Holzschutz

08.08.2010


Hallo zusammen,
ich habe da zwei Fragen an Euch:
1) Kann mir hier jemand sagen, wie lange die Wirkung eines Holzschutzes gegen Wurmbefall erhalten bleibt?
Uns wurde ein Behandlungsmittel auf Borsalzbasis empfohlen, welches wir auch einsetzen wollen.
Nun sagte uns ein Zimmermann, dass diese Mittel nur für max. 4 Jahre schützen und dann erneuert werden müssen.
Stimmt das?
2) von demselben Zimmermann wollen wir Holzbalken einbauen, die aber nicht geschützt sind. Der Zimmermann sagte, dass diese nicht geschützt werden müssen, da der Feuchtegehalt unter 16% liegt. Der Einbauort ist aber eine alte ungedämmte Fachwerkscheune, die ich mit der o. g. Borsalzlösung behandeln möchte.
Brauche ich die Hölzer wirklich nicht schützen?

Vielen Dank für eine Info!
Uwe!



Holzschutz


Angefressen

Lieber Uwe

Kurz zu deinen Fragen:

1) Ein Auftrag von Holzschutzmitteln auf Holzoberflächen muß immer auf seine zu erwarteten Belastungen überprüft werden. Man teilt hier in Gefährdungs- bzw. Gebrauchsklassen ein. Hierbei sind u.A. Faktoren wie Gebäudestandort (siehe hierzu auch Wind- und Niederschlagszonen), Geländekategorien (I - IV), Einbausituation bzw Fassadenorientierung aber auch konstruktionsbedingte Belastungen zu beachten.
Grundsätzlich ist im nicht bewitterten Bereich kaum mit einer nennenswerten Verringerung der Boratwirkstoffe zu rechnen. Auch gibt es stabilisierte und nicht stabilisierte Holzschutzmittel. Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass die wichtigste bauliche Schutzmaßnahme für Holz natürlich der meist vernachlässigte "konstruktive Holzschutz" ist.

2) Diese vereinfachte Sichtweise des Zimmermanns sollte kritisch betrachtet werden, in jeden Fall ist die Gefährdungs- bzw. Gebrauchsklasse genau zu überprüfen. Die verschiedenen Holzbauteile eines Gebäudes zeigen gewöhnlich nie eine einheitlich niedrige Holzfeuchte sondern sind ganz unterschiedlichen Feuchtebelastungen ausgesetzt. Dabei ist neben der zu erwartenden Holzfeuchte und der damit verbundenen Gebrauchsklasse auch die Gefährdung durch das baulichen Umfeld zu betrachten (Hoher Befallsdruck, wenn sich zum Beispiel in der Nähe alte befallsträchtige landwirtschaftliche Gebäude wie Scheunen, Holzlegen etc. befinden)

Wenn dein Zimmermann als Grund für die Nichtnotwendigkeit des chemischen Holzschutzes hier die sogenannte Gefährdungsklasse 0 meint, so erfordert diese folgende Vorraussetzung: "...wenn Holz in Räumen mit üblichem Wohnklima oder vergleichbaren Räumen verbaut ist und entweder gegen Insektenbefall durch eine geschlossene Bekleidung allseitig abgedeckt ist oder das Holz zum Raum hin so offen angeordnet ist, dass es kontrollierbar bleibt....wenn Farbkernhölzer (z.B. Kernholz der Kiefer, Lärche oder Douglasie) mit einem Splintholzanteil unter 10% verbaut werden"

Ich habe den Eindruck, dass sich der Zimmermann zum Holzschutz zwar Gedanken macht, hier aber aus welchen Gründen auch immer, gedanklich ein wenig zu kurz greift. Auch deine zitierten Generalisierungen des Zimmermanns zum Holzschutz sind doch arg verallgemeinert und spiegeln nicht die bauliche Wirklichkeit wieder. Ich bitte dich auf jeden Fall noch genau zu überprüfen, inwieweit diese Fachwerkscheune wirklich befallsfrei ist.

Gruß

L. Parisek



Holzschutz



Hallo Lutz,
vielen Dank für Deine ausführlichen Infos, die mir bestätigen, dass der gute Zimmermann wohl eher keine wirkliche Ahnung hat!

Die Gefährdungsklasse Null trifft für den Einbauort in der Scheune nicht zu. Wie gesagt ist es eine Fachwerkscheune, die von außen nur mit Brettern verkleidet ist.
Den Befall brauche ich nicht mehr zu prüfen, der ist auf jeden Fall vorhanden. Nach den Infos auf Deiner sehr gut strukturierten Internetseite handelt es sich hier um den gewöhnlichen Nagekäfer.
Eben in dieser Scheune möchte ich die neuen Balken verwenden, um einen Verschlag zu bauen.
Momentan aber noch viel wichtiger ist unser Dachboden, den ich ausbauen möchte. Hier und da finde ich diese Fraßbilder und Mehlhäufchen, die für den gewöhnlichen Nagekäfer sprechen.
Ein anderer Zimmermann, der sich den Dachstuhl zwecks Angebot für den Ausbau angesehen hat, meint - "Der Dachstuhl sieht ja noch super aus, der ist ja top in Schuss. Wegen den paar vereinzelten Mehlhäufchen und Fraßgängen braucht man sich keine Gedanken zu machen. Den können Sie getrost ausbauen, auch ohne Holzschutz zu verwenden.“
Irgendwie glaube ich das aber nun auch nicht mehr. Ich habe keine Lust eine Menge Geld in den Ausbau zu stecken, welches dann langsam aber sicher aufgefressen wird.

Also, was empfiehlst Du mir, wie ich am sinnvollsten weiter vorgehen soll? Leider ist Dein Standort wohl etwas weit weg für eine Ortsbesichtigung?.

Viele Grüße,
Uwe!