Gefache verputzen, bündig mit Fachwerk

22.06.2008



Wir haben in 2008 ein Fachwerk (Eiche, 2002 aufgebaut) als Vorsatz auf ein Porotonmauerwerk ausmauern lassen.
Auf die Lehmsteinausmauerung (claytec) ist 2-lagig Gräfix 61 grob (Kalkputz) aufgebracht worden.
Nun zeigt sich, dass der Putz nicht bündig mit dem (doch sehr regelmäßigen Fachwerk)verputzt wurde, sondern mitunter bis zu 1cm nach innen springt. Der Ausführende bezeichnet unsere Reklamation als reine Diskussion der Geschmacksfrage (der Künstler macht das immer so, und alle sind begeistert!), wir haben jedoch technische Bedenken.
Claytec rät in den Ausführungsanleitungen höchstens 1 mm nach innen zu verspringen.
Hat jemand eine Meinung dazu, kennt jemand einen Sachverständigen, der uns helfen kann?





Sehr geehrter Herr Waitz,
können Sie auch Fotos einstellen? Am besten wäre es, wenn Sie dann noch einen Zollstock anhalten. I.d.R. wird balkenbündig geputzt, ein Rücksprungmaß von 1 mm ist auch noch vertretbar, die Ausführung sollte aber immer in Abstimmung mit den örtlichen Gegebenheiten erfolgen (Balkenverlauf, Verformungen, Bewitterung etc.) Im oberen Anschlußbereich zum Riegel kann der Putz durchaus etwas zurück springen, 1 cm finde ich aber arg viel.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Kibies



Sie haben da eigentlich Recht...



...daß die Verputzoberfläche balken- (holz-)bündig ausgeführt werden sollte.
Sonst entsteht eine zu große Angriffsfläche der Bewitterung an den waagerechten Gefachaufstandsflächen.
Trotzdem ist hier die Frage zu klären, wie denn die Holzkonstruktion (KVH-Holz, sägerauhe Ausführung etc.) von der Zimmerei erbracht wurde.
Handelt es sich um eine KVH-Konstruktion, so sind diese Hölzer gefast. Und da ist eine Balken bündige Verputzlösung nicht möglich!
Ist jedoch eine scharfkantige Holzkonstruktion erbracht worden, ist ein Balken bündiger Verputz notwendig.
Wie stark ist die Kalkputzschicht aufgebracht worden?
Gewebeeintrag ebenfalls?
Welche Lehmsteine (1200 er) und auch Dreikantleisten eingebaut?

Nachfragende Grüße

Udo Mühle



Gefachputz



Sehr geehrter Herr Waitz,
einen Rücksprung von 1 cm würde ich als Kunde auf keinen Fall akzeptieren und den Ausführenden schriftlich auffordern die nicht fachgerechte Arbeit nachzubessern "unter Hinweis auf den Verarbeitungshinweis der Fa.Gräfix".
Sofern Sie noch Geld von diesem Auftrag zurückgehalten haben wird sich der Ausführende hoffentlich um Nachbesserung bemühen. Ansonsten meine Empfehlung: Sachverständiger: Fragen Sie bei Fa.Eiwa, Bisterschied/Pfalz (Lehmbau, u.a. Ausführung und Vertrieb) nach, der Chef, Herr Waldemar Eider ist meines Wissens vereidigter Sachverständiger für diese Thematik und bei ihm sind Sie in guten Händen.
Viel Erfolg



@ Anne Rose Tisje



Haben Sie mit dem von Ihnen benannten Sachverständigen schon einmal zu tun gehabt?

Ich hatte da so bereits meine Erfahrungen über informierende Kundschaft!
Da mußte ich mein Bauchschmerzgefühl ganz schön unterdrücken.

Informierender Gruß

Udo Mühle



Fachwerk



Das Fachwerk des diskutierten Gebäudes ist aus Eiche, es ist kantiges Holz, dass vielleicht mal ein wenig gegeneinander verkantet ist. Aber eigentlich gegenüber altem Fachwerk eben ausgeführt.



Fachwerk II



Zusatz:
Das Fachwerk ist mit 2DF Lehmsteinen ausgefacht Dreikantleisten. Die Lüclke zwischen Lehmstein und Prorton-Inennschale wurde mit Lehmmörtel ausgestopft.
Geputzt wurde an der Wetterseite mit Claytec-Edelstahl-Armierung (Putzdicke 2,5 cm, zweilagig).
An den anderen Seiten sollte eigentlcih nur eine Putzstärke von 1,5 cm vorhanden sein.



Edelstahlarmierung von Claytec?



Wie wurde denn die Edelstahlarmierung im Gefach verankert?
Eine Edelstahlarmierung auf Lehmgefachen ist eher ungewöhnlich und zeigt gewisse Unwissenheiten beim ausführenden "Fachbetrieb" auf.
Die Putzstärken sind so aber erst einmal okay.
Grobputz mit Haaren als untere Putzebene und nachher ein Feinputzüberzug ebenfalls mit Haaranteilen.

Grüße

Udo Mühle



Edelstahl



Schauen Sie mal bei Claytec.de rein.
Verankerung durch Schrauben im Lehm!





