Altholz Dachstuhl neu nutzen?

26.05.2010



Hallo,

auf dem Grundstück unseres neu erworbenen Fachwerkhauses steht eine alte große Scheune (ich schätze mal 50er Jahre, kann auch älter sein) die abgerissen werden soll. In der Scheune, im Dach und auf dem Heuboden, sind dicke Balken verbaut die alle rundweg einen sehr guten Eindruck machen. Da ist nichts verwunden, nichts verfärbt oder gar verfault. Das Dach ist dicht und die Ziegelwände trocken. Kurzum, es tut mir im Herz weh das sowas als Müll endet.

Außerdem brauche ich jede Menge Holzbalken in der Renovierung meines Bauernhauses. Dort muss ich einige tragende Deckenbalken ersetzen und ev. auch den ganzen Dachstuhl.

Ich habe nun den leitenden Bauherren gefragt ob ich dieses Altholz haben kann. Er sagte mir zu, ich könne mir da holen was ich wolle. Und nun stellen sich mir einige Fragen dazu:

1) Ist solche Altholz grundsätzlich nichts wert das er das einfach verschenkt?
2) Wird der Abrissunternehmer da was dagegen haben da er den ev. Verkauf dieses Altholzes mit in seiner Kalkulation hat (falls es noch was wert ist)?
3) Darf man solches Holz in einer Renovierung verwenden? Auch an statisch tragenden Stellen?
4) Muss ich das Holz auf Gefahrenstoffe analysieren lassen?
5)( Kann ich das Altholz des Dachstuhes ev. zum Neuaufbau des Dachstuhles meines Bauernhauses verwenden?

Vielen Dank für eure Tipps.

Gruß





Hallo,

Wenn der Eigentümer das Holz nicht braucht muss er es teuer entsorgen, darum freut er sich natürlich wenn er es kostenlos los wird.
Einen Fachmann aber unbedingt mit einer Schadstoffanalyse beauftragen.
Hobeln wird Ihnen die Balken sicher kein Zimmermann, das muss aber bei Deckenbalken wohl auch nicht sein.

Grüße aus Schönebeck


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Hi

Ich habe mir auch aus verschiedenen Regionen Alt-Holz geholt, teilweise direkt beim Abriss, sonst gekauft.
zu 1. Wert hat das Holz auf jeden Fall, wenn kein Pilz drin ist.
zu 2. Der Abrissunternehmer muss Geld für die Entsorgung des Holzes bezahlen und freut sich eigentlich, wenn er die Kosten ansetzen kann beim Bauherrn und sich die Entsorgung spart ;-).
zu 3. Wenn das Holz in Ordnung ist spricht nichts dagegen, frag vorher deinen Zimmermann.
zu 4. Kannst du machen, oder frag den Zimmermann.
zu 5. Was spricht dagegen? Jedoch würde ich persönlich nicht Eichenholz mit anderem Holz mischen.





Am besten gibst Du dem Baggerführer des Abbruchunternehmens ein paar Euro, damit er Dir die guten Stücke beiseite legt.
Aus einem stehenden Haus tragendes Konstruktionsholz herausschneiden ist nicht ganz ohne. Und während dem Abbruch ist Zeit Geld, da lassen die Unternehmer nicht gerne jemand anderen ran.
Und Kauf Dir ein ganz grosses Ausnageleisen!
50er Jahre, da sind Holzschutzmittel der üblen Sorte schon ein Thema. Für den Innenbereich bei positivem Befund sicher unbrauchbar, dann Finger weg.



Schadstoffe Altholz



Also erst mal vielen Dank für eure Antworten, dann scheint die Wiederverwendung des Altholzes ja doch eine gute Idee zu sein.
Ich habe aber noch einige Fragen ;-)

6) Kann es eigentlich auch sein das das Holz nicht behandelt ist? Ich habe keine Farbe etc. feststellen können und an den Schnittkanten erkenne ich zum Rand hin auch keine Farbänderung, außer die wohl natürliche Dunklung des Holzes. Schließlich ist das ja eine Scheune gewesen in der Futtermittel direkt auf dem Holz gelagert wurde (Heu) und in den Kelleräumen der Scheune stand das Vieh.

7)Und wo kann ich eine Schadstoffanalyse machen und was kostet das?

8)Was kostet den eigentlich solches Holz neu, bzw. was spare ich eben wenn ich z.B. meinen Dachstuhl mit dem Altholz aufbauen lasse?

9)Was kostet z.B. ein Balken, ca. 5m lang und 30cm Kantenlänge wenn ich ihn beim Zimmermann kaufe?

Vielen Dank für eure Hilfe!



