Schilfrohrmatten/Lehm/Innendämmung

12.12.2006



Hallo,

Eventuell will ich in meiner Wohnetage (Fachwerkhaus Bj1795, Fichtenbalken Sandsteingefache) eine Innendämmung anbringen.
Dazu sollte ich wohl allen Gips ect von den Wänden entfernen.
Dann dachte ich an Schilfrohrmatten und darauf min 4cm Lehm (inkl Wandsockelheizung).
Laut Glaser ist das schlecht (Taupunkt im Fachwerk).....
Unger Diffutherm lösen das Taupunktproblem ja durch eine Lehmschicht zwischen Holzweichfaserplatte und Wand...muss/soll ich das auch tun?
Wenn ja, welcher Lehm in welcher Dicke ist zu empfehlen?
Wird ja alles recht Dick (30cm Wand, 15cm Schilfrohrmatte, 4cm Lehm + ggf Lehmzwischenschicht.´...)

Gruß

Andrea





Warum 15 cm Schilfrohrmatte?
Welcher U-Wert soll denn erzeugt werden?
Fichte und Sandstein sind auch nicht so ideal,
einer Eiche/Lehm-Konstruktion kann man etwas mehr zumuten.

Versuchs mal mit 40 bis max.60mm Holzweichfaser vollflächig in Lehm,
mehr ist wohl nicht vertretbar,
Und der U-Wert ist dann schon geviertelt.

Viele Grüße,
Philipp Kawalek



Aufbau und Holzweichfaser



Hallo Phillip,

Die 15 cm wurden von meinem Energieberater empfohlen (die genauen Zahlen hab ich nicht mehr im Kopf...Schilfrohrmatten haben lambda 0,056).
Ich hab das Berechnungsprogramm auch und werde mal schaun ob 10cm nicht ausreichen.
Die Fichte und der Sandstein sind seit über 200 Jahren dort und bleiben natürlich.

Holzweichfaser hat doch lambda 0,045 oder? Wie wird da der Wert auf die Dicke geviertelt???

Für 5cm Schilfrohrmatte zahle ich 9,50 Euro pro m². Bei Holzweichfaser liege ich sicher weit über diesem Preis, oder?
Was wäre der große Vorteil?

Sonst ist Deine Lösung wohl auch der Lehm zwischen Dämmschicht und Wand wenn ich Dich richtig verstanden habe?

Grüße
Andrea





Hallo Andrea,

vorweg, Energieberater bin ich nicht,
ich habe auch selbst keinen, aber bin in einer ähnlichen Bauphase.

Der Taupunkt liegt derzeit sowieso im Fachwerk,
aber weiter außen, Kondensat wird kapilar verteilt,
und kann innen wie außen abtrocknen.
Dein Fachwerk soll natürlich noch länger halten,
als wir selbst erleben werden, dazu sollte es man entsprechend behandeln.
Mit Eiche/Lehm meinte ich natürlich, daß diese Kombination
etwas bessere Eigenschaften hat, das Holz ist dauerhafter,
der Lehm hat bessere kapillare Leitfähigkeit und eine niedrige Ausgleichsfeuchte als Sandstein (welcher?).
Also sollte man noch mehr aufpassen bei Fichte/Sandstein.

Innendämmung verlagert den Taupunkt nach innen,
schlimmstenfalls kondensiert der Wasserdampf in der Dämmung selbst,
dessen Dämmeigenschaften dann stark abnehmen.
Wenn das Kondensat dann nicht nach Innen oder Aussen abgeführt werden kann,
Voraussetzung dafür ist ausreichend kapillare Leitfähigkeit,
kann es auch noch gammeln.

Sowohl die Schilfplatten, als auch die Holzweichfaserplatten
werden mit Lehm vollflächig auf die Innenwand aufgebracht,
der Lehm sichert die kapillare Leitfähigkeit.
Ob das bei 10-15 cm Schilfrohr noch gegeben ist,
glaube ich nicht, da dazu die Schilfplatten mit Lehm durchgetränkt sein müßten.
Wo der Taupunkt dann liegt kann ich hier nicht absehen,
da lieber mal das Programm bemühen.

