Isolierung für Hohlziegelmauerwerk

14.07.2014



Erstmal ein freundliches "Hallo" in die Runde, da ich neu hier bin.

Ich bin seit ca. 1,5 Jahren stolzer Besitzer eines Eigenheims, welches energetisch nicht wirklich auf dem neuesten Stand ist. Die Außenmauern bestehen aus zwei Schalen Hohlziegelmauerwerk (ziemlich hart, Löcher liegen vertikal) mit leider nur ca. 2cm Hohlschicht dazwischen. Im Baujahr 1974 - denke ich - wird das guter Standard gewesen sein. Von einer Außenisolierung möchte ich aus mehreren Gründen absehen:
- Wenig Langzeiterfahrung
- Veränderung der Optik
- Viele Berichte hinsichtlich Feuchtigkeitsschäden
- Wenig Möglichkeiten zur Eigenleistung
- Müsste komplett, auch gleich mit allen Fenstern gemacht werden (Finanzierung)

Nun ist dies zwar kein Fachwerkhaus (wie mein vorhergehendes Projekt), aber da ich schon einiges mit Lehm gemacht habe, würde ich gern wieder mit Lehm arbeiten. Meine derzeitige Idee für eine Dämmung von innen (auch als sinnvoller Kompromiss zwischen Aufwand und Nutzen) ist so:
1) 9cm Weichfaserdämmplatte von innen mit Lehm an das Mauerwerk kleben
2) Dampfbremse aufbringen
3) Eine zweite Schicht Dämmplatten auf die erste schrauben
4) Darauf ein- oder zweilagig mit Lehm putzen (Gewebe) und anschließend streichen

Kann mir jemand eine Meinung dazu sagen? Gibt es Erfahrungen zur Bindefähigkeit von Lehm zwischen Weichfaser und Backstein? Der Lehmbauer meines Vertrauens sagte mir, zusätzliche Dübel wären Vorschrift, hat aber auch bestätigt, dass diese nur zum Anbringen gebraucht werden, nach Austrocknung hält der Lehm super? Kann jemand ein mögliches Feuchtigkeitsproblem einschätzen (eine Berechnung habe ich schon unter http://www.dasheimwerkerforum.de/f43/isolierung-fuer-hohlziegelmauerwerk-7126/#post41015 hinterlegt)?

Danke & viele Grüße,
Stephan



Überlegungen



Hallo Stephan

anscheinend hast du in einem anderem Forum auch schon Meinungen eingeholt......

Bohre doch mal an verschiedenen Stellen ein kleines Loch in den Außenfugen dann kannst du prüfen ob die Hohlwand wirklich nur 2cm beträgt.

Ich weiß aus Erfahrung das es hier immer 4cm waren.

Ich hab selber bei einigen Gebäuden diesen Hohlraum mit Erfolg ausgefüllt. Es bringt etwas, wenn auch nicht auf Neubauniveau.

Bei Altbauten aber ein kostengünstiger guter Kompromiss.



Fassadendämmung



Hallo Stephan,
Dämmung, besser gesagt eine energetische Verbesserung, sollte man nicht nur auf ein Bauteil beziehen, das ist immer ganzheitlich zu betrachten. Es gehören dazu auch die Bauteile Keller bzw. Bodenplatte, Dach, Fenster, Wärmeerzeugung und -verteilung, Lüftung. Dann noch der wirtschaftliche Aspekt, also Aufwand und Nutzen.
Eine Innendämmung kann nützlich sein wenn Sie mit den anderen o.g. Bauteilen und deren Funktion abgestimmt ist. Es genügt nicht Dämmung innen an die Wand zu pappen.
Erst mal zur Außenwand selber:
Mit der Beschreibung komme ich nicht klar. Wie dick ist die Außenwand?
Aus was besteht sie- welche Ziegel (Art, Rohdichte) oder Betonhohlblocksteine (Art, Rohdichte)?
Mit diesen Angaben kann man den jetzigen U- Wert ermitteln und danach planen, ob bzw. wie man dämmen sollte.
Auf jeden Fall nicht so wie von Ihnen geplant, das ist nur eine zufällige, eher gefühlsmäßige Auswahl von Schichtenfolgen, keine Innendämmung.
So hat eine Dampfbremse innerhalb einer kapillaraktiven Innendämmung nichts zu suchen, die Montierbarkeit dieses Sammelsuriums an Material ist zweifelhaft. Fensterlaibungen, Wärmebrücken, Elektroinstallation, Heizkörper, Schlagregensicherheit- damit fange ich erst gar nicht an. Wenn Sie schon so einiges mit Lehm gemacht haben müssten Sie wissen das Lehm sowohl mit Ziegel als auch mit Holz funktioniert. Der Lehmkleber hat nicht nur die Funktion des Klebens, wichtiger ist das er Hohlraumfreiheit garantiert und einen bestimmten Diffusionswiderstand hat- kleiner als die Außenwand aber größer als die Dämmplatte.
Übrigens, wieso Ziegel? Wollen Sie den Innenputz entfernen?
Was die Langzeiterfahrung mit Außendämmungen, hier speziell WDVS betrifft:
Die gibt es seit über 50 Jahren.
Wo ich ihnen beipflichte: das ist (ohne Ironie) wirklich ein Heimwerkerforum, wenn man die Kommentare liest. Eine Berechnung die Sie erwähnen habe ich dort allerdings nicht gefunden.



