ENEV und DIN 1946-6

01.11.2007



Liebe Fachwerker!

Ich bin beim rumgoogln über einen Verweis auf eine DIN 1946-6 "gestolpert". Diese soll Mindestluftwechselraten für Gebäude vorgeben. Für eine Stube im Altbau z.B 0,25/h. Bedeutet dies dass im Durchschnitt 1/4 der Luft jede Stunde gewechselt werden muss? Dann fällt mir doch gleich §6 EnEv ein. Der 1. Absatz sagt: das Haus muss luftdicht errichtet werden. Der 2. Absatz sagt: das Haus muss so errichtet werden, dass der Mindestluftwechsel gewährleistet ist.
Na das ist doch mal wieder klasse. Erst mit viel Aufwand ein Haus dicht machen und dann merken dass dies dann doch nicht so gesund ist. Also machen wir doch ein Loch rein und schreiben vor wie viel Luft da durch muss. Kommt das nur mir schwachsinnig vor? Dies führt doch zwangsläufig zu einer geregelten Lüftung und damit zu höheren Betriebskosten. Kann man ein Haus nicht gleich so bauen dass die Lüftung gewährleistet ohne das es dicht ist?

Ich habe mal für meine Raumhöhe gerechnet. Ich müsste pro Tag 18,45 kg Luft/m² wechseln. Macht bei einer Jahresdurchschnittstemp. von ca. 8°C über 22 kWh/m² Wärmeverlust. Also muss doch in jeden Neubau eine Zwangslüftung mit Wärmerückgewinnung rein. Sonst bräuchte man doch kein Haus mit xx kWh/m² mehr zu planen. Die Kosten!!! Ob sich sowas jemals rechnet? Aber zurück zu meinem Altbau. Wenn ich von meinem Primärenergiebedarf Warmwasser und Mindestlüftung abziehe, bin ich bei unter 160 kWh/m²(mit Stromverbrauch). Bei meinem A/Ve müsste ich lt. ENEV ca. 102 kWh/m² schaffen. Wenn ich jetzt noch den schlechten Wirkungsgrad des Kaminofens berücksichtgen würde, sehe für den Energiebedarf noch besser aus. Ich möchte betonen, das ich noch garnichts gedämmt habe und Brennwert habe ich auch nicht. Nun werde ich ich das Gefühl nicht los, dass sich bei diesen Ausgangsdaten Dämmmaßnahmen für mich kaum rechnen werden. Ich rechne so mit 30.000 Euro fürs ganze Haus. Für dieses Geld kann man das Haus 10 Jahre heizen.
Warum habe ich auch ein Haus gekauft! Wäre ich Mieter geblieben, hätte ich mich beim Vermieter über die schlechte Dämmung beschweren können. Als Hausbesitzer bekomme ich doch die Kosten für eine Dämmung nie rein. Oder gibt es da Nachrechnungen mit praktisch ermittelten Werten die soetwas zeigen? Wäre interessant.

Gruß Marko



Rechnen



Hallo

Es gibt durchaus Dämm-Massnahmen, die sich schnell rechnen. Dämmung der obersten Geschossdecke zum Beispiel.

stt

Beispielsrechnung.

Wohnfläche 150 qm
3000 L Heizöl-Verbrauch je Jahr (typischer Altbau)
Annahme: 20% Verlust durch obere Geschossdecke

Dämmung obere Geschossdecke Kosten 600 Euro
Danach 5% Verlust durch obere Geschossdecke (der ursprünglichen 3000 L Öl - um es einfach zu halten).

Ersparnis 0.15*3000 L = 450 L Öl je Jahr.

Kosten etwa 300 Euro (derzeit).

Und, wie lange dauert es, bis sich das amortisiert?

Alles weitere beim Energieberater.



