Dämmung, Grad, Installationsebene

13.12.2016



Hallo, wir leben im Erdbebengebiet und haben genug von der ständigen Angst in unserem Ziegel-Altbau.
Wir wollen ein Haus in Holz-Ständerbauweise bauen, einstöckig, Pultdach, nur ca 100m2 WNFL, Heizung mit gemauertem Ofen.
Bodenplatte Ortbeton + Dämmung. Wände innen und aussen Holzoptik.
Keine Installationsebene.
Welchen Boden/Wand/Deckenaufbau würdet Ihr uns empfehlen? Welche Dämmung? Lüftungsanlage?
Wir haben hier im Sommer bis zu 40 Grad und im kurzen Winter ab und zu null Grad, nie darunter.
Das Haus soll vor Ort in unserer danebenliegenden Scheune von unserem Zimmermann (Meister) gebaut und aufgestellt werden.
Niedrigstenergie-Standard.



Nahezu Erdbebensicher



Dürfte ein Strohballenbau sein nicht Lasttragend also mit Holzständerwerk.innen Lehmputz aussen Kalkputz (aus Brandschutzgründen) und auf den wetterseiten Holzverkleidet.

Nätürlich auf einem Gemauerten Sockel um Das Haus Vor Spritzwasser zu schützen.

die Decke dann aus Holz ,Schornstein aus Edelstahl und nix Gemauertes,dann dürfte das Bis auf die Dachpfannen alles zumindest stehenbleiben und auch bei Erdbeben wenig Schaden erleiden,
Soviel zur Theorie nur hab ich noch nie son Haus einem Erdbeben ausgesetzt, das haben aber andere Schon gemacht.

07.04.2009 - In einer Erdbeben-Simulation an der University of Nevada,eventuell mal Google bemühen.

gutes gelingen Flakes.



Erdbebensicherheit



Es gibt in Italien ausgezeichnete Bauingenieure die Bemessungs- und Konstruktionsprizipien für Erdbebensicherheit beherrschen, die Bauvorschriften kennen und auch mit dem Baumaterial Holz umgehen können. In Norditalien gibt es eine lange Holzbautradition auch in der Vorfertigung.
Es macht sicher Spaß hier über Spaceframe, Strohballenhäuser und Holztafelbauweisen zu diskutieren aber den Fragesteller bringt so etwas sicher nicht weiter.



Erdbebensicheres Haus für Italien



Leider sind übliche Ziegelbauten, auch aufgrund der kaum vorhandenen (Überlebens-) hohlräume erdbebentechnisch ungünstig.
Wenn bei euch genügend Strohballen in guter Qualität zu bekommen sind ist ein einstöckiges Gebäude auch lasttragend ohne Holzständer erdbebensicher.
Die Wände sollten dann beidseitig mit Betonstahlmatten versehen und durch die Wände miteinander verbunden werden.

Konstruktiv einfacher ist das als Flachdach zu bauen mit EPDM Folie.
Dachpfannen als Pult- oder Satteldach sind ebenso möglich, wenns besser ins Ortsbild paßt.

Beim Dach können Strohballen zur Dämmung in Stegträger eingelegt und zur Brandsicherung mit einer Lehmschicht versehen werden.

Das komplette Gebäude zB auf einen Holzkranz stellen, der auf ausrangierten Autoreifen gelagert wird.
Die nehmen den Großteil der kinetischen Energie eines Erdbebens auf und sind gratis zu bekommen.
In dem Fall auch den Fußboden als Holzkonstruktion ausführen.

Großen Dachüberstand vorsehen, der zB als umlaufende Terrasse genutzt werden kann und die Wände schützt.

Holzbauten aus CLT oder Holzständerkonstruktion sind auch erdbebensicher,
diese besser mit dicker Dämmung aus Zellulose oder Holzfaserplatten.
Passivhausstandard ist mit jeder Bauweise möglich.

