Gefach neu ausmauern

01.07.2021 Britta


Hallo zusammen,
das Denkmalschutzamt hat die Erneuerung von angemorschten Balken am Haus genehmigt. Der Zimmermann meinte, das Gefach muss komplett leer gemacht werden, also habe ich es aufgestemmt. Und das war auch gut so, denn innen ist das Ständerwerk bis zur Höhe des ersten Riegels vergammelt.
Der Zimmermann wird es nun austauschen.
ich möchte ein ordentliches Gefach ausmauern. Dazu habe ich noch alte Weichbrandziegel gefunden.
Frage: Welchen Kalkmörtel könnt ihr fürs Ausmauern empfehlen? Mit welchem Putz kann ich das Gefach anschließend verputzen?
Und da es das Bodengefach ist: Womit kann ich am besten nach unten abdichten? Bisher war da nichts und das ist ja definitiv nicht korrekt....
Ich hoffe auf eure Vorschläge.

Nachtrag: ich sehe gerade, dass ein paar erforderliche Infos fehlen.
Die Wand zeigt nach Westen.
Der Viorbesitzer hat eine verputzte Innenmauer gemacht und sie nach außen mit Glaswolle abgedämmt, deren wasserundurchlässige Teerseite zur Fachwerkwand außen zeigt. Das alte Fachwerk außen hat er mit hartgebrannten Hohlziegeln und Zementmörtel vermauert und das Gefach, damit es nicht rauskippt, mit ein paar Nägeln in den Balken befestigt. Oben drauf kam noch ein Putz mit Zementmörtel .... also nachdem, was ich jetzt gelernt hab, alles falsch gemacht. Sieht man auch, das Balkenständerwerk ist unten so morsch, das ich Eichenholzstücke mit der Hand abbrechen konnte. Jetzt möchte ich natürlich alles richtig machen :-)



So



ganz schlau werde ich aus den Angaben nicht.
Heißt dass, das innen vor die Fachwerkwand noch eine Wand davor gemauert wurde?

Das und die Glaswolle würde schonmal ein paar von deinen verfaulenden Balkenproblemen erklären.
Aber nun erstmal zur Frage.

Den Kalkmörtel würde ich selber mischen. Vorausgesetzt es wird von außen noch verputzt, dann einen CL90 (Weißkalkhydrat) 1:3 mit Sand 02 bis0/4 Körnung. Lässt sich vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig verarbeiten, aber geht.
An die Seiten der Gefache Dreikantleisten.
Aussen der Putz sollte aber ein hydraulischer Kalkputz sein (z.B. Hessler HP14).
Eine Abdichtung nach unten findet im Gefach nicht statt. Die Abdichtung (Pappe) sollte unter der Schwelle liegen, wäre also Aufgabe des Zimmermanns.
Noch etwas wichtiges wäre die Wasserableitung an der Schwelle. Hierbei sollte die Schwelle etwas über das Auflager stehen, damit das Wasser sich nicht am Grundpunkt der Schwelle sammelt.
So ungefähr: https://community.fachwerk.de/upload/opti/1920/fantastisches-lehmausfachungen-stampflehmboden-i27309_20211169651.jpg



Gefach neu ausmauern



Die Wand ist wirklich doppelt aufgebaut. Also außen Fachwerkbalken, Gefache war mit Hohlziegel und Zement aufgemauert und mit Zementputz verputzt.
Nach innen war das Ganze mit Glaswolle gedämmt, deren Teerseite nach außen, also zur Fachwerkwand hin zeigt. Dahinter ist eine Innenmauer hochgezogen, die zur Innenseite des Raums verputzt ist.

Das Haus hat keine Schwellen, sondern die Balken und Gefache stehen auf einer Sandsteinleiste, die auf einem Bruchsteinfundament steht. Die Ständer werden gegen Feuchtigkeit mit einem Opferbrettchen geschützt. Das schützt das Holz der Ständer davor, Wasser aus dem Sandstein aufzunehmen.
Deswegen meine Frage, ob ich zwischen Boden und Gefach eine Feuchtigkeitssperre (welche) einbauen soll. Die anderen Gefache haben das in Form einer derben Folie. Ich kann nun nicht einschätzen, ob das eine kluge Idee ist oder genauso unsinnig wie Gefache mit Zementmörtel auszumauern.



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Eine Feuchtigkeitssperre nach unten wäre hier unerlässlich. Hier würde ich Mauersperrbahn nehmen.

Aber, das Hauptproblem dürfte der doppelte Wandaufbau sein. Sollte zwischen der Aussenwand und der inneren Vorsatzschale Hohlräume sein, wird es dort zu einem Kondensatausfall kommen und Feuchtigkeit dringt in die Balken ein, welche dann nicht richtig austrocknen kann. Daher wahrscheinlich auch die faulen Stellen an den Fachwerkbalken.
Da es sich ja auch um die Wetterseite handelt, würde ich über eine Verschalung nachdenken, um die Balken vor Schlagregen zu schützen.
Wieviel von den Gefachen bzw. Holzständern sind denn schon als angeschlagen ausgemacht?



Alle Hölzer prüfen



Auf Grund der Glaswolle-Innendämmung und den daraus resultierenden Gefahren für das Fachwerk sollte vor allem der Zimmerer ALLE Balken des Fachwerks gründlichst prüfen !!!
In solchen Fällen verrottet das Holz meisten von innen nach außen. Erst recht, wenn es außen mit einem guten Anstrich, z. B. (Lein-)Ölfarbe, gestrichen wurde, der die ersten cm noch recht gut "konserviert" hat.

Zum Thema "Feuchtigkeitssperre" (Horizontalsperre):
Eine Horizontalsperre sollte im Sockel, eine Steinreihe unter, nicht direkt unter der Schwelle des Fachwerks liegen. So ist gewährleistet dass, kein Regenwasser auf der Sperre (Folie, Dachpappe, o. ä.) unter den Balken laufen kann. Das Wasser kann von den Steinen auf denen der Balken liegt aufgesaugt werden.
Auf keinen Fall sollte eine Folie in den Gefachen eingelegt werden!
Die Ausmauerung kann man mit Ziegelsteinen machen. Diese sollten am Besten mit Lehmmörtel vermauert werden. Vor allem sollten die Anschlussfugen an die Balken mit Lehmmörtel gefüllt sein, da der Lehm am Besten Feuchtigkeit aus dem Holz ziehen kann.
Als Putz sollte dann reiner Kalkputz (ohne Zementanteil) verwendet werden.