Kauf eines alten Fach / Natursteinhauses aus dem Jahr 1900

02.08.2005



Mein Mann und ich haben uns kürzlich ein Haus BJ 1900 angesehen. Das Haus ist in erbarmungswürdigem Zustand! Im hinteren Teil ist das Fundament abgesackt, innen ist eine Sanierung sämtlicher Räume vorzunehmen, die Treppe in´s
Obergeschoss ist eng und ausgetreten, eine angebaute Scheune muss zwecks Baufälligkeit vermutlich abgerissen werden. Lattung und Ziegel am Dach sind allerdings vor 20 Jahren erneuert worden. Im Haus wurde an vielen Stellen mit der Sanierung begonnen aber nichts beendet, so dass es sich jetzt um eine komplette Baustelle handelt. Bei dem Rest hat man Bedenken, was wohl zum Vorschein kommt, wenn man genauer nachschaut. Trotzdem lässt mich der Gedanke an das Haus nicht mehr los. Es hat eine sehr schöne Sandsteinfassade unter dem abbröckelnden Putz, eine schöne, für uns günstige Lage, ein schönes Grundstück und einen guten Preis( unter grundstückswert! Sollte uns das stutzig machen in Richtung Abriß o.ä.?.
Bei alternativen Objekten hat mir missfallen, dass meistens schon der Kaufpreis ziemlich hoch ist, trotzdem noch renoviert werden muss mit entsprechenden Kosten und man am Ende doch ein Haus hat wie viele andere.
Hier hingegen, könnte man ein echtes Schmuckstückchen mit eigenem Charme daraus machen.
Dazu müssten wir allerdings wissen, ob sich eine Sanierung bei diesem Haus überhaupt lohnt und wenn ja, mit welchen Kosten man dann pi mal Daumen zu rechnen hätte.

Vor dem Kauf wollten wir dafür eigentlich nichts investieren für einen Statiker o.Ähnlichem. Könnte man diese Ermittlungen denn auch vom Verkäufer erwarten? Oder gibt es noch andere Möglichkeiten?

Für Ihre Antworten bedanke ich mich schon im Voraus

Herzliche Grüße

Birgit



Kaufberatung



Selbstverständlich können Sie den Verkäufer versuchen dahin zu bekommen, dass er einen Sachverständigen beauftragt - aber werden Sie seinen Ergebnissen wirklich trauen können? Welches Sanierungsniveau setzt der Sachverständige an?

Sehr viel sinnvoller ist es sich als Käufer selber einen Sachverständigen des eigenen Vertrauens zu suchen, der Sie dann auch weiter beraten und unterstützen kann.
Diese Investition von ca. 500 Euro macht sich auf jeden Fall bezahlt. Vor allem wenn Sie bedenken, wieviel Sie insgesamt ausgeben werden, liegt dieser Betrag wahrscheinlich im Promillebereich.



KAUF



es ist immer besser so ein haus zu kaufen,als saniert
hier kann mann mehr sehen
Der Sachverständiger kann Sie nur algemein beraten das kann
so viel kosten und das so viel.Am besten eine Firma suchen und Angebot hohlen.Normalerweise kostet das nichts
Natürlich wenn der Verkaufer einverstanden ist und so lange warten wird.
Wenn ich für mich das Haus kaufen würde, nur in diesem Zustand.



Sanierungskosten sind auch von den Wunschvorstellungen abhängig



Vom Grundsatz kann man fast alles erhalten oder sanieren! Aber ohne ein Konzept, wie Sie das Haus später mal nutzen wollen und welche Umbaumaßnahmen dafür dann vielleicht notwendig sind, kann auch ein altbauerfahrener Architekt oder Bauingenieur nur eine sehr ungenaue Kostenprognose abgeben. So ein Haus ist auch immer ein Entwicklungsprozeß in den eigenen Ideen und Vorstellungen, der mit den Möglichkeiten abgeglichen werden muß. Schon dafür lohnt es sich, sich von Fachleuten beraten zu lassen. Ein guter Architekt kann sowohl die Altbausubstanz und als auch Ihre Vorstellungen respektieren und wird mit Ihnen gemeinsam die Pläne entwickeln!
Zu gröbsten Kostenprognosen, die ich persönlich nicht unbedingt bestätigen kann, hatte sich Herr K. Fischer hier im Forum immer mit ca. 2000 €/qm Wohn- und Nutzfläche geäußert. Mit Bauherrendisziplin, Eigenleistungen und geschickter Planung geht es sicherlich auch günstiger.
Wenn Sie sich in das Haus und den Standort verliebt haben, sollten Sie sich auch einen dazu passenden Planer "leisten" können.
Viel Erfolg bei der Entscheidungsfindung wünscht Ihnen
Holger Schmidt-Schuchardt