Eine Lüftungsanlage müßte die Luft zB aus erdgeführten Rohren entnehmen, um Kühlung zu erzeugen oder Erdwärme vorsehen, die bei entsprechendem Heizsystem auch kühlen kann.
In welcher Region soll das Gebäude entstehen?
Ich wohne (meistens) 3h nördlich von Venedig.

Andreas Teich



Ich habe einen Freund,



...welcher mit Jugendlichen und auch im erdbebengefährdeten Gebiet, Holzständerkonstruktionsbauten errichtet hat.
Ohne Fundamente!!!
Auf Rundsteine in Erdhülsen gestellte Ständerkonstruktionen.



nein:)



Es macht keinen Spass hier über sowas zu disskutieren..
aber bei Näherer betrachtung scheint son Strohballenhaus auch in Italien nixneues zu sein,hab grad mal auf ner Seite gestöbert Case di Paglia..auf Baubiologie at. die Leute die bereits son Haus besitzen haben ja , diesbezüglich bestimmt was zu Erzählen .
grade wenn es um den Aspekt Niedrigstenergie geht ist das ja nun auch nicht der schlechteste Baustoff:)

aber ich wollt ja auch eigentlich nur maln Dankanstoß geben ..

greets Flakes.



Sommerlicher Wärmeschutz...



...kann auch problemlos durch eine Holzfasereinblasdämmung erreicht werden.
Weitere Details sind sicherlich in engeren Gesprächen möglich.



etwas anders...



Bei einem einstöckigen Holzbau muss man sich schon anstrengen, um bei Erdbeben Probleme zu bekommen.

Was sind eure Erwartungen im Sinne von "Niedrigstenergie" ? Passivhaus ? Net zero ?

Ich würde einige der Vorgaben ändern.

Innen Holzoptik: machbar, aber wahrscheinlich teuer.

Keine Installationsebene: Installationsebene kann Wärmebrücken von den Holzständern mildern, und minimiert die Anzahl Durchdringungen der Dampfbremse.

Wandaufbau z.B.

Gipsfaserplatte
ausgedämmte (z.B. Holzflex oder Steinwolle) Installationsebene
OSB als Versteifung und Dampfbremse, Fugen abgeklebt
einfaches Ständerwerk, mit Zellulose ausgeblasen
Holzweichfaserplatte
Lattung für Hinterlüftung
Holzschalung

Dachaufbau z.B.

Gipsfaserplatte
OSB Verlegeplatten als Dampfbremse
Sparren aus Stegträgern, dazwischen Zellulose
Holzweichfaserplatten
UV beständige Unterdachbahn
Solarzellen, vollflächig verlegt...

Lüftung würde ich bei Küche und Bad Luft absaugen, rückgewärmte Frischluft vielleicht in einen Flur blasen.

Gemauerter Ofen ist zwar schön, aber aufwendig. Vielleicht ein fertiger Ofen mit Wasserregister, Wärmespeicher + Fussbodenheizung ?

Besorgt euch im Zweifelsfall ein Abo von Holzbau / neue Quadriga, in deren Archiv kann man immens viel lernen.





Ich bedanke mich vielmals für Eure Anregungen!
Meine höfliche Anfrage ist sehr ernst gemeint, wollte auch Niemandem die Zeit stehlen dem meine laienhaften Fragen keinen Spass bereiten!
Wir leben in den Marken, ca 1h Autofahrt südlich von Ancona am Land.
Es ist echte Todesangst die uns veranlasst unser altes E + 2 Ziegelhaus baldmöglich aufzugeben, wir wohnen nur 46 km vom Epizentrum...
Das 2. OG ist schwer beschädigt, haben wir nun mit Stahlankern zusammenschrauben lassen, nachdem sich die Ecken um ca 4cm geöffnet hatten und unzählige Risse keine Zukunftsgedanken in diesem Haus zulassen.
Deshalb die sofortige Entscheidung: Ebenerdig, Holz.
Wandaufbau:
Paia (Stroh) + innen Lehm und aussen Kalkputz in lasttragender Holzkonstruktion kann ich mir vorstellen mit einer versteifenden Plattenschicht innen (möchte ja auch mal einen Nagel einschlagen können.
Dampfsperre? wo? und welche?
Luftdichtheit?
Sinkt Stroh nicht mit der Zeit in sich zusammen?
Installationsebene wollte ich mir sparen da Bad/Wc/Küche nebeneinander platziert werden und von unten bedient werden. Elektroleitungen können ebenfalls in Boden und Decke geführt werden.