Weiter Infos



Hallo,

Heinz-Josef, ich konnte nur am Dachboden messen, aber die Wanddicke pflanzt sich nach unten fort. Und ich denke nicht, dass die Steine im EG längs liegen, wenn sie am Dachboden quer vermauert sind. Bohren ist m.E. nicht zielführend, weil es Hohlziegel sind, da kann ich nur vom Bohren nicht zwischen Hohlraum zwischen und Hohlraum im Ziegel unterscheiden. Das Mauermass mit 40cm ist halt etwas ungewöhnlich, bis 38 und ab 42 sind eher bekannte... Und die 2cm denke ich machen nicht wirklich viel Sinn, oder?

Georg, natürlich hast du Recht, dass man das ganze Objekt betrachten sollte. Kellerdecke möchte ich auch angehen, da sehe ich aber nicht so die Probleme. Ich denke dafür an eines der erhältliches Systeme, die von unten an die Decke geklebt werden können. Bei einer Betondecke habe ich da auch hinsichtlich Feuchtigkeit keine Angst... Fenster bin ich auch am überlegen ob ich bereits einige austauschen lassen und die Heizung habe ich letztes Jahr von Öl auf Holz umgestellt. Seitdem heize ich nur noch mit Holz, ist zwar viel Arbeit, aber vom finanziellen Aspekt hat sich das schon gelohnt.

Zurück zur Wanddämmung, die Mauer hat ziemlich genau 40cm, innen ein voller Stein (24cm), außen ein halber (12cm), die verbleibenden 4cm sind Innenputz und Luftschicht (ca. 2cm, viel Mörtel drin). Die Ziegel sind gebrannte Lochziegel, genaue Spezifikation natürlich unbekannt.

Die Zweifel bzgl. Sperrschicht in der Dämmung habe ich auch, das ist tatsächlich der Punkt für den ich primär Infos dafür bzw. dagegen suche.

An Fensterlaibungen kann ich natürlich nicht so viel Aufbauhöhe einbringen, das ist klar, auch andere Wärmebrücken (Innenwände, Decken) werde ich nie ganz loswerden. Dafür ist es ja ein Altbau, das kann ich nicht ändern, oder gibt es dafür sinnvolle Vorschläge (außer Außendämmung, davon bin ich (noch) nicht überzeugt)?

E-Installation muss wohl in die dann neue Wand, oder gibt es Alternativen? Aufputz ist wohl nicht mehr wirklich up-to-date? ;) Derzeit sind noch Heizkörper verbaut, tatsächlich denke ich auch aktiv über eine Umstellung auf Wandheizung im Zuge der Isolierung nach. Weiß jemand, wie viel Fläche ich dafür brauche? Wenn ich von den Außenwänden die Stellwände (große Schränke) und Fensterflächen abziehe, bleibt nicht soooo viel über...

Schlagregensicherheit hätte ich jetzt durch Innendämmung nicht verändert gesehen???

Den Innenputz würde ich nicht komplett entfernen, das stimmt. Es gibt allerdings einige Wandteile die Opfer eines mittlerweile reparierten Daches waren und der lockere Putz würde dann natürlich entfernt werden. Ansonsten ist der Hinweis natürlich korrekt, auf großen Flächen ist der Putz von intakt, vorhanden und sollte dort wohl auch bleiben. Oder ich kratz ihn wirklich ab, kommt drauf an wie fest der ist, oder?

In dem Forum liegt ein Bild, das ist ein Screenshot von einer Berechnung, wo ich diese Schichten eingegeben habe. Auch die URL ist ggf. erkennbar.

Danke für die Hinweise und viele Grüße,
Stephan



Wanddämmung



Das ist immer noch zu ungenau um einen U- Wert zu ermitteln.
Letzte Frage:
Ist das Haus außen verklinkert?
Wenn ja brauche ich ein Foto.
Ergänzung:
Ich habe zwei typische Wandaufbauten der Zeit gerechnet, eine 24-ger Mauer HLZ mit Klinkervorsatz und 3 cm Luftspalt und einmal 36,5-er Mauerwerk mit HLZ beidseitig verputzt. Der U- wert liegt zwischen 1 und 1,14.
Mit einer 80 mm dicken Holzfaserplatte liegt das Mauerwerk dann bei ca. 0,35.
Ein mit Schlagregen belastetes Mauerwerk kann ohne Innendämmung besser austrocknen. MIT Innendämmung kann das zur Durchfeuchtung der Wand führen. Deshalb ist bei Innendämmung immer die Schlagregensicherheit herzustellen.



