Lehmdecke reparieren /festigen

11.03.2013



Hallo,

wir haben ein altes Bruchsteinhaus mit Holzbalkendecken. Dazwischen befinden sich Stakhölzer, die nicht lehmumwickelt sind. Das Lehm-Strohgemisch ist von unten ca. 5-7 cm stark an die Hölzer geputzt. Einige Felder hatten sich schon etwas nach unten abgesetzt, dachte aber sie halten noch. Doch leider tun sie das doch nicht, denn vergangene Woche hat sich mindestens 1qm mit einem gewaltigen Rums von selbst gelöst. Der Rest dieses Feldes scheint genauso instabil.

Nun frage ich mich, ob ich den Rest in irgend einer Weise festigen könnte oder muss ich doch der Sicherheit halber den Lehm in dem gesamten Feld entnehmen und neu anbringen.

In dem Falle wäre meine Frage bringt man ein Stärke von 5-7 cm in einem Auftrag an? Bewirft man die Stakhölzer oder drückt man den Putz nur zwischen die Hölzer? Konsistenz cremig oder teigig? (habe bisher alles an Lehmstrohgemisch aufgehoben)

Da sich einiges von diesem Material angesammelt hat eine weitere Frage: Könnte ich mit diesem Lehm-Strohgemisch auch eine Kalk-Bruchsteinmauer (Innenwand) oder Heraklithplatten vorverputzen? Wäre nämlich schade, wenn das überschüssige Material keine Verwendung finden würde.

Viele Grüße
Monika Fersch





Nein, Lehm bringt man nicht in Stärken von 5 bis 7 ich in einer Lage auf, schon gar nicht an der Decke, da sind schon mindestens zwei Lagen nötig.
Wichtig hier ist, dass die untere Lage immer durchgetrocknet sein muss.
In der Regel wirft man Putze an, wenn man das kann geht’s auch am schnellsten, die Konsistenz ist dann Cremig.
Und ja, man kann das alte Material noch verwenden, meist ist es aber schon so verunreinigt das putzen damit keinen großen Spaß mehr macht, im Prinzip geht’s aber.



Lehmdecke reparieren /festigen



Danke für deine schnelle Antwort. Habe schon mal einen Kübel voll Material eingeweicht. Mal sehen wie die Konsistenz wird. Kann schon sein, dass das ganze mehr Dreck wie Lehm beinhaltet.

Würde man den Erst-Bewurf dann "warzenförmig" belassen oder mit einer Kelle glattziehen?

Grüße
Monika





Ich würde den Lehmputz mit einer Kartätsche halbwegs Plan ziehen und die Oberfläche dann für die nächste Lage aufrauen.
Macht sich einfach besser wenn man, zumindest innerhalb der einzelnen Lagen, mit etwa gleichen Schichtdicken arbeitet.



Lehmdecke reparieren /festigen



Ok – dank dir.

Grüße
Monika



Lehmrisiko



Hallo

da der Lehm nicht chemisch abbindet und eigentlich nur seinen Halt an anderen Materialien durch eine raue Oberfläche (= Verkrallung) erreicht ist es riskant die Hauptlast nur durch ein paar "Verkrallungen" durch die Zwischenräume gewährleisten zu wollen …

evtl ist es sinnvoll an die Staken noch 70stengel. Schilf anzubringen, etwas hasendraht oder Ziegelgewebe … ne dünne "Sauerkrautplatte" um ne bessere Haftung zu bekommen … die Rissgefahr wegen unterschiedlicher Materialübergänge bleibt vorhanden …

Auf einer Baustelle hatte ich erlebt, dass die schönen und guten "Wickel" fein säuberlich von oben entfernt (abgeschnitten worden sind und unten die restliche Hälfte der Wickel mühsam dranhing … somit war die Lehmwickeldecke hinüber … mehrfache Arbeit durch falsches Arbeiten …

Prinzipiell muss alles runter was einfach locker ist … denn das wird mit der Zeit nicht besser …

da können gut gemeinte Kompromisse sich später als "faul" erweisen … und "runterkommen"

Gutes Gelingen

Florian Kurz



Lehmdecke reparieren /festigen



Hallo,

habe innerlich auch schon damit gerechnet, dass ich auf Grund der Instabilität noch einiges der Lehmdecken entfernen muss – leider!

Einige andere Stellen haben wir schon mit Sauerkrautplatten = Heraklithplatten oder?? ausgebessert.

@ Florian: Wenn Du von Hasendraht sprichst ist, meinst Du damit den im Baumarkt erhältlichen oder gibt es da auch speziell verzinkte für den Verputzerbedarf?

