Hüllflächentemperierung im Fertighaus?

07.10.2010



Hilfe!

Leider habe ich kein schönes Fachwerkhaus, dessen Gefache mit wohngesundem Lehm gefüllt sind. Ich hoffe trotzdem, hier Hilfe zu finden. Ein passenderes Forum habe ich nicht gefunden und wende mich daher an Euch, mit der Hoffnung hilfreiche Antworten zu erhalten.

Es geht um ein Fertighaus aus dem Jahr 1968, das saniert werden muss. Das Gebäude steht an einem Hang, wobei der Keller aus 30 cm dicken Hohlbetonsteinen außen (Innenwände vermutlich KS) gemauert wurde. Im Keller sind eine Dreizimmerwohnung, sowie Heizraum und Öllager untergebracht. Das Erdgeschoss wurde in Ständerbauweise errichtet. Die Ständerwand ist folgendermaßen aufgebaut: Stiel 12 cm tief; Wandaufbau: GKP, 4 cm Luftraum, schlecht verbaute Dampfbremse, 8 cm! Glaswolle, Holzfaserplatte). Da ich davon ausgehe, dass das eingebaute Holz u./o. die außenliegenden Holzfaserplatten mit Holzschutzmitteln behandelt worden ist, erwäge ich die Erdgeschosswohnung mit Alufolie auszukleiden und diese mit Gipskartonplatten abzudecken. An die Außenwände soll die neue GKP mit einigen cm Abstand zum Bestand aufgebaut werden, um eine Vorwandinstallation zu ermöglichen.
Da ich persönlich die Hüllflächentemperierung als Heizungsart zunächst mal am logischsten finde, würde ich gerne in die Vorwand Heizungsrohre für eine Hüllflächentemperierung Verlegen lassen. Muss aber an der Außenwand was ändern, sonst heiz ich trotz Alufolie vermutlich mehr nach außen als nach innen. Das einfachste wäre, eine dicke Dämmschicht aufzubringen. Nur bin ich mir nicht klar darüber, ob dies bei einer Hüllflächentemperierung zweckmäßig ist. Ich habe auch darüber nachgedacht, die „Gefache“ mit Lehmziegeln auszukleiden. Dann ist aber keine weitere Dämmung mehr vorhanden und es dürfte wohl auch ziemlich teuer werden. Das Budget ist zu allem Übel recht bescheiden.

Da es im Kellergeschoss mit Feuchtigkeit Probleme gibt, denke ich auch hier über eine Hüllflächentemperierung nach. Auch hier müsste ich wohl noch dämmen.

Falls jemand Erfahrung mit Hüllflächenheizung hat, wäre ich dankbar über einen Rat oder eure Meinung hierzu.

Kann jemand eine Heizungsbaufirma in Würzburg u. Umgebung nennen, die mit Hüllflächentemperierung Erfahrung hat? Wenn ja, möge er dies bitte tun.
Sollte man ein Planungsbüro die Auslegung berechnen lassen?

Vielen Dank schon mal!
Highnoon



Fertighaus



Ein Heizungssystem sollte immer auf die Konstruktion des Gebäudes abgestimmt sein.
Wandheizungen, Heizsysteme mit hohem Strahlungsanteil und Hüllflächentemperierung passen zu massiven, dicken monolithischen Wänden aus Beton, Stein oder Lehm.
Ihre leichte, nicht speicherfähige Außenwand passt zu einer Konvektionsheizung (Heizkörper, Fußboden- oder Hypokaustheizung) mit Abluftwärmetauscher.

Was Ihren Wandaufbau betrifft:
Sowohl der jetzige Zustand als auch Ihre etwas verwurstelte Sanierungsidee sind eine einzige Katastrophe.
Hier schnell mal eine Alternative zu nennen halte ich für unverantwortlich, da ich den Detailaufbau (Fußpunkt, Innenwandeinbindung, Traufpunktausbildung, Sockelübergang, Dachüberstand usw. und den jetzigen Zustand nicht kenne. Eine Sanierung sollte sorgfältig nach einer gründlichen Bestandsaufnahme geplant werden. So schnell mal nebenbei ist das nicht zu machen.

Viele Grüße



Hüllflächentemperierung



Guten Tag,

ich kann den Ausführungen von Konrad Böttcher nur zustimmen. Ihre Ideen laufen darauf hinaus, weitere vielleicht irreparable Schäden zu produzieren. Eine fundierte Bauwerksdiagnostik mit anschließendem Sanierungskonzept ist unerlässlich.

