Fenster tauschen - Bauschaum... ja/nein? Alternativen?




Hallo zusammen.

Ich bin seit gut 3 Monaten Besitzer eines alten Fachwerkhauses, das ich nach mehrfacher Begutachtung (unter anderem auch mit Herrn Pickartz hier aus dem Forum) gekauft habe. Das Baujahr ist nicht bekannt, die ersten offiziellen Unterlagen sind aus dem Jahr 1882.

Es wurde im Krieg teilzerstört und danach eben teilweise neu errichtet.

Da ich alles nur Stück für Stück renoviere, so wie es Zeit und Geldbeutel eben zulassen - denke ich darüber nach im Zuge der Zimmer für Zimmer Renovierung auch die Fenster auszutauschen. Das Haus ist teilweise ein wenig gedämmt, es gibt einen scheunenausbau aus den 70ern, bei dem auch Dämmwolle etc. verbaut wurde (auf jeden Fall auch in dem Raum in dem ich nun ggfls. die Fenster austauschen möchte.

Aktuell ist es nun so, das in dem betroffenem Raum einfach verglaste Holzfenster verbaut sind. Ich habe nicht vor weitere Dämmung am Haus vorzunehmen - Ich möchte gerne den Charakter erhalten und brauche kein wind- und luftdichtes Haus nach neusten Energieverbrauchsansprüchen... und bin auch nicht der Meinung das das bei einem solchen alten Haus auch nur ansatzweise Sinn macht. Das einzige, was ich eben gerne ändern würde sind die Fenster.

Ich habe hier im Forum schon einiges über Bauschaum zum Fenstereinbau im Fachwerk gelesen. Aber im Endeffekt habe ich das Gefühl, einige machen es so und einige eben nicht. Die Fachleute hier (oder gewerbliche Forumsmitglieder) reden von Fachplanern etc...

Ich komme nicht aus dem Handwerk, sondern bin Schreibtischtäter. Habe aber den Plan nach Möglichkeit "alles" was irgendwie geht selber zu machen, zu lernen, mir anzulesen etc.

Gibt es hier jemanden, der mit Bauschaum seine neuen Fenster eingebaut hat? Was sind am Ende wirklich die Probleme warum man es nicht machen sollte? Was wäre denn die "richtige" Variante um ein neues Fenster abzudichten?

Freue mich über Vorschläge und Erfahrungsberichte von anderen "Fenstertauschern". Vielen Dank!

Josef



Fenstereinbau



"Aktuell ist es nun so, das in dem betroffenem Raum einfach verglaste Holzfenster verbaut sind. Ich habe nicht vor weitere Dämmung am Haus vorzunehmen - Ich möchte gerne den Charakter erhalten und brauche kein wind- und luftdichtes Haus nach neusten Energieverbrauchsansprüchen... und bin auch nicht der Meinung das das bei einem solchen alten Haus auch nur ansatzweise Sinn macht. Das einzige, was ich eben gerne ändern würde sind die Fenster."

Wenn man zuviel Geld hat, kann man dass so machen.
Bei einem Fachwerkhaus ist eine Innendämmung sinnvoll, macht das Haus winddicht und erhöht somit den Wohnkomfort. In Verbindung mit einer Wandheizung schafft man sich ein gemütliches Zuhause.

"Ich habe hier im Forum schon einiges über Bauschaum zum Fenstereinbau im Fachwerk gelesen. Aber im Endeffekt habe ich das Gefühl, einige machen es so und einige eben nicht. Die Fachleute hier (oder gewerbliche Forumsmitglieder) reden von Fachplanern etc... "

Kann man machen, muss man nicht.

Korrekt werden die Spalte neben den Fenstern mit Werg, Hanf o.ä. gestopft. Nimmt man Bauschaum, kann eindringende Feuchtigkeit nicht ausreichend abtrocknen. Irgendwann gammelt das Holz.



Fenster wechseln



Einige Tipps von mir zu den üblichen Fehlern die von Laien gemacht werden:

1. Fenstergröße
Es ist natürlich verlockend sich über den Baumarkt oder aus dem Internet Fenster zu besorgen. Die Frage ist finde ich eine gängige Größe aus dem Systemraster das angeboten wird- für Fenster gibt es genormte Größen. Entweder ein billiges Industriefenster und die Fensteröffnung anpassen oder ein individuell auf Maß gefertigtes Fenster beim Fensterbauer bestellen- das ist die erste Frage. Die Entscheidung fällt meistens für das billigere Baumarktfenster.

