Lässt sich Kalk als Weißpigment für Ölfarbe verwenden?




Guten Abend,

ich streiche über 100 Jahre alte Kastenfenster aus Zedernholz im Außenbereich mit einer Mischung aus kaltgepresstem, frischen Leinöl und Pigmenten mit hohem Weißanteil. Die langen Trockenzeiten stören mich ebensowenig wie das Kreiden der Pigmente, die allerdings nicht ganz billig sind.

Kann man nicht einfach Kalk als Pigment verwenden? Im Internet hab ich nichts dazu gefunden. Ich habe es jetzt einmal ausprobiert. Sieht perfekt aus, ist allerdings erst einige Wochen her. Wo ist der Haken? Ich bin leider kein Chemiker.

MfG Peter



Kalk...



...ist als Pigment denkbar ungeeignet. Er hat nicht nur eine ungenügende Weißkraft in Öl; vorallem ist er stark alkalisch und greift das Öl deshalb an.

Möglichweise könnten Sie eher an anderer Stelle "das Fahrrad neu erfinden"; angesichts des geringen Materialeinsatzes sollte der Preis guter und bewährter Produkte keine Rolle spielen. Der Aufwand, solche Spielereien wieder abzuwaschen, ist unvergleichlich höher.

Ergänzend: Das Leinöl sollte zumindest als Farbleinöl ausgewiesen sein, solches zu Nahrungszwecken ist ungeeignet. Insgesamt ist Leinöl aus meiner Sicht weniger geeignet. Ich bevorzuge Leinöllasuren als die besseren Schichtbildner. Nur eine Schicht AUF dem Holz schützt auch längerfristig.

Fenster aus Zedernholz? Schwer vorstellbar.

Grüße

Thomas





Vielen Dank für die einleuchtende Information. Jetzt weiß ich auch, warum der Kalk auf meinem Dachstuhl so gut hält. Wasser statt Säure verhindert's Ungeheure ;-)

Und danke auch für den Zweifel an Zeder. Das hat mir einmal ein alter Tischler gesagt, der ein Fenster nach einem Sturmschaden repariert hat. Wird wohl nicht stimmen.

Frisches Leinöl habe ich gewählt, da ich (zunächst) nicht oberflächlich, sondern wegen der angeblich so geringen Molekulargröße so weit wie möglich in die Tiefe arbeiten und mit der Pigmentierung gleich eine Basis für spätere Lasurschichten schaffen möchte.



Als Grundierung...



ist ein gutes Farbleinöl ohne Zweifel geeignet, aber nicht besser als eine Leinöllasur. Grundiert man mit Öl, werden die Pigmente zwingenderweise nicht so sehr in die Oberfläche eingebunden. Das ist aber eher eine optische Frage.

Zeder ist historisch fast unauffindbar, sowohl konstruktiv als auch als Furnier. Dazu gab es 'mal eine Arbeit, ich glaube in Potsdam. Aber auch die "Western red cedar", die gar keine Zeder ist, dürfte den Weg nicht zu Ihnen gefunden haben. Eher wahrscheinlich ist eine feinjährige Alpenlärche.

Viel Erfolg

Thomas



Mir geht es hier auch in erster Linie um die Optik ...



und weniger um sogenannten Holzschutz, wie mein Nickname vielleicht vermuten lässt.

Übrigens habe ich das Fahrrad bereits bei den hofseitigen Fensterflügeln neu erfunden ;-), die wurden vor 15 Jahren abgelaugt und völlig unbehandelt belassen und könnten für meine Begriffe schöner nicht sein.

danke nochmal
Peter



Nun,



das ist in jedem Fall kein empfehlenswertes Verfahren für maßhaltige Bauteile und dient nicht dem Erhalt der Fenster.



Kalk als Pigment ?



Selbst in 35-Jähriger Berufspraxis gibt es immer wieder Überraschungen. Danke dafür.!
(Trocken-)-Kalk als Bindemittelzusatz einer Leinölfarbe geht garnicht. Thomas hat das oben schon alles genannt. Es sei denn, Sie wollen spezielle Effekte erzielen. Und das über die Jahre beobachten. Diese haben wenig mit Denkmalpflege zu tun.

Echte Zedernholz-Fenster halte ich in unseren Breiten auch nicht für glaubwürdig. Dann wären sie wirklich einzigartig. Ein Detailfoto von der Maserung wäre hilfreich. Gibt es sonst noch Besonderheiten daran?

Dennoch halte ich alle Ihre Gedanken für spannend und überlegenswert. Danke für die Bereicherung.



