Fachwerk bei Neubau behandeln???

28.05.2009



Hallo!
Hätte da mal eine Frage! Lasse mir zur Zeit ein Eichenfachwerkhaus bauen. In den nächsten Wochen soll die Konstruktion aufgestelt werden.
Jetzt frage ich mich ob nicht das Holz noch irgendwie behandelt werden muss? Habe jetzt schon unterschiedliche Meinungen gehört! Mein Zimmermann meint "Eiche muss nicht behandelt werden". Ein Bekannter von mir der ebenfalls ein Fachwerkhaus vor 12 Jahren bauen lassen hatte, erzählte mir das er damals sein Haus auf Rat seines Zimmermanns sein Haus irgendwo mit angestrichen hat. Leider weiss er nicht mehr den Namen des Schutzmittels. Welche Aussage ist denn nun richtig? Vielen Dank für Antwort!



Farbe auf Fachwerk



ist eine Geschmackssache.

Wir haben unser erstes Haus vor dem Austellen 2-3 mal mit Remmers HK Lasur gestrichen. Waren damit nicht zufrieden, da die Farbe bei Regen ab lief.
Beim zweiten Haus wurde Sikkens Cetrol HLS plus eingesetzt. Aber auch hier blieb nicht die ganze Farbe auf dem Fachwerk.
Zur Zeit setzen wir ( bei Eichentüren) Relius Olassy EL ein.
Unsere Erfahrung ist, dass bei relativ frischem Holz die Farbe nicht lange hält.Da ist es eher von Nachteil (Kosten) wenn es drei mal gestrichen wurde. Wenn dann nach 6-7 Jahren ein neuer Anstrich aufgebracht wird, hat man 10 bis 15 Jahre Ruhe, wobei dann auch nicht das gesamte Holz gestriechen werden muß.
Jetzt sind wir dazu übergegangen, dass Fachwerk vollständig unbehandelt zu lassen. Nach einiger Zeit bekommt das Eichenholz eine silberne Patina, was sehr natürlich aussieht. An der Wetterseite geht es natürlich scheller als an der Nordseite.
Nur wie gesagt man muß es mögen!!!!



Ähnliches Problem



Wir sanieren derzeit ein 200 Jahre altes Fachwerkhaus. Die alten Balken im Außenbereich sind dick mit Farbe gestrichen, die sehr gut hält. Bei der Neuausrichtung entstanden größere und kleinere Spalte, die mit neuem Eichenholz ausgefugt wurden. Die Fensterblenden mussten ausgebaut werden und darunter erschienen unbemalte Balkenteile, die jetzt neben denen mit dicker Farbe liegen.
Wir haben alles versucht: Heißlampe mit Spachtel, Abbeizen und Bürsten, aber wir bekommen keine Patina wie beim unbehandelten Holz. Jetzt versuchen wir es mit Schleifen, aber unter der Farbe kommt eine schwarze, tief ins Holz eingedrungene Schicht heraus, ähnlich wie bei Holz an Booten nach dem Kalfatern. Wir geben langsam die Hoffnung auf, dass wir einen einheitlichen Ton am der Oberfläche erreichen.
Wir werden wohl alles so weit wie möglich angleichen und dann Ölen. Leinöl wird allgemein empfohlen, aber bei hochwertigen Herstellern kostet der Liter fast 20 Euro. Wir erhielten jetzt den Tip kaltgepresstes Olivenöl von ALDI zu nehmen.
Wenn man die Probleme aus der Vergangenheit zusammenfasst, die auf uns überkommen sind, hat es viel für sich, das Holz gar nicht zu behandeln. Mein Schwager und Holzbauingenieur vertritt diese Meinung schon seit Jahren.

Grüsse aus dem Badenland



Geschmack



Hallo
Sie schreiben
Farbe auf Fachwerk … ist eine Geschmackssache.
So lange es um die "Farbigkeit" geht, mag das ja in gewisser Weise stimmen.
Aber dicht wenn es um die Qualität der Materialien geht.
"Früher" waren die Farben hauptsächlich auf Leinölbasis oder anderen natürlichen Basisstoffen hergestellt, denen Pigmente hinzugefügt wurden.

Im letzten Jahrhundert fingen die Geldverdiener damit an diese schlecht zu reden und "Ihre" Produkte anzupreisen: Schneller, höher, weiter!
Ganze Institute auf öffentlich rechtlicher, privater und semiprivater Basis gaukeln uns seit langem vor: "Wir forschen um EUCH (uns Endabnehmer) bessere Qualität präsentieren zu können!"
Na! Wer das noch glaubt ist selber schuld.
Da werden die tollsten Namen kreiert um den Kunden "Fortschritt" zu suggerieren - und alle glauben dran.