2. Fensteröffnung
Da gibt es dann die ersten Probleme. Wie groß das lichte Maß wirklich ist sieht der Laie erst wenn er das eingeputzte alte Fenster herausreist. Bei der Fensterbreite muß die Laibung angepasst werden, in die krummen, zerklüfteten Bestandslaibungen ein Fenster einsetzen zu wollen ist die erste Mängelquelle. Laibungen sollten glatt geputzt, eben und senkrecht sein, die Fuge zum Fensterrahmen 5-10 mm breit sein, nicht schmaler und nicht breiter. Wenn zuwenig Platz ist muß gestemmt werden. Das geht nur soweit wie der Sturz oben noch trägt, also nur ein paar Zentimeter. Wenn die Öffnung zu breit ist dann muß aufgemauert oder geklebt werden. Danch wird die Laibung auf Maß verputzt.
Die Zeit dafür muß eingeplant und eine provisorische Sicherung (Bauzeitfenster) vorbereitet werden.

3. Einsetzen der Fensterbänke:
Hier ist die nächste Fehlerquelle, die Anordnung der inneren und äußeren Fensterbank. Die alte passt nicht mehr oder dichtet nicht mehr- das sollte man vorher wissen und sich passenden Ersatz besorgen. Beim Einbau ist darauf zu achten das es eine durchgehende thermische Trennung (Dämmung) zwischen innen und außen unter dem Fenster gibt. Die Außenfensterbank sollte tiefer als die Innenfensterbank sitzen, die Fuge muß dicht sein. Silikon hilft da nicht viel. Die sicherste Lösung sind Fensterbänke aus Metall, sie werden unter das Fenster in eine Nut des Rahmens eingeschoben und rechts und links im Putz der Laibungen verankert.
Zusätzlich zur Dämmung muß diese Vebindung auch noch luftdicht sein- das geht mit Metallfensterbänken am besten.

4. Fenstermontage
Der nächste Schwachpunkt ist die Montage der Fenster- jetzt kommen wir zum Thema Bauschaum oder besser Dichtung.
Bauschaum ist nicht gleich Bauschaum und schon gar kein Montageschaum. Laien gereifen im Baumarkt ins Regal zu den billigen Tuben, man sollte vorher lesen wozu der Schaum geeignet ist oder besser zum Fachhändler gehen und dort fragen. Montageschaum erfüllt drei Funktionen, er ist Montagehilfe, Abdichtung und Dämmung. Die Befestigung des Fensters erfolgt durch spezielle Schrauben und Dübel in die Laibung. Die Auswahl erfolgt anhand des vorhandenen Mauerwerkes. Die Wind- und Dampfdichtigkeit wird zusätzlich durch ein Dichtband gewährleistet das innen auf die Laibung aufgeklebt wird- auch deshalb die glatten Laibungsflächen.
Man kann die Fenster auch ohne Montageschaum einbauen, dann gibt es aber mehr Probleme beim Fixieren der Fenster während des Verschraubens. Die verbleibende Fuge zur Laibung muß dann mit anderem winddichten Dämmstoff aufgefüllt werden, das wäre Stopfhanf und Kompriband.
Die konsquent luft- und dampfdichte Einbau wird in der Regel bei Laien vernachlässigt.
Außen muß die Fuge zur Laibung noch schlagregensicher verschlossen werden, dazu eignen sich Kompriband und Deckleisten. Auch das sind potentielle Fehlerquellen.

5. Laibungsdämmung
Die inneren Laibungsflächen sind nach Einbau der Innenfensterbank zu dämmen, dazu eigenn sich Laibungsdämmplatten besonders gut. Sie verdecken die Fuge und die aufgeklebte Dichtung. Auch hier wird bei Laien mangelhaft gearbeitet oder die Dämmung einfach weggelassen.

Das sind die wichtigsten potentiellen Fehlerquellen die mir auf die Schnelle einfallen. Sie sehen das die Wahl ob Bauschaum oder nicht eines der kleinsten Probleme ist- wenn überhaupt eins. Oft argumentieren Bauherren das sie an einer luftdichten Einbau nicht interessiert sind sie wollen sowieso nicht dämmen. Das mag so sein. Möglich das sie ihre Haltung in einigen Jahren ändern, also lieber jetzt richtig als später; denn dieser fehlerhafte Einbau wird Schäden nach sich ziehen. Dann war es der böse Bauschaum der die Laibungen schwarz, die Wand unter dem Fenster nass und die Tapete schimmlig werden lässt, nicht Schlamperei und Faulheit des Bauherren.
Zum Schluß noch ein Hinweis: In Deutschland gilt die ENEV als Gesetz und dieses Gesetz wird in den nächsten Jahren den Druck auf energetische Sanierung immer weiter erhöhen. Man sollte sich als Hausbesitzer damit befassen, das heißt wenigstens einmal die wichtigsten Passagen hinsichtlich Bestandsbauten lesen.



