Feuchte Kellerräume = Absicht?

05.09.2011



Hallo, habe schon einiges über Feuchte Keller erfahren, gehört und gelesen. So wurde mir gesagt, es sei früher absichtlich der Keller so gebaut worden, dass er kühl, dunkel und feucht ist, denn damals gabs noch keine Kühlschränke usw. - das leuchtete mir ein. Jetzt wohne ich seit über einem Jahr in einem Haus von 1890, der Keller ist schön dunkel und feucht, noch Lehmboden. Hatte immer ein Fenster auf - ist das nun richtig oder grundverkehrt? Habe hier gelesen, nur Luft reicht nicht, es muss "Durchzug" sein. Auch mein Dauerlüften quasi ist falsch? Die Vorbesitzerin hatte alle Fenster verrammelt, dachte, genau DAS wäre falsch? Was mache ich, der Winter naht... Fenster rein und zu? Zulassen? Lüften? Bin verunsichert... Gern auch Hinweise auf Threads... Danke und LG aus dem Weserbergland



im Winter Fenster auf



Dieselbe Problematik stellte sich in unserem mehrgeschossigen Altbau mit altem Gewölbekeller. Das Problem bestand vor allem für das Parterre und wurde entschärft, nachdem die Mauer geschnitten und eine Bitumenlage in den Schnitt eingebracht wurde. Vor allem jedoch gilt: Im Winter ist eine Belüftung dringend anzuraten. Die kalte Winterluft transportiert wenig Feuchtigkeit in den Keller, es entsteht kaum Kondensationsfeuchte, der Keller wird im Winter trockener als im Sommer, Grüsse W. Agreiter



im Winter Fenster auf



Dieselbe Problematik stellte sich in unserem mehrgeschossigen Altbau mit altem Gewölbekeller. Das Problem bestand vor allem für das Parterre und wurde entschärft, nachdem die Mauer geschnitten und eine Bitumenlage in den Schnitt eingebracht wurde. Vor allem jedoch gilt: Im Winter ist eine Belüftung dringend anzuraten. Die kalte Winterluft transportiert wenig Feuchtigkeit in den Keller, es entsteht kaum Kondensationsfeuchte, der Keller wird im Winter trockener als im Sommer, Grüsse W. Agreiter



Bei trockenem Wetter Fenster auf



Das Problem haben viele und es gibt entsprechend viele Tipps.
Im Grunde geht es darum, ob die Außenluft wenn sie an den Kellerwänden abgekühlt (Sommer) oder erwärmt (Winter) wird noch Feuchtigkeit aufnehmen kann oder sie sogar abgibt.
Im Winter ist die absolute Luftfeuchtigkeit im Schnitt viel niedriger als im Sommer, daher ist die Empfehlung im Winter die Fenster zu öffnen und im Sommer zu schließen prinzipiell richtig. Allerdings gibt es auch im Sommer etliche Tage an denen die Luftfeuchtigkeit ausreichend niedrig ist um den Keller zu trocknen und im tiefsten Winter die Fenster immer offen zu lassen kann zu kalten Füßen im Erdgeschoss führen...
Häufig findet man auch die Empfehlung, nur dann zu Lüften wenn die Außentemperatur niedriger ist als die Innentemperatur. Das heißt aber dann bei alten Kellern auch wieder, dass man im Sommer eigentlich gar nicht lüften kann.

Ich selbst orientiere mich bei unserem Keller am Taupunkt der Außenluft und bin der Meinung damit ganz gut zu fahren: Wenn der Taupunkt unter 12 Grad sinkt, dann stelle ich auf "Durchzug". Wenn der Taupunkt über 12 Grad ist dann mache ich alles zu. Das ist natürlich etwas nervig zwei mal die Woche deswegen in den Keller zu rennen (ich hoffe irgendwann eine günstige Möglichkeit zu finden die Fenster elektrisch zu bedienen)...
Den Taupunkt kann man bei einigen dieser "digitalen Wetterstationen" ablesen. Ansonsten liegt der Wetterbericht meist auch ganz gut - leider hab ich bisher keinen gefunden der direkt den Taupunkt liefert, sondern nur Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit (daraus kann man dann den Taupunkt ausrechnen).
Die 12 Grad sind keine feste Größe, sondern die Außenwandtemperatur (Keller) minus ein paar Grad Sicherheitsabstand. Im Winter sind das vielleicht nur 8 Grad.
Aktuell haben wir übrigens einen Taupunkt von 10 Grad, am Samstag waren es 18 Grad.
Grüße,
Oliver



Feuchte Kellerräume = Absicht?



