Schaden an der alten Grundmauer

16.05.2010


Das Holzhaus (von 1920) steht in einem feuchten Gebiet, auf einer Grundmauer, die aus Natursteinen in unterschiedlichsten Größen gemauert worden ist. Die Grundmauern stehen auf einer Fläche (ca. 0,5-1m dick), die mit großen Natursteinen aufgeschüttet worden sind (haben wir beim legen der Drenage gesehen).

Die Hälfte des Hauses hat einen Keller, die andre Hälfte hat einen Kriechkeller.

Die Kellerwände sehen trocken aus, an manchen Stellen wirkt es so als hätten sie hier oder dort ein wenig geblüht. Im Keller sieht man Restfeuchtigkeit. Der Sachverständige meinte, dass es daran läge, dass die Erde an den Aussenwänden lag und somit das Wasser an die Wand drückte. Zudem fehlten Belüftungsöffnungen.

Wir haben eine Drenage um das Haus gelegt und Platon-Platten an die Außenwand gelegt. Belüftungsöffnung folgen noch.

Ich hatte nun im Keller an den Putz geschlagen und hörte hohle Geräusche. An einer Stelle bewegte sich der Putz - ich steckte den Finger in die Fuge, so viel eine größere Fläche ab. Der Putz war trocken und hart. An der Stelle wo der Putz abgefallen war, sieht man die Natursteine. Das Fugenmaterial ist feucht und rieselte ab, wenn ich den Finger dranhalte.

Nun bin ich etwas Ratlos, was ich damit machen soll. Soll man Lehmputz anbringen - aber der Untergrund ist da nicht fest genug, meine ich. Zudem frage ich mich, ob man da lieber den ganzen alten Putz runternimmt, die flächen behandelt und Kalkputz aufträgt. Aber mir ist schon unwohl, wie ich diese rieselden Fugen behandeln soll. Hat man da überhaupt Möglichkeiten das hinzukriegen.



Schaden an der alten Grundmauer



Lehmputz würde ich nicht anbringen, aber Sie sind ja schon auf dem richtigen Weg mit Kalkputz.
Das Schadenausmass aus den Ferne zu beurteilen gestaltet sich etwas schwierig, ziehen Sie zusätzlich eine Berater vor Ort dazu.
Info über Luftkalkmörtel erhalten Sie auf solubel.de, die haben das richtige Material.

Grüsse Thomas





Ohne es vor Ort gesehen zu haben, kann man nur ein paar allgemeingültige Dinge anmerken.
Keller feucht lassen - ist mit vertretbarem Aufwand nicht wohntrocken zu bekommen.
Eine Drainage nützt nur etwas, wenn sie tiefer liegt als die Fundamente. Nachträglicher Einbau empfiehlt sich deswegen nicht. Oft ist die Feuchte auch wegen Kondenswasser bedingt, vor allem im Frühsommer, wenn die feuchtwarem Aussenluft in den Keller eindringt und dort an den noch kalten Steinwänden kondensiert. Natursteinmauern, vor allem aus Granit, neigen eben zum "Schwitzen".
Durch reichliches Lüften wird es schlimmer, nicht besser.
Achten Sie auf einen ausreichenden Abstand von der Oberkante des Mauerwerks zum Erdreich, damit die daraufliegende Holzkonstruktion kein Spritzwasser abbekommt. Ein reichlich bemessenes Vordach ist auch wichtig. Wird der konstruktive Holzschutz konsequent beachtet, werden auch in regenreichen Gegenden Holzhäuser aus nicht besonders wetterfestem Holz (Fichte) alt - es müsste dazu in Norwegen aureichend Beispiele geben.
Wenn die Maueroberkante durch Schlagregen nass werden kann, sollte das darüberliegende Balkenwerk über die Mauerkante vorstehen, sonst zieht die Lagerfuge zwischen Mauer und Holz Wasser.
Selbstverständlich sollten keine Erd- oder Laubhaufen an die Mauer kommen, diese können Feuchte eintragen. Die Erdoberfläche soll das Wasser vom Haus wegleiten, also kein Gefälle zum Haus hin aufweisen.
Die Dachrinne muss vorhanden, funktionsfähig und sauber sein, ebenso die Entwässerungsleitungen. Fehlt sie, gelangt das ganze Traufwasser an die Grundmauern.



Kapillarwassersperre



Wenn der Sockel Wasser aufsaugt, muss dem das aufsaugen von Wasser abgewöhnt werden. Irgendwelche Sachen ranschmieren wird das Problem nicht lösen. Um Ihnen die Suche nach der richtigen Methode etwas zu erleichtern diesen Link:

http://porofin.de/download/porofin-info2.pdf



Eine Mumiefizierung



der Grundmauern hilft da auch nicht.
Erst sollte die Ursache klar sein um dann eine vernünftige Lösung zu finden.
Sollte es sich um Kondenswasser handlen wird die Wand auch nach einer Behandlung mit Mumiefizierungsmitteln feucht/nass sein.