Vielen Dank!



Hallo zusammen,

vielen Dank erstmal für die Hinweise.

Das die grundsätzliche Befestigung durch die Verankerungen durch die Leibung geschieht, war mir soweit bewusst. Mir ging es nur um die Abdichtung um das Fenster bzw. die Leibung herum.

Zu den Punkten muss ich sonst sagen:

1. Ich werde die alten Fenster entsprechend messen und (wenn ich Glück habe) in diesem Standardmaß nachbestellen. Ansonsten werde ich maßgefertigte bestellen, das ist mein Plan soweit. Veränderungen an den bestehenden Öffnungen möchte ich nicht vornehmen.

2. Ich hoffe in diesem Punkt nicht viel erneuern zu müssen - aber ja, das sehe ich erst wenn das alte Fenster raus ist. Ich werde versuchen das zeitlich so einkalkulieren zu können ggfl. am "Tauschtag" noch diese Probleme beheben zu können vor dem einsetzen des neuen Fensters.

3. Fensterbänke ist ein guter Punkt. Habe ich mich noch garnicht groß mit befasst. Innen ist eine Holzfensterbank (ein besseres Brett) und außen wenn ich mich recht entsinne aktuell keine Fensterbank - zumindest bei dem größeren der beiden Fenster. Aber gut, das werde ich mir noch anschauen und Ihre ratschläge umsetzen sofern möglich bzw. nötig.

4. Das Thema Stopfhanf/Kompriband vs. Bauschaum werde ich mir nochm,al genauer anschauen oder ggfls. hier noch weitere Tipps abwarten.

5. Guter Hinweis, danke! Werde mich mal nach diesen Leibungsdämmplatten umschauen.

zum Rest: Ja, die EnEv ist mir ein Begriff und ja,m ich habe hier auch einiges gelesen. Es ist aber soweit ich weiss immernoch noch so, das der wirtschaftliche Aufwand immer im Verhältnis zu Machbarkeit und Ergebnis stehen muss. Bei einem Haus wie meinem sehe ich das nicht. Eine komplette Innendämmung fachmännisch durchzuführen, ggfls. noch wie vorgeschlagen mit Montage einer Wandheizung etc steht für mich eben genau nicht im wirtschaftlichen Verhältnis zum Ergebnis oder eventueller Einsparungen.

Und sind wir doch mal ehrlich (zumindest ist das meine Meinung): Wenn ich ein perfekt gedämmtes Haus hätte haben wollen, mit allen Vorzügen der aktuellen Technik - dann hätte ich vieles gemacht, aber sicher kein altes Fachwerkhaus gekauft:-)!

Ich kann mit den Nachteilen leben und habe mir diese vorher wirklich bewusst gemacht. Das Haus ist auch nicht wirklich zu kalt, es verfügt über eine gut funktionierende gaszentralheizung die 1998 eingebaut wurde - mir "reicht" das so. Ich möchte lediglich nur die Fenster tauschen, da ich denke das bringt mich mit verhältnismäßig wenig Aufwand ein wenig vorwärts, und sieht auch einfach schöner aus innen wie außen. Das steht für mich wiederum auch im Verhältnis Kostenaufwand/Ergebnis.



Nicht kleckern...



Mit etwas Suchen kann man durchaus gute 2-fach verglaste Holzfenster finden, die zu einem alten Haus passen und nicht die Welt kosten.

Unser Fensterbauer hat Schaum verwendet, aber unser Haus ist massiv gebaut, nicht Fachwerk.

Preislich ist es m.E. interessanter, die Fenster möglichst in grösseren Gruppen tauschen zu lassen.



Fensteraustausch



Hallo Herr Röger,

die "Forumskollegen" haben im Grunde schon alles relevante zum Thema gesagt. Auch von meiner Seite aus folgende Empfehlung.
- Kein Bauschaum wg. Feuchtespeicherung und Vermorschungsbegünstigung am Fachwerk
- Fugenaustopfung mit Stopfhanf oder Kokosfaser. Hanf ist leichter zu verarbeiten. Gibt´s z.B. bei Zaun-Baustoffe in Euskirchen-Wißkirchen. Kaufen Sie sich gleich einen ganzen Karton.
- Mit dem Fugenstopfen ist es nicht getan. Die Fuge muß, in Anlehnung an die RAL-Richtlinien für Fensterbau abgedichtet werden. Innen dichter als außen und das fachwerkverträglich, schlagregendicht und diffusionsoffen. Zugelassenen Klebe- und Dichtbänder müssen dahingehend auf Eignung für die Verwendung im Fachwerk geprüft werden.
- Bau eines Laibungsrahmens außen mit Anschluß/Abdichtung an die Fenster. Der obere Punkte des vorstehenden Rahmens auf der Fassade ist ein traditioneller Schwachpunkt und muß individuell gelöst werden.
- Dito: die Fensterbänke. die seitliche Aufkantung muß regendicht sein, ohne Silikon- und ähnliche Dichtstoffe. Muß mit dem Laibungsrahmen als Einheit gebaut werden. Dieser Punkt muß sehr sorgfältig gelöst werden, da sonst mit dauerhaften, erst einmal nicht sichtbaren Feuchteschäden zu rechnen ist. Ich habe mehrfach verrottete Brüstungsriegel bei Sanierungen gefunden,an genau dieser Stelle.

