Fachwerk aus unterschiedlichen Holzquellen?

05.02.2018 Boyan



Hallo,

Ich befinde mich am Anfang meiner Recherche, ich interessiere mich grundsätzlich ein Fachwerkhaus zu bauen. Sorry im Voraus für blöde Fragen...

Ich stoße immer wieder auf Anzeigen für kostenlose Holzmaterialien wie zb.: "Gratis Dachstuhl", "Kostenlose Fachwerk-Balken" uä. Das Bild im Anhang ist ein Beispiel einer solchen Anzeige.

Wäre es ratsam, für den sparsamen Bauherren, altes Holzmaterial dieser Art aus unterschiedlichen Quellen zusammenzusammeln, um am Ende damit das Fachwerk zu errichten?

Da das Holz bereits alt ist, wäre das ja theoretisch ein Vorteil?

Welche offensichtlichen Probleme hat diese Strategie und wird sie in der echten Welt angewendet? Wenn ja, warum macht das nicht jeder? Wenn nein, warum nicht?

Gruß+Danke aus Wien



Genau diese Strategie fahre ich!



Ich saniere einen ganzen Bauernhof mit Material aus Zweitverwertung. Ich nehme alles entweder geschenkt oder für ein Trinkgeld oder eine Kiste Bier.
Ob Dachpfannen, Glaspfannen, Holzbalken, Sandsteine, Ziegelsteine, alte Einfachverglasung, Basaltpflaster, Stahltür mit Eckzarge, Holztüren, Gussfenster. Immer die Augen offen halten und nachfragen, bevor es in den Container gepfeffert wird. Für 99% der Leute ist es Müll.
Musst nur Zeit und Geduld haben.



Die Leute hier kennen mich,



da wir man mittlerweile schon gefragt, packst du mit an, ich muss 100m Dachrinne+Fallrohre, grade mal 5 Jahre alt, vom Schweinestal im Außenbereich abbauen, weil ich ärger mit der Unteren Wasserbehörde habe... da fackel ich nicht lange :-)



Fachwerkhaus bauen



In deinem Fall wird es besser sein, ein komplettes Fachwerkhaus zu demontieren und an geeigneter Stelle wieder aufzubauen, sofern du kein sanierbares Fachwerkhaus bei dir findest.
Angebote gibts entweder hier oder bei IG-Bauernhaus oder Denkmalämtern oder Freilichtmuseen, denen Häuser angeboten werden, aber für die nicht verwendbar sind.

Wenn dann Materialien fehlen ist es sicher sinnvoll, vorhandenes zu verwerten.

VOR dem Kauf aber alles zu sammeln was abzugeben ist ist idR viel zu aufwendig-
außer du willst mit Altmaterial dein Geld verdienen oder suchst ein neues Hobby.

Ein Fachwerkhaus an seinem Erbauungsort zu sanieren ist sicher die erste Wahl

Andreas Teich



Antwort an Andreas



Hallo Andreas,

Meine Idee war es das Haus erstmal zu planen, also genau wie viel Holz in welchen Dimensionen benötigt wird und mich danach an die Suche zu machen und mit etwas Glück alles was ich brauche von unterschiedlichen Plätzen zu sammeln.

Also es geht hier um eine Neuerrichtung eines individuell konzipierten Hauses.

Meinst du das ist zu optimistisch?

Ein komplettes Haus zu finden, es abzubauen und bei mir wieder aufbauen + ggf. etwas ändern wäre wohl auch eine Variante!



Meine Scheune ist voll mit alten Fachwerkbalken



doch diese bei irgend einem Bau oder Umbau zu verwenden ist eben nicht so einfach möglich.
Hast du schon einmal 150 Jahre Eichebalken bearbeitet, also gesägt, gebohrt und angepasst? Da sind bestimmt mehr alte Näel drin als zu selbst für deinen Neuaufbau brauchen wirst.
Zuerst würde ich mir überlegen, was soll das Ziel sein, dann mit dem Amt sprechen, was wie gemacht werden kann und darf.
Wenn ich lese Fenster mit Einfachverglasung zu verwenden, denke ich nur der Energieversorger freut sich.

Klaus



Antwort an Klaus



hmm... also an die Fenster habe ich noch gar nicht gedacht.

Mein Ziel ist es einfach Geld zu sparen. Ich gehe davon aus, dass es relativ günstig sein wird, das Holz an die richtige Form anzupassen. Jedenfalls günstiger als neues Holz zu kaufen, das sowieso auch angepasst werden muss.



Einfachverglasung



war etwas, das hier von Methusalem geschrieben wurde.
Ich habe auch schon alte Balken weiter verarbeitet.
Muss ich ja, habe 10 Denkmalhütten.
Doch die Kettensägen jammern mehr, als dass sie dankbar sind.

