Einbau Fenster im Fachwerk mit Stopfhanf

29.01.2014



Wertes Forum,

ich plane derzeit den Einbau neuer Kunststofffenster in mein Fachwerkhaus. Das Haus ist neuerer Bauart (Keller+EG Bj. 1924, OG Aufstockung 1968), d.h. Aspekte bzgl. Erhalt von historischer Bausubstanz sind nicht zu berücksichtigen (auch kein Sichtfachwerk). Mir geht es vorrangig um eine bauphysikalisch richtige Ausführung. Nun die Fragen:

1. Meine erste Frage betrifft die Ausführung der Fuge zwischen Fensteröffnung (Fachwerk) und Fenster. Dort habe ich die Abdichtung mittels Stopfhanf vorgesehen. Ich weiß, dass beim Einbau der Grundsatz "Innen dichter als außen" gilt. Ich tue mich etwas schwer mit dem Einbau eines Kompribandes oder einer verklebten Dichtfolie (innen). Bei beiden Varianten kommen diese Elemente ja direkt mit dem Holz des Fachwerks in Berührung. Nun die konkrete Frage: Ist eine bewährte Variante in Kombination unter Nutzung von Stopfhanf bekannt, bei der keines der genannten Dichtelemente zum Einsatz kommt, jedoch der o.g. Grundsatz eingehalten wird?

2. Weiterhin suche ich nach einer geeigneten Lösung für den äußeren Abschluss der Fuge (diffusionsoffen). Die Fassade soll mit Hanfdämmung und Naturschiefer versehen werden, so dass sich eine äußere Laibung ergibt, die ihrerseits geplant mit Blechelementen verkleidet werden soll. Ist es z.B. sinnvoll die Fuge außerhalb "einfach" mit dem Profilholz zur Aufdopplung (Dämmung) zu überdecken?

3. Da einige Fensteröffnungen recht klein sind, möchte ich nicht übermäßig Platz verschenken und die Fuge zwischen Fenster und Fensteröffnung so klein wie möglich realisieren. Ich weiß von einem üblichen Maß von 1,5cm. Hat jemand Erfahrung bei der Realisierung mit Stopfhanf und kleineren Fugenmaßen (z.B. 1cm)?

4. Aufgrund der geplanten Aussendämmung ergibt sich die Möglichkeit die Fenster, zumindest zum Teil, in die Dämmebene zu integrieren. Ich tendiere momentan zu einem Einbau mit 20mm Überstand in die Dämmebene (Balken um Fenster werden mit Holzprofilen aufgedoppelt), so dass das Fenster (72mm Rahmen) 50mm in der Fachwerkwand und 22 mm in der Dämmebene sitzt. Spricht aus bauphysikalischer Sicht etwas gegen diese Konstruktion?


Für Antworten Danke ich schon an dieser Stelle.



Kompriband



Warum möchtest du denn kein Kompriband verwenden? Ein Streifen Schaumstoff, der hervorragend abdichtet, mit eigentlichen allen Baustoffen funktioniert und kinderleicht verarbeitet werden kann - was spricht denn dagegen?



Kompriband



Hallo Heiko,

Danke für die Antwort. Haben Sie Langzeiterfahrung mit einem Kompriband auf der Innenseite der Fuge?
Wie gesagt, ich tue mich etwas schwer mit der Materialpaarung synthetischer Stoff - Naturstoff (Holz).
Der vorgesehene Hanf für die Fuge ist gut feuchtigkeitsregulierend (Sorption, Desorption). Dies ist das Kompriband meines Wissens nicht.
Ich glaube schon, dass bei vernünftiger Nutzung der Räume des Hauses (Lüftung, Heizung) nichts passiert, jedoch würden mich Alternativen interessieren.



Langzeiterfahrungen



Nein, habe ich leider nicht. Wir haben unsere Fenster von einem befreundeten Tischler einbauen lassen und nach seiner Aussage ist das Kompriband und die Abdeckstreifen noch nicht allzulange "Stand der Technik". Ich kannte nur die Abdichtung mit Bauschaum und war begeistert, wie gut das funktioniert.

Da du keine Holzfenster einbauen möchtest, würde ich den Bereich der Randabdichtung auch nicht zwangsläufig aus ökologischer Sicht betrachten - die Dinger funktionieren gut und darauf kommt es ja letztendlich an.