ENEV und DIN 1946



Hallo Marko,
das mit der Luftdichtigkeit mußt Du nicht so eng sehen.
Die Bezeichnung "luftdicht" läßt eine Mindestluftwechselrate zu; ein absolut luftdichtes Haus zu bauen ist praktisch nicht möglich.
Außerdem erfolgt beim Bewohnen des Hauses ohnehin immer ein nutzungsbedingter Luftaustausch durch geöffnte Türen, Fensterlüftung, Heizung u.s.w.
Ich sehe diese Transmissionswärmeverluste durch Luftwechsel auch nicht so tragisch, lieber investiere ich ein paar Euro mehr in Heizenergie bzw. eine moderne Heizungsanlage als in einem Bunker zu leben.
Wenn die Wärmedurchgangsverluste durch m.E. unsinnig dicke Dämmschichten gedrückt werden, bleibt plötzlich auf dem Papier die Transmission der größte Verlustposten. Konseqenz ist dann, die Fenster im Winter zuzuschrauben und eine Zwangslüftung mit Wärmerückgewinnung
einzubauen. Und das alles, um ein paar lächerlich wenige KWh im Vergleich zum Aufwand einzusparen.Diese Einsparung steht ohnehin nur auf dem Papier, da praktisch gesehen weiter die Haustür und die Fenster ab und ab geöffnet werden und ein Haus eben nicht absolut luftdicht ist.
Ich finde, eine sorgfältig geplante, Wärmebrücken vermeidende Hülle, die maßvoll gedämmt ist und aus EINEM massiven, wärmespeicher- und sorptionsfähigem Material besteht in Kombination mit energiesparenden Heizsystemen und guten Fenstern besser und vor allem für das Haus und seine Bewohner gesünder.
Außenwände mit 40 cm und mehr Dämmschichtdicke finde ich pervers, das hat nichts mehr mit Energieeinsparung zu tun.
Bei Neubauten von EFH plädiere ich für Außenwände aus Gassilikat oder Liapor und mineralischem Leichtputz mit Gesamtstärken von 40 cm. Die sind homogen, frei von Lufteinschlüssen wie z.B. bei Lochziegeln, sorptionsfähig und können passive Solarenergie nutzen.
Und noch was: Ab und zu mal frische Luft ins Zimmer zu lassen, ist für mich auch Ausdruck von Lebensqualität und besser als im eigenen Mief bei eingeschalteter Lüftungsanlage zu sitzen.

Viele Grüße
Georg



Lüftung



Hallo !

Da fällt mir doch noch eine zusätzliche Maßnahme zur Luftdichtigkeit ein. Warum die Eingangstür nicht als Luftschleuse bauen ?
Wennn das mal keine Geschäftsidee ist, damit lassen ich doch bestimmt nochmal soundsoviel Prozent sparen.
...auf dem Papier ;-)

Karsten



Mit der obersten Geschoßdecke



ist auch schon erkannt. Wird auch mal irgendwann. Ich weiß auch schon wie. Bringt nur bei 3 Etagen nicht ganz soviel Einsparung wie du rechnest. Ist aber immer noch größte Sparmöglichkeit.

Habe mir da auch schon meine Hitliste der theoretischen Wärmeverluste in meinem Haus durchgerechnet.

1. Oberste Geschoßdecke
2. Kellerdecke
3. Wand zum leerstehenden Nachbarhaus
4. Wände und Türen zum Hausflur(bei Betrachtung der einzelnen Wohnungen)
5. Außenwände
6. Fenster und Türen

1. rechnet sich bei derzeitig Nutzung erst nach ca. 7 Jahren
2. Da ich die unterste Wohnung sowieso komplett neu mache, setze ich mal nur die zusäzlichen Materialkosten an. Damit komme ich nach ca. 3-5 Jahren ins plus.
3. Bleibt so. Innendämmung will ich nicht. Eine trockene Wand ist mir die erhöhten Heizkosten wert.Würde sich auch nur rechnen wenn ich sowieso neu Verputzen müsste.
4.Fällt auch aus. Würde den Flur nur noch mehr auskühlen lassen. Gefahr von Schwitzwasser!
Bei 5. und 6. komme ich nie in die Gewinnzone.