Ich würde mir ein Bild machen, wohin soll der Weg gehen.
Dann anfangen zu planen und dann sich um die Genemigungen kümmern.

Viel Spass und Erfolg

Klaus



Verglasung / Energie



Also ich will eigentlich kein Denkmal errichten. Ich würde eher "normale", dichte Fenster verwenden. Ansonsten recherchiere ich Lehmmauerwerk. Das ist glaube ich nicht zu exotisch?



Lehmbau



ist immer gut. Habe selbst genug damit gebaut und ausgebessert (Denkmal).
Aber die Kosten und den Aufwand darf man nicht unterschätzen.
Ich würde mit Ziegeln ggF ein Fachwerk ausmauern, aber bitte nicht mit nur 24 cm sondern 36cm, wenn das dünner ist, kannst du das haus nicht sinnvoll bzw bezahlbar beheizen.
Und wenn so wie kommende Nacht, wenn es auf -10 bis -12Grad geht, freust du dich über jeden Zentimeter Mauerstärke.
Hält Kälte draußen und speichter Wärme drinnen.

Klaus



Ziegel



Ziegel sind doch sündhaft teuer im Vergleich zu Lehm oder nicht? Rein von den Materialkosten her.



Lehmbau



ist teurer und aufwendig.
Ich habe 4 t Ziegel für 500€ gekauft.
Das ist eine ziemliche Menge
Da kannst du schnell Masse mauern.
Bei Lehm geht das nicht.
Auch der Innenausbau ist bei Ziegel einfacher.
Du kannst mineralischen Putz auftragen und aussen schauen die Steine auch gut aus, wenn du diese sauber verfugst.

Klaus



Ziegel



Was für Ziegel wären das. Cinder Block?



Das hat man schon früher so gemacht



In unserem Bauernhaus von 1900 sind im EG auch einige Balken verbaut, die Spuren alter Verzapfungen und Verkämmungen aufweisen und der Dreckschicht nach zu urteilen früher mal in einer Tenne verbaut waren. Auch wenn alle Balken noch handgebeilt und in einwandfreiem Zustand sind, sind diese wiederverwerteten Balken qualitativ doch nochmal eine Spur höher: Steinhartes Kernholz mit sehr wenigen Trocknungsrissen.

Sofern die alten Balken von den Maßen her gebrauchbar sind und weder verrottet noch zerfressen sind, spricht nichts dagegen. Vermutlich würden Balken solcher Qualität heute beim Holzhändler nicht gerade günstig sein.

Warum das nicht jeder macht? Nun, vermutlich musst Du mehrere komplette Tennen abbauen, bis Du das benötigte Material für ein Haus zusammen hast, da nicht jeder Balken verwendbar sein wird. Viele würden sich vielleicht darüber hinaus an alten Zapflöchern stören, wenn sie offen sichtbar sind. Neue Balken auf Maß gefertigt zu bestellen, ist nunmal deutlich einfacher und schneller.



Fachwerkhaus-Neubau



Wenn es beim Sammeln alter Hölzer primär darauf ankommt, beim Hausbau Geld zu sparen
wird sich das angesichts des Zeitaufwandes nie lohnen.
Wenn es aus Gründen der äußeren Gestaltung ein Fachwerkhaus sein soll
oder weil historische Bausubstanz bewahrt werden soll kann Kostenersparnis kein Argument sein.

Bei einem Neubau müssen Wärmeschutzvorschriften eingehalten werden,
Statik muß berechnet werden etc, was bei Altholzverwendung wesentlich aufwendiger ist.
Zudem sind alte Fachwerkhölzer und Dachkonstruktionen selten gerade,
was die Bearbeitung erheblich erschwert und verteuert.

Für ein vorhandenes Gebäude nach passendem Holz zu suchen
wäre sicher sinnvoll oder wenn ein Holzschuppen, Anbau oä errichtet werden soll.
Wenn du allerdings keinen LKW oder Kranwagen hast
sind schon die Anmietung, Logistik und Lagerung aufwendig.

Allein die mehrere Jahre verzögerte Fertigstellung verursacht Kosten oder kürzere Nutzungszeiten,
sollten Kreditzinsen steigen wird’s auch dadurch teurer.

Wenn ein günstiges Gebäude errichtet werden soll gibt’s bessere Möglichkeiten
und wer viel Zeit hat sollte sich nach einem sanierungsbedürftigen Haus umsehen, welches nicht unbedingt ein Fachwerkhaus sein muß.

Ansonsten ist’s sinnvoller, ein vorhandenes Fachwerkhaus zu sanieren-
ggf zu demontieren, entsprechend anzupassen und dafür notwendige Reparaturhölzer zu suchen.