Verwertung von Altholz



Solange der Entledigungswille nicht im Vordergrund steht, fällt altes Holz nicht unter den Abfallbegriff. (Sonst würde nämlich die Altholzverordnung greifen und das Holz wäre geordnet zu entsorgen.) Wenn Altholz als Bauprodukt weiter genutzt werden soll sind einige Dinge zu beachten:
- Es sollte schädlingsfrei sein, damit man keine anderen Bauteile infiziert. Das sicher zu erkennen erfordert m. E. eine Sachkundigen für Holzschutz
- unbedingt sollten repräsentative Proben entnommen und labortechnisch auf Holzschutzmittelalteinträge untersucht werden. So können Sie Holz ausschließen, dass mit bedenklichen evtl. inzwischen verbotenen Mitteln behandelt wurde.
- Für tragende Bauteile muss das Holz festigkeitssortiert werden. (Natürlich greift auch hier, dass kein Schädlingsbefall vorhanden sein darf.) Eine "Fachkraft" muss Nadelschnittholz nach DIN 4074-1, Laubschnittholz nach DIN 4074-5 sortieren, Nadelrundholz nach DIN 4074-2. Sortierklasse S10 bzw. LS 10 und besser können tragend verwendet werden. Dabei ist auch zu beachten, ob Bohlen hochkant beansprucht werden u. ä. Der Sortierer muss das Holz als "Hersteller" mit einem ÜH-Symbol kennzeichnen. Eine leichte Grauzone ergibt sich bei bebeiltem Holz, weil dieses ja kein Schnittholz ist. Die Astigkeit wird hier oft zum KO Kriterium. Auch alte Querschnittsschwächungen, wie z. B. Zapfenlöcher müssen beachtet werden. Hier ist es evtl. erforderlich die Schnittgrößen an bestimmten Stellen des Tragwerks zu ermitteln und zu sehen, ob der Restquerschnitt ausreichend ist.
Man sollte auch beachten, dass die Neubauregel "Buckel nach oben" bei wiederverwendetem Holz nicht gilt. Hier ist zu vermuten, dass der Buckel aufgrund langer Belastung entstanden ist. Diese Verformung geht mit Mikrobrüchen einher. Deshalb sollte solches Holz wieder mit gleichem Biegemomentenverlauf wie vorher verbaut werden.
Das klingt jetzt unbefriedigend. Für etliche Bauteile, besonders statisch wenig ausgelastete Fachwerkwände kann man aber einige Holzstücke wieder verwenden.
In den Zeitschriftenheften 3 und 4 / 2008 der "B+B Bautenschutz und Bausanierung" habe ich einmal einen Artikel zum Thema geschrieben. Vielleicht gibt es in ihrem Umfeld ja eine Bibliothek in der Sie den Artikel nachschlagen können. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold



MPA Eberswalde



Guten Tag, bei der Materialprüfanstalt Eberswalde kann man solche Untersuchungen auf Alteinträge durchführen lassen. Pro Probe müssen sie mit Kosten in Größenordnung von etwa 150 Euro rechnen. Es empfiehlt sich vor der Probennahme mit Dr. Wegner oder Fr. Bornkessel Kontakt auf zu nehmen, um die Entnahme möglichst sinnvoll zu gestalten. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold



@ Ulrich Arnhold



Die Sache mit den Mikrobrüchen war mir neu. Sehr interessant.

@ All

Im Zweifelsfall können Sie den Abriss auch ein Unternehmen durchführen lassen, daß sich auf die Wiedergewinnung historischer Baustoffe spezialisiert hat (hier im Forum z.B. Fa. Resandes), oder einen erfahrenen Zimmererbetrieb mit Rückbau und Neubau beauftragen, unter Beachtung der hier genannten Kriterien.

Grüße

Thomas



Preise



<8)Was kostet den eigentlich solches Holz neu, bzw. was spare ich eben wenn ich z.B. meinen Dachstuhl mit dem Altholz aufbauen lasse?

Nach dem was Nachbarn (Niederösterreich Nord-Ost) erzählt haben für einen ganzen Dachstuhl einige zigtausend Euro. Unser Nachbar hat für sein kleines EFH seinerzeit ein Angebot über ATS 400000,- nur für das Holz bekommen, das sind kaufkraftbereinigt o um die €40000. Uns wurde im gleichen Ort vor 2 Jahren ein Dachstuhl für ein Gebäude mit 35m2 umbauter Fläche (Satteldach 40 Grad Neigung) inkl. Deckung (Bramac Betondachstein) für €10000 angeboten. Nur mal als Größenordnung.



28.29. Mai Seminar Fulda



Guten Tag, auch wenn es für "Duesentrieb" wohl etwas weit ist (ich habe jetzt erst gemerkt, dass der Fragesteller aus Österreich kommt) findet demnächst ein Seminar statt, was interessant sein könnte. Propstei Johannesberg, Fulda 28./29. Mai "Holzsortierung im Bestand". Ich wollte eigentlich hin, schaffe es aber nicht. Keine Ahnung ob sich genug oder zu viele angemeldet haben. Man kann ja mal googeln, ob es noch möglich ist teilzunehmen. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold
PS In Österreich kann man einmal bei der Holzforschung Austria anfragen, was dort eine Laboruntersuchung kostet. vielleicht sind die Mitarbeitet ja auch so nett und geben einige allgemeine Informationen.



Aus Österreich



bin nur ich, Duesentrieb sitzt in Karlsruhe ;-)



Vor 7 Jahren kostete mich das Holz für meinen Dachstuhl



der Klasse S13 so etwa 250€/m³, S10 etwa 350€/m³ und meine BSH-Träger 550€/m³.
Da lässt sich schon einiges sparen - wenn man jemanden findet, der es einem verarbeitet.