Würde ich alles zusammen nach ENEV-Forderungen machen lassen, wäre dies ein volles Minusgeschäft, selbst wenn die Energiekosten 10%/a steigen und ich 15 Jahre Lebensdauer ansetzte. Dann sind wahrscheinlich die Kinder aus dem Haus und die voll-beheizte Fläche sinkt. Sowas sollte man ja auch berücksichtigen. Aber die ENEV geht ja davon aus das alle Räume immer beheizt sind.
Na mal sehen, was sich die Politk noch einfallen lässt? Ich tippe mal auf eine Art CO2- oder Feinstaub-Abgabe für Fest-Brennstoffe. Damit die bösen Ofenbesitzer nicht ohne erhöhten Steuerbeitrag, wie z.B. beim Erdgas, davonkommen.

Gruß Marko



ENEV und DIN 1946



Hallo Marko,
anscheinend ist es Dir ernst mit der Sache Transmissionswärmeverluste.
Ich habe vor einem Jahr ein Konzept nach dem Prinzip KISS (keep it simple stupid) für einen Latentwärmetauscher in Kombination mit einer Luftwärmepumpe entwickelt.
Das funktioniert auch ohne LWP. Grund war nicht Wärmerückgewinnung im Winter (das ergibt sich quasi nebenbei) sondern Klimatisierung im Sommer. Einziges Problem: Der Platzbedarf, für ein EFH ca. 20 m² Kellerraum, dazu eine Ringdränung.
Am Platz und am Geld ist es dann beim Kunden auch gescheitert, obwohl das ganze Konzept während der Bauphase ohne große Mehrkosten umsetzbar ist. Er war halt schon fertig mit Bauen und der Kellerraum war ihm bzw. seiner Frau wichtiger.
Seitdem schaue ich nach einem Partner, der bereit ist, so etwas bei sich einzubauen.
Falls Du also Interesse hast, einen Keller der beschriebenen Größe für eine Wohnung opfern und mal was Neues ausprobieren willst, kannst Du Dich bei mir mal melden.

Viele Grüße
Georg Böttcher



Ist bei mir ganz genauso



Hallo Marko

bei mir kommt ziemlich genau das Gleiche raus wie bei dir ... Aussendämmung und neue Fenster rechnen sich nicht, Massnahmen 1 und 2 schon. Meine Schlussfolgerung war allerdings, die oberste Geschossdecke sofort zu machen. Was ich auch noch habe, ist die Drempelwand (von aussen). das ist billig, und sollte sich auch schnell rechnen.

Grüsse
stt



Man mag sich über den Sinn und Unsinn der EnEV streiten



aber so werden Neubauten heute nun mal "legal" errichtet. Dann muss man sich halt auch mit den hieraus entstehenden Problemen und ggf. deren Lösung herumschlagen. Ich will das hier gar nicht kontrovers diskutieren (wer das will, der öffne seine Fenster ;) ) nur so ein paar Gedanken:

1) Luftdicht: wie Herr Böttcher schon sagte: gibt es nicht. In Passivhäusern darf diese maximal(!) 0,6 betragen - d.h. selbst da wird niemand "ersticken". Eine von der Lufthygiene geforderte Luftwechselrate ist im normalen Hausbau oft nicht vorhanden, und deshalb sind manche Wohnungen (eben nicht nur neue) muffig - das Problem ist also gar nicht neu ("Pettenkofer").

2) Wer also "luftdicht" baut, hat ein Problem, wenn er im Winter sparsam haushalten will: Die ungeregelte Lüftung über Undichtigkeiten fällt flach, hier muss man tatsächlich wieder nachhelfen: denn den in der DIN genannten Luftwechsel von 0,5/h (Anm.: meist zu viel des Guten, 0,3 oft genügen auch, je nach "Belegungsdichte" kann das aber auch zuwenig sein) stellt nämlich eine gute Luftqualität sicher. Hierzu gehört vornehmlich Luftfeuchte, C02 und ganz zuletzt Sauerstoff, ... . In einem Gebäude mit kontrollierter Lüftung gehört eine muffige Wohnung der Vergangenheit an - ein echter Komfortgewinn, genau so die viel diskutieren Feuchteprobleme durch Kondensation und Hausstaubmilben, auch Allergiker wissen das System zu schätzen. Dies sei kein Lobgesang auf eine allein selig machende Technik. Nebenbei: der Technikeinsatz bei einer "KWL" ist LowTech, ein Kühlschrank ist komplizierter und verbraucht mehr Strom.

