Grundwasser im Keller

04.10.2003



Hallo zusammen,

mein Freund und ich sind gerade kurz davor ein altes Häuschen zu kaufen (kein Fachwerk). Es wurde in den 60ern neu aufgebaut die Erstbebauung ist aber viel länger her. Das Haus hat nur einen sehr niedrigen Keller in dem außer einer Pumpe gegen Hochwasser nichts befindet und es liegt in der Nähe eines kleineren Flusses allerdings etwas höher. Durch die
Einrichtung von Überlaufbecken flussaufwärts gab es schon seit Jahren kein Hochwasser mehr. Nun zu meiner Frage: In besagtem Niedrigkeller befindet sich in der Mitte eine Art Wanne im Boden in der Wasser steht. Laut Aussage des Besitzers ist das Grundwasser und sei völlig normal. Stimmt das? Können wir beruhigt ein Haus kaufen in dessen Keller ca. 3 cm Wasser steht?
Vielen Dank vorab. Gruß Silke



Leute aus dem Ort fragen



Hallo Silke,
fragen Sie doch am besten mal die Leute im Ort. Vielleicht hat der Ort einen hohen Grundwasserspiegel, so dass die Pumpen mitunter Tag und Nacht laufen müssen. Und das ist erstens sehr nervig und kostet auch viel Strom. Ich kenne einen solchen Fall aus Baden-Württemberg (wo ich her bin) und da ist das mit dem Rhein nicht so ganz ohne.Und wenn der Keller schon ziemlich niedrig ist... Stellen Sie sich vor, der Grundwasserspiegel steigt aufgrund Regenfällle (z. B. vor einem Jahr), dann fühlen Sie sich sicherlich etwas mulmig, wenns da unten plätschert... Außerdem ist Grundwasser ziemlich kalt und Sie müssen dann schon die Geschossdecken gut dämmen... Grüße Annette



Grundwasserstand bei "Unterer Wasserbehörde" recherchieren



Also... ein Befragen ortsansässiger Laien kann ich nicht unbedingt empfehlen, besser und zumeist ebenfalls kostenlos ist eine Nachfrage zum Grundwasserstand bei der zuständigen unteren Wasserbehörde. Die können auf Daten der Umweltfachämter zugreifen bzw. verweisen direkt am Ansprechpartner der Fachbehörden. Staatliche Stellen betreiben nämlich nahezu flächendeckend langjährig beobachtete Grundwassermessnetze und können dem entsprechend auch Aussagen zu Tendenzen machen.

Alternative: Hydrogeologisches Kurzgutachten von Ingenieurbüro durchführen lassen (EIGENWERBUNG .-))) Ist aber, mit Verlaub, in einer so frühen Phase rausgeschmissenes Geld...



warum nicht?



Hallo Sören, sicherlich ist die untere Wasserbehörde auch eine gute Anlaufstelle. Allerdings können die Nachbarn ja z. B. auch Auskunft geben, wie ihr Wasserpegel in den letzten Jahren im Keller war. Es sind ja in dem Sinne keine Laien und ich will ja von denen nur wissen, wie's in deren Keller ausgesehen hat. In dem Fall, den ich kenne, hat die Gemeinde Bauplätze verkauft und die Leute munter bauen lassen, auch unterkellert, obwohl die Gemeinde wusste, dass das Grundwasser so hoch war, dass es jeden, der nen Keller hat, alle paar Jahre mal erwischt... Jetzt hat die Gemeinde natürlich Klagen am Hals, ist aber trotzdem ärgerlich. Aber andererseits hätten die dann vermutlich ihre Bauplätze nicht - oder nicht für so viel Geld - losbekommen. Hätten die, die dort gebaut hätten, die Einheimischen gefragt, hätte ihnen das jeder sagen können, dass es sich da um ein altes Sumpfgebiet handelt... Also Fragen kostet nichts. Und lieber vorher, als sich später ärgern! Grüße Annette





Beim Wasser gilt: Erfahrung ist gut, Fakten sind besser. In meinem Dorf verlaufen Wasseradern ganz abenteuerlich: Zwei Brunnen mit 10 Metern Abstand haben ein Meter Unterschied im Wasserstand. Bei starkem Regen steht das wasser in meinem Gewölbekeller aber noch viel höher als in den Brunnen. Und im Keller des Nachbarhauses links, höher als mein Keller, war jahrelang ein See, 20 cm Wasserstand, der erst jetzt im Sommer ausgetrocknet ist. Der Keller im Nachbarhaus rechts, tiefer als meiner, ist knochentrocken. Ich hätte trotzdem keine Angst vor dem Wasser, denn mit einem Púmpensumpf und einer guten Pumpe, die im Fall des Falles anspringt, kriegt man das Problem sicher in den Griff. Und die Designermöbel wird man eh nicht in den Keller stellen ...



...dann eben doch...



Erfahrungsgemäß (Ich schreibe ca. 50 - 70 Baugrundgutachten für EFH p.a.) sind die Nachbarn nur sehr eingeschränkt aussagefähig. Prinzipielle Aussagen dazu, ob der Keller trocken oder nass ist, sind sicher immer zu recherchieren. Nur kann man die Randbedingungen zumeist nicht einfach vergleichen und auf ein beliebiges Grundstück Rückschlüsse ziehen.

Gehe mit offenen Augen durch das betreffende Wohngebiet, schau nach, ob Unterkellerungen vorhanden sind und achte auf typische "Wasserlinien" an den Fassaden, die sagen zumeist mehr als 1000 Worte, da viele Leute Mängel an der eigenen Bausubstanz oft nicht wahrhaben wollen und die Probleme meist nach eigenen Aussagen ganz easy im Griff haben (Pumpenschächte etc.).

Mit der Lösung/Klärung des Grundwasserproblems erschlägt man aber nur einen ganz geringen Ausschnitt möglicher Feuchteschäden. Hier spielt auch das Auftreten von Schichtenwässern etc. eine Rolle, die nicht zu vernachlässigen ist.