Ah, das hilft mir ja schon ein wenig weiter, muss kurz anfügen, der Keller befindet sich ja unter der Erde. Seit ich hier einzog, habe ich das Gefühl, es wird immer "muffiger" dort unten. Das öfter hinuntergehen zum richtigen Lüften werde ich mir angewöhnen, kein Problem. Möchte langfristig aber durch Fehlverhalten nicht zu Schimmel und Co. beigetragen haben... Vielen Dank schon mal...



Kellermuff



Hallo Conny,

wenn es im Keller immer muffiger wird liegt meist ein falsches Lüftungsverhalten vor und/oder eine sehr lange Feuchteperiode. Bei einem nassen Sommer ist es schwierig gegen diesen dagegen anzulüften. Luftfeuchtigkeiten über 80% sind keine Seltenheiten.

Während es im Wohnraum immer um das richtige Heizen und Lüften geht, ist bei einem Keller ausschließlich das Lüftungsverhalten relevant, da mangels Heizkörper kein Einfluss auf die Wandoberflächentemperaturen genommen werden kann. Trotzdem: Hier geht es eher um das Verstehen der Vorgänge und einem daraus resultierenden Verhalten als um eine einfache Handlungsanweisung um zum Ziel zu gelangen.

Beim normalen Lüften ist stets darauf zu achten, dass die Temperatur der Außenluft kühler ist als die Oberflächentemperatur der Innenwände. Im Winter kein Problem denn besonders in Zeiten mit niedrigen Außentemperaturen ist das Lüften ganz besonders wirksam, da die kalte Luft - die eben gerade wenig Feuchte enthält - beim "einströmen" an den Oberflächen erwärmt wird. Hierbei sinkt die relative Luftfeuchtigkeit, die Luft wird „trockener“ und gerade jetzt erst richtig aufnahmefähig für die abzutransportierende Feuchtigkeit. relative Luftfeuchtigkeit steigt nun wieder an, bis auf etwa 70%, dann ist die normale Aufnahme weitgehend erschöpft, ein erneutes Lüften ist nötig. Je niedriger die Außentemperatur ist, um so effektiver erweist sich die Lüftung.

Am wirksamsten ist eine kurze Stoßlüftung, bzw. bei höherem Feuchtegehalt mehrere. Aber ganz wichtig: Der Abtransport der von der ausgewechselten Luft aufgenommenen Feuchtigkeit geschieht immer erst mit der nächsten Stoßlüftung.

Ein langes Lüften (auch kippen der Fenster) ist hier nicht wirksamer, da der Luftaustausch schneller vollzogen wird als sich die Luft erwärmen kann. Die Erwärmung der Luft ist zu schwach und die vom Bauteil aufgenommene Feuchtigkeit kann nicht abgegeben werden. Auch wird beim Dauerlüften die Oberflächentemperatur herabgesetzt, was ein Erwärmen der Luft verhindert.

Gekippte oder nicht dicht schließende Fenster führen zur Auskühlung der Fensterlaibungen und genau dort zum Absinken der Bauteiltemperatur. Hier wird der Taupunktt eher erreicht als an wärmeren Bauteilen. Genau hier wird sich das ausfallende Kondensat niederschlagen, wenn die Luft aus dem Innenraum nach draußen transportiert wird.
Im Sommer eignen sich die frühen Morgenstunden am besten, wenn sich die Außenluft soweit abgekühlt hat bis Sie den Sättigungsgrad erricht hat: nach dem Morgentau. Nach dem Tauausfall ist die nun abgekühlte Luft wieder bereit zur Aufnahme von Feuchtigkeit => Fenster auf!