Bei Fragen kannst du mich gerne kontaktieren.

Andreas Teich



Wohin soll der Weg führen



ist zunächst die Frage.
Solange nicht bekannt ist, welche Voraussetzungen vorhanden sind.
Was soll herauskommen?
Ist ein Grundstück und wie groß vorhanden?
Wie darf gebaut werden? Was sagt die Baubehörde?
Welcher Architekt erstellt den Paln und reicht diesen ein?
Wie hoch ist das Budget?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, kann man wirklich Tipps und Hinweise geben und weiter planen.

Klaus



ökologisch möglicherweise sinnvoll, ökonomisch wohl eher nicht



Zum Ausbessern kann man das Material gewiss nach gründlicher Überprüfung nehmen, mit einem Neubau sieht es da ganz anders aus.

All die zusammen gesammelten Holzbalken können aus anderen Holzarten bestehen, haben unterschiedliche Querschnitte, besitzen Beschädigungen, Fraßspuren, verfügen über somit nicht nachzuweisende, aber vor allem unterschiedliche Festigkeiten hinsichtlich Biegung, Zug etc. ...

Welcher Statiker soll das rechnen und vor allem dafür gerade stehen? Und wer will das bezahlen?
Der Abbund für Dächer und Holzneubauten findet heute nur noch selten vor Ort statt. Die Geometrie ist im Computer und nicht selten werden die Hölzer vom Abbundwerk direkt auf die Baustelle gefahren. Die Hölzer sind genormt, geprüft und in der Regel ist da jemand, der die Gewährleistung übernimmt. Ich glaube nicht, dass man hier wirklich etwas sparen kann.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer



günstig bauen



Mein Ziel ist es eigentlich so günstig wie möglich zu bauen. Dabei will ich so wenig wie möglich für Material bezahlen und so viel wie möglich selbst machen.

Ich hatte den Eindruck, dass Fachwerk + Lehm eine sehr günstige Variante ist, bei der man extrem viel selbst machen kann.

Welche Bauart sollte ich mir noch oder stattdessen ansehen?



Danke fürs Gepräch



denn so kann man weder ein Haus bauen oder sonst ein Projekt durchführen.
Selten habe ich solch eine unspezifische Beschreibung gehört bzw gelesen.
Es ist nicht bekannt wo und wie und womit ein Haus gebaut werden soll / kann.
Zu Beginn dachte ich da ist jemand der etwas Neues auf die Beine stellen will.
Im Umkreis habe ich schon nachgeschaut wo ein Haus zum Abbauen ist und wie die Baumaterialen zu gewinnen sind.
Man hilft gern, aber jetzt?
Ich behalte meine Balken und Steine.
Und viel Erfolg mit Lehmbau, wenn man keine Ahnung hat dann kann man ja auch nicht negativ überrascht werden, aber ein Haus wird das bestimmt nicht.

Klaus



Billig bauen?



Zuerst muß ein Bauplatz gesucht werden und dann das Gebäude nach den örtlichen Bestimmungen geplant und errichtet werden.

Wenn es geeigneten Lehm vor Ort gibt ist Lehm billig,
sofern er auch selber verarbeitet werden kann.

Strohballenbau ist von den Materialkosten her günstig.
Ansonsten einen alten Bauwagen, Wohnwagen oä als Behausung verwenden- das erspart teure Anschlußkosten.

Und wenn du umsonst Material irgendwo findest-
wie soll das demontiert und zu dir transportiert werden?

Schon mal ein Dach abgedeckt mit ca 70 kg/m2 Dachpfannen?

Und wie einen kompletten Dachstuhl demontieren, wenn man das noch nie gemacht hat bei teilweise Dimensionen,
die nur mit Kran zu bewegen sind?

Das Ganze kann sich ohnehin nur rentieren, wenn man einen schlecht bezahlten oder keinen Job hat-
anderenfalls ist der Verdienstausfall höher als die eingesparten Materialkosten.

Am besten zuerst bei einem Abbruchunternehmen ein Praktikum machen oder bei einem Freilichtmuseum anfragen, wenn die ein
Gebäude translozieren.

Andreas Teich



hmm....



Prinzipiell wird das Grundstück "Bauklasse 2" haben, wobei ich noch nicht in ein Grundstück investiert habe. Ich will mein Geld nicht "versenken", wenn ich genau weiß, dass ich sowieso mindestens 1 Jahr brauche um zu planen. Ich rechne damit 1 Jahr zu recherchieren, bis ich einen guten Plan erstellen kann. Was kann ich denn lesen um wenigstens die Entscheidung zu treffen welche Art von Rohbau für mich relevant ist? Ich dachte ich fange bei Schritt 1 an, aber ich glaube ich brauche erstmal Schritt 0. Mein h-Satz ist 120 EUR, mir ist klar, dass ich den nicht auf der Baustelle schlagen kann, aber das heißt noch lange nicht, dass ich einfach so 200k ausgeben würde um Zeit zu sparen. Die Aufträge wachsen auch in meiner Branche nicht auf den Bäumen.



