Holzschutz aussen

20.10.2004



Hallo, wir haben ein ca 250 Jahre altes Fachwerkhaus total saniert. Alles ging glatt bis auf die Frage wie man die Aussenbalken vor Wind und Wetter schuetzt. Ich habe mich fuer die von der Firma Swing Color Holzschutzgrundierung entschieden. Wir haben jeden einzelnen Balken mit der Drahtbuerste gesaeubert und dann die Grundierung aufgetragen. Alles sah sehr toll aus. Nun, nach dem ersten richtigen Regenfall, sind die Balken "ausgeblutet", das heisst, die Faecher sind mit gelben Dreck ueberzogen. Nicht mehr sauberzubekommen. Ich habe Rat beim ortsansaessigen Maler erfragt, der mir sagte ich soll die Balken mit Aceton bzw Nitroverduennung abwaschen und dann ein Holzoel (das er mir bringt) auftragen. Oder damit leben, dass ich alle paar Jahre die Faecher neu Streichen muss. Ich weiss nicht mehr weiter. Was habe ich falsch gemacht? Die Aqua Grundierung fand ich als genau richtig. NUn stellt sich heraus das ich einfach mit Leinoelfirnis streichen sollte, da das viel tiefer ins Holz eindringt. Wie kann ich den Schaden beheben? Alle Infos werden dankbar aufgenommen. Gruss!!!!



Chemisches



Hallo,

anscheinend ist ihre Grundierung wasserlöslich. Da stellt sich die Frage, warum der maler-meisterliche Fachmann durchaus nicht gesundheits-fördernde Mittelchen wie Nitroverdünnung als Lösemittel empfiehlt. ???

Schauen Sie doch erst einmal auf die Zutatenliste von Swing Color und/oder geben die hier bekannt.

Welches Holzöl will er Ihnen bringen ?

Gruß aus BS



Inhaltsstoffe Swing Color Aqua Grund



Hallo, hier die Inhaltsstoffe:
Acrylat-Dispersion, Titandioxid, organische/anorganische Pigmente, Siliciumdioxid, Wasser, Glycolether, Additive,Konservierungsmittel.
In der Beschreibung: Hochtransparente, offenporige Grundierung fuer alle Hoelzer im Innen und Aussenbereich. Umweltfreundlich, weil schadstoffarm. Wasserabweisend, feuchtigkeitsregulierend, wetterbestaendig.Geeignete Untergruende: alle masshaltigen und nicht masshaltigen Holzbauteile.
Ich habe heute morgen mal an einer kleinen Stelle mit Nitroverduennung gepinselt, aber es gleich wieder sein gelassen. Das Holz ist wie veraetzt. Kaum zu beschreiben...Das Oel das er bringen will, ist ein einfaches Holzoel, sagte er. Er mischt das selber....



Also ...



... die übliche verheimlichende Zutatenliste. Werde sie mir heute abend noch einmal genauer ansehen. Nach meinen bisherigen Infos enthält das Produkt neben Wasser auch noch andere - nicht deklarationspflichtige - organische Lösungsmittel (< 10%). Zumindest früher enthielten andere, ähnliche Swing-Produkte auch noch aromatische Lösungsmittel.
Nach Verdunsten der Lösungsmittel hätte an und für sich ein wasser-unlöslicher Film zurückbleiben müssen. Die dauerhafte Offenporigkeit dieser Produkte ist m.E. bisher noch nicht nachgewiesen.

Setzte ihr erster Regenguss ein, bevor die Grundierung vollständig getrocknet war ????

Vorerst ...



Nun,



die Grundierung wurde vor ca 2 Wochen aufgetragen. Also vollstaendig getrocknet. Ist auch nur auf der Wetterseite passiert, also unsere Giebelseite. Die Seitenwand ist einwandfrei. Aber wenns da auch mal so drueberplaetschert, dann passierts da auch, vermute ich mal so. Ich denke die Swingcolor Grundierung ist einfach kein ausreichender Schutz, da muss man mit haerteren Sachen drangehen. Aus dem Fachhandel irgendwas. Haette mich doch noch ausreichender informieren sollen, und nicht auf diesen Schnulli ausm Baumarkt hoeren sollen.



Hersteller-Geheimnisse



Moin moin,

diese Deklaration verschleiert mehr als das sie aufklärt – leider der übliche Fall. Da derartige Fragen doch häufiger auftauchen, starte ich mal den Versuch einer breiteren Beschreibung und Erklärung.

Grundsätzlich zu Acrylat-Dispersionen: Normalerweise gelten sie als physiologisch unbedenklich – es kommt hier aber auf die weiteren Zutaten an.