Generell: Der Fenstertausch ist Teil einer energetischen Sanierung, die nur als GESAMTKONZEPT schadensfrei funktioniert. Wenn neue Fenster einen höheren U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) haben, als die anderen Bauteile, z.B. die Außenwand, sind bauphysikalische Probleme zu erwarten. Kondensatausfall/Schimmelbildung an kalten Bauteilen.

Vielleicht sollten wir uns mal über ein Sanierungskonzept nach Ihren Vorstellungen unterhalten, um solche Fehler zu vermeiden.

Und: Nicht automatisch Fenster erneuern als erste Tat. Die Gebäudedämmung ist preiswerter und effektiver als ein Fenstertausch, ökonomisch betrachtet.



Fenstertausch



Aus irgendeinem Grund bin ich davon ausgegangen das es Fenster im gemauerten Erdgeschoss betrifft- das kommt davon wenn man zwei Sachen, Telefonieren und Beiträge schreiben- auf einmal macht. Ich bitte dafür um Nachsicht. Bei hölzernen Laibungen und Holzfenstern trifft das was ich zu Mauerwerk und Kunststofffenstern geschrieben habe natürlich nicht zu.



Fenstertausch im FwH



"Ja, die EnEv ist mir ein Begriff und ja,m ich habe hier auch einiges gelesen. Es ist aber soweit ich weiss immernoch noch so, das der wirtschaftliche Aufwand immer im Verhältnis zu Machbarkeit und Ergebnis stehen muss. Bei einem Haus wie meinem sehe ich das nicht. Eine komplette Innendämmung fachmännisch durchzuführen, ggfls. noch wie vorgeschlagen mit Montage einer Wandheizung etc steht für mich eben genau nicht im wirtschaftlichen Verhältnis zum Ergebnis oder eventueller Einsparungen."

Das ist ein Vorurteil.

Abgesehen davon, dass die EnEV von jedem HE zu beachten ist und der Verstoß geahndet werden kann, bringt Energiesparen auch eine Entlastung für den eigenen Geldbeutel.
Z.Z. ist das mit der Ahndung noch nicht so dolle, wird sich aber zukünftig ändern. Die neue EnEV mit verschärften Bedingungen kommt auch bald.

Im übrigen gibt es öffentliche Fördermittel nicht nur für die Sanierung, sondern auch für die Beratung.
Ganz einfach mal auf der BAFA-Seite unter Vor-Ort-Beratung nachlesen.

Und noch eins: Der U-Wert der Fenster muss größer sein als der der Wand.



nun gut!



Hallo Herr Pickartz,

eine gesamtenergetische "Sanierung" ist wie gesagt nicht in meinem Sinne. Nebst dem der obige Asubau in der Scheune (falls Sie sich noch erinnern) bereits gedämmt ist - zwar aus den 70ern, aber im Gegensatz zum Rest des Hauses bereits "gedämmt". Aber vielen Dank für Ihr Angebot und die Hinweise aller Beteiligten.

Ich werde mir das ganze Thema auch noch mal durchlesen in Wolfgang Lenzes "Fachwerkhäuser renovieren und sanieren" Buch, das hatte ich mir mal als sinnvolle Anschaffung für alle noch anstehenden Maßnahmen bestellt.

Wie gesagt, vielen Dank soweit - ich werde mir alles nochmal in Ruhe zu Gemüte führen und dann entscheiden was zu tun ist.



Wohnlichkeit



Heizkosten sind nicht alles. Auch der bessere Wohnkomfort durch eine zeitgemässe Dämmung hat einen Effekt auf die Behaglichkeit und damit den Wert des Hauses.

Gerade bei Fachwerk sollte man wegen den bauphysikalischen Themen nicht übertreiben, also z.B. anständige 2-fach verglaste Fenster reichen usw.