Fenstereinbau



Wie immer kommt es darauf an, die Einbausituation und die Bauteile im Detail zu kennen. Für den Fenstereinbau gibt es RAL-Richtlinien, die die Fugenbreite in Abhängigkeit vom Rahmenmaterial (Ausdehnung bei Erwärmung/Verformung), der RAhmenfarbe, der Rahmengröße, der Anschlagsart und dem Fugendichtmaterial festlegen.

Reine Kunststofffenster (PVC) und nicht-weiße/dunkelfarbige Fenster brauchen größere Anschlußfugen, weil sie sich bei Erwärmung mehr ausdehnen, als Alu-Kunststoffenster.

Bei Rahmengrößen bis 1,5m (längste Kante) und Innenanschlag sind kleine Fugen (6-8mm) nur bei der Verwendung vin Kompribänder zulässig. Für alle anderen Dicht- und Dämmstoffe sind 10-15mm vorgeschrieben.

Bei der Verwendung von Stopfhanf ist weniger auch unpraktisch, weil man das Material nicht mehr in die Fugen bekommt (Stopfwerkzeug) und es dann zu sehr komprimiert. Dadurch verliert es an Dämmwirkung, was nicht sinn der Sache ist. Also bleiben Sie bei 10mm mindestens, wenn es kein dunkles PVC-Fenster ist und stopfen locker mit Hanf aus. An sich ein gutes und nutzerfreundliches Material. Es dauert nur ziemlich lange, weshalb die Montagebetriebe darauf keinen Wert legen, außer man zahlt zusätzlich.

Gegen Kompribänder spricht nichts. Außer, das bisher niemand weiß, ob sie Ihre Dichtungsfunktion im Laufe der Jahre behalten. Dazu gibt es m. W, noch keine Langzeituntersuchung.

Das Diffusionsdichte Klebeband innen ist Pflicht und sinnvoll, da unkontrollierte Konvektion in den Fugenraum absolut vermieden werden muß (Kondensat- und Schimmelvermeidung). Die dafür zugelassenen Dicht- und Klebebänder -und nur die, keine anderen Produkte- verkleben sehr stark mit dem Holzuntergrund.

Außen können Sie einen Anschlag aus diffusionsoffenen Holzfaserdämmplatten in die Laibung montieren, bevor Sie die FAssadenbekleidung anbringen. Auf weitere Difusionsoffenheit, aber Schlagregendichtigkeit dabei achten und nicht davon ausgehen, das die Handwerker das von sich aus schon richtig machen. Sie müssen die Details haargenau vorgeben oder planen lassen.



Kompriband



Fachwerk und Kunststofffenster passen nicht wirklich zusammen.
Aber das muss jeder für sich entscheiden.
Nur verstehe ich in diesem Zusammenhang das Problem mit dem Kompriband nicht.
In der Klempnertechnik wird Kompriband seit Jahrzehnten eingesetzt.
Mir ist kein Fall bekannt, wo es versagt hätte.
Aber alte spröde Kunststofffenster kenne ich schon.
Wichtig ist es ein Markenprodukt und nicht ein Billigprodukt aus dem Baumarkt zu kaufen.



Fließend



... Warmwasser, Zentralheizung und WC-Spülung passen auch nicht wirklich zu historischer Bausubstanz... So What?

MfG,
Sebastian Hausleithner



Fenstereinbau Stopfhanf, Frage 4



Wertes Forum,

erst einmal Vielen Dank für alle Antworten.

@Heiko
Danke für das Mitteilen Deiner Erfahrungen bzgl. des Einbaus.