Grüsse Thomas





Das "Problem" für viele Besitzer von Häusern in solcher Bauweise ist, dass sie aus dem Haus etwas machen wollen, wofür es nicht gebaut worden ist.
Bei dieser Bauweise war es egal bzw. von Vorteil, wenn der Keller feucht war, weil das Wasser nicht bis zum Holz hinauf steigt und der Keller damals als Lagerraum für Lebensmittel lebenswichtig war. Das ist auch daran zu erkennen, dass man sich beim Bau keine Mühe gab, das Wasser vom Fundament fernzuhalten, was auch mit den damaligen Mitteln möglich gewesen wäre.
Für die Instandhaltung reicht es, die Mauer mit Luftkalkmörtel auszufugen, wenn sie noch unbeschädigt ist (keine Setzungen, grossen Risse usw.). Die Tragfähigkeit ist bei dem grossen Querschnitt solcher Mauern auch bei sehr bröseligem Mörtel kein Problem.
Wird der Teil der Mauer, der über der Erde ist, mit Platten oder Verputz abgesperrt, steigt die Feuchtigkeit in der Mauer weiter auf (falls die Mauerfeuchte daher kommt), und es kommt zu Schäden an der untersten Balkenlage.
Kellerbodenbelag Kies oder Platten, nur lüften, wenns draussen kälter ist als drinnen, und die Ansprüche bezüglich Bewohnbarkeit auf den oberen Teil des Gebäudes, der aus Holz ist, beschränken, und gut ist.





Hier stimme ich Herr Paulsen überein, ein ausbessern oder neu verfugen scheint mir anhand der Informationen ausreichend zu sein.

Grüsse Thomas



Interessante Auslegung



Horizontalsperren gab es nicht weil man nasse Keller haben wollte.

Ich denke das Problem war auch nicht so störend erkennbar weil die Häuser seiner Zeit nicht so dicht waren wie heute. Heute wird erfahrungs- und wahllos nur an die Wärmedämmung gedacht und alles dicht gemacht. Den Feuchteausgleich hat man allgemein vernachlässigt so das die Probleme größer und störender sind als früher. Da die Menschen von heute aber anders leben als die von damals müssen auch diese alten Gebäude den heutigen Anforderungen angepasst werden.

Herr Kehle, was Sie erfahrungslos als Mumifizierung bezeichnen, sollten Sie doch mal schlüssig -wenn Sie das überhaupt können- erklären. Das ist nach meiner Auffassung (populistisch) Quatsch.

Und Herr Paulsen, vielleicht hatte man damals nur nicht die Möglichkeiten einen ordentlichen Feuchteschutz herzustellen, sonst hätte man es auch schon damals gemacht.

Grüße





"vielleicht hatte man damals nur nicht die Möglichkeiten einen ordentlichen Feuchteschutz herzustellen, sonst hätte man es auch schon damals gemacht."

man kann z.B. die untersten Lagen der Aussenmauern ohne Mörtel vermauern und den Graben mit gewaschenem grobem Schotter verfüllen, sowie ausserhalb des eigentlichen Fundamentes eine ebenfalls mit Schotter verfüllte Rinne anbringen. Dann ist gegen aufsteigendes und drückendes Waser Ruhe. Gegen Kondenswasser hilft nur ein dicker Kalkputz, und das auch nur bedingt.

Aber warum hätte man das tun sollen? In Holzbauten lebt es sich angenehmer als in Bruchsteinmauern, der Bauaufwand ist viel geringer und den so entstehenden feuchten Keller konnte man gut nutzen.



Interessante Auslegung



Ihre verbalen Seitenhiebe können Sie sich sparen Herr Rupnow, das was Sie hier im Forum anderen bezüglich der Etikette vorwerfen tun Sie gerade selbst.

Ein altes Bauwerk, werden Sie nie ohne gravierenden Eingriff in die Bauphysik auf den heutigen Standart bringen. Das sollte wohl einleuchtend sein.

Da jedes Haus ein anderen LF hat kann man nicht einfach behaupten, dass eine Hydrophobierung in Form von Bohrlochtränkung und dergleichen "das" Allerweltsheilmittel schlecht hin ist.
Pardon aber das ist popul....Qua...

Warum sollte mann jahrhunderte altes Wissen und Techniken einfach über Bord werfen, vorallem wenn es funktioniert???

Grüsse Thomas



Der alte Putz



Du schreibst, der Putz, den Du abgeschlagen hast, war trocken und hart.
Vermutlich also ein Putz mit hohem Zementanteil, der verhindert hat, das die Mauern in den Raum „auslüften“ konnten. Dadurch ist wohl auch dahinter nass und der Putz platzt leicht ab. Daher trügt wahrscheinlich Deine Aussage: „ Die Kellerwände sehen trocken aus…“

Ich würde den Putz komplett runterholen, das grob sandende bei den Fugen abfegen und erstmal so belassen. Dann kannst Du über's Jahr Deinen Keller beobachten, bzgl. Kondenswasser, etc.

