Fußbodensanierung - Dämmung oder nicht?

19.09.2020 Matthias

Fußbodensanierung - Dämmung oder nicht?

Hallo Zusammen,

ich bin Teilerbe eine Fachwerkhauses aus dem 19. Jahrhundert und will die begonnenen Renovierungsarbeiten meines verstorbenen Vaters fortsetzen. Im ersten Schritt möchte ich den Fußboden in 2 Räumen des ersten Stocks erneuern. Das Erdgeschoss ist gemauert, im ersten Stock setzt dann das Fachwerk auf. Der momentane Aufbau ist wie folgt: die Dielen liegen auf den Balken auf bzw. sind teilweise zusätzlich noch mit Brettern unterfüttert. Quer an den Balken ist noch eine Verlattung angebracht, auf der einfache Schalbretter aufliegen und als Unterlage für die sandartige Dämmung dienen. Darunter befindet sich das Gewölbe des Erdgeschosses, welches (nicht vollständig) mit Bauschutt befüllt wurde. Ich möchte nun die Dielen entfernen und durch OSB3 Platten ersetzen. Dieses würde ich nicht direkt auf die Balken legen sondern auf neue, setlich an die Balken geschraubte Profilhölzer (KVH) verlegen. Der neue OSB-Boden soll als ordentliche Grundlage für Laminat mit Trittschalldämmung dienen. Durch den Wegfall der auf den Balken liegenden Unterfütterung würde der Aufbau auch von der Höhe her passen.

Meiner anfänglichen Idee, zwischen die Balken 100mm starke Glaswolle zur Dämmung zu legen, um keine kalten Füße zu bekommen, weicht langsam die Angst mir Kondenswasser und Schimmel unter die OSB-Platten zu holen. Die Räume unter darunter werden nicht beheizt, bei einem so alten Haus ist aber (so denke ich zumindest) die Durchlüftung von unten gewährleistet. Der Boden und die Balken sind mometan wunderbar trocken, lieber verzichte ich auf die Dämmung.

Gibt es Erfahrungen oder einen fachmännischen Rat? Welches Material der Trockenschüttung zur Schalldämmung würde als Alternative dienen können?

Besten Dank im Voraus!



weiteres Foto


weiter Fotos

Hier ein Blick zwischen die Balken



Fußboden



warum die Dielung entfernen ? Aufarbeiten geht nicht ?



Fußboden



Der alte Boden ist schon stark in die Jahre gekommen, hat teilweise gewaltige Spalte und durch die Vorarbeiten teilweise Beschädigungen. Außerdem gefällt mir persönlich eine vollständig geschlossene Fläche besser. Einfach auflegen passt aber durch die Aufbauhöhe nicht. Sicher, einfacher wäre die Überarbeitung. Momentan habe ich noch keine Ausgaben, ich befinde mich in der reinen Planung. Aber bleiben wir doch zunächst beim beschriebenen Fall...



Nachfragen



Die Decke im massiven EG ist also eine Gewölbedecke, woraus besteht das ? Wie werden die Räume im EG genutzt, wenn sie nicht beheizt werden, aber trotzdem eine Schalldämmung erfolgen soll? Handelt es sich um ehemalige Ställe? Ein Foto von außen von der Traufseite wäre gut, um die Auflagesituation der Fußbodenbalken des OG zu sehen.Wenn die Dämmung nach unten diffusionsoffen ist, besteht keine Gefahr für die Balken. Wie kommtst Du drauf, dass ein altes Haus automatisch immer belüftet ist ?



Fußboden



Richtig, darunter befinden sich der ehemalige Stall, der momentan noch die Heizöltanks beherbergt. Diese fallen aber im Zuge der Modernisierung der Heizanlage weg. Unter dem andernen Raum ist der alte Waschkeller. Das Gewölbe ist gemauert. Eine Schalldämmung ist eigentlich nicht notwendig, würdet ihr ganz ohne Füllung arbeiten. Das Bild von der Auflage reiche ich nach, momentan habe ich sie innen noch nicht freigelegt. Ich hätte die Dämmung auf eine zusätzliche Holzlattung gelegt, dürfte also Diffusion zulassen. Ist Glaswolle ein geeigneter Baustoff? Das mit der Durchlüftung war vermutlich eine unzulässige Verallgemeinerung, hier im Speziellen lässt die alte Struktur genügend Spalte etc, so zumindest meine laienhafte Meinung.



Mich interessiert



auch ein Bild von außen, nämlich, ob dort traufseitig Tonröhren unter der Fußschwelle eingebaut sind, die den Zwischenraum zwischen Gewölbe ( aus welchem Material ?) und Fehlboden belüftet haben. Und die zukünftige Nutzung auch, welche Temperaturen sind winters dort zu erwarten?



Tonröhren



sind nicht vorhanden, anbei mal die Hausansicht von der Traufseite. Das Gewölbe ist aus Ziegelstein, den Scheitelpunkt bilden Stahlträger. Von unten (Keller- bzw. Erdgeschoss) ist es verputzt, oben offen bzw. mit Bauschutt bedeckt. Der Stall (Eckzimmer in Ansicht) wird nicht beheizt, ist aber halb in den Hang gebaut. Der hintere Teil wird somit zum Keller. Es gibt nur 2 Kellerfenster zur Giebelseite. Ich denke hier werden 5 °C nicht unterschritten. Er wird auch zukünftig nur Geräteraum bleiben. Das ehemalige Waschhaus wird nicht unter 10°C fallen, die Temperatur wird im Winter durch Heizen gehalten.