Grüße
Monika



Hasendraht …



ist so nicht das Gelbe vom Ei

für kleine Sachen kann mans zum Stabilisieren und "Einkrallen" verwenden …
für grosse Flächen würde ich es nicht nehmen …

entweder Strohlehmwickel neu
oder
70 stängel. Schilf
oder
Ziegelgewebe

kein Draht, kein Streckmetall

Heraklithplatten sind dazu nicht schlecht …

Florian Kurz



@Florian:



Könntest du noch kurz erläutern wieso kein Hasendraht und kein Streckmetall?

neugierigst,

Boris



Reprise



Hallo

Hasendraht ist Hasendraht und kein Putzträger für Bausachen - zum Modellieren und Rumspielen und für kleine Ausbesserungen evtl. tragbar …

Streckmetall kann an den Dünnstellen leicht durchkorrodieren …
mag ich nicht …

und bitte jetzt nicht: "… aber praktisch, billig, und millionenfach eingebracht …"
… dazu das Gleichnis der Fliegen … auf was die millionenfach oft sitzen …

:-)

Florian Kurz



Lehmdecke



Hallo Monika,
ohne genaue Kenntnis warum plötzlich Lehmbrocken von der Decke fliegen hat es erstmal keinen Zweck, sich Gedanken darüber zu machen Lehm wieder an die Decke zu kleben. Vielleicht war es ein untauglicher Sanierungsversuch Ihres Vorgängers.
Vielleicht wurde die Decke in ihrem Aufbau verändert bzw. sind Balkenköpfe defekt. Die daraus resultierenden Schwingungen führen dann zu solchen Bewegungen das Putz sich ablöst. Was es genau ist sollten Sie feststellen und dann die Ursache beseitigen. Dann kann man sich Gedanken über die Art der Reparaturmaßnahmen machen.
Vorab dazu noch ein paar Bemerkungen meinerseits:
1. Ein oder zwei Fotos der Decke wären gut.
2. Ob der Altlehm wieder verwendet werden kann ist fraglich. Feuchten Sie ihn etwas an und riechen Sie mal dran. Das allein kann schon die Entscheidung erleichtern. Lehm hat die Eigenschschaft, flüchtige Verbindungen, auch Schadstoffe, zu binden.
Organische Bestandteile können sich zersetzen.
Ich würde ihn nicht wieder verwenden.

3. Streckmetall ist ein Putzträger,er bildet eine starre Scheibe mit dem Putz aus. Das kann zu Rissen an den Übergängen führen. Ziegeldraht oder Schilfmatten sind als Putzträger weicher und flexibler, sie wirken auch als Putzbewehrung. Gittergewebe (oder Stroh) sind reine Putzbewehrungen. Sie sind dafür da, sich bildende Spannungen auf einer größeren Fläche zu verteilen. So entstehen statt ein paar größerer Risse viele ungefährliche kleine Risse.
4.Was befindet sich über der Decke?

Viele Grüße



defekte Lehmdecke



den Grund der gelockerten bzw. ausgebrochenen Stellen kenne ich und hat mit schadhaften Renovierungsversuchen des Vorgängers, oder der Beschaffenheit der Decken ansich nichts zu tun.

Wir mussten leider einige Bereiche der Lehmdecken und Staken selbst entnehmen, da der Zimmermann Balken anstücken musste (defekte Balkenköpfe wurden ergänzt und alle überprüft). Die daran angrenzenden "intakten" Bereiche haben leider etwas darunter gelitten. An der Stelle, an der sich letztens etwas gelöst hatte, hatte einer unserer Maurer einige schwere Steine drauffallen lassen. Der Ursprungszustand war in allen Bereichen fest.

Der Boden darüber ist im Moment geöffnet, da wir die alte "Schüttung" oder was davon über war, entnommen haben (der Mäuse-, Rattenkot, und -skelettanteil war beinahe überwiegend). Den Boden werden wir demnächst wieder schließen, denn dass der Boden nun einige Zeit offen war, hat den darunterliegenden Lehmdecken auch nicht gerade gut getan.

Der Lehm riecht eigentlich so, wie Stroh und Lehm eben riecht. Erdig, strohig.
Allerdings bin ich mir nicht so sicher ob die Lehmqualität gut genug ist. Man könnte ja eingentlich mal ein Stakholz umwickeln und trocknen lassen und testen?

Ansich muss ich eure Tipps mal durchdenken (ich werde kein Streckmetall nehmen). Schauen wie viel auszubessern ist, und welches Material ich wo zu welchem Preis bekomme.

Insofern danke ich Euch für Eure Tipps. Das einzige was mich noch interessieren würde ist, ob es einen Trick gibt, die Qualität / Festigkeit des Lehmes zu prüfen.





bitte hier mal gucken



Lehmputz Qualität erkennen



Oh, super, danke! Muss ich mir in Ruhe mal durchlesen.





Gibt es einen guten Grund, warum man Deckenputz in so großer Stärke anbringt?

Wenn man Masse oder Dämmung haben will, dann lässt sich das doch einfacher über die Schüttung regeln, als dass man mühsehlig einen so dicken Putz an die Decke bringt.

In den genannten Stärken ist es ja auch kein Spaß mehr, wenn das nicht auf Dauer sicher hält und jemanden trifft.

Was mir noch zu denken gibt.
Wenn die Schüttung herausgenommen wird, dann ändert sich die Last auf den Staken. Dadurch kommt Bewegung in die Staken, was der sicheren Verbindung zwischen Staken und Deckenputz sicher auch nicht zuträglich ist.
Wenn wieder eine neue Schüttung eingebracht wird, ändern sich die Lastverhältnisse erneut.
Dann fallen vielleicht weitere Stücke des Deckenputzes herunter.