3) Transmissionsverluste: die bekommt man überhaupt erst in den Griff, wenn eine gewisse Dichtheit hergestellt werden kann. Sollte man die als Gott geben hinnehmen, oder nicht doch vielleicht überlegen, was man unternehmen könnte?

4)"Ziegel können passive Solarenergie nutzen" - dem widerspreche ich allerdings heftigst. Und bei 35 Grad im Schatten im Sommer würde ich auch gerne darauf verzichten ;)

5) Innendämmung bedeutet nicht zwangsläufig Feuchte Wände, es kann auch das Gegenteil der Fall sein.

6) eine nachträgliche Energiesparmaßnahme ist oft nicht rentierlich, da müsste es noch ärger kommen mit den Energiepreisen. Dies nur unter diesem Aspekt zu sehen, halte ich jedoch nicht für richtig. Man hat doch einen Komfortgewinn, die Wertschöpfung wird in Richtung D/EU verlagert, um mal die ökologischen Folgen zuletzt zu nennen.

7) Als Mieter kann man sich zwar Hausbesitzer über die schlechte Dämmung beschweren, aber machen muss der deswegen auch nichts, der muss nur sicherstellen, das überall mindestens 20 Grad innen erreicht werden ;)



@ Georg



Danke für das Angebot aber mit Sommerhitze habe ich im Reihenhaus mit ungünstiger Ausrichtung keine Sorgen. Im Winter sorgt der Kaminofen für ordentlichen Luftaustausch. Komme da auf ca. 30-35% relative Luftfeuchte.

@ Markus
- was bedeutet Luftdichheit 0,6? 0,6 Luftwechsel am Tag?

-"Ziegel können passive Solarenergie nutzen" habe ich nie behauptet. Was ist eigentlich passive Solarenergie?

-Wand mit Innendämmung kann trockner sein als ohne? Kann ich dazu noch mehr Infos bekommen.

Habe gestern im TV was schönes gesehen. Wenn man in einem Haus die Abzugshaube in der Küche angestellt hat, hat diese dann die Luft über den Schornstein nachgesaugt. Damit qualmte der Ofen die ganze Bude voll. Der Schornsteinfeger sagte, dass das häufiger vorkommt. Sie sollten das Fenster offen wenn die Absaugung an ist. Kommt die LowTech Luftungstechnik eigentlich auch mit diesem Fall klar? Was passiert bei Stromausfall? Reicht die noch vorhandene Lüftung für den Kaminofen aus?
Ich will das System nicht schlecht machen. Wäre aber interessant zu wissen.
Wie viel Luft braucht eigenlich so ein Kaminofen? Habe ich mir auch noch keine Gedanken gemacht! Na mal sehen was Google weiß!

Gruß Marko



@Marko



*Luftwechsel(rate) ist immer pro Stunde
*passive Solarenergie: damit meint Herr Bötcher den lieben Sonnenschein (der im Winter sich leider so rar macht)
*Dämmung=Erhöhung der Wandtemperatur: falls Kondensation durch kalte Wände vermieden wird wird natürlich auch keine Wand feucht



Danke Markus!



max.0,6 Luftwechsel/Stunde im Passivhaus? Mit KWL doch wohl?
Denn wenn es diesen Wert ohne KWL erreichen würde, wäre das doch kein Passivhaus mehr.

Das die Wand bei Außendämmung wärmer ist klar, aber bei Innendämmung wird doch die Wand kalt. Und ich sprach doch von Innendämmung bei der Wand zum unbewohnten Nachbarhaus. Na, da haben wir vielleich an einander vorbei geredet.

Gruß Marko



re:



* 0,6 sind beim Blowerdoortest zu erreichen.
* für die Behaglichkeit und Kondensatausfall ist immer nur die Temperatur an der Innenwandoberfläche des zu beheizenden Raumes erheblich.