Zu den Preisen, ich wäre froh, wenn ich hier das Schilf
so günstig bekäme, die HWF-Platten kosten hier so
knapp 7 € für 40 mm /m².
Man muß ja nicht unbedingt den Hersteller auswählen,
der den Nachweis für sein Produkt erbracht hat,
wenn die Rohdichte ähnlich ist, tun die sich alle nichts.
Für Schilf gibt es ja auch keinen Nachweis.
(pavatex, unger, steico, gutex -> alles das gleiche,
nimm den günstigsten Anbieter mit vergleichbarem Produkt).
(Am Rande für alle: Unger Multigrund = Dampfbremse, ist für Unger-Diffutherm Innendämmung vorgeschrieben!)

Aber meine Frage nochmal:
Welcher Dämmstandard soll erreicht werden,
und warum empfiehlt der Berater eine etwas 'ausgefallene' Lösung?
Müssen da irgendwelche Werte zwingend eingehalten werden?

Viele Grüße,
Philipp Kawalek



Bei



diesem geplanten Aufbau ist die Weichholzfaserplatten auf jeden Fall die bessere Alternative, da hier Feuchtigkeit besser transportiert wird.

Ob eine Innendämmung in der Stärke sinnvoll ist wage ich zu bezweifeln.

Strahlungswärme ist bei der geplanten Maßnahme hilfreich, leider aber nicht durch Glaser erfassbar.

Grüße Gerd





Hallo Phillip,

Bei Unger werden die Holzweichfaserplatten auf ca 3cm Lehm aufgebracht. Ich denke dass das deshalb gemacht wird, damit der Lehm das Feuchteproblem in der Dämmung löst welches man wegen der Verschiebung des Taupunktes hat. (?)

Normalerweise geht man dort aber nicht davon aus, dass auf die Dämmung noch 4cm Lehm aufgetragen wird und eine Wandheizung im Sockelbereich eingebaut.

Da ich aber genau das vorhabe stellt sich für mich die Frage in wieweit ich meinem Glaser-Diagramm noch glauben kann/muss bzgl Feuchteproblem und Taupunkt.
Brauche ich bei Schilf auch den Lehm in dieser Dicke dazwischen? Oder vielleicht erst recht?

Es gibt ja auch Meinungen, dass die Glaser-Werte bei Fachwerk nicht gültig seien (Mischwände nimmt das Programm eh nicht an).

Schilf möchte ich nehmen, weil ich den sowieso für die Dachdämmung benötige, damit auch Zwischenwände errichte, günstig ran komme und es auch eine zuverlässige Quelle ist (kein Polnischer sondern Türkischer). Allerdings kennt sich mein Energieberater damit nicht aus und kann mir nichts sagen bzgl Diffusion und kapillare Leitfähigkeit.

Bei Holzweichfaserplatten-Herstellern wäre ich doch wählerischer. Die tschechischen kommt für mich erstmal nicht in Frage. Wenn dann Pava- oder Gutex, aber die sind ein bisle teurer.
Mit 40mm Holzweichfaser erreichst Du keine besondere Dämmung.
Dass ich versuche mich an die EnEV-Vorlagen zu nähern hat weniger damit zu tun dass ich diese für sinnvoll oder gut halte, sondern damit, dass ich ja vielleicht mal auf die Idee kommen könnte zu vermieten.
Ausserdem möchte ich natürlich eine sinnvolle Dämmung haben, die mir ein paar Kubikmeter Holz einspart in den nächsten Jahrzehnten.

Also zwingend eingehalten werden muss da nichts. Ich möchte nur das angenehme Wohnklima erhalten, es warm haben und mein Haus nicht schädigen.

Vielleicht findet sich noch jemand hier, der uns die Vor- und Nachteile von Holzfaser und Schilf erklären kann und die entsprechenden Aufbauten kennt?????

Grüße

Andrea





Hallo Andrea,

du brauchst WUFI, dann klappt es auch mit den Diagrammen.

Mal in Stichpunkten:
3 cm Lehm, weil dünner schlecht geht, und man in der Regel auch Unebenheiten der Wand damit ausgleicht.