Richtig



Hallo Yogumon,

genau das ist auch meine Meinung!



Fenstererneuerung und Abdichtung



Da selbst Passivhausfenster bei der Normgröße nur einen U-Wert von 0,8 W/m2K haben müssen, sind kleinere Fachwerkhausfenster aufgrund des höheren Rahmenanteils ohnehin deutlich schlechter.
Da kommt man bei der Wand schnell auf ähnliche oder bessere Werte- selbst bei nur moderater Innendämmung, die vielleicht doch irgendwann mal vorgenommen wird.
Bei einer angenommenen Fenster-Lebensdauer von mindestens 50 Jahren läßt sich das nie ausschließen.
Ich habe hier Lärchen-Passivhausfenster eingebaut und mit Hanf abgedichtet.
Gegenüber Schaum kann Hanf auch bei sehr schmalen Fugen verwendet werden, zudem gibt's für Ungeübte keine Verschmutzungsgefahr wie bei Schaum.
Bei nicht absolut sicherer Schlagregenabdichtung hat Hanf ohnehin Vorteile und hält das Holz nicht so lange feucht wie Schaum-
von ökologischen Gründen ganz abgesehen.
Schlagregenabdichtung zB mit Kompribändern ist sinnvoll und ohnehin vorgeschrieben.
Zusätzlich eine äußere Abdeckung der Fugen und darüber eine Tropfkante vorsehen. Bei uns haben Vögel mit Begeisterung den Hanf für den Nestbau verwendet- also zügig abdecken.

Günstige Normfenstergrößen gibt es kaum noch und auch gleiche Fenstergrößen sind nur bei handwerklicher Fertigung günstiger.
Bei industrieller Fertigung beschränkt sich der Mehraufwand auf unterschiedliche Zahlen-Eingaben am PC.

Selbst bei unseren Passivhausfenstern mit Dreifachglas beträgt die Holzbreite bis zum Glas nur 110 mm. Der Blendrahmen könnte noch um gut 10 mm verschmälert werden- das ist also kein Argument gegen bessere Dämmwerte.

Wenn es um Energieeinsparung geht sind Fenster sicher das teuerste Bauteil.
Sinnvoller wäre es, zuerst die Dichtigkeit von alten Fenstern zu erhöhen- dabei das Lüftungsverhalten anpassen.

Meine Fenster haben vor 3 Jahren 300,-€/qm gekostet (sehr günstig, da Firma und Großeinkauf, jedoch massiv Lärche,90mm Rahmentiefe,Glas 0,5, warme Kante etc)

Für diese, bzw jetzt deutlich höhere Kosten kann ich ein Vielfaches an Wandfläche mit einem besseren U-Wert sanieren.
Bessere Dämmung (sofern im Einzelfall überhaupt notwendig) vermindert zudem die Schimmelgefahr und steigert das Wohlbefinden- neben der Senkung der Energiekosten. Außerdem kühlt das Gebäude nicht so stark aus, falls einmal nicht geheizt werden sollte.

Bei nach Süden gerichteten Fenstern mehr auf gute g-Werte achten, nach Norden auf gute U-Werte und diese zuerst tauschen.

Andreas Teich



Danke!



Hallo Herr Teich,

vielen Dank für die ausführlichen Tipps, das werde ich mir mit Sicherheit zu Herzen nehmen! Die Fenster sind auch irgendwann mal erneuert worden, es sind definitiv nicht die ersten. Ich tippe hier auch mal auf die 70er - was nichts daran ändert das es einfach verglaste Holzfenster sind.

Grundsätzlich habe ich gestern auch überlegt ob ich nicht zunächst mal ein Jahr im Haus abwarten und wohnen sollte. Aktuell renoviere ich noch viel, das heisst das Haus ist sowieso nicht in jedem Raum bewohnt und dementsprechend auch nicht in jedem Raum beheizt.

Ich denke also, eventuell behalte ich die Fenster noch ein Jahr, schaue dann wie nötig mir wirklich eine Erneuerung erscheint, wieviel Energiekosten ich hatte um das Haus für mich angenehm warm zu halten und welche Einsparung damit erzielt werden könnte.

Herr Esztermann, mir ist bewusst das irgendwann mal stärker kontrolliert werden soll. Ich bin gespannt auf den Menschen der mir die Wirtschaftlichkeit einer kompletten energetischen Sanierung eines über 130 Jahre alten Fachwerkhofes vorrechnet, so das diese Sinn macht. Und solange ich das nicht muss, sollen mich die Menschen die sich das überlegt haben doch bitte auf meinem Grund und Boden in Frieden leben lassen - denn zu meinem Wohlbefinden brauche ich die als allerletztes;-)

Ich habe allerdings noch eine letzte Frage an die Fachleute hier: Ich bin im Internet bei meiner Recherche zu dem Fensterthema über sogenannte Thermofolien gestossen, die lediglich auf die alten Fenster geklebt werden. Diese sollen angeblich wirken wie eine zweite Scheibe und denn Dämmwert verbessern. Und sind wirklich günstig.