Allgemein: Diese Dispersionsfarben (aus ungesättigter Carbonsäure) sind schicht-/film-bildend und haben auf Fachwerkholz nichts zu suchen.

Dispersionen sind Mischungen von Stoffen, die sich ohne entsprechende Zutaten wieder entmischen. Beispiel: Wasser und Öl. In einer wasserverdünnbaren Dispersion werden die Bestandteile dann „in der Schwebe“ gehalten.
M.E. gibt es für die Aussage „offenporig“ keine verbindliche Definition. Bei all diesen Produkten ist jedoch die langfristige, für Fachwerk notwendige Offenporigkeit noch nicht nachgewiesen – und sollte auch nicht vorausgesetzt werden. Das gilt ähnlich für die sog. Ventilacke.

Der Hersteller weiß sicherlich auch, warum er hier keinen Diffusionswiderstandswert angibt.

Zu den Lösemittel: Bei leicht-flüchtigen Lösemitteln (auch potentiell gesundheitsschädlichen) muß ein Anteil unter 10% nicht angegeben werden. Ähnliche Ausnahmen hat der deutsche Gesetzgeber auch für schwerflüchtige Lösemittel parat. Als Lösemittel wird hier nur der harmlose Glycoleter (Alkoholverbindungen) angegeben – und Wasser. In derRegel wird nur relativ wenig Wasser zugegeben, um den Feststoffanteil zu erhöhen. Diese ganze Rechnerei dient dazu, die relativ weichen Kriterien für die Vergabe des „Blauen Engels“ zu erreichen.

Derartige Produkte „sollten“ normalerweise auch noch einen Verarbeitungshinweis enthalten. Sinngemäß: Anwendung nur bei einer Holzfeuchte zwischen 12 – 15%. Bei höheren Holzfeuchten und bei Verarbeitung bei hoher relativer Luftfeuchtigkeit kann einem „die Suppe dann schon davon laufen“.

Weiter mit den Zutaten: Titandioxyd ist ein ungiftiges Weiß-Pigment. Es kommt natürlich vor und/oder wird synthetisch hergestellt. Das sagt noch nichts über die Qualität. Entscheidend ist hierbei die Kristallform – Rutil oder Anatas. Rutil ist die teurere Form. Anatas ist wenig beständig, zerfällt bei Bewitterung und kreidet. Hier könnte ein weiterer Aspekt begraben sein, daß Ihre Grundierung nicht sehr wetterbeständig ist. (???? !!!! – s.a. oben: Holzfeuchte).

Darüberhinaus werden noch weitere „organische/anorganische Pigmente“ genannt, hinter denen sich dann wieder allerlei verbergen kann. Eine detaillierte Beschreibung würde hier zu weit führen. Da Sie von einer Gelbfärbung gesprochen haben, dürften auf jeden Fall noch Gelb-Pigmente enthalten sein. Auch hier ist man auf Vermutungen angewiesen. Titandioxyd wird häufig zusammen mit Zink-Pigmenten eingesetzt (Zinkweiß und Zinkgelb). Beide Sorten können potentiell Blei enthalten. Ich kenne hier jedoch nicht die Grenzen der Deklarationspflicht.

Siliciumdixyd ist wieder ein harmloser Stoff – nämlich Quarz. In Farben wird es als Mehl eingesetzt, manchmal in Doppelfuktion als Füllstoff oder als lasierendes Pigment.

Fassen wir mal zusammen: Alle harmlosen Stoffe sind korrekt mit ihren chemischen Bezeichnungen benannt. Bei potentiell problematischen Stoffen verbirgt sich alles hinter irgendwelchen Gattungsnamen – wie dann auch abschließend bei den Additiven und Konservierungsmitteln. Das fällt dann irgendwie unter „Hersteller-Geheimnis“ wie bei der berühmten braunen Limonade, die seit etlichen Jahren auch kein COCAin mehr enthält.

Kurzum- das Typische Baumarkt-Produkt. Wenn man bedenkt, daß Naturprodukte mit Volldeklaration, wie z.B. von AURO, Kreidezeit etc. nur unwesentlich teurer sind, muß man halt feststellen, daß hier eine Riesen-Verar... stattfindet.

Wie bekommt man das Zeug jetzt wieder runter? Ich gehe mal davon aus, daß das ganze – da als Acrylat deklariert) keine Öl- oder Alkyd-Basis ist und sich deshalb NICHT mit alkalischen Lösemitteln entfernen läßt. Ist aber vielleicht doch einen Versuch wird. Kurz: Aus der Apotheke 1 kg Natriumhydroxyd (Eiche) oder Kaliumhydroxyd (Nadelholz) kaufen: Preis: EUR 6,50. Davon eine 20 – 30%ige Lauge herstellen und mit einem Pinsel mit Plastikborsten (die gibt’s manchmal im Baumarkt ;.)) auftragen.