Auszug aus Claytec Arbeitsblatt
2.3 Lehmstein - Mauerwerk und Aussenputz:
"Einsatz von Putzträgergewebe
Für eine durchschnittlich bewitterte Fachwerkwand ist der auf handwerkliche Weise hergestellte
Verbund (s.o) zwischen Lehmuntergrund und Kalkputz ausreichend. In anderen
Fällen ist der Schutz der Fachwerkwände durch Verschalungen oder flächigen Verputz
ratsam. Wenn dennoch Flächen als Sichtfachwerk ausgeführt werden sollen, die stark
z.B. durch Witterung, Sonneneinstrahlung, Holzverformungen oder Erschütterungen
stark beansprucht sind, so trägt der Einsatz eines Putzträgergewebes zur Dauerhaftigkeit
bei. Das CLAYTEC Edelstahl-Drahtgitter nimmt die Lasten aus der Putzschale auf und
hält den Putz am Untergrund. Außerdem wirkt es armierend in der Zugzone, wenn quellende
Holzbalken seitlich auf die Kalkputzscheibe drücken und sich diese abzuwölben
droht. Die 16 mm weiten Maschen können auch von sehr grobkörnigen Mörteln gut
durchdrungen werden. Das Gewebe wird in den Kröpfungen mit 15-20 Edelstahl-Fassadenschrauben
pro m2 im Gefach befestigt. Eine Befestigung am Balkenwerk ist nicht
sinnvoll, da schon geringe Holzverformungen zu Schäden führen können. Zwischen Kalk
und Lehm muss unabhängig vom Putzträger ein flächiger Verbund geschaffen werden:
Das Vornässen und Einarbeiten von Kalkmörtelschlämmen (s.o.) muss vor der Montage
des Gewebes ebenso sorgfältig erfolgen wie bei der Arbeit ohne Putzträgergewebe.
Alternativ trägt auch das Einbetten eines für den Außenbereich geeigneten Armierungsgewebes
in beschränktem Maß zur Sicherung bei. Es wird in die erste Putzlage eingearbeitet
und ebenfalls nicht am Balken befestigt."

Grüße,
Bernd Kibies



Produktdatenblatt: 35.100 Edelstahl-Putzträgergewebe



Man lernt eben nicht aus!
Danke für die Info.
Trotzdem würden wir es nicht unbedingt einsetzen, da es andere Alternativen gibt.
Wir versuchen möglichst mit Wetterverschalungen an extrem bewitterten Fassaden zu arbeiten bzw. diese zu favorisieren.
Die Erhaltungsintensität von Sichtfachwerk ist an stark bewitterten Fassaden so wieso sehr kostenintensiv und aufwendig.


Grüße Udo Mühle





@Udo
Sehe ich auch so, Edelstahlgewebe sollte man nur in Ausnahmefällen einsetzen.
Wirklich nur, wenn es anders nicht geht und auf ausdrücklichem Wunsch der Bauherren.
Grüße aus Köln,
Bernd Kibies



"Zurückspringende" Putzflächen....



...haben meiner unmaßgeblichen Meinung nach nichts mit "Geschmackssache" zu tun.
Daraus resultiert meines Erachtens ein mangelhafter konstruktiver Holzschutz, da Wasser auf den vorstehenden Holzflächen stehen bleibt.

Ein paar Millimeter sind da vieleicht nicht das Problem, aber im Zentimeterbereich sollte das nicht passieren.

Ich denke, da sollte durch den ausführenden Betrieb nachgebessert werden.

Grüße
Martin



Gefache verputzen, bündig mit Fachwerk



Moin zusammen
Ich weis zwar nicht wie die Gefache bei Herrn Waitz verspringen, da wir immer noch kein Foto gesehen haben.
Es kann sich aber durch aus um konstruktiven Holzschutz handeln. Bei uns in der Gegend kann man, wenn man genau hinschaut, an alten Fachwerk Bauten diesen Versatz finden. Auch ich habe mir die Mühe gemacht und die Gefache oben ca. 1cm nach innen und unten ca. 1cm nach aussen kippen lassen. So kann theoretisch der Regen oben und unten nicht zwischen Holz und Ausfachung gelangen, da er über die Anschlüsse geleitet wird. Anbei eine Aufnahme von den so gemauerten Gefachen.
Ich glaube zwar nicht das der Maurer von Herrn Waitz so gemauert hat, sonst hätte er nicht von Geschmack gesprochen, aber ,man weis ja nie!!!
Gruß Jürgen



Wenn der...



...Maurer von Herrn Waitz so gemauert hätte, hätte er mit der Geschmackssache sogar Recht.

Da gibt es aber sicherlich regionale Unterschiede, denn aus unserer Gegend ist mir so etwas nicht bekannt.

Nachdenkliche Grüße
Martin



Über Geschmack



läßt sich streiten, aber nicht mit mir,
dafür bin ich zu tolerant.
Kennen kann man sicher nicht alles aber dazulernen immer. Da ich für nachhaltiges bauen bin habe ich diesen alten konstruktiven Holzschutz bei meinem Gebäude verwirklicht.
Einen Kellenschnitt wird man an meinen Gebäuden übrigens vergeblich suchen. Meiner Ansicht nach ist er Substanz schädigend weil Wasser einleitend. Aber was wird nicht alles fürs Auge gemacht.
Vielleicht sollte man sich über Nachhaltigkeit mehr Gedanken machen als über Geschmacksfragen damit uns der Anblick unserer Kulturgüter noch lange erfreut.
Gruß Jürgen