Ist das in irgendeiner Form sinnvoll und bewährt oder lediglich sinnfreie Bauernfängerei?



Thermofolie



Könnte durchaus einen Effekt haben, ist aber m.E. kontraproduktiv. Von der Webseite eines Anbieters:

"Selbstklebende Energiespar Folie für die Innenanwendung auf Einfachglas (Float, ESG). Diese qualitativ hochwertige Energiespar Folie (lichtecht und farbstabil) schirmt 80% der gesamten am Glas auftreffenden Sonnenenenergie ab. Sie bietet gleichzeitig Kälteschutz im Winter, senkt den Energiedurchlaß um 20% und reduziert die Innenraumtemperatur im Sommer. Die Energiespar Folie macht also aus einem Einfach-Isolierglas ohne Metallbedampfung und einem K-Wert von 3.0 W/m²K ein Wärmeschutzisolierglas mit K-Wert von ca. 2.4 W/m²K."

Bei alten Häusern haben wir im allgemeinen bescheidene Fensterflächen, da freut man sich über jedes Photönchen von aussen. Und die Sonne bringt durchaus auch Wärme nach innen.

Deswegen sind wir bei 2-fach verglasten Holzfenstern mit schmalen Rahmen geblieben.
http://www.keller-fensterbau.ch/produkte/sirius-hd



Fensterfolien



Vor einigen Jahren wurden die verstärkt angeboten.
Die werden sicher zur Verbesserung der Glas-Dämmwerte beitragen,
da sie eine mehr oder weniger stehende Luftschicht erzeugen.
Allerdings sind es hauchdünne Folien, die nur bei großer Vorsicht länger halten. Fenster-Putzen geht natürlich auch nicht-
aber im Altbau hat man eh wichtigeres zu tun.

Angesichts geringer Kosten und für einen Übergangszeitraum sicher eine Lösung. Am besten die Temperatur vor der Scheibe ohne und mit Folie messen- dann stellt man ggf einen Unterschied fest.

Eine andere Möglichkeit sind innen vor das Fenster geschraubte Einfachglasscheiben.
Es gibt relativ teure Systeme aus ESG mit Scharnier oder man bastelt sich selber etwas.

Es gibt auch Holzprofilleisten zur Umrüstung alter Fenster mit Isolierglas- das habe ich bei meinem Bau verwendet,
da die 100 Jahre alten Rahmen mit Segmentbogen in gutem Zustand und zu schade zum Wegwerfen waren.

Das Gebäude steht übrigens bei Ihnen in der Nähe-
kommende Woche bin ich dort- falls sie es sich ansehen wollen und Fragen zu ihren Fenstern haben.

Andreas Teich



Energetische Sanierung



Missverstehen Sie mich nicht. Was Sie mit Ihrem Hsus machen interessiert mich so viel wie der berühmte Sack Reis ...
Sie haben den Thread mit einer Frage eröffnet, die ich Ihnen beantwortet habe, desweiteren habe ich auf einige Möglichkeiten hingewiesen.
Der ungefährliche U-Wert einer Fachwerkaußenwand liegt bei 2,25 W/m2K
Eine moderate Dämmung mit 40 mm HWL-Platten bringt eine Verbesserung auf ca. 0,65 W/m2/K.
Aus einem alten FwH kann und will man keinen Neubau machen.
Auch das ist in der EnEv berücksichtigt.
Diese Folien bringen ein wenig, allerdings ist der Transmissionswärmeverlust über die Fenster bei einem FwH nicht wirklich bedeutend, da gibt es andere Baustellen.
Wie Sie schrieben war Will Pickartz schon mal auf Ihrer Baustelle; er ist auch BAFA-Berater und kann Ihnen die Wirtschaftlichkeit vorrechnen.
Diese Vor-Ort-Beratung wird übrigens mit 60% der Kosten (max. 800,00€) gefördert.
Gerade wenn der Geldbeutel schmal ist, sollte man nicht auf gut Glück mit den Arbeiten anfangen, sondern sich von einem Fachmann ein Konzept erarbeiten lassen.
In diesem Sinne viel Erfolg.



Keine Sorge



Herr Esztermann,

ich habe Sie auch nicht missverstanden, ich hoffe Sie haben auch das "die Menschen die sich das überlegt haben" nicht auf sich bezogen, denn so war es nicht gemeint.