Der Innenputz und die Sockelheizung verbessern die Situation tendenziell, Dämmwirkung Lehm eher gering.

Schilf habe ich auch in Erwägung gezogen, würde ich auch verwenden, je nach beabsichtigtem Zweck halt.
Wenn Taupunkt im Schilf, und keine Lehmdurchdringung:
Diffusion hoch, kapillare Leitfähigkeit gering. Risiko.

Dämmung von 40 mm Weichfaser:
Ich habe 50 cm Sandstein: U-Wert ca. 2,38
Mit 40mm HWF sind es nur noch 0,70 und ich kann meine Steckdosen endlich versenken (DAS ist mir wichtig).
Wenn die Wände das Problem wären.
Ich habe etwa 90 m² Wand, bei dT=35K ergibt das bei mir ca 2,5 kW,
dann doch lieber Undichtigkeiten und Fenster verbessern.
(Ja, es gibt auch Dach und Boden)

Meiner Meinung nach ist hier weniger mehr,
insbesondere wenn man das Kapital dann an wichtigeren Stellen gezielt einsetzt.
Dieser herauskragende Bauteil nach hinten dürfte
z.B. auch von unten unangenehm kalt werden,
welche Lösung schwebt Dir da vor?

Viele Grüße,
Philipp Kawalek





Hallo andrea

Du hast in einem anderen artikel geschrieben das du außen dämmen willst, suchst du momentan noch alternativen? Die Außendämmung ist eigentlich die bessere Lösung. Und wenn du sowieso den Giebelbereich außen dämmen wolltest würde ich mir eher überlegen die Dämmung bis runter zu ziehen, das gibt dann ein einheitliches Bild und ist besser als mal aussen und mal innen zu dämmen mit der ganzen Wärmebrücken und anschlußproblematik.
War nur so ein Gedanke, hat vielleicht nicht direkt mit deiner Frage zu tun.
bis demnächst
dorothée





HAllo,

@ Dorothèe

Mein Haus ist auf der ehemaligen Stadtmauer erbaut. Erdgeschoss (von der Strasse aus gesehen) bzw die unteren 2 Stockwerke(vom Graben aus gesehen) sind recht stattliche Sandsteinwände (60-100cm), die möchte ich gar nicht dämmen!
Auf den Steinmauern sitzt das dezeitige Wohngeschoss aus Fachwerk. Ich möchte eigentlich auf dieser Etage das Fachwerk sichtbar machen, so es gut aussieht (noch steckt es ja unter Putz und wasweissichwas); Dazu die Innendämmproblematik.
Über der Wohnetage wird ein großer Raum im untersten Dachgeschoss gedämmt. Dies geschieht durch Untersparrendämmung und eine Aussendämmung an der Giebelseite (Über dem Fachwerk wird dann der gesamte Giebel mit einer Schlupf-Deckel Holzfassade verkleidet).

So stelle ich mir das jedenfalls vor und muss jetzt schaun was machbar ist.
Das mit den Fenstern hast Du ja sicher schon gelesen. Dachfenster sind nicht wirklich schön, aber ich brauche nun mal Licht unterm Dach wenn ich da oben wohne bis die Wohnetage fertig ist.

@ Phillip

WUFI kenne ich nicht. Muss ich wohl mal danach googeln. Kenne nur "Eva".
Der Überhang am Haus ist nicht ganz einfach, das ist mir klar. Noch habe ich mir den Deckenaufbau nicht anschaun können, hoffe aber dort die Dämmung nach unten machen zu können (die Decke wird von oben gedämmt, da hab ich genug Platz).
Alles unterhalb des Vorsprungs ist ziemlich dicke Sandsteinbruchmauer, bzw auf der Balkonseite ist die Decke leider aus Beton (da haben die Damen in den 60ern halt unbedingt einen Balkon haben müssen). Eventuell lässt sich das Ganze nur von aussen einpacken, aber noch suche ich geeignete Lösungen anderer Art (Da ist ja auch gleich ein Fenster drunter).
Auf jeden Fall wäre ein Lottogewinn das Ende des Balkons und Betons. ;o)


Grüße

Andrea