Zeltbegasung

20.07.2010



Hallo Fachwerkfreunde,

nach langer Zeit melde ich mich mal wieder mit einem Beitrag, bzw. einer Frage.
Leider bekommen wir unser Hausbock und Anobium Problem ohne fachmännische Hilfe nicht mehr in den Griff.
Da eine Heißluftbehandlung mittlerweile nicht mehr in Frage kommt und uns an der Fachwerk Außenfassade ohnehin nicht geholfen hätte, müssen andere Maßnahmen getroffen werden. Die Bohrlochdruckinjektage würde dann wiederum nur außen wirken und "Gift" in die Balken bringen.
Nun sind wir bei einem Angebot mit Zeltbegasung angelangt, welches zum einen plausibel erscheint, zum anderen auch wohl die einzig sinnvolle und auf Dauer wirkungsvollste Methode sein mag.
Hat schon mal jemand von Euch sowas an seinem privat Gebäude durchführen lassen und daraus Erkenntnisse geschöpft ?
Ich möchte jetzt bitte bewusst keine gewerblichen Schädlingsbekämpfer hier im Forum damit ansprechen, da ich mir eine neutrale Auskunft erhoffe.

Vielen Dank für Beiträge. Dieter Gleiß





Warum soll eine Heißluftbehandlung nicht an der Fachwerk Außenfassade, analog nach einhausen der Begasungsvariante funktionieren?

Bei ordentlicher Ausführung funktioniert beides und ich würde lieber auf die chemische Keule verzichten.

Grüße aus Schönebeck



chemische Keule vs Heißluftbehandlung



Guten Abend Herr Struve,

Danke für Ihre Meinung.
Ich habe mir sagen lassen ( und auch schriftlich mit einem Angebot erhalten ), das die Balken hierfür von drei Seiten zu erreichen sein müssen, damit es wirkt.
Das Gas hingegen ( Altarion Vikane, Wirkstoff Sulfuryldifluorid ) kommt überall hin und ist nach der Lüftung dann auch nicht mehr schädlich.
Abgesehen von der chemischen Keule, ist dann die Heißluftbehandlung gegenüber dem Gas auch billiger ?
Der Aufwand ist ja wohl eher das Zelt ?
Außerdem hätte die "Gasvariante" den entscheidenden Vorteil, dass beinahe alles im bereits bewohnten Gebäude verbleiben könnte und Hitzeschäden ausgeschlossen würden.

Danke für weitere Antworten.

Dieter Gleiß





Hallo Herr Gleiss,

Wichtig bei der Heißluftbehandlung ist, das alle Bauteile die Mindesttemperatur erreichen und für die vorgeschriebene Behandlungszeit auch halten.
Dazu müssen die Balken nicht von drei Seiten zugänglich sein.
Ungünstige Lagen verlängern natürlich die Behandlungszeit.

Grüße aus Schönebeck





Herr Gleiss,

der Kollege Parisek ist hierfür sicher ein guter Ansprechpartner.

http://fachwerkhaus.historisches-fachwerk.com/fachwerk/index.cfm/ly/1/0/community/a/showMitglied/1064$.cfm

Grüße aus Schönebeck



Krankes Fachwerk



… hat meist nicht nur die EINE Ursache!

Kontrollieren Sie mal die Substanz der Balken - mir kommt der Anstrich etwas zu dicht vor und der vorstehende Putz ist auch nicht gerade ein Qualitätsmerkmal eines Fachwerks.

Ist der "Befall" partiell oder überall anzutreffen?

FK



Antwort krankes Fachwerk



Hallo Herr Kurz,

um es auf die Schnelle zu beschreiben:
Gestrichen haben wir mit offenporiger Nussbaum Lasur von Herbol, sicher kein Fehler.
Das was Ihnen zu dicht vorkommen mag, ist ein Testversuch mit Remmers Aidol Epoxi - Holzverfestigung.
Eines von ein paar verschiedenen "Testreihen", welche wahrscheinlich aber außer finanziellen Ausgaben für Chemie nichts gebracht haben.
Für den Putzauftrag kann ich nichts dafür, das war schon. Wir haben lediglich ausgebessert und neu gestrichen.
Um tiefgreifender auszuführen würde hier der Platz wohl nicht ausreichen.
Der Zustand ist jetzt so wie er ist und kann nur noch verbessert werden.
Befallen ist das Gebäude im Prinzip überall.
Außen kann man die Hausbocklarve fressen hören, an sehr warmen Tagen laufen sogar die Käfer über das Fachwerk.
Im Innenbereich, nagt es auch an ein paar Stellen, die wirklich hörbaren kann man aber an einer Hand abzählen.
Allerdings sind hier dafür die Anobien fast überall vertreten. Sie bohren und sie fliegen.
Das das gesamte Gebäude qualitativ nicht hochwertig ist, ist kein Geheimnis. Dafür war es aber auch kein Wohnhaus, sondern eine Scheune.
Als wir sie gekauft hatten, waren wir uns auch bewusst, das ggf. andere Probleme und vielleicht auch höhere Kosten auf uns zukommen als als bei einem Fachwerkhaus es sein mag. Dafür war der Anschaffungspreis gering.

Wurmige Grüße aus Franken, Dieter Gleiß



Zeltbegasung



Hallo liebe "Fachwerker",

vielen Dank für die Zuschriften.
Leider kann mir aber anscheinend keine Privatperson die Erfahrung mit einer Begasung mitteilen ?!
Sollte es dennoch jemanden geben, bitte ich hierzu noch um einen Erfahrungsbericht.

Vielen Dank dafür.