Oder vielleicht doch Zeder?



Aus welchem Holz meine Fenster geschnitzt sind, hat mich bislang kaum interessiert, ich habe das eigentlich nur beiläufig erwähnt. Jetzt beginne ich aber doch, darüber nachzudenken.

Das Haus wurde 1912 in Wien erbaut. Immerhin erstreckte sich die Adriaküste der Donaumonarchie (damals nach Russland zweitgrößter Staat Europas) von Triest bis Dubrovnik, wo überall Zedern wachsen.

Ich werde der Sache nachgehen und Bescheid geben.
Peter

edit: eben habe ich auf Wikipedia gelesen, dass "sämtliche am Bau verarbeiteten Hölzer unter dem Oberbegriff Zeder von Zypressengewächsen stammen." Das wird es auch wohl sein. Echte Zedern wachsen woanders. Aber ich bleib dran.



Zedern...



wachsen in Dubrovnik vielleicht in einem Park. Das kommt auch in Dresden schon 'mal vor. Aber eben nicht im Wald. Damit ist eine wirtschaftliche Verwendung für ein Haus in Österreich theoretisch nicht unmöglich, praktisch gleichwohl ausgeschlossen.

Die geografisch nächste "Heimat" einer Zedernart ist das Altlasgebirge in Nordafrika. Dort gab es aber schon vor Jahrhunderten kaum noch Bäume, weil dieser wertvolle Baum schon von den Römern per Raubbau fast ausgerottet wurde. Selbst edelstes Mobilar oder Innenausstattungen vergangener Jahrhunderte, die per Inventar oder Rechnungen als "Zeder" deklariert wurden, enthielten nach mikroskopischer Holzartenbestimmung kein Zedernholz.

Ihr Tischler hat Zedernholz mit Sicherheit nie gesehen, und deshalb kann er es auch nicht bestimmen.

"Im 16. Jahrhundert war Zedernholz ein hoch geschätztes Material, so musste etwa der venezianische Rat der Zehn 1556 alle diplomatischen Beziehungen spielen lassen, um vom Patriarchen von Damaskus die Genehmigung zum Fällen einer Zeder zu bekommen, deren Holz für die repräsentativen Türen der Waffensammlung des Rates verwendet werden sollte." (Zitat aus Wikipedia). Seither sind die Bestände mit Sicherheit nicht gewachsen.

Grüße

Thomas



In



der Spätgründerzeit war in Wien DAS Bauholz für Fenster und Türen Lärche, teilweise geradezu unglaublich feinjährig, aber nicht immer. Alles andere würde mich sehr wundern!



Es war die Lärche



und nicht die Zeder. Danke Kellergassenkatze, ich sehe das jetzt auch so, nachdem ich selbst mehrere Hölzer verglichen habe (eine Holzartenbestimmung der Holzforschung Austria würde über 500 Euro kosten). Morgen habe ich noch einen Termin bei einer Tischlerei und werde dann ein paar Fotos hochladen.

Zum eigentlichen Thema passend habe ich auf google books etwas aus der Zeit gefunden, in der der Uhu noch ausschließlich Vogel war:

"Wenn die Chinesen zerbrochenes Porcellan zusammenkitten wollen, so reiben sie Flintglas auf einem Malerreibsteine mit Eiweiß außerordentlich fein ab, und bestreichen damit die Bruchstellen. Dieser Kitt hält dann die Stücke so fest an einander, daß das Porcellan eher an einer frischen Stelle bricht, als an einer mit Kitt zusammengefügten... Auch ein steifes, aber inniges Gemenge von gewöhnlichem Leinöl und gelöschtem Kalk gibt einen für denselben Zweck brauchbaren Kitt."

Ausführliche Volks-Gewerbs-Lehre oder allgemeine und besondere Technologie ... von Johann Heinrich Moritz von Poppe, Stuttgart 1839, S. 305 (2. Absatz)

https://books.google.de/books?id=er0-AAAAcAAJ&pg=PA305



Das sagt...



...doch aber auch nichts über die Eignung von Kalk als Füllmittel oder Pigment in Ölfarben, noch über die Haltbarkeit von Anstrichen auf Holz aus!

Außerdem: Ich habe selbst ein paar dieser Rezeptbücher, das älteste ist der Cröcker in der Ausgabe von 1764. Der Wert dieser Rezepturen ist äußerst unterschiedlich. Manches funktioniert, anderes gar nicht. Für die zitierte Rezeptur fürchte ich letzteres.

Grüße

Thomas