Gewicht Lehmwickeldecke

09.09.2013



Was wiegt eigentlich ein m² Lehmwickeldecke, 14cm stark im Durchschnitt?

Mir ist klar, dass das von verschiedenen Faktoren abhängt. Mal rein Interessehalber suche ich einen Richt- oder Mittelwert.

Hintergrund der Frage ist folgender: Ich mußte im Zuge der Renovierung die komplette Decke zur ersten Etage herausnehmen und habe nat. vergessen, mal einen m² seperat auf eine Folie zu schmeißen und zu wiegen um einen Anhaltspunkt zu bekommen.

Die maroden Deckenbalken wurden ausgetauscht, teilweise aufgedoppelt, defekte Anschlüsse Rehm und Schwellbalken soweit wieder hergestellt - fachwerkseitig ist das Haus zumindest wieder in einem Zustand bei dem man von einem Haus sprechen kann. Aktuell baue ich Decken und würde als Schüttung ganz gern wieder Lehm verwenden, allerdings stellt sich hierbei eben die Frage nach dem Gewicht. Zum einen will ich die Decken nicht überlasten, zum anderen aber eben auch nicht zu leicht machen, um den Schallschutz zu gewährleisten.

Zur Auswahl stehen Lehmtrockenschüttung mit 1t/0,73m³ oder ~550kg/0,73m³ (mit Hanfschäben) oder eben die Leichtlehmstampfschüttung mit Blähglas mit 1t/0,9m³. Ausgehend von einer Schüttungshöhe von noch max. 7cm tendiere ich zur schweren Schüttung und dafür könnte ich theoretisch den alten Lehm zerkleinert recyclen...

Sprecht mal, ich habe bei der Suche bisher nix gefunden.

Liebe Grüße
Chrischan



Eigengewicht Decken



Es gibt in der Literatur bzw. den alten Bauvorschriften Angaben zum Berechnungsgewicht der gesamten Decke (in KN/m²):
Berlin 1890
halber Windelboden mit Lehm 2,03
1919 Preußen
halber Windelboden mit 11 cm Lehmschlag 2,20
1919 Preußen
Einzellasten in den Deckenfeldern für halben Windelboden:
Stakhölzer 3 cm dick 0,13
Latten 4/4 cm 0,03
Lehmschlag mit Stroh 12 cm dick 1,92

Heute wird bei einer Einschubdecke mit einer Eigenlast von 1,5 kN/m² gerechnet.
Wieviel Gewicht in die Decke kommen kann hängt letztlich von der Tragfähigkeit ab, also Dimension, Abstand und Spannweite der Deckenbalken.
Ob man dafür unbedingt wieder Lehm nehmen muß sei mal dahingestellt.



Vielen Dank...



...ich fange mal an mit rechnen.

Was wenn nicht wieder Lehm?

Vielen Dank
Chrischan



Decke



Eine Lehmwickeldecke kann man auch als Einschubdecke wieder aufbauen. Lose oder gebundene Schüttungen aus Sand, Liapor, Lehm- Hobelspanmischungen, Perlite usw. sind möglich. Gewicht kann man z.B. mit Betongehwegplatten einbringen.
Man kann aus einer Balkenlage eine Plattenbalkendecke nachrüsten.
Schwalbenschwanzplatten mit Estrich oder Gußasphaltestrich sind machbar.
Was die beste Lösung ist hängt immer vom jeweiligen Verwendungszweck und den konkreten Gegebenheiten ab.

Viele Grüße



Warum



nicht Lehm? Meiner Erfahrung nach sind trockene Lehmschüttungen - zumindest mit dem Zeug was in Wien um die Jahrhundertwende üblich war - angenehm zu verarbeiten, weil sich das Material verblüffend gut verdichten und fest packen lässt, viel besser als das mit modernen Schüttungen wie Liaporfit geht.



tatsächliches Gewicht - Überraschung



Ich habe mir nun mal um einen belastbaren Wert zu bekommen, einen Quadratmeter Lehmwickeldecke vorgenommen und verwogen.