Dachkonstruktion als Pultdach südgeneigt, Doka-Stegträger auf Holzkranz, aussen und innen Plattenversteifung abgeklebt, dazwischen Einblasdämmung. Aussen Bitumen, ( ist das genug? UV?) darauf vollflächig Photovoltaik + Warmwasserkollektoren.
Bodenkonstruktion:
Holzkonstruktion auf Punktfundamenten ( Untergrund gewachsener Lehmboden) oder soll ich eine Bodenplatte + Streifenfundamente giessen lassen? Dämmung?
3-seitig ums Haus muss ein schattenspendender überdachter Terrassenbereich - Tiefe 3m - entstehen da wir im Sommer ansonsten verglühen..., nordseitig nur Vordach.

Kann das alles so funktionieren???
Was habt Ihr für Bedenken? Anregungen?

Der zentral gelegene gemauerte Ofen muss sein, einerseits da wir selber Unmengen an Brennholz haben und anderseits gerne Holz machen und gerne heizen.
Wasserführend mit Speicher muss ich den Fachmann fragen wie man das kombinieren kann, kenne ich mich absolut nicht aus.
Das Haus soll einen grossen Raum erhalten in welchem Kochen, Essen und Wohnen stattfindet, nur Schlafen, Bad und WC bekommen eigene Räume. Wie ich diese beheize weiss ich noch nicht...
Alle Nebenräume kommen in die danebenliegende (Ziegel) Scheune.

Die feuchte Kälte in südlichen Gefielden fühlt sich manchmal sehr viel kälter an als Ihr Nordländer es gewohnt seid.
Wir wohnen 20 Minuten von der Adriaküste und 1h von den Schibergen Monti Sibelini und Gransasso, umgeben von Weinbergen und Sonnenblumenfeldern. Monte Giberto (FM) falls Jemand googlen möchte.
Trotz Erdbeben finden wir das Italienische Leben hier genial und möchten nie mehr wegziehen.

Liebe Grüsse und danke für Eure Gedanken und Anregungen!
martin-held@gmx.at, 00390734277707

Martin (68) ehemals Tirol und Sabine (46) ehemals Quedlinburg.



noch mehr



Was wollt / könnt ihr in Eigenleistung machen ?

z.B. eine Holzfassade kann ein Zivilist leichter selber zusammenhäkeln als einen sauberen Verputz. Gerade bei grossem Dachüberstand muss das auch nicht alles auf einmal geschehen.

Noch einmal wegen der Installationsebene: ich spreche hier von ~ 4 bis 6 cm, nicht einer dicken Vorwand. Es ist zeitsparend wenn man die Elektroinstallationen nicht überall abkleben muss.

Die Lattung in der Installationsebene ist waagrecht, und bricht damit die Wärmebrücke der Holzständer. Die Holzständer kann man mit normalem KVH nicht unendlich tief machen kann, ausser man nimmt Stegträger - nicht unbedingt billig.

Gipsfaser gibt mehr thermische Masse als Gipskarton oder Holzverkleidung.

Eine Bodenplatte gibt thermische Masse, und ist besser bei Erdbeben als ein Streifen- oder Punktfundament. Das XPS unter der Platte ist natürlich nicht so umweltfreundlich, aber das sind überschaubare Mengen wenn man die Dämmstärke nicht übertreibt.

Auch wenn ihr nicht Passivhaus anstrebt, könnte die PHPP Software interessant sein, um das ganze auf Heizlast und Hitze im Sommer durchzurechnen.

