Decke mit Lehm verputzen

08.01.2008



Hallo allerseits,

hier einige Fragen zur Decke! In unserem "neuen" Häuschen (Bj. 1910, kein Fachwerk, sondern Feldbrandstein) haben wir bei der gerade erfolgten Kern-Entmüllung zunächst massenweise Styropor (...) von den Decken gekratzt. Darunter sind Holzfaserplatten aufgenagelt, die wir wohl auch noch entfernen werden. Die eigentliche Decke sind diese Holzstäbchen mit Lehmfüllung dazwischen - wie heißt sowas? Irgendjemand sprach mal von "Holzlätzchen"...
Am liebsten würden wir sie einfach mit Lehm verputzen. Das sollte vom Gewicht her doch halten, oder? Muß die Decke vor dem Verputzen noch irgendwie behandelt werden, oder hält der Lehmputz direkt auf Holz und Füllung?
Bin gespannt auf Eure Antworten!

Grüße
Roland



Am



beste vor dem verputrzen ein Schilfrohrgewebe aufbringen um die Putzhaftung zu verbessern.

Auch sollte in den Unterputz eine Armierung eringelegt werden.

Grüße Gerd



Oder



vielleicht ein Gewebe? Bleibt die Frage nach der Tragfähigkeit, wieviel Gewicht die Deckenkonstruktion hält. So eine Ladung Lehm bringt doch sicher einiges auf die Waage...



Lehmwickel



Sind womöglich Lehmwickel.
Sehen die bei Ihnen so aus:

http://image.historisches-fachwerk.com/upload/orginal/I310_200622813375.jpg
http://image.historisches-fachwerk.com/upload/orginal/I1201_200526224114.jpg

Es sollte möglich sein auf die bestehende Lehmwickel neuen Lehm aufzusetzen. Vorher Schmutz und losen Lehm entfernen.
Dann den alten Lehm gut anfeuchten und den neuen Lehm auftragen. Bitte auch wie von den Herren oben beschrieben mit Schilfrohr oder Putzarmierung (ggf. Jute) stabilisieren.

Gruß T. Bucher



So



eine Ladung Lehm bringt im m² bei 1 cm Auftragsstärke ca. 15 kg/m² auf die Waage.

Falls das Deine Decke nicht aushält muß eine neue rein.

Und verwechsele Gewebe nicht mit einem Putzträger!

Grüße Gerd



Lehmwickel...



... sind's nicht, meine ich. Die Hölzer sind etwa daumendick, genauso wie die Füllung dazwischen. Ich werde morgen mal ein größeres Stück Freilegen und Fotos schießen.
Vielleicht läßt sich dann auch was zur Stabilität dieser Konstruktion sagen.

Grüße
Roland



Stell mal ein Bild rein!



Wir hatten auch schon die tollsten Vorgaben, wo wir lt. Ausschreibung "Lehmwickel" wieder einbauen sollten, da die decke im Bestand ergänzt werden sollte.
Nach Sichtung der vor-Ort-Situation hatten wir absolut keine Antwort auf die Bestandssituation.
Jedenfalls gewickelt war es nicht!
Die Staken hatten allein schon einen Durchmesser von ca. 15 - 20 cm. Und hätte man die gewickelt, da hätte man "Bagger-Pfoten" gebraucht.
Also konnte dies früher auch nicht so hergestellt worden sein.
Und so kam uns Meister Zufall zu Hilfe.
Wir konnten analysieren, daß es im "Quetschverfahren" hergestellt wurde.

Ist Eure Gesamtkonstruktion fest und auch tragfähig, so kann man problemlos im maschinellen Anspritzverfahren einen Strohlehm-Unterputz aufbringen incl. einer Glasfaserarmierung und nach dem Durchtrocknen einen Lehmoberputz.

Zu weiteren Fragen sind wir kontaktierbar.

Grüße nach Alfter

Udo Mühle



Problem gelöst...



... mittels der Methode des genauen Hinschauens. Die dünnen Holzlatten sind auf die Deckenbalken genagelt. An denen kann ich natürlich alles mögliche festmachen (Geflecht, Latten, ...). Anbei ein Bild. Wie diese Decken heißen, klärt sich vielleicht auch noch. Im Angebot sind "Pastorendecke" und "Holzlätzchen", aber das ist auch nicht wirklich wichtig.

