Wo hört Sanierung auf und wo fangen Potemkinsche Dörfer an?




Ich werde ein Haus in einem Snaierungsgebiet einer duch vorwiegend mittelalterlichen Bestand gekennzeichneten Kleinstadt sanieren. Das Haus selbst wird aus der Zeit um 1900 stammen (Massivziegel, keine Bauakte vorhanden), ist demzufolge kein EINZELDENKMAL und wurde wohl nach einem Stadtbrand in dieser Ecke der Stadt errichtet. Der Anbau (zweistöckig) ist vermutlich wesentlich älter und besteht aus verputztem Fachwerk mit Lehm-Strohausfachung. Er ist definitiv nicht zu retten und wird neu errichtet. Allerdings weist er eine Besonderheit auf: Eine Gartenlaube in Sichtfachwerk auf dem Dach. Die Häuser links und rechts haben das ebenfalls (linker Hand bereits gräulich saniert). Hintergrund dieser Dachlauben soll sein, dass seinerzeit den Freimaurern Versammlungen in den Gasthäusern verboten waren - in den damals vollständig überbauten Innenstadtgrundstücken war kein Platz für eine Laube zu ebener Erde. Von meiner Laube sind nur noch Bruchstücke vorhanden - den Orginalzustand wird man nicht mehr rekapitulieren können. Trotzdem möchte der Denkmalpfleger (befehlen kann er zum Glück nicht), dass die Laube auf dem neuen Anbau wieder errichtet wird und möchte zu diesem Zweck Zeichnungen aus den vorhandenen Lauben erstellen. Ich finde das komplett blödsinnig. Ich bin ein Freund schützenswerter Substanz, sonst hätte ich mir kein Innenstadthaus zugelegt, aber das...? ich kann keinen Sinn darin sehen, den Lauf der Zeiten ungeschehen machen zu wollen und ein Potemkinsches Dorf ohne Geschichte, Seele und Funktion zu errichten (nicht mal Touristen können die Lauben von außen sehen)

Gruß
Bettina



Laube



Guten Morgen,

Bewahrung der historischen Substanz, dazu können auch Strukturen gehören, ist Aufgabe der Denkmalpflege. Ich kann aus der Entfernung nicht sagen, inwieweit es schön wäre, alte Strukturen dadurch wieder erkennbar zu machen, daß Ihre Laube wiederaufgebaut würde. Vielleicht ist ja ohne Ihre Laube eine Lücke vorhanden, die die historische Aussage beschädigt. Schließt man die Lücke, kann man sich vielleicht wieder seinen Reim machen. Das muß nicht jedermann erkennbar sein, Bodendenkmale sind es beispielsweise auch nicht, und so wie Sie es schildern, hat Heimlichkeit ja zu den Treffen in verschwiegenen Lauben dazugehört.
In einem Punkt wird Ihnen allerdings niemand widersprechen können: Ist die historische Substanz einmal weg, ist auch der Denkmalwert hin. Niemand kann Sie also zwingen, das wiederherzustellen , was einmal war. Vielleicht aber leisten Sie freiwillig ein Stück Stadtreparatur ?

Mit besten Grüßen



Eine Laube ist doch schön



Mein Fahrrad ist von 1930 - eigentlich ist es nur der Rahmen. Der Rest musste in den letzten Jahrzehnten ausgetauscht werden, aber ich behaupte es dennoch und habe meinen idiellen Wert dabei.

Ich denke auch manchmal, das Geld, was für manche Wiederaufbaumaßnahmen ausgegeben wird, könnte man woanders besser anlegen, aber vielleicht hat Ihre Laube auch einen zeitlosne Stil gehabt und ein Potemkinsches Dorf ist aus Pappe, sprich nutzlos - die Laube nicht.