Mit vielen Solarmodulen auf dem Dach könnte man es sich erlauben, im Bad und WC etwas elektrisch zuzuheizen.



Statik



Das soll jetzt keine Kritik sein Herr Held, aber über wieviel Kenntnisse in Statik, Festigkeitslehre und insbesondere über die Konstruktionsprinzipien für erdbebebsicheres Bauen verfügen Sie?
Nicht das Material macht den Unterschied, es ist die Konstruktionsweise.



Erdbebensicheres bauen



Aus den USA:

http://oregonstate.edu/instruct/oer/earthquake/13%20chapter%2011_color.html

Man beachte dass dort traditionell mit 2x4 Ständern (ca. 38 x 89 mm) gebaut wird, oder wenn es hoch kommt 2x6 (38 x 140 mm).



Ganz einfach kurze Wege nutzen



Architekturbüro für gesundes und umweltverträgliches Bauen:
Michael Nothhelfer, Architekt BDB und Schreiner
Am Rebösch 10
88662 Überlingen
t +49 (0)7551-645 85
f +49 (0)7551-644 06
info@haeuserauslehm.de

Ich habe mich soeben mit Herrn Nothhelfer zu ihrem Thema telefonisch unterhalten und er ist guter Dinge, dass es mit einem überschaubaren Aufwand möglich ist, ihre Ideen zum tragen zu bringen.



Wenn man wirklich



erdbebensicher bauen will, macht man einfach ein Fachwerkhaus, das ist die sicherste Variante.

aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten.



Nochmal zum Spass..



Die bemerkung das diese Disskussion hier im Forum keinen Spass macht bezog sich auf das Thema Stroballenbau welches,hier im Forum,eigentlich eher Belächelt wird.

Ihr Problem mit der Erdbebensicherheit ist definitiv kein Spass sondern eine Ernstzunehmende Angelegenheit,

Mein Kommentar bezog sich auf den Möglichen spass den eine Disskussion über Spaceframe und Holztafelbauweisen...als Kommentar von Herrm Böttcher.

und nu Zum Stroh und dessen Verformung..
Nein Fachgerecht Hergestellte Baustrohballen die auch noch Fachgerecht eingebaut wurden Verformen sich nicht,
Vorraussetzung ist Natürlich eine Vorhandene Statik am Besten von Jemand der sich eingehend mit der Thematik Beschäftigt.
Bezüglich Vorspannung der Ballen beim Einbau,Ballendichte,und Halmrichtung beim Einbau Horizontalkräfte bei Windlast etc..

Das Haus Aufstellen kann der Oben Genannte Zimmerermeister bestimmt mit Freuden..


Ganz wichtig ist auch Die Strohqualität mit Strohhäcksel kann man auch nix bauen..sprich es Braucht Langstroh möglichst mit einem Tangentialdrescher gedroschen und nicht etwa mit einem Axialdrescher weil dann hat man mehr Häcksel..

diesbezüglich kann ich ein Buch empfehlen..Minke/Krick Handbuch Strohballenbau. da stehen so einige Projekte ausführlich erklärt.

man kann sogar Baustrohballen kaufen denk ich..

Ist halt ne Glaubensfrage ob man mit Stroh Bauen würde , ich war selbst der größte Kritiker,dann durfte ich vor 11 Jahren mal beim Bau eines Strohballenhauses einblicke gewinnen,und habe daraufhin meine Meinung über diesen Baustoff nochmalüberdacht.
Und nein Das Haus ist nicht Abgebrannt es Wohnen keine Mäuse in den Wänden und Pilze müssen bie Bauherren immernoch beim Gemüsehändler kaufen also ein Haus wie jedes andere auch..
Die leute dort haben auch Nur einen Wasserführenden Ofen und Solarpaneele auf dem Dach ,Wandflächenheizung mit Lehm und keine Zusätliche Heizung Öl/Gas und das funktioniert.
allerdings haben die auch n eigenen Wald ..

gutes gelingen wünscht Flakes.