@Will Pickartz
Ihre Informationen machen einen sehr fundierten Eindruck. Wenn ich richtig verstanden habe ist folgender Aufbau sinnvoll/möglich:
von innen nach außen:
- zugelassene Dichtfolie,
- Stopfhanf in der Laibung,
- diffusionsoffene aber schlagregensichere Abdeckung außen.
Das Kopriband verstehe ich demnach als die Alternative für den Stopfhanf und nicht für den innen- und/oder außenseitigen Abschluß (innen zur Herstellung der Luftdichtheit). Ich habe auch schon Varianten von "Fachleuten" gesehen, wo ein Kombriband den äußeren Abschluss der Fuge bildete. Ich würde demnach kein Kompriband verwenden.
Als Fugenbreite könnte ich nach Ihren Ausführungen 10mm wählen.
Der Tipp der Aufdopplung des Balkens in Fugenstärke mit Holzfaserdämmplatten zur außenseitigen Abdeckung ist sehr gut. Ich denke ich werde dies so realisieren.
Ich bin mir der Bedenken in Ihrem letzten Satz bewusst. Auch aus diesem Grund habe ich schon relativ viel in Fachbüchern gelesen; nicht zuletzt suche ich deshalb Rat hier im Forum.
Haben Sie eine Antwort auf meine Frage 4 oder Anmerkungen dazu?

@Hans-Paul
Ich weiß, dass in ein "klassisches" Fachwerkhaus keine Kunststofffenster passen. Meines ist jedoch aufgrund der Fassade mit Naturschiefer als solches nicht zu erkennen. Der Wartungsaufwand für Holzfenster erscheint mir zu hoch (habe hier einige Erfahrungen). Bauphysikalisch werden die Fenster vom Fachwerk durch die Fuge (Wahl Naturstoff Hanf) entkoppelt.
Die Fenster sollen natürlich vom Markenhersteller (Schüco oder Veka) stammen.
Bzgl. Ihrer Meinung zum Kompriband: Ich denke das ein Einsatz im Sanitärbereich nicht mit dem beim Fenster vergleichbar ist. Der Bereich des Anschlusses des Fensters an den Baukörper ist m.E. sehr sensibel.


Beste Grüße aus Thüringen



Fensteranschluss



Das Fenster sollte in der Fachwerkebene eingebaut werden. Es macht konstruktiv und bauphysikalisch keinen Sinn, damit nach vorne in die Dämmebene zu wandern. Je geringer die Reststärke der Dämmlage ist desto kühler wird die Rauminnenseite der Laibung.

Im Extremfall bauen Sie z.B. das Fenster außen fassadenbündig ein und erzielen bei Mauerwerk einen Temperaturunterschied von bis zu 5° zum raumseitigen Einbau. Damit kann ggf. der Taupunkt innen auf der Laibung unterschritten werden. Bei einer Holzkonstruktion ist die Gefahr zwar weitaus geringer durch die schlechtere Wärmeleitfähigkeit des Holzes, aber auch hier macht die Verschiebung nach vorne generell keinen Sinn. Außer, Sie möchten innen eine tiefere Laibung für ein Fensterbrett.

Wenn nicht, bedeutet Ihre Konstruktion einen erhöhten Aufwand ohne rechten Nutzen. Bei einem Einbau in der Fachwerkebene können Sie mit der Fassadendämmung auch direkt einen Anschlag für das Fenster bauen.

Bedenken Sie weiterhin, das die Verschieferung hinterlüftet sein muß. Wenn Sie das gedämmte Gefach mit der Holzschalung für die Verschieferung direkt schließen, ohne Hinterlüftung, bauen Sie zwei relativ dampfbremsende Schichten auf die Dämmung. Es kann an der Innenseite der Holzschalung zur KOndensatbildung kommen, die ggf. Ihre Dämmung im Laufe der Zeit auffeuchtet.



nochmal Kompriband



@ Sebastian Hausleitner
WW et al haben eine andere Qualität als die Außenhülle.
Ich habe grundsätzlich nichts gegen moderne Baustoffe – ganz im Gegenteil.
Nur, was mich hier wundert ist: "ich baue Kunststofffenster ein will aber kein Kompriband…"
@ M.Fischer
Ich habe nicht von Sanitär- sondern von Klempnertechnik geschrieben.
Es ist ein weitverbreitetes Missverständnis, daher eine kurze Erklärung:
Sanitär: Gas, Wasser, Sch… (um es etwas flabsig auszudrücken).
Klempner: Bedachungen und Wandbekleidungen aus Metall.
SG
Paul



Fensteranschluss, Winddichtung, Rolläden



Wertes Forum,

Vielen Dank für die weiteren Antworten.


