Gestaltungsfreiraum !?!

18.02.2005



Hallo !

Den Beitrag "strenge Auflagen wirken abschreckend" hab
ich mit großem Interesse gelesen.
Nun finde ich gerade diesen "alten Stil" denkmalgeschützter Häuser sehr reizvoll.

Trotzdem würde es mich interesieren, inwieweit ich gestalterischen Spielraum habe.
Wenn zum Beispiel dunkler Dielenfussboden nicht mein Fall ist, könnte ich da hellen Teppich drüberlegen ??
Schadet dem Denkmal ja an sich nicht oder ?
Oder ich hänge Gardinen in knallbunten Farben auf. Sieht man ja von außen und verändert sicherlich das Erscheinungsbild des Hauses.

Das sind nur Beispiele, bin komplett neu im Thema und sammle gerade fleißig Informationen und Grundlagen.

Danke für die Hilfe,

Annika





Hallo Annika,
ich denke, so weit geht der Denkmalschutz in einem "normalen" Wohnhaus nicht, daß die Farbe des Teppichs und der Dielen vorgeschrieben sind. Anders wäre es, wenn Sie sich selbst vornähmen: Ich will die Dielen rausreißen, weil ......
Aus der Antike werden Ihre Dielen sicher nicht stammen. Wenn Denkmalpflege 100 % konsequent ist, dann dürften Sie freilich nichts verändern, also auch nicht die Dielen Abschleifen oder nochmals streichen. Aber ich denke mal, Sie dürfen "normal" in Ihrem Haus wohnen und Ihre eigene Wohnung nach Ihren Wünschen und Möglichkeiten unter schonender Belastung der denkmalwerten Bausubstanz nutzen.
Fragen Sie trotzdem einmal bei der zuständigen Unteren Denkmalschutzbehörde nach, denn g r u n d s ä t z l i c h sind Eingriffe in die Denkmalsubstanz genehmigungspflichtig. Ob der spätere Anstrich der Dielen, also der jetzt vorhandene Zustand schon als "Eingriff" zu werten ist und auch zum Denkmal dazugehört, ist abzuklären.
Berichten Sie doch bald einmal über Ihre Erfahrung mit den Behörden. Das interessiert viele.
Freundliche Grüße
D.Fr.



Danke ....



.... hier bekommt man ja recht schnell eine
Antwort. Kenne ich aus anderen Foren gar nicht...

P.S: Ist kein "normales" Wohnhaus. Ist eine
wunderschöne, auf den ersten Blick sehr gut
erhaltene, Wassermühle.





....ändert aber nichts an meinen Worten.
Um so mehr freue ich mich über Eure alte Mühle, die hoffentlich auch noch als solche funktioniert ?
Ein paar Bilder wären schön
:-) D.Fr.





hallo annika,
erstmal muss ich dietmar fröhlich recht geben.
ich denke aber es gibt grundsätzliche gegebenheiten die in ein konzept, welches dann wiederum entscheidungen beieinflusst und "lenkt", einfliessen. die da u.a. wären: denkmalwert (substanz), lage und umgebung, eigene bedürfnisse und die eigene einstellung (geschmack), um einige der faktoren zu nennen. diese einflüsse bestimmen dann, ob und wie z.B.: veränderungen, einfügungen oder ggf. ersatz vorgenommen werden. es gibt kollegen die gehen sehr dogmatisch vor. ob das nun rekonstruktion pur oder auf "teufel komm raus" sichtbar zeitgemässe und neue akzente setzen wollen. ich denke, das muss im rahmen eines gesamtkonzeptes immer wieder neu entschieden werden. sollte z.B.: eine ausgetauschte Schwelle aus neuholz einer vorh. in struktur und farbton angeglichen werden oder nicht? sollen neue Fenster in profil und Querschnitt vorh. unerkennbar gleichen oder als neue (formal passend) erkennbar sein???? wenn man ein denkmal ernst nimmt, sich damit beschäftigt, und u.U. sogar das "wesen" und den "geist" des gebäudes und derer die es erbaut, gepflegt und bewohnt haben, erfasst und versteht, kann man eigentlich nichts falsch machen, auch wenn es nachher veränderungen erfährt die aus unserer zeit und dem anspruch der jetzigen bewohner genügen. wichtig ist das man für sich authentizität bewahrt und diese aber auch dem Gebäude zugesteht.
das zwischendurch mal als anregung
grüsse
christian