Ich bin nur kein Freund von dem Gedanken "vorgeschriebenermaßen" zu versuchen, einem alten Haus, das möglicherweise hunderte Jahre gut und sinnvoll überlebt hat nun komplett auf ein Neubauniveau hochzurüsten. Mag aber auch sein, das ich hier nicht genügend in der Materie bin.

Mich ärgert einfach das der Staat in dem Fall vorschreibt, was Hausbesitzer zu tun und zu lassen haben was energetische Dinge angeht. Wenn jemand mit den alten Standards und den damit verbundenen Kosten leben kann und möchte, sollte man demjenigen auch die Möglichkeit geben und sich als Institution Staat bzw. Gesetzgeber mit dringlicheren Problemen beschäftigen. Das ist aber auch nur meine Meinung, und ich wollte hier auch keine Grundsatzdiskussion lostreten.

In diesem Sinne - sollte keine Spitze gegen Ihre Kommentare bzw. Ratschläge sein!



Pragmatismus



Sehen wir´s mal pragmatisch:

- Herr Röger muss vielleicht einen Winter in einem ungedämmten FWH gewohnt haben um festzustellen, das er das dauerhaft nicht öfter erleben möchte. Oder er stellt fest, das das für Ihn überhaupt kein Problem ist, er diese Herausforderung vielleicht sogar spannend findet und die Errungenschaften des modernen Wohnkomforts vielleicht sogar obsolet für ihn sind.

- Die EnEv ist mittlerweile überzogen; sie verteuert das Bauen ohne einen entsprechenden Mehrwert. Ich drücke z.B. im Dezember noch einen Bauantrag durch, um den verschärften Anforderungen der EnEV in 2016 zu entgehen, die ich nicht mehr nachvollziehen kann.

- Die EnEV ist sinnvoll, da viele alte Gebäude keinen ausreichenden Mindestwärmeschutz haben, der einen einigermaßen zeitgemäßen Wohnkomfort gewährleistet. Niemand möchte in einem ungedämmten FWH auf dem energetischen Standard von 1915 leben. Ich jedenfalls nicht mehr, nach einigen Sylvesteraufenthalten in kalten FW-Kotten der Eifel vor etlichen Dekaden.

Die Gebäudedämmung ist, maßvoll angewendet ausgesprochen nützlich. Sie erhöht den Gebrauchswert der Gebäude und verhindert Bauschäden (Wärmebrücken/Kondensat/Schimmel). Wenn das Konzept und die Details stimmen.

Und nochmals: Sie kann nur als Gesamtkonzept realisiert werden. Partielle Dämmmaßnahmen -und dazu zählt auch der separate Fenstertausch- haben ein erhöhtes bauphysikalisches Schadenspotential.

Fazit: Man saniert ein Gebäude energetisch entweder richtig, mit fachkundiger Beratung oder man unternimmt am besten gar nichts. Bastellösungen sollten unterbleiben; auf jeden Fall dann, wenn man die konstruktiven / baupysikalischen Zusammenhänge nicht absehen kann.



Sanierung



So ist es!



ENEV



Zur EnEv 2016:
In der Allgemeinen Bauzeitung vom Freitag steht ein Artikel von Klemenz Kuhlemann, GF der Deutschen Poroton, Berlin in dem es um die verschärften Anforderungen bei Neubau geht.

Sein Credo:
"Wir befinden uns mit den am grünen Tisch ermittelten Energiebedarfswerten von Gebäuden auf einem kostspieligen Holzweg."

Er zitiert dort aus einer Kennwertstudie des Energiedienstleisters Techem, danach ist der Energieverbrauch in Mehrfamilienhäusern zwischen 2008 und 2014 um magere 1,5% pro Jahr zurückgegangen. Die Analyse basiert auf den Daten von ca. 1,5 Mio Wohnungen, sollte also überwiegend für neugebaute und modernisierte Wohnungen gelten. Will heißen trotz der zunehmenden Zahl von Neubauten mit verschärften ENEV- Standards wirkt sich das kaum auf den Energieverbrauch aus. Die Anwtort der Politik- die Vorgaben noch weiter zu verschärfen- bringt noch weniger Einsparung aber höhere Kosten und damit steigende Mieten die durch die Heizenergieeinsparung nie gedeckt werden.