Viele Grüße
Bauing. F. Teichmann
Sachverständiger



Fertighaus mit Hüllflächenheizung



Hallo Highnoon

„Ihr einsamer Kampf als Fertighausbesitzer (Town Marshal) gegen seinen Todfeind Energieverluste (Todfeind Frank Miller und dessen Gangsterbande aus dem gleichnamigen Western) wird ebenso siegreich enden.

Sie nehmen mir die Vorlage bitte nicht übel.

Zur Sache. Erhöhen Sie innenseitig die Wärmespeicherfähigkeit der Hüllfläche zum Beispiel mit Holzfaser- oder Hanffaserdämmplatten, hierbei können zugleich bis mehrere Prozent Volumenanteil an Feuchtigkeit aufgenommen und abgegeben werden.

Die Hüllflächenheizung / Temperierung erreichen Sie durch den Austausch gegebenenfalls vorhandener Konvektionsheizkörper durch spezielle Flachheizkörper mit höherem Strahlungsanteil.

Alternativ verwenden Sie Strahlungsheizkörper mit Oberflächentemperaturen von ca. 95 Grad. Für einen Raum von ca. 20 qm benötigen Sie ca. 1,80 qm Strahlfläche mit angenommenen 20 qm x 2,50 m x 30 W/cbm = 1.500 Watt entspricht 75 Watt/qm.
In diesem Beispiel ist die Heizlast pauschaliert über die Kubatur mit 30 W/cbm angenommen worden.

Die Vorteile einer Hüllflächenheizung / Infrarotwellenheizung ermöglichen die Reduzierung der Raumlufttemperatur, Reduzierung der Lüftungswärmeverluste da die Luft nicht erwärmt wird (schlecht verbaute Dampfsperre in Ihrer Beschreibung; d.h. werden mit der Infrarotwellenheizung Feuchteschäden reduziert) und Vermeidung von Tauwasserausfall an den Hüllflächen und somit trockne wärmespeicherfähige Bauteile.

Das gleiche für die Außenhülle, bei Verwendung von Wärmespeicherfähigen Dämmstoffen kann der winterliche Sonneneintrag für die Hüllflächenheizung genutzt werden.

Lassen Sie sich durch einen Fachmann beraten. (Fragen Sie Ihren Gebäudeenergieberater / Ingenieur oder Heizungsbauer)





Nun endet bei "High Noon" der Protagonist zumindest siegreich, ohne ein maßgeschneidertes Sanierungskonzept werden Sie aber den Kampf verlieren. Vor der Frage nach der neuen Heizanlage steht zunächst einmal ein gründliche Analyse über den Zustand und die Belastungen im Haus. Erst dann sollten die wichtigsten Schritte bedacht werden, erst recht, wenn das Budget klein ist.
Ein Heizsystem muss auf das Gebäude abgestimmt sein, eine klassische Hüllflächentemperierung setzt auf jene Masse, die in den Fertighauswänden nicht vorhanden ist. Eine Elektroheizung würde ich keinesfalls verbauen.

Der Ausdruck „Highnoon“ wird im im übrigen auch im Sinne von „bedrohliche Minuten vor einer Entscheidung“ gebraucht.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



Hüllflächentemperierung im Fertighaus



Vielen Dank erstmal für Ihre Meinungen!

Dass der jetzige Zustand der Wände eine einzige Katastrophe ist, das ist mir völlig klar.

Wieso meine "verwurstelte Sanierungsidee" auch eine ist und wieso sie irreparable Schäden verursachen könnte, da wäre ich für eine Erläuterung dankbar, vielleicht unterliege ich einem Denkfehler und erkenne ihn nicht.

Ich möchte meine verwurstelte Idee bzw. meine Gedanken hierzu gerade noch mal erläutern, vielleicht habe ich mich zu kurz oder unklar ausgedrückt.

Um die Masse der Außenwand zu erhöhen, hatte ich zunächst an Lehmsteine gedacht. Mit welchen Kosten/m² ist inkl. Einbau bei 11,5er Steinen denn zu rechnen? Auf diese Idee bin ich gekommen, weil ich hier im Forum gelesen habe, dass auch bei Fachwerk diese Heizmethode angewendet wird, allerdings meistens mit eingeputzten Rohren. Wie dick sind die Wände einer Fachwerkwand üblicherweise?

Break.