Zu meiner Überraschung komme ich dort ohne die Wickelhölzer (10 Stk. im Durchmesser von bis, was eben gerade da war) auf 150kg - 160kg! (verwogen 163kg, abzüglich 19 12l-Baueimern)

Balkenstärke 14x14, Abstand zw. den Balken 95cm. Im Gewicht enthalten sind ca. 2cm durchgehender Gips als Fußbodenbelag, das wären zum reinen Deckengewicht nochmal rund 30kg weniger ohne Gips.

Ein interessanter Wert finde ich, man(n) hat ja sonst nix zu tun ;-)



Deckengewicht



Und,
was soll daran überraschend sein?
Die Erkenntnis das meine angegebenen Werte stimmen wohl nicht.



Die Überraschung...



...ist, dass das tatsächliche Gewicht dann doch deutlich abweicht von der alten Literatur.

Wobei fraglich ist, wann anno dazumal die Deckengewichte ermittelt wurden (Lehm feucht oder trocken).



Deckengewicht



Welcher
Wert weicht denn so deutlich ab?



Der letzte



Lehmschlag mit Stroh 12cm dick 1,92 - sind 30kg/m² mehr - ist für meine Begriffe schon recht deutlich?



Deckenlast



30 kg/ m² mehr ist für die Tragfähigkeit gerechnet ein Fliegenschiss, denn es gibt eine statistische Streuung.
Die Werte die ich Ihnen genannt habe gelten für alle diese Decken, nicht nur für ihre und nicht nur für dieses eine Deckenfeld. Schon 2 Deckenfelder weiter kann es auch bei Ihnen anders aussehen, was dann? Wollen Sie alle Füllungen rausreißen um festzustellen wieviel sie wirklich wiegen? Solche Werte werden für statische Berechnungen verwendet und nicht um Langeweile totzuschlagen.
Bei solchen Werten wurden (und werden) immer gewisse Zuschläge zur Sicherheit draufgelegt.
Ihren Wert müssten Sie statistisch mit einer Serie von Messungen bestätigen oder das Seriengewicht rechnerisch ermitteln (dabei wird es schon höher) und dann in der statischen Rechnung mit einem weiteren Sicherheitsbeiwert noch einmal erhöhen.
Ein Beton C 20/25 bricht normalerweise auch nicht bei 20 N/mm² sondern bei einem höheren Wert.



Deckenlast



Dann wäre es einfach nur schön gewesen, wenn zu den in Ihrem ersten Posting genannten Werten mal noch 2 - 3 erklärende Worte zu den Tolleranzen auftauchen würden. Diese Feinheiten kann ein Laie schlecht erschätzen oder in der Glaskugel sehen.

Der gesunde Menschenverstand sagt mir durchaus, dass keine 192kg auf's Gramm genau in einem Quadratmeter Decke zu finden sind, dass 30kg +/- durchaus in der Tolleranz liegen, war bisher nicht ersichtlich und für mich in der Menge des herausgeschleppten Zeug etwas unvorstellbar (das wären knapp 4 zusätzliche Eimer Lehm gewesen).

Zu den Decken - ich hätte noch ein paar Quadratmeter um das in irgendeiner Form genauer zu machen, die Mühe spare ich mir einfach, denn nun habe ich einen brauchbaren Richtwert, was das Haus tatsächlich kann und ich denke mit rund 1,2kN/m² bin ich auf der sicheren Seite.

Trotzdem vielen Dank.

Die Frage von der Kellergassenkatze bzgl. Lehm wurde auch noch nicht beantwortet - was spricht dagegen?



Deckenlast



Ich habe in meinem ersten Beitrag das Wort "Berechnungsgewicht" als Erläuterung verwendet. Üblich ist der Begriff Lastannahme für Eigenlast. Da stecken die Worte "Berechnung" und "Annahme" drin.
Das solche Werte nicht das reale Gewicht einer realen Decke abbilden sollten Sie sich denken können. Sie haben ja selber nach einem "Richt-oder Mittelwert" gefragt.