Frage an Historiker




Ich saniere ein altes preussisches Gutshaus, welches laut Denkmalschutzgutachten ein "Barockschloss" sein soll.
Aufgrund eines Zerwürfnisses mit der Denkmalschutzbehörde haben wir uns seinerzeit so zerstritten, dass die mich weitgehend in Ruhe lassen.
Meine eigene Vorstellung ist aber, dieses Schloss so weit es geht originalgetreu herzustellen.
Nun habe ich die ersten Fenster fertiggestellt und diese weiss gestrichen.
Auf der alten vergammelten Fassade blenden die weissen Fenster fast schon in der Sonne.
Nun kam die Diskussion mit den Nachbarn auf, ich solle die Fensterrahmen nur ölen, was auch nicht schlecht aussieht.
Nun würde ich gerne wissen, ob mir jemand sagen kann, ob im Barock, das genaue Baujahr liegt zwischen 1687 und 1706, die Fensterrahmen weiss gestrichen wurden oder ob die nur geölt wurden.
Die Fenster werden aufgrund einer Auflage vom Bauamt keine Kreuzstockfenster sondern Sprossenfenster.



Voruntersuchung



Zu der Vorbereitung solcher Sanierungen gehört eine Untersuchung aller vorhandenen Substanz, zu der auch Farbschnitte angelegt werden.
Hier werden mit Messer oder Skalpell die vorhandenen Farbschichten nacheinander freigelegt, um den Originalzustand zu erkunden.
Bei den Fenstern sollte auch der Glasfalz, bei barocken Fenstern die Glasnut betrachtet werden, da die Fenster auch vor dem Verglasen behandelt wurden.
Hier finden sich mit Sicherheit Spuren der Originaloberflächenbeschichtung.

Holger Heerdegen
Tischlerei und Restaurierungswerkstatt
www.restaurieren-tischlern.de



Farbgebung Barock


Farbgebung Barock

Ich kenne keine barocken Gebäude deren Fenster naturfarbig belassen und nur geölt waren. Strahlendes Weiß halte ich auch für wenig wahrscheinlich, solche Farbwirkung mit Bleiweiß hinzukriegen wird nicht so einfach und teuer gewesen sein. Ich glaube die Farbgebung ging in die Richtung helle Pastelltöne, Elfenbein, helles Grau, helles Grün.



Farbgebung Fenster


Farbgebung Fenster

Hier ein Fenster aus Versailles im Detail:





Hinweise auf den Originalfarbton können Sie auch aus zeitgenössischen Gemälden erhalten. Man hat als Guts- oder Schlossbesitzer sein Haus nämlich gerne malen lasse,
Von solchen Gemälden kenne ich eigentlich auch eher graue und grüne Farben.
Man sollte bei Farbschnitten aber auch bedneken, der Restaurator weiß das, das Fenster bei sehr alten Gebäuden häufig Austauschteile waren. Also: die wievielte Generation an Fenstern ist denn nun bei Ihnen drin? Das macht die denkmalpflegerisch korrekte Entscheidung nämlich nicht leichter.
Ich würd mal was versuchen, die atmosphärischen Verstimmungen beizulegen. Die Denkmalpflege hat nämlich aucheine Menge Sachverstand in ihren Reihen. Und die Meinung des örtlichen Denkmalpflegers muss nicht immer Bestand haben. Für meinen Teil darf ich sagen, dass mir das Landesamt (Rheinland) desöfteren sehr behilflich war.

Grüße vom Niederrhein





Nein, der Denkmalschutz kann mir nicht weiterhelfen, das war ja genau der Grund unseres Streits, nämlich dass man mir Vorschriften aufgrund persönlichen Befindens des Denkmalschützers machen wollte.

Es gibt keine Bilder, es gibt keine Originalfenster, die ältesten noch vorhandenen Fenster sind von 1833. Dies sind Sprossenfenster mit Vorreiber, die ich aufgrund einer Auflage des Bauamtes nicht nachbauen darf, weil ich aufgrund Fluchtwegen im Brandfall nur Fenster ohne Mittelleiste bauen darf.
Demzufolge gibt es keine denkmalrechtliche Untersuchung, mit der man entsprechend auch nicht mit einem Skalpell die Farbschichten abgetragen hat. Hier hat sich nämlich nicht nur der Denkmalschutz mit mir angelegt sondern das Bauamt noch mit dem Denkmalschutz.

Aber danke für den Hinweis mit den Pastelltönen, die für den Barock ja typisch waren.



Fensterfragen



Hallo

evtl kann dir DER hier weiterhelfen:

http://johannes-mosler.de/

der hat allerhand Erfahrungen mit alten Fenstern

Florian Kurz





Mal so nebenbei: Der Brandschutz schreibt nur vor, dass zu jeder Nutzungseinheit auf einer Ebene ein anleiterbares Fenster mit den lichten Maßen 90/120 vorhanden sein muss.

Quelle: Bauordnung .



Barocke Fensterfarbe



Wie oben schon geschrieben: Barockfenster waren niemals weiß, schon garnicht so wie unser heutiges reinweiß. Im Brandenburgischen kenne ich (bisher) auch nur graue Barockfenster, ähnlich dem Versailles-Foto von Georg. Auch helle olivgrüne oder beige Fenster entsprechen eher einem späteren Geschmack, der Schinckel-Zeit.
Bloß geöltes Holz ist nur eine konservierende Schutzschicht vor dem eigentlichen Farbanstrich, aber keine barocke Farbvariante. Wir haben solchen Pflegeanstrich auf frischem Holz nie als eigene Farbgebung interpretiert, auch wenn möglicherweise mehrere Jahre zwischen dem Öl- und dem Farbanstrich vergangen sind.

Als Restaurator habe ich schon weit über 100 alte Häuser nach ihrer Originalfarbgebung untersucht. (Ich weiß: Eigenlob stinkt)
Mein Vorschlag aus allen Erfahrungen für das Schloß von Klaus:
Farbton mittleres Grau NCS S 3500-N oder NCS S 4000-N.
Damit dürfte auch die Denkmalbehörde einverstanden sein.