Ich denke jetzt mal "laut". Hüllflächentemperierung in einer Leichtbauwand. Viel Speichermasse ist da nicht. Ich frage mich, ob dies wirklich so von Bedeutung ist. Wofür muss die Wärme denn unbedingt gespeichert werden? - Das was ich an Energie aufwenden muss, um die Wärme in die Speichermasse zu bringen, könnte ich doch evtl. auch aufbringen, damit die Hülle nicht komplett auskühlt? Also lieber niedriger temperiert aber ständig.
Das, worauf es ankommt ist doch, dass die Wärme nicht nach außen verloren geht? Und lässt sich dies mit einer Dämmung erreichen?
Mal laienhaft gefragt, lässt sich so etwas berechnen?

Übrigens, im Holzständerbereich soll eine hinterlüftete Fassade montiert werden. Ohne die Dachüberstände zu verbreitern, wären ca. 13 cm Platz für eine zusätzliche Dämmung inkl. Fassade.

In der Vorsatzschale würde die Luft erwärmt werden. Die Alufolie reflektiert einen Teil raumwärts. Die GKP der Vorsatzschale nimmt Wärme auf und gibt sie an den Raum weiter. Mögliche Feuchtigkeit innerhalb der Schale würde durch die warme GKP verdunsten können (sagt mein innerer Schweinehund?). Die große Frage für mich ist, wie viel Wärme nach außen verloren ginge. Mehr als bei einer massiven Wand?

Wenn ich in die Außenwand (kalte) Steine setze, an die bestehende Innenschale, dann könnte sich am Übergang von kalt zu warm an der Innenschale Tauwasser bilden. Richtig? (Diese Feuchtigkeit würde dann nicht von innen kommen. Das ist die, die im Bauteil angenommenerweise vorhanden ist.) Insofern wären Steine/Lehmsteine eher die falsche Lösung. Auch dürfte das Bauteil nachts nicht so stark auskühlen, dass das Kalt/Warm/Tauwasser-Problem schädigend in Erscheinung tritt.

Die Alufolie ist wie gesagt dafür gedacht, dass Schadstoffe aus der Außenwand abgesperrt werden. Die vorhandene Dampfsperre ist schlecht verbaut. Müsste also sowieso erneuert werden.(Interessanterweise ist die Mineralwolle an einer solchen geöffneten Stelle trocken.)Seine Wohnung mit Alufolie auszukleiden ist freilich keine so schöne Vorstellung, es besteht dann halt keine Dampfdiffusion. Wenn ich an ein voll gefliestes Badezimmer denke, finde ich das dann so schlimm auch wieder nicht. Es gibt Allergiker, die ihre Zimmer mit Alufolie verkleiden und damit weit besser leben als vorher. Als Abschirmung von Elektrosmog wird soviel ich weiß auch Alufolie verwendet.
Da ich die Innenwände auch mit Alufolie verkleiden möchte bzw. muss, sollte die Innenwandeinbindung keine Rolle mehr spielen, oder liege ich da falsch? Fußpunkt ist eine Schwelle auf einer Betondecke. Ohne jetzt in der Statik nachzuschauen, oder die Wand aufzureißen, nehme ich an, dass diese genauso tief ist wie die Stützen (12 cm). Den Traufpunkt habe ich noch nicht ganz durchschaut. In Bezug auf Anschluss Dampfbremse zur Decke zum unbeheizten Dachboden - ja sogar die Decke möchte ich mit einer Aluschicht verschließen. Lieber eine Wohnung mit Alufolie dampfdicht gemacht als noch eine Leukämietote, die wir leider beklagen müssen. Soviel zu möglichen Augenverdrehern oder Kopfschüttlern. Insofern spare ich mir auch die Kosten für eine Schadstoffanalyse. Bei einem 68er Haus dürfte das zu einer sehr sehr großen Wahrscheinlichkeit rausgemissenes Geld sein.

Am liebsten würde ich das Geschoss samt unbewohnbarem weil mit Dreiecksträgern in 1,25 m Abständen gebauten Dachgeschoss abreißen und was vernünftiges draufsetzen. Aber das wird noch teurer. Wenn mir da kostenmäßig jemand einen Anhaltspunkt geben könnte (für den Abriss) für eine Wohnfläche von 10 * 13 m plus Dach wäre es toll. (Das Grundstück ist nur über eine Treppe zugänglich.)

Bin nach wie vor für Feedbacks dankbar!