Fischgrätparkett (Vollholz) auf Blindboden mit feuchtem Untergrund

12.04.2021 altbaumartin


Hallo zusammen,

Danke für viele hilfreiche Threads in den vergangenen Jahren und bei zwei sanierten Altbauten in diesem Forum! Geht Parkett auf vorhandenem Blindboden mit Unterkonstruktion auf erdberührendem Estrich ohne Feuchtesperre?

Ansinnen:
geöltes Parkett auf vorhandenem Blindboden mit 30/50er Unterkonstruktion auf erdberührendem Estrich ohne Feuchtesperre verlegen

Gegebenheiten:
Unser Erdgeschoss im 140 Jahre alten Haus verfügt über Estrich im Erdgeschoss (erdberührend ohne Absperrung, großteils nicht unterkellert). Darauf liegen auf Dachpappstreifen der 1990er nun Dachlatten mit Nut und Feder Brettern als Fußboden. Die N/F Bretter sind auf die Dachlatten (30/50) mit TG geschraubt (Die N/F zeigen tw. eine Schüsselung von 3..4mm Überhöhung an den Rändern ggü Mitte auf - unklar ob von ungeeigneter Nutzung herrührend oder aktuell noch relevant, da so übernommen vom Vorbesitzer.

Am Sockel aller Außen- und Innenwände des gesamten Gebäudes wird mit umlaufender Sockelheizung seit 4 Jahren erfolgreich und nach Sanierung ohne Feuchteschäden die Wand beheizt (Vorlauf auf Bodenniveau, Rücklauf 10..15 cm höher als N/F Bodenniveau, Temperatur Sockeltemperierung VL: 25°C, RL 22..23°C bei einer Leistung von ca. 1500W permanent für ca. 150m²).

Die Außenwände bestehen aus 60cm Vollziegelmauerwerk; einzige Ausnahme bildet 50% der Nordwand (Bruchsteinmauerwerk = Reste des 1880er Teilabbruchs des vorherigen Gebäudes auf welches das aktuelle Gebäude aufgebaut wurde, Das Haus an sich steht auf umlaufendem Streifenfundament, der Rest auf Erdn.)

Der aktuell installierte N/F Fußboden weist an den sockelbeheizten Rändern (nicht an den Putz anschließend) eine gemessene Restfeuchte von ca. 13% im Abstand von 2cm zur Wand auf und unter Teppich ,max. 15 im Holz. 3mm Eindringtiefe. Der erdberührende Estrich eine Restfeuchte von 0,6 / 0,7%. (wurde heute gemessen, nach 3 Jahren repräsentativer Wohnweise)

Konkrete Frage:
Ist es halbwegs dauerhaft (20..50 Jahre) möglich, ein Parkett (Fischgrät, Vollholz (Eiche o.ä.), 20+x mm Stärke) auf diesen Untergrund und bei diesen Bedingungen zu "nageln"? natürlich ebenfalls diffusionsoffen verlegt. (nur geölt, weder lackiert noch geklebt sondern genagelt wie 1910) und wenn "JA" - welche Maßnahmen muss ich treffen? (Blindboden schlitzen, alles rausreißen, Estrich beschichten und Erdfeuchte dann über Zimmerwand dann abtrocknen etc...) - ich bin sehr gespannt!

Danke für Euer Bemühen, ich freue mich auf Eure sachkundige Antwort (und JA - einen Sachverständigen würde ich auch in meinem Haus gerne begrüßen und bezahlen, um Folgekosten zu vermeiden und es gleich beim ersten Mal richtig zu machen ;-)

Danke Beste Grüße,
Martin



Holzboden auf erdberührtem Estrich



Wenn die Dielen oberseitig relativ trocken sind, die Ränder aber hochgeschüsselt sind kannst du davon ausgehen, dass die Dielen unterseitig deutlich feuchter sind als oben.
Ein evt trockener Estrich kann ohne darunterliegender Abdichtung jederzeit viel höher aufleuchten, sobald sich die Bedingungen ändern.
Es KANN auch ohne Abdichtung funktionieren- mir wäre das Risiko zu hoch, da sich auch die raumklimatischen Verhältnisse über einen so langen Zeitraum erheblich ändern können.

CM- Messungen der Estrichfeuchtigkeit ermitteln nur die Feuchtigkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt-
dabei wird immer von darunterliegenden Feuchtigkeitssperren ausgegangen-
zu einem späteren Zeitpunkt nachstoßende Feuchtigkeit aus dem Untergrund mit daraus resultierender viel höherer Estrichfeuchtigkeit kann dabei nie ausgeschlossen werden.

Wenn nicht viel investiert werden soll könnten nur die Dielen abgeschliffen werden.

Bei aufwendigerem Holzboden besser:

- alles bis zum Estrich abreißen,
- Feuchtigkeitssperre aufbringen
- KVH auf Gummigranulatstücken nivellieren
- dazwischen Dämmung einbringen
- Holzboden verlegen

Wenn die Dämmmöglichkeiten sonst nicht genügen würde ich auch den Estrich herausreißen, was i.d.R. auch nicht allzu aufwendig ist.



Feuchtemessung im Estrich



wie wurde gemessen und worauf bezieht sich die Prozentzahl? Die Gleichgewichtsfeuchte von Beton beträgt normalerweise rund 15 Vol%.



Feuchtemessung und Estrichabsperrung



@Andreas Teich: Danke für Deine ausführliche Antwort. Dein Hinweis mit der Erfassung des reinen "IST"-Zusandes mittels der Feuchtemessung zeigt insbesondere bei mangelnder Abdichtung mein Problem der Unberechenbarkeit.

50% der relavanten Zimmer sind nicht unterkellert und damit der mitunter wechselnden Bodenfeuchte ausgeliefert. (die übrigen Zimmer wie Speisekammer etc. habe ich diffusionsoffen ziegelgefliest und natürlich kein Problem)

Der Estrich wurde in den 1990ern eingebracht; ich werde ein größeres Stück ausflexen und versuchen herauszufinden, ob nicht doch abgedichtet wurde - nur wie bekomme ich das wieder dicht, falls abgedichtet war?? - oder war gemeint die Oberfläche des jetzt vorhandenen Estrichs selbst absperren?

@Pope: gemessen wurde mit billigem Feuchtemesser (30€, keine CM Messung) auf widerstandsbasis (2 Spitzen, el.) an insgesamt drei Stellen unter dem aktuellen N/F "Parkett" und im Randbereich.

Gruß Martin



Danke!



fuer eure Anworten!
Estrich kommt raus, danke Andreas dazu!
Martin



Es sollte...



...ein neuer abgesperrter und gedämmter Aufbau kommen, wenn denn der alte nicht zu halten und zu ertüchtigen ist.

Alles andere ist Pfusch.

Grüße

Thomas