Ist "nicht dämmen" beim Gebrauchtkauf legal?

20.01.2014



Hallo Fachwerk.de-Community,

wir wollen ein Fachwerkhaus sanieren hier bei uns am Ort. Da wir uns aktiv für ein Fachwerkhaus entschieden haben möchte ich gern den Fachwerkcharakter des Hauses möglichst stark hervorheben.

Momentan ist das Haus von innen gedämmt. Die bestehende Dämmung ist aber schlecht ausgeführt und muss entfernt werden. Von außen ist das Fach zu sehen. Ich würde gern im Rahmen der Entkernung die innenliegenden Ständer und Balken Freilegen und auch an den Außenwänden von innen das Balkenwerk sichtbar lassen. Die Wandstärke würde dann nur noch Schwellbalkenstärke betragen. Die Wand hat einen horizontalen Kern aus Holzstreben, der beidseitig mit Lehm verputzt ist und außen unsachgemäß mit Zement-Beton-Mörtel verstrichen wurden. Das Haus ist mit Eichenbalken und im Dachgeschoss mit Nadelhölzern bestückt.

Mal ohne Kommentare zu den später zu erwartenden hohen Heizkosten. Darf ich diesen Rückbau durchführen oder bin ich beim Kauf des Objektes zu einer energetischen Sanierung durch den Gesetzgeber verpflichtet? Unser Haus fällt nicht unter Sonderbehandlung wegen Denkmalschutz.

Um konkreter zu fragen, mit den Wänden würde ich die Dämmwertvorgaben vermutlich nicht schaffen. Kann ich diesen Fall bewusst provozieren und z.B ausgleichen, durch eine Heizungsmodernisierung, so dass ich die Wände natura belassen kann oder muss ich zwingend dämmen?

Vielen Dank vorab für Eure Erfahrungsberichte. Aus der EnEv werd ich leider selber nicht schlau, die verunsichert mich mehr als das die Texte Klarheit schaffen.

Peter.



Fachwerk-Außenwände an einem Wohnhaus



beidseitig sichtbar zu lassen ist Pfusch. Es ist nicht möglich die Verbindung Gefach zum Balken winddicht zu kriegen.
Fachwerkwände waren immer innen ganzflächig verputzt. Eben aus diesem Grund.
Ich habe zur Zeit eine Baustelle, bei der der Vorbesitzer das auch so handhabte. Er hatte dafür viel Geld ausgegeben, die jetzigen Besitzer tun das auch, um es wieder rückgängig zu machen. Die Banken freut's
Ralph Schneidewind



Alternative sichtbare Balken an Innenwänden?



Hallo Herr Schneidewind,

Erstmal danke für Ihre Antwort. Wenn man die Außenwände verputzt müsste dementsprechend auch sinnvoll gedämmt werden, das sehe ich ein und würde ich auch so machen.

Wie ist das im Innenbereich? Kann man dort aus Wänden die Fächer entnehmen um "Sichtbalkenwände" zu schaffen oder beeinträchtigt dies erfahrungsgemäß zu stark die Stabilität des gesamten Hauses?

Wir werden uns jetzt zusätzlich einen erfahrenen Architekten suchen, um die Details klären und planen zu lassen. Der sollte dann auch die Möglickeiten kennen.

Peter.



Änderungen von Wohngebäuden und EnEV



Grundsätzlich sieht die EnEV zwei Wege vor:
- Zum Einen kann das Gebäude im Ganzen bilanziert werden und "darf" dann rechnerisch 40% mehr Energie benötigen als das entsprechende Referenzgebäude (Neubau). Hier geht auch die Technik mit ein, dergestalt, dass "gute" Anlagentechnik die Bilanz verbessert während "schlechte" Technik die Bilanz nach unten zieht. Hier müsste dann mehr Aufwand bei der Dämmung getrieben werden.
- Zum Anderen lassen sich veränderte Bauteile einzeln nachweisen. Die entsprechenden u-Werte sind tabellarisch im Anhang der EnEV gelistet. Für Fachwerkhäuser gelten gesonderte abgeschwächte Anforderungen, ferner gibt es die Klausel des "technisch Möglichen" sowie das Gebot der Wirtschaftlichkeit.

Ein Grundsatz bei der Veränderung von Außenbauteilen betrifft das Verbot der verschlechterung der energetischen Qualität des Gebäudes. Das würde prinzipiell bedeuten, dass die Innendämmung nicht rückgebaut werden kann, bzw. in gleicher energetischer Qualität wieder hergestellt werden muss.

Die Gefachauskleidung bei innenliegenden Wänden kann üblicherweise problemlos entfernt werden, da in der Regel allein das Balkenwerk tragende Funktion hat.

MfG,
Sebastian Hausleithner



Hallo Herr Hauer,



wenn beim Innenfachwerk die Hölzer in Ordnung sind, können die Gefache entfernt werden.
Ralph Schneidewind