Dieter Gleiß



Begasung



Das kaum ein privater Erfahrungsberichte über eine Begasung mache kann liegt daran, das dieses Verfahren mehr für Kulturgüter wie Altare, Kirchegestühl, Möbel und der gleichen, wo die thermische Behandlung Schäden an den Oberflächen verursachen kann, eingesetzt wird.
In der Regel werden Dachstühle oder ganze Häuser eher thermisch behandelt.
Begasungen dürfen in Deutschland (glaube ich) auch nur ein paar Firmen ausführen.

Grüße aus Schönebeck



Von einem "Begasungskunden"...



...werden Sie nicht so viel Sachdienliches erfahren können, da jedes Objekt anders ist. Ich würde gezielt Fachfirmen kontaktieren, ein Angebot kostet Sie zunächst nichts.

Jürgen Parisek wurde schon genannt, ein weiterer Kontakt mit langjährigen Erfahrungen auf dem Gebiet wäre:

http://www.bhd-dresden.de/

Gutes Gelingen wünscht

Thomas

P.S. Den Holzverfestiger entsorgen sie besser fachgerecht.



Holzschädlinge



Hallo Herr Gleis,
ich vermute mal,dass Ihr Fachwerk aus Kiefer ist und Sie auch schon mit einem Holzschutzgutachter zu tun hatten.
Ich kann leider keinen Erfahrungsbericht zur Begasung bekannt geben.
Wissen Sie wieso die Biester drin sind? Was ist die Ursache für den massiven Befall?
Ich frage deswegen, weil der Holzschutzgutachter mit dem ich immer mal wieder zu tun habe, sagt, dass ein Holz das älter wie 60 Jahre und trocken ist, keinen Befall mehr haben kann. Allerdings soll es "Nachmieter" der Holzwürmer geben,Z.B. Silberfische, die die Gänge leerräumen und es immer noch rausrieseln lassen.
Er hat es mir nicht am 1. April erzählt und ich halte ihn für kompetent.
Mit freundlichen Grüßen
Ralph Schneidewind



Und er irrt doch!



"dass ein Holz das älter wie 60 Jahre und trocken ist, keinen Befall mehr haben kann"

Die Befallswahrscheinlichkeit wird wohl geringer, ein Neubefall ist aber nie auszuschließen.

Grüße

Thomas



Das Freilichtmuseum



in Detmold hatte als ich letztens da war ein Haus im Zelt eingepackt. Auch wegen Hausbock. Ich weiß aber nicht ob für thermische Behandlung oge Gas. Vielleicht findest du da einen Ansprechpartner der dir weiterhelfen kann.



Und wir machen´s doch!



Vom 14.09.-17.09.2010 führen wir zur sicheren Abtötung aller bei uns eingenisteten Holzschädlinge (wie Hausbockkäfer Hylotrupes bajulus L. und den Gewöhnlichen Nagekäfer Anobium Punctuatum De Geer) eine Begasung an unserer Wohnscheune durch.
Zu diesem Entschluss muss ich noch anmerken, dass die ausführende Firma, die einzige war, die sich unserem Problem wirklich annahm!
Einige andere Firmen haben nicht einmal auf eine schriftliche Anfrage geantwortet.

Wenn jemand aus unserer näheren Umgebung befallene Gegenstände bei uns für diese Zeit einlagern möchte, um sie „vom Wurm zu befreien“, so kann das gegen eine kleine Gebühr gerne erfolgen.

Grüße Dieter und Birgitta



Wurmfrei



Hallo Fachwerkfreunde,

hier ein kurzer Bericht nach erfolgter Begasung:
Die Verhüllung startete am Dienstag, 14.09.2010 pünktlich ab 07:00 Uhr früh durch eine regionale Spezialfirma. Mit einer LKW-Hubarbeitsbühne, welche eine Arbeitshöhe von 24 Metern hatte, wurden durch zwei im Korb befindliche Mitarbeiter die schwarz-rot-gelben gasdichten Spezialplanen von oben herab auf das Gebäudedach aufgebracht und bis zum Fundament verhüllt, welche dort durch weitere zwei Mitarbeiter noch mit Sandsäcken abgedichtet wurde.
Danach wurden die beiden Giebelseiten verhüllt und die Abgrenzung zum weiterhin bewohnten Nachbargebäude vorgenommen.
Nach einer Abnahme durch das Gewerbeaufsichtsamt und einer Testbegasung mit ungiftigem, riechendem Gas konnte um 20:00 Uhr abends das technische Sulfuryldifluorid eingeleitet werden.
Insgesamt wurden 21 Kilogramm dieses Gases in das Gebäude eingebracht, was eine Konzentration von 11 Milligramm auf 1 Kubikmeter Rauminhalt ausmacht.
Die Dichtheit der Konstruktion sowie die Absaugung zur eventuellen Ausbreitung auf das baulich verbundene Nachbargebäude wurde 24 Stunden lang durch einen Mitarbeiter vor Ort persönlich überwacht, danach wurde die Aufgabe auf die im Gebäude verteilten Messgeräte übertragen.
Das gesamte begaste Objekt wurde durch über 60 Meter Baustellenzaun abgesichert, so dass niemand an die Planen fassen konnte.
Wir und unsere beiden Vögel wurden freundlicherweise für 4 Nächte von unseren netten Nachbarn aufgenommen und hatten immer einen Blick auf die Baustelle.
Am 24.09.2010 war das Gebäude um 14:00 Uhr wieder unverhüllt zu sehen und nach Freigabe des Begasungsleiters gefahrlos begehbar.
Sicherheitshalber haben wir aber noch eine Nacht im Quartier unserer Nachbarn verbracht.
Seit dem sind keine Naggeräusche mehr zu hören!
Hoffen wir mal, dass es auch so bleibt.

fröhliche und wurmfreie Grüße, Dieter Gleiß




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