Dann verweist er auf ein Modellprojekt der Wiesbadener Wohnbaugesellschaft GWW, bei dem 8 Wohnhäuser im Kfw-55, ENEV 2009 und Passivhausstandard untersucht wurden. Ich zitiere:
"Rein rechnerisch müssten die Passivhäuser die größten Energieeinsparungen erzielen und damit die höheren Baukosten rechtfertigen. Tatsächlich stehen nach der ersten Heizperiode kaum messbare Einsparungen bei den Betriebskosten gegenüber. Der Stromverbrauch der beiden Passivhäuser war sogar deutlich höher als der bei den ENEV- Häusern."

Es gibt eben eine Effizienzschwelle zwischen Aufwand und Nutzen den die Forderungen der ENEV schon weit überschritten haben. Es ist sinnlos zu versuchen noch ein paar kWh mehr (rechnerisch!) herausquetschen zu wollen wenn der Aufwand dazu immens ist und in der Praxis nichts dabei herauskommt. Der Benutzer bestimmt hier durch sein Verhalten den Energieverbrauch mehr als noch so dicke Dämmungen oder stromfressende Abluftwärmetauscher.

Der Artikel enthält eine Grafik in der das Verhältnis zwischen Mehrkosten und Energieeinsparung beim Neubau für die einzelnen Stufen der ENEV dargestellt ist.
Beispiel: Das Einsparpotential zwischen EffH 55 und EffH 40 beträgt rechnerisch ca. 4 kWh/m² x a. Die Mehrkosten zwischen EffH 55 und EffH 40 beim Neubau die dafür aufzuwenden sind aufzuwenden sind betragen rechnerisch ca. 118,- €/m². 118,- € für 4 kWh! Auf ein normales EFH mit 120 m² Wohnfläche gerechnet sind das Mehrkosten von ca. 14.000,- € für eine Einsparung von 480,- kWh.
Aus dem Neubau ist halt nichts mehr rauszuquetschen.

Bei bis jetzt noch unsanierten Bestandsbauten ist das etwas anderes- hier lohnt sich eine energetische Sanierung immer; allerdings nicht nach solchen schwachsinnigen Ideen wie EffH 40 oder 55.



wirklich ein...



...interessanter Artikel, vielen Dank!



Energie sparen



Zu dem zitierten Artikel: "Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast."
Ob die untersuchten 1,5 Mio Wohnungen überwiegend neu gebaut resp. saniert wurden, ist eine Behauptung, die ich so nicht akzeptiere.

Nur zur Klarstellung, die Verschärfung der EnEv 2014 ab 01.01.2016 gilt nur für Neubauten. Sie ist also für die Forenteilnehmer nicht relevant.

Der Energieverbrauch eines Hauses ist von vier Faktoren abhängig
1. Standort/ Lage
2. Gebäudehülle
3. Anlagentechnik
4. Nutzerverhalten

Zitat aus dem angeführten Artikel: "Beispiel: Das Einsparpotential zwischen EffH 55 und EffH 40 beträgt rechnerisch ca. 4 kWh/m² x a. Die Mehrkosten zwischen EffH 55 und EffH 40 beim Neubau die dafür aufzuwenden sind aufzuwenden sind betragen rechnerisch ca. 118,- €/m². 118,- € für 4 kWh! Auf ein normales EFH mit 120 m² Wohnfläche gerechnet sind das Mehrkosten von ca. 14.000,- € für eine Einsparung von 480,- kWh."

Zitat von der Poroton-Website: "Auch die Dämmleistung der 36,5 Zentimeter starken Wände passt. Mit einer preiswerten Gas- Brennwertheizung samt solarer Unterstützung der Fußbodenheizung und Warmwasserbereitung wird der Referenzwert der EnEV um rund 30 Prozent unterschritten. Der Jahresprimärenergiebedarf beträgt 65,9 kWh/(m2a)."

Frage: Wie passt das zusammen?
Antwort: Gar nicht.

Bei einem meiner letzten Beratungen habe ich Den Primäenergiebedarf von 85 auf 60 kWh/m2a gesenkt und damit ein KfW-Haus 85 erreicht.
Maßnahmen für ein EFH Bj. 1996.
Dämmung der Außenwände 120 mm WLG 035
Verbesserung der Anlagentechnik
Beseitigung von einigen Schwachstellen.

Eine weitere Verbesserung, z.B. auf ein KfW-Haus 70 hätte einen unverhältnismäßig größeren Aufwand bedeutet.

Mein Fazit: Zunächst eine moderne effiziente Anlagentechnik, dann eine moderate Dämmung senken den Energieverbrauch deutlich und "es rechnet sich."

Im übrigen ist das Nutzerverhalten nicht zu unterschätzen.
Nur ein Beispiel: überall sehe ich Fenster auf Kipp - auch in der kalten Jahreszeit -, die schlechteste aller Lüftungsmöglichkeiten. Und eine Energieschleuder.