@Will Pickartz
Der Einbau in der Fachwerkebene macht demnach Sinn. Ich würde die außenseitige Dämmung der Laibung dann mit einer Holzfaserdämmplatte so realisieren, dass mit der Platte die Fuge und etwa 5mm des Fensters abgedeckt wird. Frage: Würden Sie bei direktem Anschlag der Dämmplatte an das Fenster dennoch eine zusätzliche Winddichtung auf der Fuge (Stopfhanf) vorsehen? Wenn ja, welche?

Folgendes ist eigentlich ein neues Thema wert:

Mir bereitet noch ein weiteres Problem im Bereich der Fenster Kopfzerbrechen. Ich will Vorbaurollläden mit Gurtbedienung einbauen. Dabei sind 2 Varianten üblich:

1. Der Rollanden (Kasten, Führungen) wird direkt am Fenster montiert. Die Gurtdurchführung wird durch den Fensterrahmen geführt. Vor- und Nachteile aus meiner Sicht:
V.:
- Bei stets leicht undichter Gurtdurchführung, keine Probleme mit Feuchteschäden am Fachwerk, da die Dämmung der Fuge eine thermische Entkopplung zu diesem realisiert.
- Rollanden ist weniger auffällig, da in Laibungsnische untergebracht.
N.:
- Wenig Platz für den Rollandengurt innenseitig.
- Nicht möglich bei Fenstern mit schmalen Rahmen.
- Teilweise Verdeckung des Fensters durch den Rollandenkasten.

2. Der Rollanden (Kasten, Führungen) wird auf die Fassade um das Fenster montiert. Die Gurtdurchführung wird durch die Wand geführt. Vor- und Nachteile aus meiner Sicht:
V.:
- Ausreichend Platz für den Rollandengurt innenseitig.
- keine Verdeckung des Fensters durch den Rollandenkasten.
N.:
- Da sich um das Fenster bei Fachwerk immer ein Balken befindet, muss die Gurtdurchführung durch diesen hindurch (sonst befindet sich die Durchführung zu weit weg vom Fenster).
Die Durchführung ist nie 100% dicht, so dass ich Feuchteschäden durch Taupunktunterschreitung am Balken fürchte.
Ich weiß, dass ein elektrisch betätigter Rollladen mein Problem löst. Ich würde jedoch gern versuchen diese Lösung zu vermeiden.
Welche Bedenken/ Anmerkungen haben Sie zu beiden Lösungen? Ich bin für Variante 1. Der Fensterbauer sieht jedoch Bedenken bzgl. des Platzes für den Gurt.

Zur Fassadendämmung. Dazu habe ich noch eine separate Diskussion geplant. Hier nur so viel:
Ja, mir ist bewusst, dass ich hinterlüften muss. Dazu habe ich vor die Hanfdämmung (80mm) mit einer Winddichtung (stark diffusionsoffen) abzuschließen und dann eine Hinterlüftung auszuführen. Die Stärke dieser Schicht ist m.W. jedoch immer wieder Gegenstand von Disskusionen. Fachlich korrekt sind wohl >40mm.


@Hans-Paul Esztermann
Bitte entschuldigen Sie das Missverständnis. Das was Sie als Klempner bezeichnen ist in meinem Sprachgebrauch ein Spengler. Wie ich nach Recherchen sehe ist dies wohl synonym.

Beste Grüße aus Thüringen



Nachtrag Berufsbezeichnung



@ M.Fischer
das ist kein Problem.
Und für alle, die es interessiert:
Klempner ist die offizielle Bezeichnung für das Handwerk, das Dacheindeckungen und Wandbekleidungen aus Metall herstellt.
Aber im allgemeinen Sprachgebrauch ist er das Synonym für den Gas- und Wasserinstallateur (das hat historische Gründe) oder wie es jetzt heißt den Anlagenmechaniker für …
Landschaftlich sind noch die Bezeichnungen Spengler, Blechner oder Flaschner üblich.
Übrigens hat es vor einigen Jahren eine Initiative (vornehmlich der süddeutschen Berufsverbände gegeben, aus diesem Grund den Spengler als offizielle Berufsbezeichnung einzuführen. Hatte aber keinen Erfolg. Und so müssen wir weiter mit diesem Missverständnis leben.
SG
Hans-Paul Esztermann