Bild vom Mauerwerk



Ja, Außenschale ist ein Klinker, ebenfalls Hohlziegel; zumindest gehe ich davon aus, bei einem Nebengebäude (Schwimmbad) ist die Wandstärke und Optik identisch und da weiß ich es, weil ich bereits gebohrt habe. Am Haus habe ich noch nicht wirklich Löcher gemacht, aber ich bin ehrlich auch noch gar nicht auf die Idee gekommen, dass es evt. anders sein könnte?

Ein Foto habe ich hier hergelegt:
http://www.dasheimwerkerforum.de/attachment.php?attachmentid=2848&d=1405431320

Müsste ich denn bei einem optisch innen und außen intakten Mauerwerk (Fugen sind perfekt, Dachüberstand großzügig, wenige Setzungsrisse zeigen keine Auffälligkeiten) davon ausgehen, dass von außen Wasser eindringt?

Von den Dämmwerten deckt sich das mit meinen bisherigen Vorstellungen und ich würde hoffen signifikant von den 50 MWh Heizenergie runterzukommen. Muss ich weniger Holz hacken ;)

Viele Grüße,
Stephan



Dämmung



Ich habe keine Lust mich extra beim Heimwerkerforum anzumelden um mir das anzuschauen. Ob Ihr Haus schlagregensicher ist und die Außenwände dauerhaft trocken sind müssen Sie schon selbst rausfinden. Es gibt für Sie noch eine Alternative als Innendämmung:
Riguthermplatten als Trockenputz innen aufkleben. Geht relativ zügig, macht wenig Dreck, keine langen Trocknungszeiten und ist in Eigenleistung realisierbar.



Trockenputz



Oh, sorry, ich dachte, dass der Link auch ohne Anmeldung funktioniert. Ich wollte natürlich niemanden nötigen, sich dort erst einen Account zu beschaffen, sorry dafür!

Haben diese Platten denn vom Dämmwert oder von der Taupunktbetrachtung Vorteile gegenüber Weichfaserdämmplatten mit Lehmputz?

Viele Grüße,
Stephan



Rigitherm



Ihr Dämmwert ist höher, man spart sich das Verputzen. Sie sind nicht kapillaraktiv aber,hohlraumfreies Ankleben vorausgesetzt, tauwasserfrei. Den U- Wertrechner nach dem Glaserverfahren können Sie was Tauwasser betrifft vergessen, der ist nur gut um den U- Wert zu berechnen.



Rigitherm 032



Hallo Herr Böttcher,

das geht ja wohl überhaupt nicht!!!!! Poresta und Rigips und das im Fachwerkforum????? (lach)

Ich hab mir gerade die Unterlagen zu Rigitherm 032 von meinem Baustoffhändler geholt. Ich kannte es in dieser Form noch nicht.

Finde es aber gerade für unsere Region, wo 98% aller Häuser zweischalig gebaut sind, eine gute Lösung. Die Klinkerfassade und damit die Optik des Hauses kann erhalten bleiben, und es kann Abschnittweise gearbeitet werden.

Wichtig ist, dass einbindende Bauteile wie Innenwände und die Betondecke an den Außenwänden mitgedämmt werden.

Die Innenfensterbänke müssen dann natürlich verbreitert werden. Der Aufwand ist aber erheblich geringer als bei einem WDVS was außen angebracht wird.

Schön in diesem Forum auf neue praktische Ideen gebracht zu werden.

Heinz-Josef Burhorst



Unterschiede zu Weichfaserdämmung?



Hallo, da kommt ja nochmal Bewegung in die Diskussion ;)

Ich habe jetzt ein Weilchen daran rumüberlegt, welche Unterschiede / Vorteile / Nachteile jetzt zwischen meiner angestrebten Lösung mit Weichfaser und Lehmputz und diesen Platten besteht:

- Verarbeitung: Platten einfacher, aber das war gar nicht wirklich mein Ansatz, daher nicht wirklich so relevant für mich
- Tauwasser: Weichfaser / Lehm ist deutlich toleranter gegen Wasser, somit klingt das als ein Argument GEGEN die Plattenlösung? Und dabei war doch der Taupunkt genau der Punkt, der anfangs immer gegen die Lehmlösung sprach???
- Dämmwert: Lt. der Berechnung für die Weichfaserplatten komme ich auf 0,3, Hr. Böttcher hat für die Platten 0,35 angegeben, nur ein geringer Unterschiede aber kein Argument für die Platten.

Sehe ich das richtig, oder habe ich hier etwas Grundlegendes übersehen? Wenn nicht, dann stehe ich mit meinen Überlegungen eigentlich wieder ganz am Anfang: die ursprüngliche Argumentation, dass mein Ansatz zwar kreativ aber nicht fundiert ist will ich gerne gelten lassen, wenn aber die bewährte Lösung am Ende mehr Nachteile bietet habe ich doch nichts gewonnen?

Viele Grüße,
Stephan



Danke schön...



für die vielen Anregungen und Meinungen! Ich habe noch einiges daraus mitgenommen. Falls noch weitere Anregungen kommen, bin ich natürlich weiterhin dankbar.

Viele Grüße,
Stephan Wöbbeking