Nitrovedünnung dürfte ausscheiden, wenn das ganze bereits getrocknet ist.
Also helfen dann nur die härteren Sachen – Abbeiz-Pasten oder –Fluids. Sind relativ teuer und enthalten häufig alles, was man in einem Giftschrank braucht. Gibt’s aber auch von Naturfarben-Herstellern. Hier hilft aufgrund der unklaren Situation nur ein Versuch.

Zum Neuauftrag: Guten, bleifreien Leinölfirnis gibt es für ca. EUR 7,50 pro Liter. Den kann man auch selbst pigmentieren.

Viel Erfolg und Gruß aus BS

Bernd



Das Kind im Brunnen - da hilft kein Geschrei



Guten Abend alle,
sicher wenn was schief geht, ist´s ärgerlich. Emotionen sind verständlich. Mich ärgert auch, das Zeug verkauft wird, was für einige Verwendungen verboten gehört.

Beratung im Handel ist schwierig - der Verkäufer kann das Objekt sehr selten begutachten, der Kunde drückt sich oft ungenau aus. Gelegentlich zielt Kundenberatung auf Erwirtschaftung von Deckungsbeitrag, sollte jeder Mensch irgendwann wissen.

Den vorhergehenden Beiträgen kann ich nicht so richtig entnehmen, handelt es sich um eine einfache und alleingelassene Grundierung oder um ein Anstrichsystem mt deckenden Anstrichen?

Ist es nur eine wasserverdünnbare Grundierung, sollten auch die zum Anstrichsystem gehörenden Zwischen- und Schlußbeschichtungen ausgeführt werden, auch wenn es "bessere" Materialien gibt.

Ist es ein korrekt augeführtes Anstrichsystem, sollte die Ursache für die Auslaugungen genauer gesucht, bzw. ausgeschlossen werden.

Ablaufspuren sind relativ oft zu sehen. Folgende Ursachenmöglichkeiten sollten geprüft werden.

Sehr Oft:
Sogenannte "Dünnschichtlasuren" oder Grundierungen welche vom Hersteller in Abhängigkeit vom Einsatzweck nur als Grundierung in einem System (z.B. bei Maßhaltigen oder bedingt Maßhaltigen Bauteilen) werden vom Endanwender jedoch als Schlußanstrich stehengelassen. Selbstverständlich erfolgen hier Auslaugen, hat ja der Hersteller auch so nicht vorgesehen.

Immer wieder mal:
Holzinhaltstoffe wie z.B. Gerbsäuren, Tränkungen (ich habe stolze "Geheimrezepte" aus Motoröl erlebt) und auch Altbeschichtungen sind am Objekt schon vorher ausgelaugt, aber in der Altsubstanz nicht auffällig gewesen.

Kommt auch vor:
Harze bluten nach frischen meist dunklen Anstrichen plötzlich wieder aus, vorher war´s nicht so.

eher selten:
Aus offenen Rissen und Fugen kommt nicht entfernter Schleifstaub und Dreck von Früher.

ebenfalls seltener, doch immer mal zu sehen:
Zu stark verdünnte Produkte werden zu mager, das Bindemittel reicht nicht aus, um das Pigment zuverlässig am Untergrund oder im Anstrichsystem zu binden.

Sehr selten:
Das Produkt ist sehr minderwertig bzw. nicht für Einsatzzweck hergestellt (am meisten zu sehen "Jägerzaunlasur" im Fassadenbereich, der Name sagt´s schon, das kann nicht gehen).

Wie retten?
Schwierige Frage ohne Begutachtung, niemand wird sich darauf einlassen. Analysieren Sie zunächt selber, seien Sie ehrlich zu sich selbst, wenn ein Anwendungsfehler vorliegt. Sind es lösliche Bestandteile aus der Beschichtungsfläche, sollte .... .. . hier hör ich auf!

Reklamieren Sie im Baumarkt, der Farbenhersteller hat mit Sicherheit einen Außendienst bzw. Anwendungstechniker welcher durchaus (bei Markenherstellern normal) sich die Sache vor Ort ansieht.