Wozu die Angaben, möchtest du die Wärmeübergänge überschlägig berechnen?



Eckzimmer


Eckzimmer

(2 Fenster von rechts) mit Tür zu darunterliegendem Stall.



und noch


und noch

das Waschhaus mit dem darüberliegenden 2. Zimmer (rechts auf dem Bild). Dankbar wäre ich hier auch für Tips für einen geeigneten Außenputz, insbesondere für die kleinen Fächer welche im regelmäßigen Turnus neu Verputz werden müssen.



Fußbodenaufbau



nein, ich will die Wärmeübergänge nicht ausrechnen. Ich wollte das wissen, weil es durchaus üblich war, in das Mauerwerk Röhren einzusetzen, damit der Zwischenraum zwischen Gewölbeoberseite und Dielung im OG belüftet wird, weil ja im Stall winters warme, Feuchte Stallluft herrschte. Das war einerseits eine Geruchsminimierung für die über dem Stall liegenden Gesindekammern bzw. Schlafkammern, andererseits wurden so die Balken geschützt. Der Nachteil ist natürlich, dass der Fußboden in den Kammern kalt war. Und das wäre dann bei Dir ja auch der Fall gewesen.
Ich würde auf das Gewölbe bis zur Unterkante der Balken Perlite, Fibutherm oder eine gebundene Schüttung einbringen und zwischen die Balken flexible Holzfasermatten, alternativ Mineralwolle. Kondensatprobleme sollten bei Deinen Temperaturen nicht auftreten. Die Bretter, die Du als "Unterfütterung" bezeichnet hast, dienen wahrscheinlich dem Höhenausgleich für die Dielen, damit die eben liegen. Jedenfalls solltest Du genau sehen, ob die Höhennivellierung der Fußbodenbalken stimmt, denn sonst wird das mit der OSB-Ebene für den nachfolgenden Aufbau nichts.
Alternativ, und das wäre meine Vorzugsvariante, würde ich die Balken ausgleichen und wieder Dielung einbauen, weil Laminat, mit Verlaub, in so einem Haus eigentlich nichts zu suchen hat und einige gravierende Nachteile hat.
Die schmalen Fächer zwischen den Grundschwellen kannst Du mit normalem Kalkputz verputzen, wichtig ist, dass Du mit einer schmalen Kelle einen Schnitt zwischen Verputz und Balken machst, damit der Putz die Balkenbewegungen nicht mitmachen muss. Es ist ratsam, vor der Putzaktion die Balkeninnenseiten mit Leinöl zu Grundieren und trocknen zu lassen.



Die Bretter



dienen dem Höhenausgleich, dass ist mir bewusst. Welche gravierenden Nachteile sollte man in die Überlegung einbeziehen? Ich verstehe die Einwände, mir stehen hier aber bei der erforderlichen Dielenstärke (>25mm) auch gewisse Grenzen bei der Suche eines Lieferanten und des Budgets.

Danke für die Hinweise für das Verputzen, werde ich umgehend anwenden!



Korrektur



mit Nachteilen meine ich natürlich Nachteile für mich:
- sieht billig aus, wie gewollt und nicht gekonnt und paßt nicht ins Fachwerkhaus
- die harte Oberfläche ist kalt und laut beim Laufen sowie eine haptische Katastrophe, vor allem mit Blick auf Kinder
- der Baustoff ist nicht nachhaltig und bei Entsorgung Sondermüll
- ist nicht überarbeitbar ( abschleifbar) und sieht schnell verbraucht aus ( nach 10-15 Jahren neu machen)
- durch die Kunststoffoberfläche trägt der Fußboden nicht zur Raumklimaregelung ( Feuchte) bei
Ob Du mit OSB und Laminat preislich besser kommst, ist auch noch die Frage.
Als ich mit Bauen anfing, habe ich es auch nicht geglaubt: Wer billig baut, baut zweimal.



Fußboden



Nein, das glaube ich durchaus. Ich sehe es an jeder Stelle im Haus an der mein Großvater aus Mangel an Geld (und leider auch Können) Hand angelegt hat. Die Erneuerung der Dielen stellt im Grunde auch den geringsten Aufwand dar. Um ein weiteres Problem aus dem Sack zu lassen: die Dielenbretter liegen in diesen Zimmern teilweise unter Putz, da die Trennwand zwischen beiden Räumen auf dem Balken ruht, auf dem auch die Bretter liegen. Um sie zu entfernen und vor allen Dingen wieder neu anzuschrauben, müsste ich den Putz entsprechend hoch abhacken. Ich habe Angst die Struktur zu schwächen und hätte die Dielen bündig zur Wand abgesägt und eine neue Auflage durch das seitliche anschrauben von Leisten geschaffen. Ist dies komplett verkehrt?



Das ist sehr häufig



dass die Dielen überputzt sind. Das seitliche Anschrauben von Kanthölzern, um in diesem Fall eine neue Auflage für die Dielen zu haben, ist durchaus üblich. Das Abschlagen des Altputzes im unteren Bereich wird die Struktur nicht schwächen, es sei denn, Du mußt da mit Vorschlaghammer oder dem 10 Kilohammer von Bosch ran und die Dielen sind wirklich nur überputzt und nicht übermauert.