Titanic



ist eine Zeitung die nicht jedes Thema so ganz ernst nimmt.
So wie hier:
https://www.titanic-magazin.de/newsticker/

Ohne Plan, ohne Ziel, ohne Genehmigung, ohne Fachleute ein Haus mal eben bauen?

Und ich Depp habe gedacht es ist ernst gemeint, dass der TE ein Haus bauen will.
Hatte schon zwei Scheunen klar gemacht, die man abbauen kann und die Ziegel und Balken bekommen kann.
Wieder etwas gelernt

Klaus



Der Klaus...



...ist sehr gerne beleidigt. Muss man nix zu machen...

Zu der Ausgangsfrage: Blöde Fragen gibt es nicht.

Nur lohnt sich die Geschichte mit dem Altholz für einen Neubau garantiert NICHT. Niemand bringt Euch nämlich für'n Appel und 'n Ei die in Menge und Abmaßen passende Ladung schadfreie Balken auf den Hof. Für lau kann man hier und da was abreißen. Seid Ihr dazu in der Lage, einen kompletten Dachstuhl zu demontieren? Das ist was für Fachleute, oder sehr gefährlich. Und dann hat man den Garten voll Hölzer und doch nicht die richtigen Dimensionen. Bis zum Beginn des Baues muss das Holz so gelagert werden, daß es nicht vergammelt. Man wird feststellen, daß Einiges durch Insekten, Pilze, Verwitterung beschädigt wurde. Es besteht das Risiko, sich mit Holzschutzmitteln verseuchte Balken "einzutreten". In der Bearbeitung werdet Ihr feststellen, daß die Altholzzimmerei sehr viel teuerer ist, als normale. Und auch der Weiterbau wird komplizierter: Das Holz ist weder maßhaltig noch formhaltig (gerade). Ihr braucht also vermutlich in summa die 3fache Menge des final verbauten Holzes.

Meine Überzeugung: Für die Sanierung bestehender Bausubstanz kann eine Zweitverwendung geeigneter Balken sinnvoll sein, für einen Neubau nicht. Ihr kriegt da viel überteuertes Feuerholz. Ich beobachte seit einiger Zeit staunend, wie weit ein Freund ausholt, um bei alten Balken 3 Knöppe zu sparen. Rechnet man zeitlichen Aufwand und Verschnitt mit ein (Lebenszeit ist unser kostbarstes Gut), wäre ein Komplettbau aus neuer Eiche mit Sicherheit billiger als aus alter Fichte.

Ihr baut schneller und preiswerter und auch fehlerärmer mit neuem Holz. Das ist von der Qualität her nicht schlechter. Sehr wahrscheinlich sogar besser gewählt und getrocknet. Vorallem aber ermöglicht es eine bessere Bau- und Bauzeitplanung.

"dass Fachwerk + Lehm eine sehr günstige Variante ist, bei der man extrem viel selbst machen kann"

Das ist ein Irrtum. Fachwerk ist eine im Verhältnis zu anderen Bauweisen komplizierte Bautechnik. Der spezialisierte Zimmermann kann da viel selbst machen, und der Lehmbauer. Ich vermute 'mal, beides bist Du nicht.

Grüße

Thomas



Beleidigung?



Herr Böhme, wen oder was habe ich beleidigt?
Nur wenn ich schreibe ich fühle mich an Satire erinnert?
Aber wie immer, ich schreibe immer noch nicht rechts, sondern so wie ich es verstanden habe.
Und seien sie versichert, nach mehr als zwanzig Jahren Fachwerksanierung, die ich bezahlen durfte, habe keine GmbH, also allein haftend, habe ich genug Erfahrung, auch sinnlose und sehr teurere Ansätze in Frage zu stellen.

Bin ich bzw mein name ihr Reizwort? :-)

Klaus



Beleidigt



Er schrieb, Du bist beleidigt. Nicht: Du hast jemanden beleidigt. ;)

Im Übrigen verstehe ich ihn: Boyan mag unwissend sein, nenn ihn meinetwegen naiv, doch das ist kein Grund, auf beleidigt zu tun (wie Herr Böhme es verstanden hat) oder Dich über ihn lustig zu machen (wie ich es verstanden habe). Ein sachliches Infragestellen (wie Du es nennst), ist es jedenfalls nicht.