Mit freundlichen Grüßen
Malermeister Peter Seifarth



Vielen Dank!



fuer die Info's.
Das Haus war verputzt. Wir haben den Putz entfernt, dann die gesamte Flaeche abgewaschen, trocknen lassen und dann die Balken mit einer Drahtbuerste trocken sauber gerieben, nochmals "abgeduscht" und vollstaendig trocknen lassen. Dann die Holz Grundierung aufgetragen. Das Holz war unbehandelt, also keinerlei Altanstriche oder sonstiges.
Ich habe im Baumerkt nach einer Holz Grundierung gefragt, die problemlos auf altes unbehandeltes Fachwerkholz aufgetragen werden kann. Praktisch nur ein Schutz, ein offenporiger Schutz. Der Mensch im Baumarkt sagte ich kann die Swing Color Grundierung auftragen, aber keinen Holzsiegel mehr drueber, weils dann nicht mehr offenporig ist. Also ideal fuer Fachwerkholz.
Natuerlich aergere ich mich das ich mich nicht besser informiert habe, ich hab bei all den anderen Sachen auch besser recherchiert. Ich wollte dem Holz halt was Gutes tun, und war gewillt mehr Geld auszugeben, was ich auch getan habe. Wir haben einen kleinen Teil des Hauses mit einer Stuelpschalung versehen, die ich mit Leinoelfirnis gestrichen habe, wo ich aber dachte: "Mensch, das kostet nicht die Welt, fuer die Verschalung tuts das erstmal" aber fuer das alte Eichenholz will ich schon was besseres". Mein Fehler....bin ich ganz ehrlich mit mir... :-)
Aber,..... die Swing Color Aqua Grundierung verspricht einen wetterbestaendigen, offenporigen, feuchtigkeitsregulierenden und schadstoffarmen Schutz. Hab' ich mich mal so dran festgehalten. Klar ist diese Grundierung eine "optimale Grundierung fuer Lasuranstriche", wenn ich mir vorstelle ich haette das Holz noch mit einer Lasur gestrichen, dann waere die Bruehe ja erst recht gelaufen. Auf dem Holz ist ein glaenzender Film, da kann man nichts mehr auftragen das auch nur annaehernd in das Holz einziehen kann. Ich habe an einer kleinen Stelle einen Abbeitzer in Spruehform (entfernt Acrylate) aufgetragen, Nach einer halben Stunde war es schneeweiss und ich konnte das mit dem Finger abrubbeln wie Plastikfolie. Ich hab dann nochmal mit einer Drahtbuerste nachgearbeitet, und dann ist der Rest auch noch abgerubbelt. Nur das am ganzen Haus machen, nach ca 10 monatigen Sanierungsarbeiten, da hab ich irgendwie die Kraft nicht mehr. Ich bin sauer das ich so bloed bin und nicht besser recherchiert habe?! Oder sollte ich sauer sein auf den Schnulli im Baumarkt der mir seine Hausmarke verkaufen wollte, sodass der BAUHAUS Baumarkt an diesem Tag 100 Euro mehr in der Kasse hat?! Sich aber sicherlich nicht auf sein Gehalt auswirkt.



Irrungen und Wirrungen



Moin miteinander,

bei dieser systematischen Kundenveralberung – gilt für alle Hersteller ohne Voll-Deklaration der Produkte – kann man auch irgendwann nur noch aufhören.

So stellt sich mir abschließend die Frage, ob ich für die zitierte „Jägerzaunlasur“ einen Anwendungstechniker benötige, wenn bei einem Zaun die Latten senkrecht angebracht werden.

Will sagen, bei manchem Jägerschnitzel habe ich das Gefühl, es sei ein Zigeunerschnitzel – oder doch das Bauernschnitzel nach Wiener Art.

Wohl bekomm‘s



Der Beitrag des Malermeisters war der richtige Weg



Gegen Ende der Diskussion hat Malermeister Seifarth die Ursachen für die "Auslaugung" zusammengestellt. Damit ist alles gesagt und die Ursachenforschung muss weiter gehen. Denn M E nur wenn das Anstrichprodukt minderwertig war kann es selbst so schnell auslaugen. Als ich die Ursprungsfrage gelesen habe habe ich mich sofort gefragt welche Holzart eigentlich verbaut ist. Eiche zB begrenzt auch Lärche usw. geben viele Inhaltsstoffe ab. Auch das hat der Malermeister bereits erwähnt. Bei stark Gerbstoffhaltigem Holz kann nur ein Sperrgrund helfen, weil die normalen Beschichtungen nicht zum absperren gedacht sind.
Wir können auch davon ausgehen, dass vor 200 Jahren alle Ausfachungen gerbstoffhaltiger Fachwerke durch Auslaugungen verfärbt waren, es gibt im Altbau keine "Industrieoberflächen" wie bei auolacken.
mfG. Ulrich Arnold



Auf dem richtigen Weg ...



... steht immer noch das Ziel im Weg !!!