farbe für Innen und Außen und alles andere notwendige anbieten. Wir arbeiten mit Lehmbauern aus der Umgebung zusammen, so das auch der
praktische Teil erfüllt werden könnte.Unser nächstes Lehmseminar findet im April statt, Termin wird auf der Thüringen Ausstellung bekanntgemacht. Uns finden Sie in
der Halle 2 Reihe C Stand 27. Vielleicht haben Sie ja Lust zu kommen ?



Revision und Erweiterung meiner Antwort



Den angesprochenen Lehm aus einer Sandgrube nehme ich nunmehr nur noch zur Ziegelproduktion, die Festigkeiten bei der Herstellung von Putzen lassen auch nach einigen Versuchen mit verschiedenen Sandkörnungen (bzw. Körnungsfraktionen) zu wünschen übrig. Selbst bei Deckenstaken empfehle ich alten, schon mal verbauten Lehm oder eine alte Lehmgrube oder auch kommerziell vertriebene Lehmprodukte.
Auf den Lehm in den schon verputzten Räumen habe ich Leinöl satt aufgetragen, das erhöht die Oberflächenfestigkeit, veringert allerdings die Wasser(-dampf)aufnahmegeschwindigkeit. Einzelne Wände müssen komplett in einem Zug gestrichen werden. Überlappen von Anstrichen (auch wenn nur Stunden dazwischen liegen) führt im Überlappungsbereich zu Abdunklungen.
Hier im Forum ist ab und an auf die evt. Radioaktivität von Lehmprodukten hingewiesen worden. Wobei der Lehm selbst natürlich nicht radioaktiv ist, sondern evt. in kleinen Poren eingeschlossenes Radongas bzw. dessen Zerfallsprodukte. Meines Erachtens würde das Radongas relativ schnell noch während der Bauphase aus dem Haus ausgelüftet (Halbwertszeit: 3,8 Tage) und da der Nachschub von Radongas aus dem Boden fehlt, wäre eine evt. Gefahr schnell gebannt. Ein größeres Risiko stellt da der eigentliche Untergrund des Hauses als weitere Radonquelle dar. Aber das ist ein eigens Thema.