Fachwerk braucht bei gutem Holz (EICHE) und guter technischer Konstruktion eigentlich keinen Anstrich. Bei Nadelhölzern gilt eigentlich das gleiche - hier kann man auch auf Leinölprodukte gehen (Infos bei www.leinölpro.de)
Irgendwelche Neuzüchtungen der Industrie die mit Ölen und Verdünnuungen arbeiten sollte man nicht so sehr glauben (Märchen)

Schlecht sind so dicke Pampen auf Fachwerkbalken. Die verbergen oft ungeahnte Schäden darunter, denn die "Farben" sind zu dicht.
Hier gilt auch der Grundsatz: "Nicht das Wasser das reinkommt ist schädlich - sondern das Wasser, das nicht mehr rauskommt!" Aber den Umgang damit muss man neu lernen, denn gelernt hat man: Dicht ist gut! und das ist der immer währende Trugschluss unserer Baulobbyisten und Geldausdentaschenzieher.

Schauen Sie alte "unbehandelte" Scheunen an oder in den Alpen die Scheunen: alt und grau und intakt.
Schauen Sie neue DIN bemalte Holzkonstruktionen an: kaputt, saniert, marode.

In diesem Sinne!

FK



Mal zum Preis



von Leinölfarben, es stimmt schon, dass der Liter 20 bis 25 € kostet, aber hochwertige "moderne" Farben liegen in derselben Preisklasse. Wenn man dabei bedenkt, dass diese einen Lösemittelanteil von ca 50% haben, der erstmal aufgepinselt werden muss, um dann wieder zu "verduften" und Standölfarben lediglich ca 2%, die modernen sogar 0 %(pure solid), dann haben diese eine wesentlich höhere Ergiebigkeit. Umgerechnet auf die Anstrichfläche gehören Standölfarben dann zu den kostengünstigen Anstrichen.
Wenn man dann bedenkt, dass Leinölfarben aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften für Holz eigentlich das optimale sind, kann man wohl von "preiswert" im wahrsten Sinn des Wortes sprechen.
Naturbelassene Öle sind gut für Salate, als Anstriche aber ungeeignet. Sie werden nur ranzig.
Mfg
dasMaurer



Zustimmung an die Fachleute



Die Aussagen der Fachbetriebe sollten Sie akzeptieren.
Dicke Pampen (gut getroffen und definiert!) sind ganz einfach tödlich fürs Fachwerkholz.
Ölige Lasuren hingegen sind ganz einfach die besten Möglichkeiten, um Holz dauerhaft zu schützen.
Öle dringen wesentlich tiefer in die Holzstrukturen ein, als Dickschicht- oder anderweitige Lasuren.

Leinölpro wurde bereits genannt, aber auch NATURAL ist sehr zu empfehelen.

Und wenn konstruktiver Holzschutz gegeben ist, dann benötigt Eiche eigentlich keine grundlegende Behandlung.

Grüße Udo Mühle



Also wenn schon



Reklame, dann sollten wir auch die Produkte von Kreidezeit erwähnen. Auch dort gibts hervorragende Qualität.;-))
MfG
dasMaurer



Eiche an sich...



..."benötigt" gar nichts, Hölzer gelten als bedürfnislos.

Für die Haltbarkeit der Fachwerkkonstruktion ist eine Behandlung mit Produkten aus Leinöl jedoch sinnvoll, im Gegensatz zu Florian Kurz ("Nicht das Wasser das reinkommt ist schädlich - sondern das Wasser, das nicht mehr rauskommt!") halte ich es schon für sinnvoll, eindringendes Wasser zu minimieren. Selbst aus der dauerhaften Eiche werden die Gerbstoffe, die für deren Haltbarkeit verantwortlich sind, ausgespühlt. Auch Eiche ist nicht resistent gegen Pilzwachstum und tierische Schädlinge.

Auf allen Nadelhölzern, die keine reinen Farbkernhölzer ohne Splintanteil sind, ist ferner eine Imprägnierung gegen Bläue nicht nur nach DIN, sondern einfach aufgrund der Anfälligkeit dieser Hölzer im Splintbereich erforderlich. Auch Bläueimprägnierungen gibt es auf Leinölbasis. Daß zualleroberst aber der konstruktive Holzschutz stehen muß, sei hier als selbstverständlich vorausgesetzt.

Grüße

Thomas