Problematisch im Sommer wird es, wenn wärmere Außenluft in kühlere Innenräume gelangt und beginnt hierdurch abzukühlen. Wie bereits beschrieben steigt nun die relative Luftfeuchtigkeit bis zur Sättigung an und es kommt zum Tauwasserausfall. Ein Abtransport der gepufferten Feuchte ist ebenso nicht möglich. Der „klassische“ feuchte Keller entsteht. Hierbei hilft kein dichten, sperren, beschichten, injizieren, schmieren, aufgraben, horizontalsperren, stromeinleiten oder halbedelsteinindeneckenvergraben.

Halten Sie ihren Keller im Sommer am besten weitgehend verschlossen, kühlere Tage sollten aber genutzt werden um einen Luftaustausch zu ermöglichen.

Wenn Sie sich hinsichtlich des Lüftungsverhaltens nicht sicher sind nehmen Sie sich ein Hygrometer zur Hand und peilen einen permanent unter 60% relativer Luftfeuchte liegenden Wert an. Wenn Sie es präziser wollen nehmen Sie noch zusätzlich ein Thermometer und eine Taupunkttabelle hinzu.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



60 % ?



... am Kopf kratz... entweder ist mein Hygrometer kaputt oder ... ich habe in den Wohnräumen grundsätzlich mehr als 60 % Luftfeuchte. hmmmmmm. Ist dann offensichtlich ja nicht normal - was ist ein normaler Wert für Wohnräume? Sorry, wenn ich vom Thema abschweife, aber nu bin ich mehr als nachdenklich. lg conny aus dem schönen weserbergland



Unter 60 % wäre gut,



im Winter noch viel weniger (Tauwasser an den kalten Außenwänden).
Gerade heute sollte es aber in den Wohnräumen kein Problem sein auf ca. 50% zu kommen.
Ist es denn ein "gutes" Hygrometer?
Bei den billigen Geräten erkennt man die brauchbaren an einer Genauigkeitsangabe (z.B. +/- 3%). Ich habe vor einiger Zeit mal drei verschiedene Geräte von Aldi, Lidl & Co. mit einem besseren Gerät verglichen und hatte dabei Abweichungen von bis zu 20%.
Grüße,
Oliver



Was ist schon normal?



Conny, ich teile Dein Grübeln bzw. lasse es mittlerweile sein: ich habe im Sommer in den Wohnräumen auch meistens 60% (ohne Schimmel) und im Winter fange ich bei 50% an, Wasserschüsseln auf die Heizung zu stellen, weil's mir dann unangenehm wird.

Mein Keller ist auch unter der Erde und feucht. Ich mache im Sommer tagsüber die Kellerfenster zu, dann ist es trockener als bei offenen Fenstern, finde allerdings auch, dass es gerade dann muffig ist. Nach nächtlichem Lüften ist der Muff aber wieder weg. Im Winter lasse ich ein Fenster permanent auf und dann ist der Keller auch immer recht trocken. Allerdings sind die Winter bei uns auch nicht besonders kalt. Wahrscheinlich muss da jeder seinen Mittelweg zwischen Trockenheit und Kälte finden.

Grüße



Hygrometer ? feuchter Keller?



Ah, vielen Dank, das hilft mir bissel weiter - alles in allem habe ich nun ein paar Hygrometer bei Ebay in Beobachtung ;o) Und ich werde mein Lüftungsverhalten doch ändern, soviel steht auch fest - vielen Dank für alle Hinweise. Wobei eine Frage für mich immer noch offen ist: Ist der feuchte Keller nach wie vor unbedenklich? Besucher oder Bekannte meinen, ich solle das haus von außen trocken legen und den Keller auch - so ungefähr jedenfalls. Es stört mich insofern aber überhaupt nicht,
Mich würde auch interessieren: Angenommen, ich verkleide die Wände mittels Trockenbau o.ä. - würden die Wände dahinter quasi regelrecht "vergammeln"?



Auf keinen Fall verkleiden!



Dahinter schimmelt es garantiert! Das sind die versteckten Schimmelherde die ich als Sachverständiger immer wieder aufdecken muss. Richtiges Lüften (im Winter häufig und im Sommer wenns kühl ist) oder eine umfangreiche Abdichtung sind das einzig Sinnvolle.

Gruß Uwe H.
www.baubiologie-hermanski.de



Danke



Vielen Dank - das hat mir doch ziemlich weiter geholfen, ich weiß nun, was ich zu tun oder auch zu lassen habe - liebe Grüße -