Falls Du kein Wohnzimmer da unten einrichten willst, sollte Dich das lockere Fugenmaterial nicht wirklich stören, eine Gefährdung der Statik ist nicht sehr wahrscheinlich.

Ein Kalkputz wäre natürlich auch möglich, aber am besten erst, wenn Ihr die Lüftungsmöglichkeit eingebaut habt und die Wände etwas abtrocknen konnten.



runter mit dem Putz



Die Beiträge sind hilfreich. Ich war besorgt, dass der feuchte, rieselnde Teil hinter dem trockenen Putz auf größere Schäden hinweist (z.B. Statik) - und ich war mir unsicher, ob die Fläche überhaupt neu verputzt werden kann. Auf Grund der Angaben, die hier die Profis gemacht haben, tendiere ich dazu den Putz runterzuholen und nach und nach die Wände neu mit Entfeuchtungsputz zu verputzen. Ich denke, es ist wichtig, dass die Feuchtigkeit raus kann - gerade weil wir hier lange und frostreiche Winter haben. Mir geht es beim Keller nicht um die Raumnutzung, sondern um Bestandsschutz und darum, dass die Feuchtigkeit nicht hoch in Gebälg kommt - ich will halt pilzbildung verhindern und andere Schäden vermeiden. Deshalb hatte auch der Sachverständige empfohlen die Drainage zu legen und für genügend Entlüftung zu sorgen - allerdings hatte der nicht gesehen, wie es hinter dem Putz aussieht. Beim Putz bin ich mir eh nicht sicher wie alt der eigentlich ist. Der Vorbesitzer hatte Styropor an die Kellerwände geklebt - vermutlich um zu Isolieren - aber der Kram kommt nun erstmal runter. Ich hoffe dass ich den Keller bis zum Herbst hinbekomme. Bin am überlegen, ob ich später mal den Putz an der Aussenseite erneure ... da sind auch risse drin und vor allem diese hohlen Geräusche. Der Putz sieht auch neuer aus - mit sicherheit nicht von 1920 (wenn die damals die Aussenwände überhaupt verputzt hatten.)



@alte Baukunst



Der Vorschlag von Margareta ist erstmal richtig, Putz ab.

Doch damit ist die Ursache der Probleme nicht beseitigt. die Dochtwirkung im Mauerwerk geht weiter. Eine Kapillarwassersperre stoppt das Wasser und den Verfall, da ja Kalk durch den Wassertransport ausgespült wird und den Mörtel schwächt(inkl. Kristalldruck durch Salze). Sie kennen das sicher wenn nur noch Sand in der Fuge liegt. Wenn Ihnen die ständige Nachbesserung der Fugen egal ist und die Feuchte steigt nicht in den Wohnraum folgen Sie den Ratschlägen einiger Herren im Forum. Mir wäre das zu nervig.

@Kehle, ich wundere mich echt über Ihre Weisheiten. Sie scheinen nicht nur Ihren kalk verkaufen zu wollen, sondern auch die falschen Denkweisen:

Sollte es sich um Kondenswasser handlen wird die Wand auch nach einer Behandlung mit Mumiefizierungsmitteln feucht/nass sein.

Eine offenporige Hydrophobierung wehrt den Wassertropfen ab, Wasserdampf kann bei offenen Poren weiter eindringen. Bei den von mir verarbeiteten Lotupor und Porofin wird der Porendurchmesser gerade mal um 4 % verengt, bleibt also völlig offen. Mal eine Frage an Sie: welche gleichartige Wand ist Wärmer, die nasse oder die trockene? An welcher Wand kommt es eher zur Kondensation?

Mit besten entspannten Grüßen



@alte Baukunst



"...wird der Porendurchmesser gerade mal um 4 % verengt, bleibt also völlig offen"

Bauphysikalisches Grundprinzip „von groß nach klein“ bezüglich des Kapillartransports,
Kapillarität beruht auf dem Zusammenwirken von Kohäsion, Adhäsion sowie der Schwerkraft. Je poröser ein Stoff ist und je feiner die Poren sind, desto grösser ist die Kapillarität.

Sie verengen nun die Poren gerade mal um 4%, was passiert dann wenn wir das bauphysikalisch Grundprinzip zugrunde legt?

Schade, dass Sie die alte Baukultur nicht kennen, wenn diese Denkweise falsch ist, dann gäbe es wohl keine Baudenkmäler mehr.

Übrigens, das was Sie mit ihrem Produkt propagieren, funktioniert beim Kalk schon seit langer Zeit

Grüsse Thomas




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