Grüße
Roland





Hallo Roland
Wir denken natürlich auch wie einige die schon geantwortet haben als erstes würden wir Forschlagen Schilf anzubringen. Ob einlagig oder Platten bleibt euch überlassen und richtet sich nach den Eigenschaften die Ihr noch erzielen wollt. Schilfplatten in 2 cm oder
5 cm würden eine zusätzliche Wärmedämmung ergeben.
Achte bitte beim befestigen dieser der Platten auf die Last des aufzubringenden Putzes auf ausreichender Befestigung und versucht nichtrostende oder wenigrostende Materialien zu verwenden
Armierung aus Jute in den Unterputz wäre gut ist aber wirklich aufwendig.
Wir haben es ohne gemacht war aber mit vielen Putzproben verbunden um Risse auszuschließen.
Vor dem aufbringen der ersten Putzlage ist es empfehlenswert das Schilt mit einem Quast satt mit Lehmunterputz vor zu streiche und antrocknen zulassen das erleichtert die weitern Arbeiten ungemein.

Mit freundlichen Grüßen die Lehmschwalbe





Hallo,

wir suchen auch noch nach anderen Möglichkeiten für die Deckengestaltung, es muß also nicht unbedingt Lehm sein. Ich bin aber dankbar für sämtliche Hinweise, dann kann ich auch den Aufwand/Nutzen der einzelnen Möglichkeiten besser abschätzen.
Als ich in einem der Zimmer den Schlitz zur Deckenleuchte aufklopfen wollte, habe ich festgestellt, daß dort ein dünner Lehmputz und als Oberfläche ein Gipsputz o.ä. aufgebracht ist. Das ganze macht einen ziemlich labilen Eindruck (brösel...) - da wurde anscheinend einfach "draufgepappt". Naja, hat lange gehalten, aber dagegenklopfen sollte man nicht ;) !

Leider bin ich im Moment durch die doofe Elektrik "blockiert" - wenn das vorbei ist, kann ich mich endlich der Decken, Wände und Böden annehmen.

Grüße
Roland



Wenn die Tragfähigkeit gegeben ist?



Sollte die Tragfähigkeit dieser vorgefundenen Lattenkonstruktion noch gegeben sein, so können Sie natürlich sofort ein 70 - stengeliges Schilfrohrputzträgergewebe aufschießen. Dabei ist die richtige Legung zu beachten!!
Außerdem quer zur Lattung unbedingt zu achten!

Bei der Tragfähigkeit der bestehenden Lattung sollten mehrere Punkte abgeprüft werden:
1.
Holzstabilität (ist es noch fest und wenig durchwurmt)
hat es braune bis schwarze Verfärbungen (brauner Würfelbruch)?
2.
Sind die Befestigungsmaterialien (Nägel/Klammern) stabil und nicht angerostet bzw. im Querschnitt schon fast weggegammelt?
3.
Reichen die Querschnitte für eine weitere Oberflächenbeplankung meiner Wahlvorstellung aus?

Überprüfende Grüße

Udo Mühle



@ Lehmschwalbe 2000



Jute an Decken?
Da müßte man lebensmüde sein, sich diesen Streß anzutun, zumal Jute in keinster Weise für Rißüberbrückungen hochgradig geeignet ist und auch aus unserer Kenntnis heraus, keine bauliche Zulassung für Rißarmierung besitzt.
Desweiteren gab es schon mehrfach Beanstandungen, was die Materialgüte, Maschenweite und die Maschenfestigkeit generell betrifft. Auch pestizide Befallssituationen wurden schon festgestellt!
Außerdem wirkt Juteeinbettung eher als Trennlage, statt homogene Rißüberbrückung.
Für Deckenarmierung daher fast ungeeignet, da das hohe Eigengewicht nach Wässerung im Lehmputzbad, bereits beim Einbetten wollen, abfällt.
Glasfaserarmierung mit Maschenweite 13 x 13 mm ist da enorm stabiler, einhändig verarbeitbar und mit einer enormen Rißüberbrückungsstabilität. Außerdem kann ich bei hohen Putzstärken sofort schon grob modellieren (Außeneckrundungen etc.).
Und wozu an Decken Schilfrohrdämmplatten (20 / 50 mm)?.
Putzträgerschilf ist hier angesagt oder alternativ magnesithgebundene Heraklithplatten.

Fachgrüße in die Uckermark
wo es uns auch schon zur Arbeit trieb (Battin, Hedwigshof),

Udo Mühle



Stichwort Jute



Hallo,

ich habe nochmal nachgeschaut und ich muss mich korrigieren, laut Hersteller Claytec ist das Armierungsgewebe für Lehmputze aus Flachs.

Gruß T. Bucher