Preise



Den Anhaltspunkt von 2000 Euro halte ich für irrwitzig. Wenn man eine echte Ruine mit kaputtem Dach, Schwamm und weggefaulten Decken hat, dazu noch Stuckelemente zu erneuern sind mag das mal hinkommen. Auch für denkmalgeschützte Schlösser (da sogar noch höher) trifft das zu. Grundsätzlich halte ich wenig von solchen Pauschalen. Ich kann lediglich sagen: unsere Sanierungen haben bislang zwischen 500 und 1100 Eur/qm verschlungen (einschl. Fenster, Dacheindeckung, Wärmedämmung aller Außenbauteile, Denkmalschutzauflagen, Kellerabdichtung). Wichtig ist eine intelligente Planung durch die sich alleine schon Kosten sparen lassen.



nur zu...



ja, ich kann meinen Vorrednern nur Recht geben...

Das, was bisher schon geschafft wurde braucht Ihr nimmer machen :-). Unser Haus sähe jetzt genauso aus. Kaufen würd das in dem Zustand vermutlich keiner, obwohl wir schon 3 Jahre "reingesteckt" haben :o). Es ist klar, dass man für eine "Baustelle" weniger Geld bekommt als für ein Haus, das etwas "ordentlicher" aussieht. Also von daher nicht abschrecken lassen, ganz im Gegenteil (desto mehr habt Ihr übrig zum reinstecken).

Und wenn man "immer wieder an das Haus denken muss", dann ist es auch das Richtige! Hört auf Euren Bauch. Ihr würdet es später sonst vermutlich sehr bereuen :o)

Wir haben auch einen Anbau abreißen müssen. Ein Wochenende die Kumpels von meinem Mann da, 2 Schuttmulden und weg war's. Abreißen macht den Männern nämlich richtig Spaß. Also keine Sorge.

Eine Scheune müssen auch wir sanieren, die sieht total schlimm aus (Dach hat Löcher und der Sockel (2m hoch) war bereits geknickt, so dass es das Fachwerk nicht mehr getragen hat), ist aber "rettbar".

Du bist hier unter lauter "Gleichgesinnten". Die Kosten halten sich im Rahmen, wenn man vieles selber macht - und man kann, das kannste mir glauben. Ich hätt auch nie gedacht, dass ich mal Gefache ausmauer' oder auf dem Dach sitze zum decken oder dass ich persönlich mal Wände verputze. Es ist wirklich viel Arbeit, keine Frage - aber es mach uuuuuuuuuuuuunheimlich Spaß! - auch nach 3 Jahren noch. Und ich würde es IMMER wieder tun, unser Haus kaufen (auch wenn ein Wochenende bei meiner Schwester, bei der alles blitzeblank und unstaubig ist superentspannend ist *grins* - tauschen wollt ich mit ihr nie).

Wo steht das Haus denn genau? Vielleicht wohnt einer in der Nähe, der mal mit Euch gucken kommt.

Einen Gutachter würde ich trotzdem beauftragen. Schließlich lieber einmal 1500 Euro in den Sand gesetzt (wenns Haus nichts ist) als hinterher ruiniert... Am besten einen, der sich mit solchen alten Häusern auskennt. Ich würde einen aus dem Forum hier empfehlen. Wir hatten damals auch jemand, der sich ANGEBLICH damit auskannte...

Viele Grüße und viel Glück!

Annette (die auch immer an Ihr Haus denken musste, als sie es zum ersten mal sah)



Ruine kaufen



Hallo

ich hab vor zwei jahren auch ein altes haus gekauft. die verkäufer waren bereit, nur geld für den grund zu nehmen. alle im dorf haben sich an den kopf gefasst... die gemeinde wollte es abreißen.
alle Balken im Fußboden mussten raus, der Keller ist feucht gewesen, die wände innen und außen brauch(t)en neuen putz. nach zwei jahren sind 3 von 4 räumen fast fertig, eine Pelletsheizung bringt wärme, in der Decke zum Dachboden sind 2 tonnen Hanfdämmung verbaut, wasser, Strom und Abwasser sind neu, die doppelkastenfenster sind überarbeitet und teilweise neu verglast...
ich mache fast alles alleine neben der arbeit. firmen, die angebote geliefert hatten, hätten mich finanziell ruiniert ( heizungskeller bauen > stahlbetondecke bauen, eine Wand mauern sollten 10tausend!!! € kosten, haben dann nur 2,5tausend gekostet inkl. Brandschutztüren)

das größte problem bei eurem haus sehe ich in der abgesackten wand... Statik ist nix zum selbstbauen, die planung und ausführung kostet unsummen. aber einfach mal zusammensetzen und vor- und nachteile abwägen... sanierung ist teurer als neubau, allerdings ist die seele eines alten hauses durch nichts zu ersetzen.
ich würde mein haus nie durch einen Neubau ersetzen...


Andreas